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Förderstau bremst Ausbau

Der Wind gilt in Österreich nach wie vor als wichtige Energiequelle. Derzeit produzieren laut der IG Windkraft hierzulande 1.260 Windräder mit einer Leistung von 2.844 Megawatt rund sieben Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht rund elf Prozent des Stromverbrauchs. Gerade für die Zukunft werden in Sachen erneuerbare Energie große Hoffnungen in Windkraft gesetzt. Doch deren Ausbau ging in den letzten Jahren kontinuierlich zurück.

Wurden 2014 in Österreich noch 143 neue Windkraftanlagen errichtet, waren es 2017 nur noch 63 Stück. In dieser Größenordnung dürfte es laut der Branche auch in den kommenden Jahren weitergehen. Heuer sollen noch 68 neue Windräder mit einer Leistung von 214 Megawatt gebaut werden, im kommenden Jahr wird dann mit einem Rückgang auf rund 60 Anlagen mit 182 Megawatt gerechnet.

Eine Grafik zeigt Windkraftanlagen in Österreich und die Entwicklung der Megawatteistung

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/IG Windkraft

„Für dieses und nächstes Jahr sind Projekte noch in der Pipeline. Darüber hinaus ist aber vieles unklar“, sagt Stefan Moidl von IG Windkraft. Unter anderem könnten bereits bewilligte Anlagen vielfach nicht gebaut werden, weil es keine Förderzusagen gebe. Zwar wurde mittels der Ökostromnovelle ein 45 Mio. Euro umfassendes Sonderkontingent für den Bau von rund 120 Anlagen geschaffen, das reiche aber nicht aus. Mittlerweile gibt es eine Warteschlange, die sukzessive abgebaut werden soll.

1.700 Windräder für ambitioniertes Ziel

Die ÖVP-FPÖ-Regierung hat in ihrem Programm das Ziel ausgegeben, dass der Strom bis zum Jahr 2030 zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen soll. Für das Erreichen des Klimaziels der Regierung könnte der hinkende Ausbau der Windkraft jedenfalls Konsequenzen haben. Denn laut der E-Wirtschaft sind dafür neben entsprechender Weiterentwicklung in den Bereichen Fotovoltaik und Wasserkraft auch weitere 1.700 Windräder nötig - oder man erhöht die technischen Produktionskapazitäten der vorhandenen Anlagen.

Laut der IG Windkraft braucht es in Österreich „zumindest 100 neue Windräder pro Jahr, um das hohe Potenzial richtig zu nutzen“. Dort hält man eine Erhöhung der Kapazitäten auf 26 Prozent der gesamten Energieerzeugung für theoretisch möglich. Dafür brauche es aber entsprechende politische Rahmenbedingungen.

Windräder

ORF.at/Michael Baldauf

Niederösterreich und das Burgenland, hier im Bild, sind die an Windrädern reichsten Bundesländer

Diese sind noch weitgehend offen: Die Regierung will ihre Klima- und Energiestrategie Anfang April offiziell präsentieren. Das Budget sieht jedenfalls Kürzungen im Umwelt- und Klimabereich vor. Waren 2017 noch 608 Mio. Euro für das Umwelt- und Klimabudget veranschlagt, werden es im Jahr 2018 627 Mio. Euro sein, danach sinken die Mittel und liegen 2022 bei 537 Mio. Euro.

Ruf nach passenden Rahmenbedingungen

Auch an anderen Fronten bietet der Ausbau von Windenergie nach wie vor Herausforderungen. Die Bebauung von Landschaft und Meer bleibt weiter eine Kontroverse, und die Suche nach geeigneten Standorten dürfte mit zunehmender Dichte herausfordernder werden. Die E-Wirtschaft fordert zudem, dass es bei einem höheren Anteil von Windkraft und anderen Formen aus erneuerbaren Quellen auch angepasste Rahmenbedingungen im Stromnetz brauche.

Weil Wind nicht immer verfügbar sei , bringe er auch mehr Volatilität in das Stromsystem. Deswegen seien weiterhin Wärmekraftwerke zum Ausgleich von Schwankungen, aber auch erhebliche Verstärkungen des Stromnetzes erforderlich - unter anderem weil der regional erzeugte Windstrom über große Strecken in die großen Verbrauchszentren gebracht werden müsse. Zudem stehe der Windstrom, etwa von der Parndorfer Platte im Burgenland, im Schnitt nur 2.500 bis 2.700 Stunden im Jahr zur Verfügung - „das Jahr hat aber 8.760 Stunden“.

Durchwachsene Stimmung in EU

Auch im Rest Europas ist die Stimmung in der Branche schlechter geworden. Zwar erreichte der Windkraftausbau in der EU im Vorjahr einen neuen Rekord. Gleichzeitig sind die Investitionen um 60 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro eingebrochen.

Eine Grafik zeigt die europäische Entwicklung von Windkraft von 2005 bis 2017

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/WindEurope

Das sei teilweise mit fallenden Kosten zu erklären, doch auch der Umstieg auf Ausschreibungen bei den Förderungen habe neue Investitionen verhindert, so Moidl. In Europa stellen gerade einige Länder ihr Fördersystem für den Windkraftausbau um, darunter auch Frankreich und Deutschland. Ein Ausschreibungssystem soll Tarifförderungen ersetzen - Branchenbeobachter vermuten einen Preiskampf.

Energiehunger wächst

Grundsätzlich wird der Ruf nach raschem Handeln in der Versorgung mit sauberem Strom aber immer lauter - denn der Energiehunger der Welt wächst. Trotz Sparmaßnahmen dürfte er laut aktuellen Daten bis 2040 um 30 Prozent zulegen. Der Zuwachs entspricht dem heutigen Bedarf von China und Indien zusammen, heißt es im World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur (IEA).

Während in Europa, den USA und Japan der Energiebedarf sinkt, wird es dem Bericht zufolge künftig vor allem in Indien und China einen enormen Mehrbedarf geben. Indien alleine werde knapp 30 Prozent des Mehrbedarfs an Energie verantworten. Dahinter folgen China, Afrika, Nahost und Südostasien. Asiatische Länder kommen damit auf zwei Drittel des zusätzlichen Energiebedarfs.

Dem Bericht zufolge sollten bis 2040 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, wobei Investitionen in China und Indien dazu führen dürften, dass die Fotovoltaik den größten Anteil unter den erneuerbaren Energien erzielt. In Europa dürfte hingegen Windkraft den größten Teil des erneuerbaren Stroms sicherstellen.

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