Private Versicherungen wollen Direktabrechnung mit Praxen

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Zwei private Versicherungsunternehmen wollen Behandlungskosten künftig direkt mit den Ärztinnen und Ärzten abrechnen. Bisher müssen privat versicherte Patientinnen und Patienten ihre Wahlarztrechnungen in der Regel vorstrecken und erhalten das Geld dann im Nachhinein von der Versicherung ersetzt. Wie die „Presse“ (Mittwoch-Ausgabe) berichtet, arbeiten Uniqa und Merkur nun an einem Netz von Vertragsärztinnen und -ärzten.

Die Ärztekammer bestätigte der APA heute, dass die Direktverrechnung der Kosten mit Privatversicherungen bisher nicht üblich ist - anders als bei den Kassenärztinnen und -ärzten. Sie rechnen ihre Tarife direkt mit den Sozialversicherungen ab. „Die Direktverrechnung wäre schon ein Unterschied zur bisherigen Praxis“, sagte ein Sprecher der Kammer auf Anfrage. Derzeit werde ein entsprechender Vertragsentwurf von der Kammer geprüft.

Exklusivitätsklausel zulässig?

Nicht festlegen wollte sich die Ärztekammer, ob die laut Bericht von der Merkur Versicherung geforderte Exklusivitätsklausel zulässig ist. Hier müsse man die Details prüfen. Laut Bericht sollen sich die (nach eigenen Angaben bisher 250) Vertragsärzte und -ärztinnen der Merkur nämlich verpflichten, keinen gleichen oder ähnliche Vertrag mit einer anderen privaten Krankenversicherung abzuschließen.

Direkt abgerechnet werden soll ein vordefinierter Leistungskatalog - u. a. EKG, Infusionen, Sonografie und Blutuntersuchungen. Darüber hinausgehende Untersuchungen müssten weiterhin von Patientinnen und Patienten vorfinanziert und danach bei der Versicherung eingereicht werden.

Szekeres kritisiert „Mogelpackung“

Die Wiener Ärztekammer rät niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aber dringend davon ab, Partnerarztvorschläge der Versicherungen zu unterzeichnen. Präsident Thomas Szekeres und sein Vizepräsident Johannes Steinhart sprachen in einer Aussendung von einer „Mogelpackung“. Für die Ärztinnen und Ärzte bringe das System mehr Bürokratie, keine garantierte Direktverrechnung und nicht verhandelbare Tarife.

Generell kritisiert wurden die Pläne der privaten Krankenversicherungen von der Liste Pilz. „Vor dem Hintergrund dieser Pläne machen die ganzen sinnlosen Angriffe der Regierung auf das gute österreichische Sozial- und Krankenversicherungssystem Sinn. Die Krankenversicherung soll offenbar privatisiert werden“, kritisierte Sozialsprecherin Daniela Holzinger in einer Aussendung.

Private Versicherer sehen sich als Ergänzung

Aus der Uniqa heißt es, Ziel sei, das Service für die Kunden innerhalb des bewährten österreichischen Gesundheitssystems zu verbessern und nicht damit zu konkurrieren.

Die Uniqa habe erstmals vor ein paar Wochen für Studierende aus Drittländern, die nach Österreich zum Studieren kommen, das Modell der Direktverrechnung umgesetzt, so Uniqa-Pressesprecher Wilfried Stöckl zur APA. Für das benötigte Visum für Studierende aus Drittländern ist der Nachweis einer Krankenversicherung, die in Österreich leistungspflichtig ist und jedes Risiko deckt, eine Voraussetzung. Die Uniqa-Krankenversicherung erfülle diese Voraussetzung.

Die Direktabrechnung mit Ärzten und Ärztinnen gibt es auch bei der Wiener Städtischen. Diese betont, dass man in Österreich ein im internationalen Vergleich gut funktionierendes Gesundheitssystem habe. „Die private Krankenversicherung baut darauf auf und ist eine wertvolle Ergänzung zum öffentlichen Gesundheitswesen“, so Wiener-Städtische Pressesprecher Christian Kreuzer zur APA.