„Aquarius“ sucht weiter nach sicherem Hafen

Die Besatzung des Rettungsschiffs „Aquarius“ ist weiter auf der Suche nach einem sicheren Hafen, in den sie einlaufen und die 141 geretteten Menschen von Bord bringen kann. Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen (MSF) und SOS Mediterranee forderten heute von den europäischen Regierungen eine - gemäß internationalem Seerecht - „rasche Zuweisung“ eines sicheren Hafens.

Libyen verweigerte Zuweisung eines Hafens

Die Crew habe alle zuständigen staatlichen Behörden informiert, darunter die Seenotrettungszentralen von Italien, Malta und Tunesien und das libysche Joint Rescue Coordination Center (JRCC), das bestätigte, es sei die Koordinierungsstelle für die Rettungen. Jedoch verweigerte das libysche Zentrum die Zuweisung eines Hafens und verwies auf andere Seenotrettungszentralen, teilte Ärzte ohne Grenzen in einer Aussendung mit.

Man werde dieser Anweisung nun Folge leisten und nun nach Norden fahren, um von einer anderen Seenotrettungszentrale einen nahe gelegenen sicheren Hafen zugewiesen zu bekommen. Libyen komme aber als „sicherer Ort“ nicht in Frage. Hilfsorganisationen kritisieren seit Jahren die katastrophalen Zustände für Geflüchtete in Libyen.

NGOs „äußerst besorgt“ über Politik der EU

Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee zeigten sich „äußerst besorgt“ über die Politik der EU, die die „humanitäre Hilfe auf See behindert und die die Todeszahlen im Mittelmeer in den vergangenen Monaten nach oben schnellen ließ. Die Aquarius ist nun eines von nur noch zwei verbliebenen humanitären Rettungsschiffen im zentralen Mittelmeer. Die Kriminalisierung und Behinderung humanitärer Organisationen ist eine Folge des größeren Problems eines kaputten europäischen Asylsystems und des Versagens der EU-Staaten, Asylsuchende innerhalb Europas umzusiedeln.“

Die „Aquarius“ hatte am Freitagvormittag 25 Menschen, die in einem kleinen Holzboot ohne Motor auf dem Meer drifteten, gerettet und danach 116 Menschen aus einem weiteren überfüllten Holzboot an Bord genommen. Mehr als zwei Drittel der Geretteten stammen laut MSF aus Somalia und Eritrea.