Inland

Österreichweit sind im vergangenen Jahr 15.115 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen worden. Diese Zahlen gab das Bundeskriminalamt bekannt.

Die meisten davon entfielen dabei (sowohl absolut als auch pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner) auf die Bundeshauptstadt Wien. Dort kam es im vergangenen Jahr zu 4.272 Betretungsverboten bzw. 2,2 Betretungsverboten/1.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Die weiteren Zahlen je Bundesland bewegen sich zwischen 1,2 und 1,7 Betretungsverboten/1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dabei bilden Vorarlberg und Tirol die Schlusslichter in der Statistik mit jeweils einem Wert von 1,2.

Davor liegen die Steiermark (1,4), Salzburg (1,5), das Burgenland (1,5), Kärnten (1,6), Niederösterreich (1,6) und Oberösterreich (1,7).

Kontinuierliche Steigerung seit 2020

Bei Betrachtung der absoluten Zahlen entspricht die Statistik in etwa der Reihung der neun Bundesländer nach Einwohnerzahlen.

Niederösterreich mit 2.784 Betretungsverboten liegt hinter der Bundeshauptstadt, gefolgt von Oberösterreich mit 2.656 Wegweisungen. Dahinter befinden sich die Steiermark (1.715), Tirol (946), Kärnten (933), Salzburg (850), Vorarlberg (503) und das Burgenland (456).

Die Anzahl der Betretungs- und Annäherungsverbote ist österreichweit seit 2020 kontinuierlich gestiegen: So weist der Gewaltschutzbericht des Bundeskriminalamts für das erste Pandemiejahr 11.652 Maßnahmen aus, 2021 stieg die Zahl auf 13.690, 2022 waren es 14.643 Wegweisungen.

Innenministerium will „Dunkelfeld kleiner machen“

Vom Innenministerium hieß es zu diesem Trend, die Zahlen zeigten, dass die Bereitschaft zur Anzeige „hoch“ sei. Ein „deutliches Zeichen, dass man der Polizei vertraut und sich die gefährdeten Personen an uns wenden“, teilte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts mit.

„Auf diese Weise wird das Dunkelfeld von häuslicher Gewalt kleiner“, ergänzte sie. Für diese Bemühungen sei die Zahl von Betretungsverboten „ein direkter Gradmesser“, so ein Ressortsprecher des Ministeriums.

Zudem wurde erneut darauf verwiesen, dass sich die Fallkonferenzen seit 2020 beinahe verzehnfacht hätten. Des Weiteren wurde betont, dass mit 2021 verpflichtende mindestens sechsstündige Gewalttrainings für Gefährder und ein Jahr später 2022 obligate Waffenverbote für Gefährder eingeführt wurden.

Zudem seien in der Vergangenheit Polizistinnen und Polizisten laufend sensibilisiert und die Anzahl an Präventionsbeamten erhöht worden.

Michael Radasztics, Richter im Falschaussageprozess gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und einstiger Staatsanwalt in der Eurofighter-Causa, ist im Mai 2023 zu einer Disziplinarstrafe verurteilt worden.

Wie der „Kurier“ gestern berichtete, wurde die Entscheidung des zuständigen Disziplinargerichts, des Oberlandesgerichts (OLG) Graz, aber erst am Montag im Rechtsinformationssystem (RIS) veröffentlicht, drei Tage nach dem Urteil gegen Kurz.

Richter Michael Radasztics
ORF/Roland WInkler

Radasztics bestätigte die Causa gegenüber dem „Kurier“ und erklärte die zeitliche Komponente der Veröffentlichung damit, dass die Entscheidung zwar im Mai fiel, daraufhin aber die Oberstaatsanwaltschaft als Ankläger und er selbst als Beschuldigter Rechtsmittel eingelegt hätten. Die Causa ging zum Obersten Gerichtshof, dann hätten aber beide Seiten die Rechtsmittel zurückgezogen. Deshalb sei die Entscheidung erst im Dezember rechtskräftig geworden. Seine Strafe habe er heuer gezahlt, so Radasztics.

