Schulklasse
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Faßmanns Plan

Neue Regeln für AHS-Aufnahme

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann will das kommende Jahr dazu nutzen, die Entscheidungsgrundlage, ob Kinder nach der Volksschule in die Mittelschule oder in die AHS wechseln, auf neue Beine zu stellen. Widerstand kam dazu umgehend von der SPÖ, die vor einer weiteren Vorverlegung der Entscheidung über die Bildungslaufbahn warnt.

Faßmann betonte am Sonntag im Interview mit der Nachrichtenagentur APA, er wolle die Schnittstellen für Schüler wie Eltern und Lehrer „stressfreier“ gestalten. Durch „Kompetenz- und Potenzialmessungen“ aller Schüler in der dritten und vierten Klassen Volksschule bzw. in der dritten und vierten Klasse AHS-Unterstufe bzw. Neue Mittelschule sollen neben der Note weitere Entscheidungsgrundlagen für die weitere Schullaufbahn zur Verfügung stehen. Die Messungen sollen auch die bisherigen Bildungsstandard-Testungen ablösen.

Auf Grundlage der Ergebnisse und der anderen Schulleistungen sollen dann Gespräche zwischen Lehrern und Eltern über den weiteren Schulweg stattfinden. „Da erwarte ich mir einerseits eine bessere Erkenntnis der Eltern über die Potenziale ihrer Kinder, aber auch eine Validierung der Note, denn diese kann keine große Varianz zu den Messergebnissen aufweisen“, so Faßmann. Die Lehrer bekämen so eine verbesserte Entscheidungsgrundlage und würden außerdem gegen möglichen Druck der Eltern abgesichert. Endgültig entscheidend für die weiteren Berechtigungen etwa für die AHS bleibe aber „höchstwahrscheinlich“ die Zeugnisnote.

Prompte SPÖ-Kritik

Die SPÖ kritisierte prompt Faßmanns Überlegungen, Kompetenz- und Potenzialmessungen ab der dritten Volksschulklasse zu zusätzlichen Kriterien über die weitere Schullaufbahn von Schülerinnen und Schülern zu machen. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid warnte davor, die Entscheidung über den Bildungsweg noch weiter vorzuverlegen.

„Wenn Minister Faßmann davon spricht, durch ‚Kompetenzmessungen‘ in der dritten Klasse Volksschule ‚weitere Entscheidungsgrundlagen‘ für die Schullaufbahn einführen zu wollen, dann heißt das in wohlgesetzten Worten nichts anderes als Tests für Acht- und Neunjährige, die dann über die AHS-Aufnahme (mit)entscheiden.“

Jetzt schon würden Bildungsforscher kritisieren, dass die Trennung der Kinder mit zehn Jahren viel zu früh erfolge und allen Erkenntnissen widerspreche. Eine weitere Vorverlegung bedeute zusätzlichen Druck für Eltern und Kinder. „De facto werden dadurch AHS-Aufnahmetests in der dritten Klasse eingeführt – obwohl wir wissen, dass die Prognosekraft in diesem Alter völlig unzureichend ist“, so Hammerschmid.

Heinz Faßmann
APA/Georg Hochmuth
In der Politik sieht sich der Wissenschaftler angekommen. Berufspolitiker werde er aber keiner mehr, so Faßmann.

Reform der Lehrpläne

Faßmann plant eigenen Angaben zufolge als nächste Projekte im kommenden Jahr auch die Neugestaltung der Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule, eine Reform der Lehrpläne sowie die Verbesserung der Grundkompetenzen. In den zum Teil 18 Jahre alten Lehrplänen soll Platz für Neues geschaffen werden. „Das muss dort geschehen“, so Faßmann. „Weil die Schulbücher richten sich nach den Lehrplänen und die Lehrer nach den Schulbüchern.“ In die Lehrpläne integriert werden müssten Themen wie Digitalisierung, Europa, Gesundheitserziehung und Finanzbildung. „Das ist ein Schlüsselprojekt, das wir auch nächstes Jahr nicht abhaken können. Das dauert länger.“

Schließlich will sich Faßmann den Grundkompetenzen widmen: „Sinnerfassendes Lesen, Rechnen, einigermaßen fehlerfreies Schreiben und Kompetenz in einer Fremdsprache. Da wissen wir, ein zu großer Prozentsatz weist diese nicht auf.“

Comeback der Leistungsgruppen

Die NMS und die AHS-Unterstufe müssten stärker darauf achten, sich auf diese Inhalte zu konzentrieren. Das sei eine Frage der Lehrplangestaltung, aber auch eine Sache der unterschiedlichen Leistungsniveaus in der Mittelschule. „Ich erwarte mir, dass es durch unsere Maßnahmen wie die Ermöglichung dauerhafter Leistungsgruppen zu einer Verbesserung kommt, weil man in leistungshomogenen Gruppen leichter unterrichtet. Der Lehrer muss sich nicht gleichzeitig unterschiedlichen Niveaus widmen.“

Ethikunterricht als Regelfach?

Optimistisch ist der Minister bezüglich der Überführung des Schulversuchs zum Ethikunterricht in das Regelschulwesen. Vom Religionsunterricht abgemeldete Schülerinnen und Schüler haben derzeit ohne Schulversuch eine Freistunde – in Schulen mit Schulversuch müssen sie dagegen verpflichtend am Ethikunterricht teilnehmen.

Eventuell gelinge eine Umsetzung noch für das nächste Schuljahr – für welche Schulstufen das gelten soll, sei aber noch nicht klar. „Ich möchte da keine halbfertigen Wahrheiten präsentieren. Persönlich glaube ich, dass es in der Volksschule noch nicht so zentral ist, ab der Sekundarstufe eins (AHS-Unterstufe, Neue Mittelschule, Anm.) aber ganz wichtig.“

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