Inland

Wenig erfreut über die Aussicht auf einen blauen Kanzler zeigt sich der ehemalige Chef des mittlerweile aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling. „Russland wird Verbindungen zur FPÖ nutzen“, sagte er heute dem „Standard“. Die FPÖ sei unter den österreichischen Parteien jene, die am engsten in russische Spionage verwickelt sei. „Die FPÖ war ein Einfallstor für russische nachrichtendienstliche Informationsgewinnung.“

Als Beispiel führte er etwa die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl und die frühere Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft ins Treffen. Auf nachrichtendienstlicher Ebene hätte aber weder ein blauer Kanzler noch Innenminister grobe Konsequenzen, meinte Gridling. „Ein Partnerdienst kann sich die internationalen Verwicklungen nicht leisten, wenn er Hinweise zu Terrorgefahr nicht übermitteln würde.“

Als Kickl während der letzten türkis-blauen Bundesregierung das Innenressort leitete, sei die Informationsweitergabe zum Thema Russland eingeschränkt gewesen. In anderen Bereichen habe es dennoch gemeinsame Ermittlungen gegeben.

Suspendierung durch Kickl

Kickl ließ Gridling suspendieren. Der ehemalige Verfassungsschützer sieht einen Grund: „Man wollte damals das BVT handstreichartig umfärben.“ Nachdem die Ermittlungen eingestellt worden waren, kehrte Gridling ins Amt zurück. „Man hat damals auch probiert, an mir vorbei mit Geheimprojekten Strukturen im BVT aufzubauen“, so Gridling. „Gott sei Dank ist dann ‚Ibiza‘ passiert.“

Danach gefragt sprach sich der ehemalige Verfassungsschutzchef für einen Innenminister aus der ÖVP aus. Auch in der Justiz wäre „ein unabhängiger Experte als Minister gefragt“.

Damit rechnet er aber nicht: „Als gelernter österreichischer Beamter braucht man sich aber nichts vorzumachen. Bei Postenbesetzungen wird sich nicht viel ändern. Auch die Grünen haben das rasch gelernt. Unter ÖVP-Ministern gab es oft Personalvorschläge, bei denen Loyalität wichtiger als Kompetenz war.“

Ausland

Der autoritär herrschende venezolanische Staatschef Nicolas Maduro ist heute für eine dritte Amtszeit von sechs Jahren vereidigt worden. Er schwöre, dass seine neue Amtszeit „eine Amtszeit des Friedens“ sein werde, sagte Maduro vor dem Präsidenten der Nationalversammlung in Caracas, Jorge Rodriguez. Dieser erklärte anschließend: „Sie werden als verfassungsgemäßer Präsident eingesetzt.“

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro
APA/AFP/Federico Parra

Gestern hatten Tausende Anhänger und Anhängerinnen der Opposition gegen die erneute Vereidigung Maduros protestiert. Die Opposition prangert Wahlbetrug an und sieht ihren Kandidaten, Edmundo Gonzalez Urrutia, als den gewählten Präsidenten des Landes an.

Bei den Protesten war auch Venezuelas monatelang untergetauchte Oppositionsführerin Maria Corina Machado aufgetreten – und in der Folge vorübergehend festgenommen worden.

Nach der Präsidentenwahl im Juli hatte Gonzalez Urrutia den Sieg für sich reklamiert. Die USA, Kanada und mehrere Länder Lateinamerikas erkennen ihn als Wahlsieger an. Auch der designierte US-Präsident Donald Trump bezeichnete Gonzalez als den „gewählten Präsidenten“.

Die linientreue Wahlbehörde erklärte allerdings den seit 2013 regierenden Maduro zum Wahlsieger. Die Europäische Union hatte seinen Wahlsieg nicht anerkannt. Sie fordert die Veröffentlichung der Wahlunterlagen, die die Wahlbehörde bis heute nicht erfüllt hat.