Pflichten „schuldhaft verletzt“

Der ehemalige Staatsanwalt, der erst seit 1. Jänner 2023 Richter ist, wurde laut „Kurier“ zu einer Geldstrafe in Höhe eines halben Monatsbezugs verurteilt. In der Eurofighter-Causa habe Radasztics dem OLG Graz zufolge seine auferlegten Pflichten „schuldhaft verletzt“, indem er das Ermittlungsverfahren erst abgebrochen und es 2012 dann unterlassen habe, den Beschuldigten, den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/parteilos), zu verständigen, dass gegen ihn ein Strafverfahren läuft.

In der Causa Eurofighter geht es um den Vorwurf, dass Radasztics dem Ex-Grünen-Abgeordneten Peter Pilz im Jahr 2018 Informationen aus Ermittlungsakten gesteckt haben soll. Konkret betraf es eine Weisung aus dem Verteidigungsministerium, wonach Aktenstücke aus Gründen der nationalen Sicherheit an das Ressort zurückzustellen seien. Strafrechtliche Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs und Verletzung des Amtsgeheimnisses wurden damals fallengelassen.

Kurz-Anwalt wollte Richterwechsel

Das Thema kam bereits am ersten Prozesstag gegen Ex-Kanzler Kurz im vergangenen Oktober auf. Kurz’ Verteidiger Otto Dietrich beantragte aus Befangenheitsgründen einen Richterwechsel. Die Begründung: Radasztics sei mit Pilz befreundet und Pilz sei ein Gegner von Kurz.

Der Richter wies den Antrag ab und konterte: „Ich habe weder ein freundschaftliches noch ein Vertrauensverhältnis zu Dr. Pilz.“ In der Eurofighter-Causa sei Pilz als Zeuge einvernommen worden, mehr habe nicht stattgefunden, so der Richter.

Nach dem Schuldspruch gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wegen Falschaussage vor einem U-Ausschuss stellt sich auch die Frage, ob sich das Urteil auf künftige U-Ausschüsse auswirken könnte. Mögliche Konsequenzen eines Aussageverhaltens seien den Auskunftspersonen „schon bisher hinlänglich bekannt“ gewesen, sagte Verfahrensrichterin Christa Edwards gestern zu ORF.at.

Das – nicht rechtskräftige – Urteil werde zu mehr Entschlagungen und Erinnerungslücken führen, hieß es in den vergangenen Tagen in diversen Medien. Auch Kurz sagte gestern in der ZIB2: „Viele Leute werden nicht mehr hingehen, andere werden sich entschlagen, und die, die dorthin gehen und sich nicht entschlagen, werden sich an nichts mehr erinnern können“, so der Ex-Kanzler.

Auskunftspersonen wissen über Folgen Bescheid

Edwards, die in den im März startenden U-Ausschüssen als Verfahrensrichterin sitzen wird, sieht sich nicht als Hellseherin. „Ob sich Auskunftspersonen künftig vermehrt entschlagen wollen werden, kann ich persönlich naturgemäß nicht vorhersehen“, so die erfahrene Richterin. Personen, bei denen es Anhaltspunkte für ein mögliches Entschlagungsrecht gab, hätten sich schon bisher „recht häufig und weitreichend“ darauf berufen.

Sie erinnerte auch daran, dass es neben dem Kurz-Urteil jüngst ein weiteres Strafverfahren wegen falscher Zeugenaussage vor einem U-Ausschuss gab. Ein Oberstaatsanwalt hatte angegeben, sich nicht mehr an den Sachverhalt erinnern zu können. In erster Instanz wurde er für schuldig befunden, später wurde der Spruch aufgehoben.

Unter Umständen könne sogar die Aussage, „sich an etwas nicht erinnern zu können, zur Einleitung eines Strafverfahrens führen“, so Edwards. „Die theoretisch möglichen Konsequenzen eines Aussageverhaltens waren daher den Auskunftspersonen schon bisher hinlänglich bekannt.“

„Gewisse Großzügigkeit“ in U-Ausschüssen

In U-Ausschüssen gilt die Wahrheitspflicht. Auskunftspersonen, gegen die strafrechtlich ermittelt wird, können sich aber ihrer Antwort entschlagen. Edwards betonte, dass die Gründe und Voraussetzungen für die Gewährung einer Entschlagung „gesetzlich klar geregelt“ seien.

