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Risiko weltweit unterschätzt

Ein Achterl Wein ist eines zu viel - das besagt eine neue globale Studie. Daten von 28 Millionen Menschen zeigen, dass Alkoholkonsum weltweit eines der größten Gesundheitsrisiken darstellt. Damit räumt die Studie auch mit dem Mythos auf, dass ein paar Tropfen Alkohol pro Tag gesund seien.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen ist, dürfte die bisher umfassendste zu den Folgen von Alkoholgenuss sein. Max Griswold und Emmanuela Gakidou von der University of Washington sammelten im Zuge dessen Daten für den Zeitraum von 1990 bis 2016 weltweit. Auch die Erkenntnisse aus Hunderten Studien flossen darin mit ein.

Frau mit Weinglas

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Alkohol ist laut einer aktuellen Studie schon ab dem ersten Tropfen gesundheitsschädigend

2,8 Mio. Menschen sterben an Folgen

Alkohol belegt den siebenten Platz auf der Liste der Faktoren, die zum frühzeitigen Tod oder zu einer Behinderung führen, und liegt somit hinter dem Rauchen. Etwa 2,8 Mio. Menschen starben 2016 an den Folgen ihres Trinkverhaltens. Dazu zählen etwa Krebs, Tuberkulose sowie Autounfälle. In der Gruppe von 15- bis 49-Jährigen stellt der Konsum von Wein und Co. sogar die führende Ursache für einen frühzeitigen Tod dar.

Dabei gibt es zudem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Alle Altersgruppen zusammengenommen, lassen sich rund zwei Prozent der Tode von Frauen und rund sieben Prozent der Tode von Männern auf Alkoholkonsum zurückführen.

Männer trinken drei Gläser mehr als Frauen

Um die Gesundheitsrisiken von Alkoholkonsum zu veranschaulichen, verglichen Griswold und Gakidou die Daten von Menschen zwischen 15 und 95 Jahren. Die Gegenüberstellung von jenen, die gar keinen Alkohol konsumierten, mit jenen, die täglich etwa ein Glas Bier oder Wein tranken, zeigte unterschiedliche Ergebnisse.

Grafik zum Alkoholkonsum

ORF.at

Beispielsweise fanden sie heraus, dass von 100.000 Abstinenten 914 Personen an Krankheiten wie Krebs oder Tuberkulose erkrankten oder verunglückten. Bei Menschen, die pro Tag ein alkoholisches Getränk konsumieren, waren es vier zusätzliche Personen. Bei zwei Drinks stieg die Zahl auf 63 und bei fünf auf 338 zusätzliche Menschen.

Auch Daten aus Österreich wurden erfasst: Hierzulande gibt es mit Stand 2016 große Unterschiede zwischen Frauen und Männern aus allen Altersgruppen. Frauen würden 2,8 Einheiten pro Tag trinken. Eine Einheit legten die Forscher dabei auf zehn Gramm reinen Alkohol fest, was etwa einem Viertelliter Bier oder 100 Milliliter Wein entspricht. Rund 1.600 Frauen starben an den Folgen ihres Konsums. Hingegen genießen Männer im Schnitt 4,7 Gläser. Und so ist auch die Summe an Todesopfern mit 4.600 im Jahr wesentlich höher.

Rumänen und Ukrainerinnen führen Liste an

Den höchsten Alkoholkonsum erfassten die Forscher für Männer in Rumänien (durchschnittlich 8,2 Einheiten), Portugal und Luxemburg (jeweils 7,2 Einheiten). Unter den Frauen weisen die Ukraine (4,2 Einheiten), Andorra und Luxemburg (jeweils 3,4 Einheiten) die höchsten Werte auf. Wobei Dänemark durch die Bank den höchsten Anteil an Menschen, die täglich Alkohol trinken, hat.

Grafik zum Alkoholkonsum

ORF.at

Moderater Alkoholkonsum hatte für lange Zeit einen guten Ruf. Der rührt daher, dass einige Studien etwa den positive Effekt eines Achterl Rotweins auf das Herz oder Diabetes feststellten. Allerdings wurde dieser mit den negativen Folgen in der neuen Studie aufgewogen. „Insbesondere der starke Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko von Krebs, Verletzungen und Infektionskrankheiten gleicht die schützenden Wirkungen für Erkrankungen der Herzkranzgefäße bei Frauen in unserer Studie aus“, sagte Griswold von der University of Washington in Seattle.

Forscher führt Vergnügen ins Feld

Eine weitere großangelegte Studie zum Thema war vor vier Jahren erschienen. Damals ergaben Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass im Jahr 2012 etwa 3,3 Mio. Todesfälle weltweit mit Alkoholkonsum zusammenhingen. Zudem starben auch damals deutlich mehr Männer (7,6 Prozent) als Frauen (vier Prozent) an den Folgen von Alkohol. Die WHO verzeichnete allerdings die Bereitschaft einiger Staaten, den schädlichen Konsum Alkohols einzuschränken und strengere Gesetze einzuführen.

Ein Anliegen, das auch die Forscherin Gakidou mit ihrer aktuellen Studie verfolgt: „Weltweit müssen wir die Alkoholkontrollpolitik und Gesundheitsprogramme überdenken und Empfehlungen für den Verzicht auf Alkohol in Erwägung ziehen.“

Doch dem vollständigen Verzicht widerspricht ein Forscher der University of Cambridge. David Spiegelhalter bemängelte, dass die Daten der neuen Studie nur einen sehr geringen Schaden für moderate Trinker zeigten. „In Anbetracht des Vergnügens, das mit moderatem Trinken verbunden ist, ist es kein Argument zu sagen, es gibt kein ‚sicheres‘ Level“, so Spiegelhalter. „Es gibt auch kein ‚sicheres‘ Level von Autofahren, aber die Regierung empfiehlt den Menschen ja auch nicht, gänzlich aufs Autofahren zu verzichten.“

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