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Betrug und Veruntreuung

In Spanien sitzt zum ersten Mal ein direkter Angehöriger der Königsfamilie hinter Gittern. Der wegen Betrugs und Veruntreuung zu knapp sechs Jahren Gefängnis verurteilte Inaki Urdangarin, einer der beiden Schwager von König Felipe VI., trat Mitte Juni seine Haftstrafe an.

Das oberste Gericht in Madrid hatte jüngst die Anfang 2017 in Palma de Mallorca gegen Urdangarin verhängte Strafe in leicht gemilderter Form bestätigt. Demnach muss der Ex-Handballstar für fünf Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Urdangarin wurde der Veruntreuung von sechs Millionen Euro Steuergeldern sowie der Geldwäsche, der Urkundenfälschung und des Betrugs für schuldig befunden.

Ausgang bei guter Führung möglich

Der 50 Jahre alte Ehemann von Infantin Cristina kam am 18. Juni gegen 8.00 Uhr ins Gefängnis von Brieva in Avila nordwestlich von Madrid, wie die Behörden mitteilten. Urdangarin war am Abend vor seiner Haft aus Genf kommend auf dem Flughafen von Madrid gelandet, auf Fotos wirkte er müde und mitgenommen. Nach einem Bericht der Zeitung „El Mundo“ bekam er bei seinem Haftantritt zwei Rollen Klopapier, eine Zahnbürste und Plastikbesteck.

Prinzessin Christina von Spanien mit ihrem Ehemann Inaki Urdangarin im Oktober 2009

picturedesk.com/dpa/RoyalPress/Albert Nieboer

Urdangarin und Cristina bei den Feierlichkeiten des spanischen Nationalfeiertags 2009

Der historische Moment des Haftantritts fand ohne Öffentlichkeit statt, weil Urdangarin - wie andere Verurteilte auch - sich das Gefängnis aussuchen durfte. Das Centro Penitenciario de Avila ist eigentlich ein Frauengefängnis, aber es gibt einen kleinen Bereich für Männer. Bei guter Führung könnte Urdangarin nach knapp eineinhalb Jahren laut Experten und Expertinnen Ausgang von bis zu 36 Tagen pro Jahr bekommen.

Angesehener Sportler

Der Sportler aus dem baskischen Zumarraga war einer der angesehensten Männer Spaniens. Als Handballer gewann Urdangarin Medaillen, später heiratete er ins Königshaus ein. 2011 begann dann ein steiler Abstieg, als der Skandal um Urdangarins vermeintlich gemeinnützige, von Steuergeldern geförderte Stiftung mit dem Namen Noos begann. Ein „Abstieg zur Hölle“, wie die Zeitung „El Pais“ schrieb. Es gab 17 Angeklagte, darunter auch Cristina. Mit Kreditkarten von Scheinfirmen zahlte das Ehepaar den Ermittlungen zufolge Tanzkurse, Hauspersonal, Luxusgeschirr, Geburtstagspartys und teure Umbauten.

Cristina war Kopräsidentin einer der Firmen ihres Mannes und der Beihilfe zum Steuerbetrug bezichtigt worden, sie wurde im Prozess in Palma von diesem Vorwurf freigesprochen. Sie ist die jüngere der beiden Schwestern von Felipe und die Nummer sechs in der Thronfolge. Cristina war die erste nahe Verwandte eines spanischen Königs, die vor Gericht kam. Der Skandal war einer der schwersten in der Geschichte der spanischen Monarchie. Zusammen mit anderen Affären führte er zu einem Imageverlust des Königshauses. Schließlich dankte König Juan Carlos 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe ab.

Kaum noch Kontakt mit Königshaus

Urdangarin war nach seiner Heirat Herzog von Palma. Er und Cristina hatten sich 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta kennengelernt. „Liebe auf den ersten Blick“, hieß es damals. Im September 1997 heirateten sie. „Seine Exzellenz“, lautete die Anrede für Urdangarin. Im Zuge des Skandals entzog Felipe ihm und Cristina den Titel des Herzogs bzw. der Herzogin.

Seit der Zuspitzung der Finanzaffäre hat das Ehepaar Urdangarin kaum noch Kontakt zum Königshaus. Die beiden wurden nicht nur von allen offiziellen Terminen der „Casa Real“ gestrichen, auch privat sollen die beiden Lager mehr und mehr auf Distanz gegangen sein. Als Juan Carlos im Jänner seinen 80. Geburtstag feierte, war das Ehepaar Urdangarin nicht mit dabei.

Die Urdangarins lebten mit ihren vier Kindern - drei Buben und einem Mädchen - seit fünf Jahren im Zentrum von Genf. Cristina war 2013 von ihrem damaligen Arbeitgeber, einer spanischen Großbank, dorthin versetzt worden. Ein Anwalt der Familie sagte, Cristina werde mit den Kindern weiter in Genf wohnen.

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