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Umfrage sieht Indien an erster Stelle

Eine aktuelle Umfrage der Thomson Reuters Foundation kommt zum Ergebnis, dass Indien das „gefährlichste Land für Frauen“ ist. Das letzte Woche veröffentlichte Resultat, für das rund 550 Expertinnen und Experten befragt wurden, sieht vor allem die Gefahr für sexuelle Gewalt und Sklaverei besonders hoch an.

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Die letzte Umfrage im Jahr 2011 sah Indien noch auf dem vierten Rang - hinter Afghanistan, der DR Kongo und Pakistan. Nach Ansicht der Befragten sei der erste Rang für Indien ein Zeichen, dass nicht genug getan wird, um die Gefahren für Frauen zu verringern.

„Völlige Respektlosigkeit und Geringschätzung“

Indien setzte sich vor mehr als fünf Jahren zum Ziel, die Gewalt gegen Frauen einzudämmen, nachdem eine Studentin in einem Bus erst vergewaltigt und dann ermordet wurde. „Indien hat Frauen völlige Respektlosigkeit und Geringschätzung gezeigt. Vergewaltigungen, Vergewaltigungen in der Ehe, sexuelle Übergriffe und Belästigung und die Ermordung von Mädchen gehen unvermindert weiter“, so Manjunath Gangadhara von der Regierung des indischen Bundesstaats Karnataka.

Daten der Regierung zeigen, dass Verbrechen gegen Frauen im Zeitraum zwischen 2007 und 2016 um 83 Prozent zunahmen. Bis zu vier Vergewaltigungen pro Stunde wurden angezeigt. Das indische Ministerium für Frauen und Kindesentwicklung wies das Umfrageergebnis zurück, als „Versuch, das Land schlechtzumachen“.

Auch Menschenhandel als entscheidender Faktor

Die Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden gefragt, welche der 193 UNO-Mitgliedsstaaten am gefährlichsten für Frauen sind. Außerdem sollten die Befragten bewerten, welches Land am schlechtesten in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft, kulturelle und traditionelle Praktiken, sexuelle Gewalt und Belästigung sowie Gewalt und Menschenhandel sei.

Dabei schnitt Indien auch in den Bereichen Menschenhandel inklusive Sexsklaverei als schlechtestes Land ab. Auch Praktiken wie die Zwangsehe, Steinigungen und Morden an jungen Mädchen trugen dazu bei.

Auch USA in „Top Ten“ vertreten

Gleich hinter Indien rangieren Thomson Reuters zufolge Afghanistan und Syrien. Vor allem der Krieg in diesen Ländern trage zu der katastrophalen Situation für Frauen bei. Der afghanische Gesundheitsminister Ferozuddin Feroz sagte, dass der schlechter werdende Gesundheitszustand das Leben für Frauen deutlich erschwere. Teile des Landes sind knapp 17 Jahre nach Beginn des Krieges noch immer unter Kontrolle der radikalislamischen Taliban.

Als einziges westliches Land unter den ersten zehn Plätzen waren die USA. Die Befragten sahen die USA beim Risiko für sexuelle Gewalt gegenüber Frauen sogar gleichauf mit Syrien auf dem dritten Platz. Expertinnen und Experten sehen vor allem die „#MeToo“-Bewegung als Auslöser für die Bewertung der USA, die sexuelle Gewalt seit dem letzten Jahr auch medial sichtbar gemacht hat.

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