Der neuen syrischen Übergangsregierung nahestehende Terroristen haben nach Angaben von Aktivisten heute einen Beamten öffentlich hingerichtet, den sie beschuldigen, ein Informant des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad gewesen zu sein. Die Kämpfer hätten Masen Kneneh mit einem Schuss in den Kopf getötet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Kneneh sei „einer der bekanntesten Unterstützer des früheren Regimes“ gewesen, erklärte die Organisation. Die Hinrichtung sei in Dummar, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, erfolgt.

Die von Islamisten angeführten Behörden warfen Kneneh den Angaben zufolge vor, „böswillige Sicherheitsberichte geschrieben zu haben, die zur Verfolgung, Inhaftierung und Folter vieler junger Männer führten“. Unter Assad, der am 8. Dezember durch die islamistische Miliz HTS und mit ihr verbündeten Gruppen gestürzt wurde, waren Zehntausende Regierungsgegner eingesperrt und gefoltert worden – viele von ihnen werden nach wie vor vermisst.

Die neuen islamistischen Behörden in Syrien sind in den vergangenen Tagen in verschiedenen Landesteilen mit Razzien gegen Unterstützer von Assad vorgegangen. Der neue Geheimdienstchef hatte versprochen, den Sicherheitsapparat zu erneuern. Die HTS wird von der UNO, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Bei einem israelischen Luftangriff im Südlibanon trotz der bestehenden Waffenruhe sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut heute fünf Menschen getötet worden. Eine Rakete habe einen Lieferwagen bei dem Ort Tair Debba östlich der Küstenstadt Tyrus getroffen.

In dem Fahrzeug befanden sich laut libanesischen Sicherheitskreisen Waffen. Die israelische Armee teilte auf Anfrage mit, Terroristen hätten das Fahrzeug mit Waffen der proiranischen Hisbollah-Miliz beladen.

Es sei unter Wahrung der Vereinbarungen über die Waffenruhe zerstört worden, um die Gefahr zu beseitigen. Israel werde weiter gegen jede Bedrohung vorgehen, so die Armee in einer schriftlichen Mitteilung.

Israel und die Hisbollah hatten sich Ende November nach mehr als einjährigem gegenseitigem Beschuss auf die Waffenruhe geeinigt. Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass sich die Hisbollah hinter den Litani-Fluss etwa 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurückzieht. Tair Debba liegt südlich des Litani. Vereinbart wurde zudem, dass Israel seine Bodentruppen binnen 60 Tagen aus dem Libanon abzieht.

Ziele im Jemen angegriffen

Israels Armee bestätigter außerdem Luftangriffe im Jemen. Israelische Kampfflugzeuge hätten Ziele der Huthi-Miliz an der Westküste und im Landesinneren bombardiert, teilte das Militär mit. Konkret seien militärische Infrastrukturanlagen in einem Kraftwerk nahe der Hauptstadt Sanaa sowie in den Häfen von Hudaida und Ras Isa getroffen worden.

Zur Begründung erklärte die Armee, die Huthis hätten wiederholt Israel, seine Bürger und zivile Infrastruktur angegriffen. „Der Staat Israel hat das Recht und die Pflicht, sich zu verteidigen“, hieß es in der Mitteilung.

Nach Angaben des saudi-arabischen Nachrichtensenders al-Arabija gab es insgesamt rund 30 Luftangriffe im Jemen. Erst am Abend zuvor hatte die israelische Luftabwehr drei Drohnen abgefangen, die aus dem Jemen gestartet waren. Die Huthi-Miliz reklamierte den Angriff für sich.

Nach der mutmaßlichen Sabotage von Unterwasserkabeln in der Ostsee will die NATO finnischen Angaben zufolge zwei Schiffe zur Überwachung der Unterwasserinfrastruktur entsenden. Die Schiffe sollen zudem die russische „Schattenflotte“ in der Ostsee überwachen, wie die finnische Außenministerin Elina Valtonen heute sagte.