Gleichzeitig bedürfe es in U-Ausschüssen einer „gewissen Großzügigkeit“, weil Auskunftspersonen trotz diverser Vorwürfe zur Wahrheit verpflichtet sind und kein begründungsloses Recht zu schweigen haben. „Aus meiner Sicht musste daher mit dem Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen, schon immer verantwortungsvoll und sorgsam umgegangen werden.“

Ausland

Der frühere US-Präsident Donald Trump hat die Vorwahl zur Präsidentschaftskandidatur der Republikaner im Bundesstaat Michigan wie erwartet gewonnen. Das berichteten die US-Sender CNN und NBC unter Berufung auf eigene Prognosen. Trump lag nach Auszählung von rund zehn Prozent der Stimmen gut 30 Prozentpunkte vor seiner Konkurrentin Nikki Haley.

Auch US-Präsident Joe Biden gewann die Vorwahl der Demokraten in Michigan den Prognosen der US-Sender zufolge erwartungsgemäß. Der Demokrat hat in seiner Partei keine ernst zu nehmende Konkurrenz im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Prognosen zufolge stimmten aber viele Wählerinnen und Wähler mit „unentschieden“ – Michigan bietet die Möglichkeit, die Unterstützung der Parteibasis für einen nominierten Kandidaten in Frage zu stellen. Wie hoch die Zahl tatsächlich ist, wird sich erst zeigen, wenn mehr Stimmen ausgezählt sind. In Michigan leben viele Muslime, die mit Bidens Unterstützung für Israel im Gaza-Krieg nicht einverstanden sind und daher als Protestwähler gegen ihn gestimmt haben könnten.

Michigan gilt als sogenannter Swing State, der bei Wahlen weder Demokraten noch Republikanern fest zugerechnet werden kann.

Die im Roten Meer zum Schutz von Handelsschiffen eingesetzte deutsche Fregatte „Hessen“ hat den ersten Angriff der aus dem Jemen agierenden Huthi-Miliz abgewehrt.

Das an der EU-Militärmission „Aspides“ beteiligte Schiff habe gestern Abend „zwei feindliche Flugziele erfolgreich bekämpft“, hieß es. Es war der erste scharfe Waffeneinsatz der deutschen Marine in dem am Freitag begonnenen Einsatz. Dieser gilt als relativ gefährlich. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz will mit dem Beschuss von Handelsschiffen im Roten Meer ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen.

Reedereien meiden Route

Der Seeweg durch das Rote Meer und den Sueskanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Wegen der Angriffe der Huthis meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

In der vergangenen Woche hatte die Huthi-Miliz erklärt, Angriffe auf Handelsschiffe vor der Küste des Landes ausweiten zu wollen. Man setze auf Eskalation als Antwort auf die Eskalation Israels im Gazastreifen, sagte der Anführer der Gruppe, Abdel-Malik al-Huthi, in einer Fernsehansprache.

Der Anwalt des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist verhaftet worden. Er wurde gestern in Moskau in Gewahrsam genommen, berichteten mehrere russische Medien. Der Jurist Wassili Dubkow hatte vergangene Woche die Mutter Ludmilla Nawalnaja zum Straflager „Polarwolf“ begleitet, in dem Nawalny gestorben war. Nawalny war vor zehn Tagen überraschend gestorben. Er war zu mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Mutter des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny mit seinem Anwalt, Wassili Dubkow
Reuters/Maxim Shemetov

Die Organisation einer Trauerfeier für Nawalny wird nach Angaben seines Teams von den Behörden in Russland behindert. „Nach einem Tag Suche haben wir immer noch keinen Trauersaal gefunden“, schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch auf X (Twitter). Einige Bestattungsunternehmen hätten erklärt, sie seien ausgebucht, andere hätten abgelehnt, sobald der Name Nawalny gefallen sei.

„An einer Stelle wurde uns gesagt, dass den Beerdigungsinstituten verboten worden sei, mit uns zu arbeiten.“ Nawalny starb am 16. Februar nach Behördenangaben in einem Straflager in der sibirischen Arktisregion Jamal. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Der durch den Giftanschlag 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein.

Ukraine-Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist im Vorfeld einer Sicherheitskonferenz der westlichen Balkan-Länder zu einem Besuch in Albanien eingetroffen.

Albaniens Außenminister Igli Hasani nannte die Ankunft des ukrainischen Staatschefs gestern Abend in Tirana „einen entscheidenden Moment für die Förderung der bilateralen Beziehungen und die Solidarität mit der Ukraine in ihrem heldenhaften Kampf gegen die russische Aggression“.

