„Far Right“ Kurz: Journalist entschuldigte sich nicht

Ein Artikel der „Financial Times“, in dem Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) als „Rechtsaußen-Politiker“ („far right“, Anm.) bezeichnet wird, hat in der heimischen Innenpolitik für Wirbel gesorgt. „So sieht Europa Sie“, sagte Liste-Pilz-Klubobmann Bruno Rossmann gestern. ÖVP-Chef Kurz sagte laut APA, dass die „FT“ die Stelle „korrigiert und sich entschuldigt“ habe.

Screenshot ft.com hebt die Textpassage "Austrias far right chancellor Sebastian Kurz" hervor

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Auf ORF.at-Anfrage teilte der Journalist Edward Luce mit, dass er am Montag von der österreichischen Botschaft in Washington kontaktiert worden sei. Die Vertretung im Ausland sei besorgt über die Bezeichnung „far right“ gewesen.

Liste Pilz stellt Anfrage

Die Angelegenheit hat nun auch ein parlamentarisches Nachspiel: Die Liste Pilz brachte eine Anfrage an das Bundeskanzleramt und das Außenministerium ein. Darin will die Oppositionspartei unter anderem wissen, ob der österreichische Botschafter von Regierungsseite beauftragt wurde, die „FT“ zu kontaktieren, und ob „regelmäßig“ Medienberichte durch Botschaften oder die Regierung „hinterfragt“ werden.

„Ermöglicher der extremen Rechten“

Der „FT“-Journalist Luce entschuldigte sich nach eigenen Angaben jedenfalls nicht. Er räumte aber ein, den Ausdruck zu adaptieren. „Eine informativere Beschreibung wäre ‚eine Koalition führen würde, die die extreme Rechte einschließt‘", so Luce in einer E-Mail. Im Artikel steht nun auch: "... Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der eine Koalition anführt, die die extreme Rechte einschließt.“

Angesichts der Tatsache, dass Kurz in Zusammenhang mit der Migration von einer „Achse mit Rom und Berlin“ gesprochen hat, wäre es dem Journalisten jedoch angenehmer, ihn als „Ermöglicher der extremen Rechten“ zu bezeichnen. Ob sich die „Financial Times“ entschuldigt hat, ist nicht bekannt. Eine Anfrage blieb zunächst unbeantwortet.

Treffen Putin - Trump in Wien

Die Botschaft in Washington wollte laut dem „FT“-Journalisten übrigens auch wissen, warum er eine Aussage der deutschen Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller zitiert. Sie bezeichnete ein mögliches Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin in Wien als „nicht weise“.

„Ich erklärte der Botschaft, dass diese Bemerkungen von ihr kommentiert werden sollten“, so Luce. „Frau Stelzenmüller sagte, sie stehe zu ihren Aussagen.“