Türkei: Hunderttausende für Opposition auf der Straße

Zwei Tage vor den Wahlen in der Türkei hat die Opposition Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit einer Massenkundgebung in der Hauptstadt herausgefordert. Hunderttausende Menschen kamen gestern Abend zu einem Auftritt des Kandidaten der Republikanischen Volkspartei (CHP), Muharrem Ince. Dabei forderte Ince den Präsidenten zu einem Fernsehduell auf. „Morgen ist der letzte Abend. Stellen Sie sich mir, wenn Sie den Mut haben“, rief Ince an Erdogan gerichtet.

Massendemo in Istanbul

APA/AFP/Kayhan Ozer

In der Türkei finden morgen vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Erdogan geht als Favorit in die Wahl, doch ist offen, ob er in der ersten Runde eine Mehrheit erhält. In einer der letzten Umfragen kam Erdogan auf 48,2 Prozent vor Ince mit 29,1 Prozent. Andere Meinungsforschungsinstitute erwarten dagegen einen klaren Sieg Erdogans. Allgemein gelten Umfragen in der Türkei als wenig zuverlässig.

Weitere Kundgebungen angekündigt

Verfehlt Erdogan im ersten Anlauf die absolute Mehrheit, muss er am 8. Juli in eine Stichwahl - vermutlich gegen Ince. Dann könnten andere Oppositionsparteien den CHP-Kandidaten gegen Erdogan unterstützen. Laut Umfragen könnte das Bündnis von Erdogans islamisch-konservativer AKP und der ultrarechten MHP zudem die Mehrheit bei der Parlamentswahl verfehlen.

Am Donnerstag waren bereits Hunderttausende Menschen zu einer Massenkundgebung Inces in der westtürkischen Küstenstadt Izmir gekommen. Heute will Ince noch eine Großkundgebung in Istanbul abhalten. Auch Erdogan hat zu einer Großkundgebung in Istanbul aufgerufen.

600.000 sollen Wahl beobachten

Die türkische Opposition will zudem bei der Wahl der regierenden AKP genau auf die Finger schauen. Insgesamt planen die drei großen Oppositionsparteien rund 600.000 Wahlbeobachter und -beobachterinnen zu den Urnengängen zu schicken. Erstmals hat sich die Front gegen Erdogan aus Oppositionsparteien, NGOs und Medien gemeinsam in einer Plattform organisiert.

Mehr dazu in CHP: Zwei Menschen pro Urne