Es ist Selenskyjs erster Besuch in dem Land seit Beginn der russischen Invasion vor zwei Jahren. Heute wird Selenskyj an einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der westlichen Balkan-Länder teilnehmen. Dabei soll es auch um Unterstützung für die Ukraine gehen.

Selenskyj hat in den vergangenen Wochen in zahlreichen Ländern für weitere Unterstützung und Waffenlieferungen für sein Land geworben. Die Reisen erfolgten vor dem Hintergrund von Befürchtungen, dass die Unterstützung für die Ukraine aus dem Westen fast zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch nachlassen könnte.

Wirtschaft

In der laufenden Immobilienkrise Chinas muss sich erneut ein großer und hoch verschuldeter Bauträger vor Gericht gegen einen Antrag auf Abwicklung wehren.

Der betroffene Konzern Country Garden bestätigte in einer Börsenmitteilung heute Früh (Ortszeit), dass sein Gläubiger Ever Credit Limited das vor einem Gericht in Hongkong erwirken will.

Es gehe um einen nicht gezahlten Kredit in Höhe von 1,6 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 188,6 Mio. Euro) zuzüglich Zinsen. Das Gericht setzte die erste Anhörung laut Country Garden für den 17. Mai fest.

Nach China Evergrande im Jänner

Nach der angeordneten Zerschlagung des mit umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar weltweit am höchsten verschuldeten Immobilienentwicklers China Evergrande Ende Jänner droht damit erneut einem wichtigen Bauträger in China die Liquidation.

Die Krise in dem Sektor, der rund ein Fünftel zur jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, lastet schwer auf der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Regierung in Peking versuchte bereits, mit Lockerungen bei der Kreditvergabe und einer Liste von Bauprojekten gegenzusteuern, in die Banken investieren sollen.

Frankreich und Katar haben eine strategische Partnerschaft besiegelt, in deren Rahmen Katar eine Milliardensumme in Schlüsselsektoren der französischen Wirtschaft investieren will. Das französische Präsidialamt teilte gestern mit, dass Katar zwischen 2024 und 2030 zehn Milliarden Euro in Start-ups und Investmentfonds in Frankreich stecken werde.

Die Investitionen „zum beiderseitigen Nutzen beider Länder“ würden in Schlüsselsektoren wie Energiewende, Halbleiter, Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz, Digitaltechnik, Gesundheit, Gastgewerbe und Kultur getätigt.

Die Investitionen wurden im Rahmen eines Besuchs des Emirs von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, in Frankreich angekündigt. Es ist sein erster Staatsbesuch in dem Land seit seiner Inthronisation 2013.

Im Konflikt über die Kollektivverträge ist das Bodenpersonal der deutschen Fluglinie Lufthansa heute in einen dreitägigen Warnstreik getreten. Passagierflüge sollen diesmal nicht betroffen sein.

Zum dreitägigen deutschlandweiten Ausstand aufgerufen seien unter anderem Beschäftigte und Auszubildende der Lufthansa Technik, Lufthansa Aviation Training und Lufthansa Technical Training, teilte die Gewerkschaft ver.di mit.

Streik bei der Lufthansa
Reuters/Maximilian Schwarz

Bisher hat ver.di in dem Konflikt zwei ganztägige Warnstreiks geführt, bei denen jeweils mehrere hundert Flüge ausgefallen waren. Ver.di hatte zuletzt ein neues Angebot der Lufthansa nach zweitägigen Tarifverhandlungen als unzureichend abgelehnt.

Chronik

In Mexiko ist es wegen einer 2.000 Meter hohen Aschewolke über dem Vulkan Popocatepetl zu zahlreichen Flugausfällen gekommen.

Der internationale Flughafen von Mexiko-Stadt teilte gestern mit, dass nationale und internationale Fluggesellschaften 22 Flüge gestrichen hätten, „weil bei Sicherheitskontrollen Asche gefunden“ worden sei. Es sei aber nicht nötig, den Flugbetrieb einzustellen.