„Finnland ist schon seit Langem besorgt über die Risiken, die die von Russland benutzte Schattenflotte für die Umwelt und die maritime Sicherheit darstellt“, fügte sie hinzu.

Mit der Schattenflotte umgeht Moskau das im Zuge des Ukraine-Krieges verhängte Ölembargo. Nach der Beschädigung mehrerer Unterwasserkabel am Stephanitag in der Ostsee stoppten die finnischen Behörden einen in Russland gestarteten Tanker, der den Schaden mutmaßlich durch seinen auf dem Boden schleifenden Anker verursachte und verdächtigt wird, zur „Schattenflotte“ zu gehören.

Auch Eingreiftruppe aktiviert

Die NATO vermutet wie auch die finnischen Ermittler einen russischen Sabotageakt und hat angekündigt, die militärische Präsenz in der Ostsee zu erhöhen. Am Montag erklärte zudem die multinationale Eingreiftruppe Joint Expeditionary Force (JEF), sie werde die kritische Infrastruktur in der Ostsee verstärkt überwachen.

Der JEF gehören zehn Staaten im Norden Europas an, darunter Schweden, Finnland, die baltischen Staaten und Großbritannien.

Bei ihrem Besuch auf Grönland sollen Donald Trump Jr. und seine Begleiter Berichten zufolge Menschen mit der Aussicht auf ein Gratismittagessen in einem noblen Hotel angeworben haben, um sie in Videos als Trump-Anhänger darzustellen. Das berichtete der dänische Rundfunksender DR.

Mehrere Quellen sagten dem Sender, dass in den Videos rund um den Kurztrip des Sohnes des designierten US-Präsidenten Donald Trump unter anderem mehrere Obdachlose und andere sozial Benachteiligte zu sehen seien, die sich häufig vor einem Supermarkt neben dem Hotel aufhalten.

„Das sind Obdachlose und alte Menschen, die plötzlich in einem Restaurant essen können, in dem sie nie zuvor waren“, wurde ein langjähriger Einwohner der Hauptstadt Nuuk von dem Sender zitiert.

Um dabei zu sein, hätten sie nur „Make America Great Again“-Kappen aufsetzen und an den Videos der Trump-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen mitwirken müssen. „Sie werden bestochen, und das ist äußerst geschmacklos“, sagte er. Ein erklärter Trump-Anhänger, der Trump Jr. die grönländische Hauptstadt Nuuk zeigte, wies die Anschuldigungen zurück.

Grönland und Dänemark nehmen Trump-Aussagen ernst

Die Reise von Trump Jr. nach Grönland erfuhr große Beachtung, da sein Vater Donald Trump in der Vergangenheit wiederholt Begehrlichkeiten mit Blick auf das zum dänischen Königreich zählende Grönland geäußert hat.

Trump senior hatte zudem am Dienstag – dem Tag des Grönland-Besuches seines Sohnes – auf einer Pressekonferenz nicht ausgeschlossen, militärischen oder wirtschaftlichen Zwang anzuwenden, um die Kontrolle über die größte Insel der Erde zu erlangen. Mehrere europäische NATO-Staaten hatten mit Kritik und Unverständnis auf diese Aussagen reagiert.

„Wir wollen keine Dänen sein. Wir wollen keine Amerikaner sein. Wir wollen selbstverständlich Grönländer sein“, sagte Grönlands Regierungschef Mute B. Egede auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in Kopenhagen. Auch Frederiksen unterstrich, dass die Grönländer selbst über ihre Zukunft bestimmten. „Grönland gehört den Grönländern, niemand anderem“, sagte sie.

Im Krisenland Myanmar sind bei Luftangriffen des Militärs auf ein Dorf im westlichen Rakhine-Staat örtlichen Medien und Augenzeugen zufolge mindestens 40 Menschen getötet und 20 weitere verletzt worden.

