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Mit Übernahmen zu Geschäftslokalen

Der US-Konzern Amazon investiert derzeit noch stärker in Geschäftsfelder, die sich deutlich von den Wurzeln des Internetbuchhändlers entfernen. Sowohl on- als auch offline kauft sich der Konzern von Jeff Bezos in zahlreiche Branchen ein, zuletzt stand etwa der Kauf einer US-Kinokette im Raum. Das Geschäft abseits der Packerl trug erst kürzlich zu einem unerwarteten Milliardengewinn bei.

Der Tätigkeitsbereich des vor 24 Jahren gegründeten Onlinebuchhändlers lässt sich heute kaum noch zusammenfassen. Alleine dieses Jahr investierte Amazon in „smarte“ Türklingeln und eine Versandapotheke, erst vergangene Woche wurde bekannt, dass offenbar die Übernahme der US-Kinokette Landmark Theatres geplant ist, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Sollte der Konzern tatsächlich bei Landmark einsteigen, würde Amazon - nicht zum ersten Mal - einen Vorstoß ins Offlinegeschäft wagen. Zwar bietet das Unternehmen mit seiner kostenpflichtigen Mitgliedschaft Prime Nutzerinnen und Nutzern Onlinezugriff auf Filme und Fernsehserien, doch würde sich durch den Kauf der Kinos ein direkter Vertriebsweg für Eigenproduktionen bieten. Konkurrent Netflix lehnt den Weg abseits des Onlinevertriebs bisher strikt ab.

Bezahlmitgliedschaft Prime im Fokus

Darüber hinaus eröffnete Amazon erst Anfang des Jahres ein vollautomatisiertes Geschäftslokal in der US-Stadt Seattle, zusätzlich betreibt der Onlinehändler einige Buchgeschäfte. Schon letztes Jahr ließ Firmenchef Bezos mit einer Einkaufstour abseits des Onlinehandels aufhorchen: Im Sommer schluckte Amazon die US-Supermarktkette Whole Foods mit über 470 Geschäftslokalen um knapp 14 Milliarden US-Dollar (rund zwölf Mrd. Euro).

Amazon Go store in Seattle

Reuters/Lindsey Wasson

Anfang des Jahres öffnete Amazon ein vollautomatisiertes Geschäftslokal, das ohne Kassen auskommt

Auch dabei spielt das Aboservice Prime eine Rolle: Mitglieder bekommen unter anderem Rabatte in den Filialen - und somit einen Anreiz, Mitglied zu werden, selbst wenn man nichts vom Kerngeschäft des Onlineversandhändlers in Anspruch nimmt. Damit wird Prime zunehmend zum Verbindungselement zwischen Amazons Ausflügen in andere Geschäftsfelder. Ursprünglich lockte man mit kostenlosem Versand - heute umfasst das Angebot Musik, Videos und E-Books, ebenso wie Computerspiele über die von Amazon gekaufte Streamingplattform Twitch.

Sprachassistent soll überall sein

Die andere Säule des Amazon-Geschäfts ist mittlerweile die Sprachassistentin Alexa. Während sich viele Amazon-Zukäufe zunächst nicht einordnen lassen, soll das Investment in Künstliche Intelligenz und vernetzte Produkte (etwa für das „Smart Home“) das Geschäft mit dem digitalen Assistenten stärken. Für Datenschützerinnnen und Datenschützer ist das Grund zur Beunruhigung: Amazon wird damit zur zentralen Komponente des Haushalts - und erhält entsprechend viele verwertbare Daten über Kundinnen und Kunden.

Und nicht nur in den eigenen vier Wänden soll Alexa eingesetzt werden: Erst im Juni wurde eine Kooperation mit der Hotelkette Marriott angekündigt, die vorsieht, ein Gerät von Amazon in Hotelzimmern zu installieren. Und auch im Auto könnte Alexa bald mithören, nachdem Amazon Anfang August Programmierwerkzeuge vorgestellt hat, die es Autoherstellern ermöglichen sollen, Alexa in ihren Pkws zu installieren.

Auch Einstieg in Medikamentenhandel

Schon im Frühling wurde unterdessen über einen Einstieg von Amazon in den Gesundheitssektor spekuliert. Ende Juni kündigte Bezos dann den Kauf der US-Onlineapotheke PillPack an und bahnte sich damit den Weg in den Medikamentenhandel. Schon zuvor verkaufte der Konzern medizinische Ausrüstung an Spitäler und Ordinationen. Auch über einen Einstieg in die Gesundheitsvorsorge wurde spekuliert.

Anfang des Jahres kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit Investmentbanker JPMorgan und der Holdinggesellschaft von Warren Buffett, Berkshire Hathaway, an, um Kosten bei der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitervorsorge künftig senken zu können. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Amazon überlegen soll, eigene Arztpraxen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu betreiben, um Kosten zu senken, so der US-Sender CNBC.

Gewinnbringende Cloud-Dienste

In den Geschäftsergebnissen konnte Bezos mit seinem Expansionskurs bis vor Kurzem nur kleine Gewinne erwirtschaften. Das änderte sich jedoch mit dem letzten Quartalsergebnis. Lagen die Gewinne im zweiten Quartal 2017 noch bei 197 Millionen Dollar, konnte der Konzern Ende Juli 2018 einen Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar (knapp 2,2 Mrd. Euro) vorweisen.

Vor allem das Geschäft mit Cloud-Diensten unter dem Namen Amazon Web Services (AWS) trug maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Der Umsatz der Sparte verdoppelte sich auf mehr als sechs Milliarden Dollar, während der operative Gewinn rasant um 80 Prozent auf 1,64 Milliarden Dollar kletterte.

Konkurrenz von Amazon praktisch abhängig

Das Cloud-Geschäft ist damit Amazons größtes Zugpferd und kann sich auch gegen Internetriesen wie Google und Microsoft behaupten. Rund ein Drittel des Marktes gehört laut Analysten aktuell dem Onlinehändler. Amazon verkauft Unternehmen unter anderem Rechenkapazitäten und Speicherplatz aus ihren eigenen Rechenzentren.

Das betrifft letztlich auch Konkurrenten in anderen Geschäftsbereichen: Durch Amazons Dominanz auf dem Sektor führt fast kein Weg an den Cloud-Diensten des Unternehmens vorbei. Erst kürzlich kündigte allerdings die US-Supermarktkette Target als einer von wenigen Konzernen an, künftig Cloud-Dienste von Google in Anspruch zu nehmen. Um Amazons Zugpferd Steine in den Weg zu legen, müssten es viele Konzerne Target gleichmachen. Ohne Trendwende in der Cloud wird es für Amazon daher wohl auch künftig möglich bleiben, sich in immer neue Geschäftsbereiche einzukaufen.

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