Rauchsäule über dem Vulkan Popocatepetl in Mexiko
Reuters/Henry Romero

Die Behörden hatten zuvor die Warnstufe zwei ausgegeben. Sie warnten davor, dass in den Bundesstaaten Morelos, Puebla und Mexiko sowie im rund 90 Kilometer von dem Vulkan entfernten Mexiko-Stadt Asche niedergehen könnte.

77 Ausbrüche in 24 Stunden

In einem gestern am späten Nachmittag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht des Zivilschutzes hieß es, dass binnen 24 Stunden 77 Ausbrüche, 952 Minuten Erschütterungen und ein Erdbeben an dem 5.452 hohen Popocatepetl festgestellt worden seien.

Der in Zentralmexiko zwischen Mexiko-Stadt und Puebla gelegene Popocatepetl gilt als einer der gefährlichsten Vulkane der Welt, da in einem Umkreis von 100 Kilometern etwa 25 Millionen Menschen leben. Zuletzt war die Warnstufe für den Vulkan im Mai vergangenen Jahres erhöht worden. Damals hatten die Behörden den Ausstoß von Rauch, Asche und glühenden Gesteinsbrocken als Gefahr für die Luftfahrt und die Bevölkerung in der weiteren Umgebung eingestuft.

Der Multimillionär und Vorstandsvorsitzende des US-Lebensmittelriesen Kellogg’s, Gary Pilnick, hat sich zuletzt viel Spott und Häme im Internet zugezogen. Wie unter anderem der „Guardian“ gestern berichtete, hatte er vor einer Woche live im US-TV-Sender CNBC vorgeschlagen, dass Familien mit angespannten finanziellen Verhältnissen damit zurechtkommen könnten, „Müsli zum Abendessen“ zu essen.

Im Internet wurde die fragliche Bemerkung prompt mit dem Satz „Lasst sie Kuchen essen“, der häufig ohne Beweise Marie-Antoinette vor ihrer Hinrichtung während der Französischen Revolution zugeschrieben wird, verglichen.

„‚Müsli zum Abendessen‘ kommt sehr gut an“

Getreide sei „schon immer recht erschwinglich“ und eine gute Wahl, wenn man finanziell unter Druck stünde, sagte Pilnick in der Diskussion über hohe Lebensmittelpreise. „Wenn man bedenkt, was ein Müsli für eine Familie kostet, im Vergleich zu dem, was sie sonst essen würde, dann ist das viel erschwinglicher.“

Der CNBC-Moderator fragte Pilnick, ob seine Äußerungen bei den Konsumentinnen und Konsumenten, die seit 2020 gezwungen sind, rund 26 Prozent mehr für Lebensmittel auszugeben, „falsch ankommen“ könnten. Dieser antwortete, dass es in der Tat „sehr gut“ ankomme, Müsli zum Abendessen zu essen. Er würde sogar erwarten, dass sich das fortsetze.

„Glaubt ihr, er füttert seinen Kindern Müsli zum Abendessen?“, verwies ein Nutzer auf der Onlineplattform TikTok spöttisch auf einen Bericht der US-Börsenaufsichtsbehörde von 2023, wonach Pilnick ein jährliches Grundgehalt von mehr als einer Mio. Dollar (rund 900.000 Euro) und mehr als vier Mio. Dollar (rund 3,86 Mio. Euro) Prämien verdiene.

Gleich teuer wie Tiefkühllasagne

Andere wiesen darauf hin, dass gerade Kellogg’s-Müslis nicht unbedingt billig seien. Wieder andere stellten infrage, ob der Verzehr von Müsli wirklich so gesund sei, wenn man bedenke, wie viel Zucker manche Marken enthielten.

Eine Person argumentierte, dass eine Zehn-Dollar-Packung (rund neun Euro) Müsli zusammen mit Milch um drei Dollar (rund drei Euro) etwa so viel koste wie eine Tiefkühllasagne, mit der die gleiche Anzahl von Personen zum Abendessen versorgt werden könne.

Kellogg’s wirbt für seine „Müsli zum Abendessen“-Kampagne seit etwa 2022, als die Lebensmittelpreise laut US-Landwirtschaftsministerium um 9,9 Prozent stiegen, mehr als in jedem anderen Jahr seit 1979. Der 59-jährige Pilnick ist der Plattform LinkedIn zufolge seit Oktober Vorstandsvorsitzender von Kellogg’s und arbeitet seit mehr als 23 Jahren für das US-Unternehmen.