Die heftigste Attacke ereignete sich am Mittwoch in Kyauk Ni Maw, wie Ko Ko Khai, ein Bewohner des Ortes, der dpa bestätigte. Mehr als 500 Häuser seien zerstört worden. In der Region leben viele Widerstandskämpfer, die sich gegen die regierende Militärjunta auflehnen und mehrere Ortschaften kontrollieren.

Mit Attacken aus der Luft geht die Militärjunta seit ihrem Putsch im Februar 2021 immer wieder gegen Widerstandsgruppen vor, trifft dabei aber oft Zivilisten und Zivilistinnen. Dem unabhängigen Forschungsinstitut ISP-Myanmar zufolge hat die Junta seit dem Umsturz und der Entmachtung der früheren Regierungschefin Aung San Suu Kyi in ganz Myanmar mehr als 50 Massaker verübt.

Bei diesen Massakern – definiert als Tötung von mindestens zehn Zivilisten auf einmal – kamen laut den Angaben bereits rund 1.200 Menschen ums Leben, darunter Kinder und ältere Menschen. Die Junta äußert sich generell nicht zu solchen Berichten.

Ukraine-Krieg

Die scheidende US-Regierung von Präsident Joe Biden verhängt die nach eigenen Angaben bisher schärfsten Sanktionen gegen Russlands Energiesektor. Die Maßnahmen zielen auf zwei der größten russischen Ölkonzerne, Gasprom Neft und Surgutneftegas, teilte das Finanzministerium in Washington heute mit. Sanktioniert werden auch 183 Schiffe, die die US-Regierung zum Großteil zur russischen Schattenflotte zählt.

Der Begriff Schattenflotte bezeichnet Tanker und Frachtschiffe, die Russland nutzt, um bestehende Sanktionen beim Öltransport zu umgehen. Betroffen seien auch spezifische Projekte und die Infrastruktur für verflüssigtes Erdgas (LNG) sowie Subunternehmen, Dienstleister, Händler und maritime Versicherer.

„Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie“

Mit den neuen Maßnahmen will die US-Regierung die Produktions- und Lieferketten der russischen Energiewirtschaft treffen und damit das Gefüge schwächen, das der Kreml zur Finanzierung seines Angriffskrieges gegen die Ukraine nutzt. „Unsere Sanktionen wirken wie Sand im Getriebe der russischen Kriegsmaschinerie“, hieß es.

Großbritannien werde sich den Sanktionen anschließen. „Wir gehen davon aus, dass unsere Maßnahmen Russland jeden Monat mehrere Milliarden Dollar kosten werden.“

Die US-Regierung erhofft sich, so die russische Währung weiter zu schwächen, die Inflation anzuheizen und die Russische Zentralbank dazu zu bringen, den Leitzins noch weiter anzuheben. Dieser hat bereits ein Rekordniveau erreicht. Das wiederum könnte die finanzielle Lage russischer Unternehmen weiter verschlechtern.

„Ziel ist es, Putins Kalkül über die Kosten der Fortsetzung eines sinnlosen Krieges zu ändern und gleichzeitig der Ukraine einen größeren Hebel zu geben – einen Hebel, den sie braucht, um einen gerechten und dauerhaften Frieden auszuhandeln“, hieß es.

Angesichts der hohen Zahl von Wehrdienstverweigerern hat die Ukraine heute einen Großeinsatz gestartet, um den illegalen Grenzübertritt und damit die Flucht von Männern im wehrfähigen Alter zu verhindern. Wie die ukrainische Polizei in einer Erklärung mitteilte, werden im Rahmen einer „Spezialoperation“ mehr als 600 Durchsuchungen vorgenommen.

Ukrainischen Männern im Alter zwischen 18 und 60 Jahren ist es bis auf wenige Ausnahmen verboten, das Land zu verlassen. Denjenigen, die einer möglichen Mobilmachung entgehen wollen, bleibt nur die illegale Ausreise.

