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Disney-Film darf nicht anlaufen

Während China an der Umsetzung weiterer Überwachungsmaßnahmen mit den Mitteln der künstlichen Intelligenz arbeitet und ein Facebook-ähnliches „Like“- und „Dislike“-System für das alltägliche Verhalten seiner Bürgerinnen und Bürger plant, prägt heute noch klassische Zensur den Alltag. Nicht erwünscht: Winnie Pooh, auch nicht im neuen Disney-Film „Christopher Robin“.

Xi Jinping, 65 Jahre alt, ist seit 2012 Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Vorsitzender der Zentralen Militärkommission und seit 2013 Staatspräsident der Volksrepublik China. Auch wenn er bisweilen tapsig wirkt und sein Gesicht Gutmütigkeit ausstrahlt - jegliche Reformhoffnungen von Dissidentinnen und Dissidenten wurden enttäuscht, Xi erwies sich als Vertreter einer Politik der harten Hand: Politische Repression trifft auf entgrenzten Kapitalismus.

Die Tapsigkeit und Gutmütigkeit im Äußeren erinnert offenbar viele an Alan Alexander Milnes Figur Pu der Bär. Ein Bild von Xi bei einer Militärparade in einem offenen Auto; daneben ein Bild von eine Plastikspielzeug: Pu der Bär in einem Cabrio. In Sozialen Netzwerken in China wurde der direkte Bildervergleich (etwa in der „Daily Mail“ zu sehen) 2015 zum viralen Hit - und in der Folge laut Medienberichten zum meistzensurierten Bild des Jahres. Das Image von Xi darf unter dem Vergleich mit dem süßen, naiven Bären nicht leiden.

Die Pus und Tiggers der Weltpolitik

Es blieb nicht bei dem einen Bildervergleich. Xi und der ehemalige US-Präsident Barack Obama als Pu und Tigger, dazu der japanische Premierminister Shinzo Abe mit Xi als I-Ah und Pu - die Ähnlichkeit ist tatsächlich jeweils verblüffend und wurde weidlich ausgekostet. 2017 schließlich verbannte China mit Hilfe einer Zensursoftware sämtliche Pu-Bilder aus Sozialen Netzwerken und, wo es ging, auch aus dem Web.

Und jetzt das: Disney bringt einen neuen Pu-der-Bär-Film heraus, „Christopher Robin“. Es ist ein Realfilm mit echten Schauspielerinnen und Schauspielern und animierten Stofftieren. In China wird derzeit mit US-Filmen viel Geld gemacht - auch die US-Produktionsstudios gehen so weit, in Hollywood-Produktionen mit chinesischen Stars zu arbeiten, etwa im neuen Teil von „Mission: Impossible“, weil auf dem chinesischen Markt für sie viel Geld zu holen ist.

Chinas Weg nach Hollywood und retour

Doch „Christopher Robin“, der nächste Woche in heimischen Kinos startet, bleibt der Weg nach China verwehrt, wie der „Hollywood Reporter“ exklusiv berichtet. Eine offizielle Begründung dafür gab es nicht. Derzeit laufen einige US-Produktionen in den chinesischen Kinos, neben „Mission: Impossible“ und „Skyscraper“ auch bald Disneys „Ant-Man And The Wasp“.

China beschränkt nicht selten die Anzahl an US-Filmen, um heimischen Produktionen nicht allzu viel Konkurrenz zu machen. Es könnte also auch sein, dass es Zufall ist, dass gerade „Christopher Robin“ nicht anläuft - allerdings ein Zufall, an den die Berichterstatterinnen und Berichterstatter internationaler Medien wie der britischen BBC nicht glauben wollen.

Filmszene aus Christopher Robin

2018 Disney Enterprises Inc.

Puh, Ferkel, I-Ah und Tigger am Strand

Christopher Robin: „Ich bin ein Wrack“

In dem Film ist Christopher Robin (gespielt von Ewan McGregor) erwachsen und hat ein zugleich stressiges und langweiliges Leben. Rund um die Uhr soll er für seinen Chef im Büro arbeiten, was bedeutet, dass er seine junge Familie sträflich vernachlässigt, worunter er leidet. Plötzlich taucht, zum ersten Mal seit der Kindheit, Pu wieder auf. „Ich bin ein Wrack“, sagt Christopher Robin zu seinem alten Freund, der antwortet: „So kaputt siehst du gar nicht aus. Ein paar Falten vielleicht.“

Filmszene aus Christopher Robin

2018 Disney Enterprises Inc.

Christopher Robin und Pu der Bär haben einander wieder

Dann folgt ein liebevoll inszeniertes Chaos, das Pu, I-Ah, Ferkel und Tigger in der Erwachsenenwelt der Stadt anrichten. Da ist schon mehr los als im Wald - und alles ist so unübersichtlich. Ob sie Christopher Robin damit noch mehr in die Bredouille bringen oder ihn aus seiner misslichen Lage befreien, sei hier nicht verraten.

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