Mehr als 20 Jahre nach dem Mord am US-amerikanischen Hip-Hop-Musiker Jam Master Jay hat eine Jury in New York zwei einst mit ihm befreundete Männer schuldig gesprochen.

Das teilte die Staatsanwaltschaft gestern (Ortszeit) mit. Die 40- und 59-jährigen Verurteilten müssen nun mit langen Haftstrafen rechnen, die zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

Murel in New York zeigt den 2002 ermordeten US-amerikanischen Hip-Hop-Musiker Jam Master Jay
APA/AFP/Charly Triballeau

Der 1965 mit dem bürgerlichen Namen Jason Mizell geborene Musiker war in den 80er Jahren als DJ der legendären Rap-Band Run-DMC weltberühmt geworden. Die Ermordung des 37-Jährigen, der mit mehreren Schüssen niedergestreckt wurde, gab Ermittlern jahrzehntelang Rätsel auf.

Staatsanwaltschaft: Mordkomplott geschmiedet

Der Prozess gegen die beiden Angeklagten begann im Jänner. Den Männern wird vorgeworfen, Jam Master Jay im Oktober 2002 in einem Musikstudio im New Yorker Stadtteil Queens erschossen zu haben. Die Beschuldigten und der Ermordete stammen alle aus derselben Gegend von New York. Der Musiker war auch der Pate von einem der Männer. Mizell war verheiratet und Vater von drei Kindern.

Nach Darstellung der Anklage hatte Jam Master Jay vermehrt mit Kokain gedealt, als sein musikalischer Erfolg nachließ. Als es zum Streit mit den nun Verurteilten über das Drogengeschäft kam, schmiedeten diese nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ein Mordkomplott.

Beim Verfahren war die Todesstrafe im Vorfeld bereits ausgeschlossen worden. Auch ein dritter Mann wird beschuldigt, der separate Prozess gegen ihn soll aber erst im Jahr 2026 anlaufen.

IT

Der US-Technologiekonzern Apple gibt einem Medienbericht zufolge die Entwicklung eines eigenen Elektroautos auf. Die zuletzt knapp 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Projekts seien gestern (Ortszeit) von der Ankündigung überrascht worden, schrieb die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Viele von ihnen sollten künftig an künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Um Apples Autoprojekt ranken sich seit Jahren Gerüchte. Der US-Konzern soll schon vor Jahren potenziellen Partnern aus der Autobranche erste Prototypen gezeigt haben, dann wurde jedoch laut Medienberichten beschlossen, sich erst auf Software zum autonomen Fahren zu konzentrieren.

Definitiv bekannt war nur, dass Apple bis zuletzt zu selbstfahrenden Fahrzeugen umgebaute Testwagen im Silicon Valley auf die Straße schickte. Der als Projektleiter eingesetzte ehemalige Tesla-Manager Doug Field ging 2021 zu Ford, wo er die Elektroautosparte verantwortet.

Kultur

Er habe Schauspielerinnen und Schauspieler vor zahlendem Publikum getreten oder geschlagen, er habe Nacktszenen unabgesprochen ausgedehnt: Die Vorwürfe gegen Paulus Manker unter anderem von Inszenierungen seines Stücks „Alma“ sind nicht neu. Eine vom NDR produzierte Doku rollt sie nun allerdings neu auf.

Anonymes Interview mit einem Crewmitglied
NDR

„Gegen das Schweigen – Machtmissbrauch bei Theater und Film“ nimmt den österreichischen Theatermacher als Beispiel für eine Branche, die augenscheinlich für Gewalt und Machtmissbrauch besonders anfällig ist. „Jeder der folgenden Fälle hilft zu verstehen, was grundsätzlich falsch läuft in einer Branche, in der Stars so gefeiert werden“, so Kira Gantner in der Doku, eine der Autorinnen.

Schläge, Tritte, Nacktheit

Gantner und ihre Kollegin Zita Zengerling recherchierten über drei Jahre und sprachen mit 200 Film- und Theaterschaffenden. Etwa 70 davon legten eidesstattliche Erklärungen dazu ab, was sie den Journalistinnen berichteten. Viele der Berichte, das machten die Journalistinnen deutlich, haben es nicht in die Doku geschafft, weil Betroffene Sorge haben, keine Beschäftigung mehr in der Branche zu bekommen, teils weil ihnen damit auch gedroht wurde.