„Erste Phase einer Spezialoperation“

„Mehr als 600 gleichzeitige Durchsuchungen“ würden im ganzen Land in den Wohnungen von „Organisatoren und Teilnehmern von Gruppen“ vorgenommen, die Hunderten Männern den Grenzübertritt vorbei an den Kontrollposten ermöglich hätten, hieß es in der Erklärung der Polizei.

Die Razzien seien „nur die erste Phase einer Spezialoperation“, um diese Netzwerke zu zerschlagen. Weitere Informationen zu dem Einsatz würden veröffentlicht, „nachdem alle Ermittlungsmaßnahmen abgeschlossen sind“.

Tausende oder sogar Zehntausende Ukrainer könnten nach inoffiziellen Schätzungen mit Hilfe von Schleusern, falschen Papieren oder Bestechungsgeldern an Grenzschutzbeamte illegal ausgereist sein. Dutzende von ihnen kamen beim Versuch, Grenzflüsse zu durchschwimmen, ums Leben.

Kritik an Mobilisierungssystem

Die ukrainische Armee hat in den fast drei Jahren des Krieges gegen Russland schwere Verluste erlitten und muss immer härter darum kämpfen, ihre Reihen in der Armee wieder aufzufüllen. Im Land gibt es viel Kritik am System der Mobilisierung für die Armee, das viele für ineffektiv, korrupt und unfair halten.

Als Reaktion auf die Kritik hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Jahr 2023 alle für die Mobilisierung zuständigen regionalen Beamten entlassen. Vergangenes Jahr war zudem der ehemalige ukrainische Generalstaatsanwalt Andrij Kostin zurückgetreten, nachdem eine Untersuchung ein großangelegtes Korruptionssystem aufgedeckt hatte, das offenbar Befreiungen von der Wehrpflicht für Regierungsbeamte vorsah.

Wirtschaft

Das VW-Werk im deutschen Zwickau muss einem Medienbericht zufolge auch nach dem Kompromiss zwischen Volkswagen und Betriebsrat um seine Zukunft bangen.

VW-Werk in Zwickau
IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Im Konzern gebe es Überlegungen, das letzte verbleibende Modell, den Elektro-Audi Q4 e-tron, ab der ersten Hälfte der 2030er Jahre zumindest teilweise auch an einem anderen Standort zu bauen, berichtete der „Spiegel“.

Im Gespräch sei eine Produktion im US-Werk von Volkswagen in Chattanooga. Zumindest die Fahrzeuge für den US-Markt könnten künftig dort produziert werden, hieß es. Bisher kommen diese aus Zwickau. „Wir prüfen derzeit verschiedene Szenarien“, sagte eine Audi-Sprecherin auf Anfrage. Zugleich betonte sie: „Zwickau bleibt auch künftig Produktionsstandort für Audi Q4 e-tron und Audi Q4 e-tron Sportback.“

Erster Audi „made in USA“

Das VW-Schwestermodell ID.4 wird bereits jetzt auch in Chattanooga produziert. Für Audi wäre der Q4 dagegen das erste Fahrzeug, das direkt in den USA hergestellt wird. Bisher bedient Audi den dortigen Markt vor allem aus seinem Werk in Mexiko.

Der Audi Q4 e-tron und dessen Kombivariante Q4 e-tron Sportback sind ab 2027 die einzigen Modelle, die noch in Zwickau gebaut werden. Die bisher ebenfalls dort hergestellten VW-Modelle ID.3, ID.4, ID.5 und der Cupra Born wechseln dann nach Wolfsburg und Emden.

Darauf hatten sich Unternehmen und Betriebsrat im Rahmen des Tarifkompromisses kurz vor Weihnachten verständigt. Für die Mitarbeiter gilt im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung bis 2030. Das Zwickauer Werk hat rund 9.500 Mitarbeiter.

