Mindestens 212 Tote bei Protesten in Nicaragua

Die Zahl der Todesopfer bei den Massenprotesten in Nicaragua ist auf mindestens 212 gestiegen. Wie die Interamerikanische Menschenrechtskommission gestern in Washington mitteilte, wurden bis zum vergangenen Dienstag zudem mehr als 1.300 Menschen verletzt.

Die „Unterdrückung und Kriminalisierung“ der Demonstranten und der Protestbewegung in Nicaragua habe „schwerwiegende Menschenrechtsverstöße“ zur Folge gehabt, hieß es in einem fast hundertseitigen Bericht zu den Massenprotesten. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission ist ein unabhängiges Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Vermummte Demonstranten in Nicaragua

APA/AFP/Marvin Recinos

Proteste im ganzen Land

Nicaragua habe Gewalt eingesetzt, um die Menschen von einer Teilnahme an den Protesten abzuhalten und die Äußerung abweichender politischer Meinungen zu unterdrücken. Die Kommission forderte die Regierung auf, eine „rechtsstaatliche, demokratische und friedliche Lösung für diese Menschenrechtskrise zu erreichen“.

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Staatschef Daniel Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Ortega schließt einen Rücktritt aus. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Jänner 2022.