Von Schlägen, Tritten, verbalen Erniedrigungen berichten Betroffene, davon, sich ohne Anlass und ohne anwesende Vertrauensperson vor der Kamera nackt ausziehen zu müssen. Sie sprechen von sexualisierten Beschimpfungen, übergriffigen Berührungen, von angeblichen Castings in Privatwohnungen von Regisseuren und von Situationen, in denen Oralsex gefordert wurde als Gegenleistung für eine Vertragsverlängerung.

Die Namen bleiben in den meisten Fällen unausgesprochen. „Die Namen sind nicht egal“, so Verena Altenberger, die im Film nicht über eigene Erlebnisse spricht, wohl aber über die Notwendigkeit, die Branche zu ändern. „Aber wir dürfen nicht denken, wenn wir jetzt die Namen haben und sie sind draußen, ist alles gut.“

Vorwürfe gegen „Polt“-Regisseur

Der zweite prominente Name aus Österreich ist Julian Pölsler, dessen größter Erfolg die Marlen-Haushofer-Verfilmung „Die Wand“ war und der für seine „Polt“-Krimiverfilmungen bekannt ist. Ihm wird verschiedentlich verbal übergriffiges Verhalten bei Dreharbeiten vorgeworfen, ehemalige Studierende berichten von „abschätzenden Blicken“ im Unterricht.

Im Film wird von einem Casting berichtet, bei dem Pölsler eine Szene mit einem sexuellen Übergriff ohne Notwendigkeit an mehreren jungen Schauspielerinnen handgreiflich nachspielte, und dass er eine junge Darstellerin bat, sich vor der Kamera auszuziehen, um ihr danach zu sagen, sie sei ohnehin zu jung für die Rolle.

Systemisches Problem

Den Journalistinnen gelingt es, das systematische Problem aufzuzeigen, etwa am Beispiel des deutschen Schauspielers und Regisseurs Kida Ramadan, dessen Ausbrüche an Filmsets berüchtigt sind – und der trotzdem immer weitere hoch dotierte Serienprojekte umsetzen darf, auch öffentlich-rechtlich finanziert.

Der Schwerpunkt auf österreichische Fälle dürfte damit zusammenhängen, dass es hier seit 2022 eine größere Bereitschaft als in Deutschland gibt, über Übergriffe zu sprechen. Damals waren es die Schauspielerin Luna Jordan, die in ihrer Dankesrede beim Filmpreis erlebte Übergriffe ansprach, und die Regisseurin Katharina Mückstein, die ihr anvertraute Erlebnisse von Betroffenen vor und hinter der Kamera öffentlich machte.

Der deutsche Blick auf österreichische Verhältnisse ist ernüchternd. Gerade am Beispiel Manker wird deutlich, wie sehr dem Theatermacher sein „Enfant terrible“-Image nicht schadet, sondern die Öffentlichkeit übergriffiges Verhalten eines Stars entschuldigt und kleinredet. Auf die Frage, ob man als Publikum eine Verantwortung hat, sagt im Film eine Zuschauerin von Manker: „Da dürfte ich in viele Theater nicht mehr gehen.“

„Gegen das Schweigen“ ist seit heute online zu sehen, zwei Wochen vor der Fernsehausstrahlung.

Tausende Künstlerinnen und Künstler haben den Ausschluss Israels von der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig gefordert. Es sei inakzeptabel, Kunst aus einem Staat zu präsentieren, der gegenwärtig Gräueltaten gegen die Palästinenser in Gaza ausführe, hieß es in einem online veröffentlichten offenen Brief der Art Not Genocide Alliance (ANGA).

Die Künstlerinnen und Künstler werfen Israel Völkermord vor. Nach Angaben der Aktivistengruppe haben inzwischen mehr als 8.000 Kunst- und Kulturschaffende die Petition unterschrieben. Die Forderung kommt knapp zwei Monate vor der berühmten Kunstausstellung in der norditalienischen Lagunenstadt Venedig.

Petition: Kein Länderpavillon für Israel

Die Kunstbiennale findet vom 20. April bis zum 24. November statt. Dort werden zahlreiche Länderpavillons gezeigt. Die Künstlerinnen und Künstler fordern, dass es keinen israelischen Pavillon geben soll. „Jede offizielle Vertretung Israels auf der internationalen Kulturbühne ist eine Befürwortung dessen Politik und des Völkermords in Gaza“, hieß es in der Petition.