Der deutsche Autokonzern Mercedes-Benz bekommt die schwache Nachfrage nach Spitzenmodellen in China und nach Elektrofahrzeugen zu spüren. Der Konzern setzte nach Angaben von heute im vergangenen Jahr gut 1,98 Millionen Fahrzeuge ab, das waren um drei Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Wachstum in Nordamerika konnte den Einbruch in China und Europa nicht wettmachen. Mercedes begründete den Absatzrückgang bei den Spitzenmodellen mit der schwächeren Nachfrage nach Elektroautos, Modellwechseln und den Marktbedingungen in China.

Die Krise auf dem chinesischen Immobilienmarkt verleidete dort vielen wohlhabenden Kunden und Kundinnen den Autokauf. Insgesamt setzte der Konzern 281.500 Topmodelle ab, das waren um 14 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

Einbrüche bei Einstiegs- und E-Autos

Auch das Geschäft mit Einstiegsfahrzeugen lief schlechter. Aufwärts ging es dagegen bei den Mittelklasseautos. In der Van-Sparte sank der Absatz um neun Prozent auf 405.600 Fahrzeuge, unter anderem deswegen, weil nach der CoV-Sonderkonjunktur die Nachfrage nach Wohnmobilen wieder nachlässt.

Einen deutlichen Dämpfer verzeichnete das Geschäft mit Elektroautos: Hier setzte Mercedes nur noch 185.100 vollelektrische Pkws ab, das waren um 23 Prozent weniger als im Jahr davor.

Ein Vertrauter von Elon Musk will die Kontrolle über das US-Pharmaunternehmen Lykos, das psychedelische Medikamente herstellt, übernehmen. Heute berät laut „Financial Times“ Lykos über das Angebot.

Lykos will MDMA, besser bekannt als Partydroge Ecstasy, als Medikament auf den Markt bringen. Psychedelische Behandlungsmethoden sind etwa bei Depressionen seit Jahren im Aufwind. Musk hat selbst offen eingeräumt, das Anästhetikum Ketamin, das nicht zu den Psychedelika gehört, einzunehmen.

Antonio Gracias, ein früherer Unterstützer von Tesla, Ex-Mitglied in dessen Geschäftsführung und ein Unterstützer von Musks Übernahme von Twitter, schlug den Investoren von Lykos eine Finanzspritze vor. Im Gegenzug will Gracias eine Sperrminorität am Unternehmen.

Hoffen auf Kennedy

Laut „Financial Times“ sind die Investoren mit dem Regierungswechsel in den USA optimistischer, dass Lykos die Zulassung für ein MDMA-Medikament erlangen kann. Der designierte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr äußerte sich in der Vergangenheit positiv über die Verwendung von Psychedelika für therapeutische Zwecke.

Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte im Vorjahr Lykos’ Antrag auf Marktzulassung zur Behandlung posttraumatischer Störungen abgewiesen. Die Behörde hatte unter anderem die klinischen Versuche des Unternehmens, deren positiver Verlauf Voraussetzung für eine Zulassung ist, bemängelt.

Chronik

Filmstar Alec Baldwin hat Medienberichten zufolge wegen böswilliger Strafverfolgung und Rufschädigung Klage gegen Justizbeamte im US-Bundesstaat New Mexico eingereicht.

Baldwin werfe der Staatsanwaltschaft vor, von dem Wunsch, um jeden Preis eine Verurteilung des Schauspielers zu erreichen, geblendet gewesen zu sein, berichten die „Los Angeles Times“ und CNN heute unter Berufung auf die Klageschrift.

Baldwin werfe den Justizbeamten vor, ständig versucht zu haben, den Darsteller für das Handeln und die Versäumnisse anderer zum Sündenbock zu machen, heißt es weiter.

Tragödie auf Filmset

Bei Dreharbeiten zu dem Film „Rust“ im Oktober 2021 wurde die 42-jährige Kamerafrau Halyna Hutchins im US-Bundesstaat New Mexico tödlich verletzt, als sich ein Schuss aus einer Requisitenwaffe löste, die von Baldwin bedient wurde.

