NGO: Häftlinge in Russland leisten „Sklavenarbeit“

Eine Menschenrechtlerin hat der russischen Justiz vorgeworfen, Häftlinge auszubeuten. „Gefangene arbeiten wirklich sehr hart, ohne freie Tage und Pausen. Das ist auf dem Papier so nicht vorgesehen“, sagte Olga Romanowa von der Gefangenenhilfsorganisation Russland hinter Gittern (Rus Sidjaschtschaja) der dpa. „Es ist Sklavenarbeit ohne Bezahlung. Und sie arbeiten nicht zum Wohle des Vaterlandes, sondern in die Taschen der Chefs.“

„Verletzung von Menschenrechten in großem Stil“

Menschenrechtler sehen keine Verbesserung beim Kampf gegen Willkür und Korruption im russischen Strafvollzug. „Das System ist in sich geschlossen - daher sind auch die massive Verletzung von Menschenrechten und die Korruption in großem Stil möglich“, sagte Romanowa. Besonders viele Straflager gibt es im Westen der Republik Mordwinien, rund zweieinhalb Autostunden entfernt vom WM-Spielort Saransk. Am häufigsten würden Häftlinge in Nähereien eingesetzt.

Nach Angaben des russischen Justizministeriums erhielten arbeitende Häftlinge 2017 im Schnitt 229 Rubel (aktuell 3,16 Euro) pro Tag. Die russische Strafvollzugsbehörde lehnte ein Interview ab und antwortete nicht auf eingereichte Fragen.

Höchste Pro-Kopf-Quote von Häftlingen in Europa

Russland hat die höchste Pro-Kopf-Quote von Häftlingen in Europa, auf 100.000 Einwohner kamen zuletzt 411 Gefangene. Die Behörden seien daran gewöhnt, Probleme durch Wegsperren zu lösen: „Wo kein Mensch, da kein Problem“, zitierte die Aktivistin ein in Russland geflügeltes Sprichwort. „Und ein Mensch in Haft ist genauso, als gäbe es ihn nicht. Es trifft alle möglichen Gruppen: Politische, Unzufriedene, Asoziale, geistig Behinderte, Süchtige. Es ist einfacher, sie einzusperren, als das Problem zu lösen.“