Nowitschok: Putin lässt „geschlossene Stadt“ öffnen

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Russland will die „geschlossene Stadt“ Schichany öffnen, wo zur Zeit der Sowjetunion in den 1970er Jahren der Nervenkampfstoff Nowitschok entwickelt worden sein soll. Präsident Wladimir Putin habe ein entsprechendes Dekret unterzeichnet, wie eine Sprecherin der Kleinstadt an der Wolga gestern sagte. Das 5.500-Einwohner-Städtchen liegt bisher in einem militärischen Sperrgebiet.

Putins Dekret gibt ihm sechs Monate Zeit, sich auf den geänderten Status vorzubereiten. Das Labor, eine Filiale des staatlichen Forschungsinstitut für organische Chemie und Technologie, sei weiterhin in Betrieb, sagte die Sprecherin. Was nach Putins Anordnung damit geschehe, sei nicht klar. Bisher hatte Schichany den Status einer „geschlossenen territorialen Verwaltungseinheit“.

Zuvor hatte Putin Vorwürfe Londons zurückgewiesen, wonach Moskau hinter den Vergiftungen mit Nowitschok in Großbritannien stecke. London habe keinerlei Beweise dafür vorgelegt, dass Russland für die Vergiftung des russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in England im März verantwortlich sei, sagte Putin dem US-Sender Fox News.

Die „geschlossenen Städte“ sind ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit. In solchen Städten, zu denen der Zugang streng reglementiert war und von deren bloßer Existenz die Öffentlichkeit oftmals nichts wusste, wurden strategisch wichtige und schutzbedürftige Einrichtungen angesiedelt - etwa hoch geheime militärische Anlagen oder wissenschaftliche Forschung.