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Justiz leitet Ermittlungen ein

Die spanische Justiz hat in einer Korruptionsaffäre um Altkönig Juan Carlos Medienberichten zufolge Ermittlungen eingeleitet. Ein Richter am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid habe den früheren Polizeioffizier Jose Manuel Villarejo in diesem Zusammenhang für Donnerstag zu einer Anhörung vorgeladen, berichteten kürzlich verschiedene Medien unter Berufung auf Justizsprecher.

Bei der vorige Woche bekanntgewordenen Affäre geht es um Tonaufnahmen eines mutmaßlichen Gesprächs zwischen einerseits Villarejo, andererseits einem zweiten Mann und einer engen Bekannten von Juan Carlos, über deren Identität gemutmaßt wird. Die Frau beschuldigt dabei Juan Carlos unter anderem der Korruption und Geldwäsche.

Die königliche spanische Familie bei Osterfeierlichkeiten auf Mallorca im April 2018

Reuters/Enrique Calvo

Immer wieder ist die spanische Königsfamilie in Skandale verwickelt

Die Tonaufzeichnungen sollen aus dem Jahr 2015 stammen, wurden aber erst vor einigen Tagen von zwei spanischen Digitalzeitungen veröffentlicht. Darin ist eine Frauenstimme zu hören, die Juan Carlos unter anderem vorwirft, illegale Provisionen in zweistelliger Millionenhöhe kassiert zu haben. Juan Carlos habe sie zudem als Strohfrau benutzt, um Geld und Vermögen am spanischen Fiskus vorbeizuschleusen, behauptet sie.

„Plötzlich ein Grundstück in Marrakesch“

„Eines Morgens stehst du auf und hast plötzlich ein Grundstück in Marrakesch“, sagt die Frauenstimme in den Aufnahmen. Sie äußert die Befürchtung, sie könne der Beihilfe zur Geldwäsche bezichtigt werden, spricht von einem „enormen Alptraum“. Da die Frau sich in den Aufnahmen bei Villarejo darüber beklagt, sie und ihre Kinder seien vom spanischen Geheimdienst (CNI) massiv bedroht worden, bat CNI-Chef Felix Sanz Roldan inzwischen das Parlament um die Möglichkeit einer Stellungnahme. Die entsprechende Anhörung soll ebenfalls am Donnerstag stattfinden.

Glaubt man den Mutmaßungen in spanischen Medien, soll die weibliche Stimme der in Monaco lebenden Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein gehören, die Juan Carlos vor allem zwischen 2006 und 2012 eng verbunden war. Sie sei „eine innige Freundin“ gewesen, wie sie es einmal ausdrückte, die auch in geschäftlichen Dingen ausgeholfen habe. Der andere Mann soll Juan Villalonga sein, ein Ex-Chef des Telekommunikationskonzerns Telefonica.

Ob die Aufnahmen wirklich echt und die Stimmen zweifelsfrei identifiziert sind, ist nicht klar. Sayn-Wittgenstein, zog vergangene Woche in einer Stellungnahme die Echtheit der Mitschnitte allerdings nicht in Zweifel. Die vor 53 Jahren in Frankfurt geborene Tochter eines Dänen und einer Deutschen kommentierte den Inhalt des Gesprächs aber nicht. Sie beklagte jedoch, sie werde durch die Enthüllungen in einen Konflikt hineingezogen, mit dem sie nichts zu tun habe. „Ich habe immer korrekt gehandelt“, versicherte sie.

Polizeioffizier bereits in U-Haft

Polizeioffizier Villarejo sitzt bereits seit November 2017 wegen eines anderen Korruptionsskandals in Untersuchungshaft. Der 66-Jährige soll seit den 1980er Jahren nebenberuflich eine Firma geleitet haben, die im Auftrag zahlungskräftiger Kunden Unternehmer, Journalisten, Politiker, Richter und sogar Mitarbeiter des Geheimdienstes CNI ausspioniert und erpresst haben soll. „El Pais“ schrieb unter Berufung auf die Justiz, Villarejo habe allein zwischen 2013 und 2017 von acht Kunden insgesamt 30 Millionen Euro verlangt. Villarejo soll das Gespräch zwischen den drei Personen heimlich aufgenommen haben. Spekulationen spanischer Medien, der ehemalige Polizeioffizier habe diese Aufnahmen nun Medien gezielt zugespielt, um sich selbst zu helfen, wurden von den Anwälten Villarejos dementiert.

„Machen wir uns aufs Schlimmste gefasst“

Die Zeitung „El Pais“ schreibt von „Dynamit“, Königshausexperte Jaime Penafiel von der „schlimmsten Lage“ seit der Wiedereinsetzung der Monarchie im Jahr 1975. „Machen wir uns aufs Schlimmste gefasst“, warnt der Experte. Der 80 Jahre alte Juan Carlos und das Königshaus gaben bisher keine Stellungnahme ab. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte in einer ersten Reaktion mit, sie respektiere die Entscheidung des Gerichts. Eine Einschätzung wolle man aber noch nicht abgeben, „wir wollen Schritt für Schritt gehen“, sagte Sprecherin Isabel Celaa. Das Schweigen der Monarchen kommt bei Kritikerinnen und Kritikern nicht gut an. So schreibt die Zeitung „El Espanol“ etwa: „Wenn man nichts dementieren kann, kann man sich mit jeder Aussage nur selbst schaden.“

Der Skandal sei Wasser auf die Mühlen der Monarchiegegner, die sich immer lauter Gehör verschaffen würden, analysiert die dpa. Linke Fraktionen im Parlament wie Izquierda Unida und Podemos und auch katalanische Separatisten forderten in der Tat schon eine eingehende Untersuchung. Eine Petition der Onlinezeitung Publico für ein Referendum über die Abschaffung der Monarchie wurde innerhalb weniger Tage von knapp 120.000 Menschen unterzeichnet.

Vor dem Hintergrund einer Serie von Skandalen um das Königshaus - darunter eine Finanzaffäre um Tochter Cristina und deren inzwischen zu knapp sechs Jahren Haft verurteilten Ehemann Inaki Urdangarin - hatte der gesundheitlich angeschlagene Juan Carlos im Juni 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe, heute König Felipe VI. (50), abgedankt. Auch das verlief nicht ohne Skandale, die Kritik an Juan Carlos wegen einer umstrittenen Elefantenjagd wurde immer lauter. Zur Diskussion, ob Juan Carlos nach seiner Abdankung noch Immunität genieße, sagte Justizministerin Dolores Delgado vorige Woche im Parlament, der Ex-Monarch genieße zwar noch Sonderrechte, aber „keine Immunität mehr“.

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