Dort ist außerdem von einem „Genozidpavillon“ die Rede. Israel wird von Kritikerinnen und Kritikern vorgeworfen, im Kampf gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Israel weist den Vorwurf entschieden zurück.

Die Angriffe werden als Selbstverteidigung nach der Terrorattacke der Hamas und anderer Extremisten am 7. Oktober vergangenen Jahres gerechtfertigt, bei denen nach israelischen Angaben rund 1.200 Menschen getötet und etwa 250 aus Israel entführt worden waren.

Italiens Kulturminister solidarisch mit Israel

Italiens Kulturminister Gennaro Sangiuliano reagierte empört auf den Aufruf und bezeichnete ihn als inakzeptabel und beschämend. Er sprach dem Staat Israel und seinen Künstlerinnen und Künstlern seine Solidarität aus.

„Die Kunstbiennale wird immer ein Ort der Freiheit, der Begegnung und des Dialogs sein und nicht ein Ort der Zensur und Intoleranz“, sagte Sangiuliano laut Mitteilung. Kultur sei eine Brücke zwischen Menschen und Nationen, keine Mauer der Trennung.

Leute

Der französische Schauspielstar Alain Delon ist wegen illegalen Waffenbesitzes ins Visier der französischen Justiz geraten. Bei einer Durchsuchung wurden in seinem Anwesen 72 Waffen, darunter auch solche, die als Kriegsgerät eingestuft sind, sowie rund 3.000 Schuss Munition gefunden.

Das Anwesen von Alain Delon
APA/AFP/Guillaume Souvant

Da der Schauspieler keinen Waffenschein habe, habe die Justiz nun Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, teilte die Staatsanwaltschaft gestern in Montargis mit. Dass Delon ein Waffenfan ist, war weithin bekannt. Vor zehn Jahren hatte er einen Teil seiner Sammlung versteigert.

Auf seinem Grundstück in Douchy-Montcorbon befindet sich auch ein Schießstand. Die Tatsache, dass Delon keine Genehmigung für den Waffenbesitz hatte, erregte allerdings erst jetzt Aufsehen, da der 88-Jährige wegen seiner zunehmenden Unselbstständigkeit einen Betreuer zugewiesen bekommen hatte.

Streit zwischen Delons Kindern

Der Waffenfund löste eine neue Runde im Streit von Delons drei Kindern über den Umgang mit dem schwer kranken und reichen Vater aus. „Anthony und Alain-Fabien wissen, dass ich Waffen verabscheue. Das ist ein Machoding meines Vaters“, sagte Tochter Anouchka der Zeitschrift „Elle“.

Anthony Delon feuerte mit einer Schimpftirade auf Instagram zurück, in der er seiner jüngeren und vom Vater bevorzugten Schwester vorwarf, sich ebenfalls mit Schusswaffen auf dem Familienbesitz amüsiert zu haben.

Auch die ehemalige Partnerin des Schauspielers, Hiromi Rollin, die die Kinder in seltener Einmütigkeit aus dem Haus geworfen hatten, mischte sich ein. „Meine Mandantin ist sehr besorgt, dass Alain Delon keine medizinische Behandlung bekomme und Schusswaffen in seiner Nähe habe“, erklärte ihre Anwältin.

Mehrere Schlaganfälle

Delon hat mehrere Schlaganfälle erlitten und kann sich nach Angaben seiner Kinder nur noch mit Mühe verständlich machen. Der Streit der drei Kinder dreht sich unter anderem um die Frage, ob der Schauspieler seinen Lebensabend in seiner Residenz in Frankreich verbringen soll oder noch in die Schweiz übersiedelt, wo seine Tochter Anouchka lebt. Delon besitzt auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Der französische Schauspielstar Alain Delon
APA/AFP/Christophe Simon

Laut dem ältesten Sohn Anthony legte Alain Delon in seinem Testament fest, dass seine Tochter Anouchka die Hälfte und die beiden Söhne jeweils ein Viertel seines Besitztums erben sollen. In der Öffentlichkeit hatte der Schauspieler seine Tochter Anouchka häufig seinen Söhnen vorgezogen.