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„Flughäfen mitten im Ozean“

Ein Flughafen mitten im Meer, made in China: Im Konflikt über das Südchinesische Meer rüstet Peking stark auf. Seine militärische Vorherrschaft dort ist angesichts des schier uferlosen Einsatzes der Mittel eindeutig. Die US-Marine gewährte dem Sender CNN nun einen Blick aus der Vogelperspektive auf Chinas rege Bautätigkeit dort.

Der Streit mit den Nachbarn um das strategische wichtige Gebiet dauert seit Jahren an, eine Eskalation droht jederzeit. China sorgt längst für den Ernstfall vor. In der Spratly-Gruppe, die aus mehr als 100 Riffen, Atollen und Inseln besteht, erschuf China eine Reihe von künstlichen Inseln. Auf dem Subi-Riff und dem Fiery-Cross-Atoll wurden Sandmassen aufgeschüttet und große militärische Anlagen errichtet.

„Das ist chinesisches Territorium“

Das Südchinesische Meer ist strategisch von großer Bedeutung. Ein Drittel der weltweiten Seefracht geht durch das Seegebiet. Es gibt reiche Fischgründe sowie Öl- und Gasvorkommen. Darüber streitet China mit Vietnam, Brunei, Malaysia, Taiwan und den Philippinen. Einige der Inseln im Südchinesischen Meer sind von den Konfliktparteien besetzt.

Militärschiffe bei den Spratrly-Inseln

Reuters/US Navy

Die Spratly-Inseln sind inzwischen frequentierte Häfen für Militärschiffe

Auch die USA schicken immer wieder Kriegsschiffe und Flugzeuge durch die Region, um zu unterstreichen, dass sie die Ansprüche Pekings nicht anerkennen. Die US-Navy flog am Freitag mit einem Aufklärungsflugzeug über von China in Anspruch genommene Inseln, wo Radaranlagen, Kraftwerke und Landebahnen für Militärmaschinen entstanden.

„Es war eine Überraschung für mich, Flughäfen mitten im Ozean zu sehen“, zitierte CNN Lauren Callen, die die Navy-Besatzung anführte. Während dieses Fluges wurde die Crew sechsmal gewarnt, das Gebiet wieder zu verlassen. „Das ist chinesisches Territorium, verlassen Sie es unverzüglich und bleiben Sie fern, um Differenzen zu vermeiden“, hieß es vom chinesischen Militär.

Von Manöver ausgeladen

Frühere Satellitenbilder zeigten bereits Flugzeughangare, unterirdische Waffenlager und andere Einrichtungen. Im Jahr 2017 wurden laut der Washingtoner Asia Maritime Transparency Initiative (AMTI) 28 Hektar auf den Spratly- und den nahen Paracel-Inseln mit zusätzlicher Infrastruktur bebaut.

Karte vom Südchinesischen Meer und den Spratly-Inseln

Grafik: ORF.at/Map Resources

Zuletzt hatte sich der Konflikt im Südchinesischen Meer im April verschärft, als China nach US-Angaben zwischenzeitlich Raketen und Marschflugkörper stationiert hatte. Als Reaktion auf die Stationierung der Raketen hatten die USA China vergangene Woche von dem alle zwei Jahre stattfindenden Rimpac-Manöver (kurz für „Rim of Pacific“) ausgeladen.

Verhaltenskodex soll erarbeitet werden

Im Juni reiste US-Verteidigungsminister James Mattis nach Peking, um über den Konflikt zu verhandeln. Doch Chinas Präsident Xi Jinping sprach eine deutliche Warnung in Richtung USA aus: „Vom Territorium, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, werden wir kein Stück verloren geben.“ Mattis hatte zuvor wissen lassen, die USA würden eine Militarisierung von Atollen im Südchinesischen Meer nicht hinnehmen. China konterte, die US-Militärpräsenz in der Region sei größer als die von China und allen anderen Anrainerstaaten zusammen.

Militäranlagen auf den Spratrly-Inseln

AP/Bullit Marquez

Früher Riffe, heute Inseln mit militärischer Infrastruktur: China nimmt einen hohen Aufwand für die Aufrüstung auf sich

Peking erklärte sich immerhin bereits im November bereit, gemeinsam mit der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (ASEAN) Verhandlungen für eine friedliche Beilegung des schwelenden Konflikts aufzunehmen. Zusammen soll ein Verhaltenskodex für das Gebiet ausgearbeitet werden. Die USA aber trauen Chinas Verhandlungsbereitschaft kaum: „China ist nun bereits fähig, das Südchinesische Meer zu kontrollieren, in allen Belangen außer bei einem Krieg mit den USA“, sagte kürzlich Philip Davidson, der Chef des Pazifikkommandos im US-Senat.

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