Spanien lehnt Aufnahme von Rettungsschiff „Lifeline“ ab

Spanien will das deutsche Rettungsschiff „Lifeline“ mit rund 230 Flüchtlingen an Bord derzeit nicht in einem seiner Häfen anlanden lassen. Zwar wolle das Land ein humanitäres Gesicht zeigen, wie es durch die Aufnahme der Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff „Aquarius“ gezeigt habe, sagte der Minister für öffentliche Arbeiten, Jose Luis Abalos, heute in einem Interview mit dem spanischen Radiosender Cadena SER.

das deutsche Rettungsschiff "Lifeline"

APA/AFP/Mission Lifeline/Hermine Poschmann

„Aber es ist eine andere Sache, jetzt zur maritimen Rettungsorganisation für ganz Europa zu werden“, so der Politiker, der für die Häfen in Spanien verantwortlich ist. Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, hatte am Vortag angeboten, als „sicherer Hafen“ für Flüchtlinge zu dienen. „Ja, wir haben Häfen, Barcelona, Valencia, Palma. Aber Spanien kann diese Verantwortung nicht alleine übernehmen“, sagte Abalos dazu.

Premier Sanchez will „europäische Front“ gründen

Spaniens Premier Pedro Sanchez kündigte unterdessen an, sich für die Gründung einer „europäischen Front“ einzusetzen. „Wir wollen eine europäische Front gründen, die die Europhobie bekämpft“, so der Sozialdemokrat im Interview mit der römischen Tageszeitung „La Repubblica“ (Montag-Ausgabe).

„Die Europhobie ist die größte Bedrohung für die EU. Es gibt Regierungen wie jene in Italien, die eine antieuropäische Position vorantreiben, bei der dem nationalen Egoismus Vorrang gegeben wird. Eine Ursache dafür ist der bisherige Mangel an Solidarität seitens der EU gegenüber einem Land, das eine halbe Million Menschen aufgenommen hat“, so Sanchez.

„Gemeinsame Lösungen für Migrationsfrage“

Der beste Weg zur Bekämpfung der „Europhobie“ sei die Förderung einer stärkeren Integration. „Wir sind eine europafreundliche Regierung. Wir suchen nach gemeinsamen Lösungen für die Migrationsfrage“, so Sanchez.

Spanien werde gegenüber „humanitären Tragödien“ wie jener der Menschen auf Irrfahrt an Bord der Schiffe „Lifeline“ und „Alexander Maersk“ nicht unsensibel reagieren, versicherte der Premier. „Es ist jedoch offenkundig, dass Spanien allein keine Antwort auf die Flüchtlingskrise geben kann“, sagte Sanchez.