Der Regisseur Joel Souza wurde bei dem Vorfall von dem Projektil an der Schulter getroffen und verletzt. Untersuchungen ergaben später, dass in dem Colt eine echte Kugel gesteckt hatte.

Der Schauspieler war nach dem tödlichen Schuss wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Im Juli 2024 stellte die Richterin den bereits angelaufenen Prozess ein. Die Verteidiger hatten der Staatsanwaltschaft die Vorenthaltung von Beweismitteln und damit grobes Fehlverhalten vorgeworfen.

Verurteilung von Waffenmeisterin

Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed, die am Set für Waffensicherheit zuständig war, wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Haft verurteilt. Die Frage, wie die scharfe Munition auf den Set gelangte, ist bis heute nicht geklärt. Gutierrez-Reed und Baldwin hatten die Schuld an dem Vorfall wiederholt von sich gewiesen.

Science

Die Europäische Südsternwarte (ESO) fürchtet Probleme durch Lichtverschmutzung an ihrem Observatorium auf dem chilenischen Berg Cerro Paranal in der Atacamawüste. In etwa fünf bis elf Kilometer Entfernung solle ein „industrielles Megaprojekt“ des US-Energieversorgers AES entstehen, warnen Fachleute. Das würde astronomische Beobachtungen „unumkehrbar beeinträchtigen“.

„Die Nähe des industriellen Megaprojekts AES Andes zu Paranal stellt ein erhebliches Risiko für den unberührtesten Nachthimmel der Welt dar“, sagte ESO-Generaldirektor Xavier Barcons.

„Staubemissionen während des Baus, erhöhte atmosphärische Turbulenzen und insbesondere Lichtverschmutzung werden die Möglichkeiten für astronomische Beobachtungen, in die die Regierungen der ESO-Mitgliedsstaaten bisher Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Euro getätigt haben, irreparabel beeinträchtigen.“

Besonderer Ort für Astronomie

Das ESO plädiert für eine Verlegung des Projekts. „Chile und insbesondere Paranal sind ein ganz besonderer Ort für die Astronomie – der dunkle Himmel ist ein Naturerbe, das über die Landesgrenzen ausstrahlt und der gesamten Menschheit zugutekommt“, sagte Itziar de Gregorio, Vertreterin der ESO in Chile.

Die Atacama gilt wegen ihrer Bedingungen als besonders geeignet für astronomische Beobachtungen. Das Observatorium auf dem Cerro Paranal wird seit seiner Einweihung im Jahr 1999 von der ESO betrieben. Ihr zufolge gelang dort unter anderem das erste Bild eines Exoplaneten.

Auch an der Bestätigung der beschleunigten Expansion des Universums oder der Erforschung des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße war die Anlage beteiligt.

Kultur

Beim Eurovision Song Contest in Liverpool im Mai 2023 hat die Musikerin Teya mit ihrer Kollegin Salena mit „Who the Hell Is Edgar?“ für Österreich den 15. Platz erreicht. Das war aber nur der Startschuss des Erfolgslaufs der 24-Jährigen.

Musikerin Teya in 2023
APA/Eva Manhart

Ihr erste Album „Grandma on the Dancefloor“ kam bei den Fans gut an, auf Spotify verzeichnete sie knapp 400.000 monatliche Hörerinnen und Hörer. Nun landete sie einen neuen Coup: Sie singt den Titelsong für das erfolgreiche Videospiel „League of Legends“.

Das Spiel ist längst eine Größe für sich: 2009 kam es auf den Markt, es begeisterte weltweit Millionen. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde eine Animationsserie geschaffen, auch Bücher zum Spiel wurden publiziert. Seit 2011 werden Weltmeisterschaften ausgetragen.

Nun veröffentlichte der Entwickler Riot Games einen neuen Trailer, in dem die Wienerin Teya mit dem Song „Bite Mark“ zu hören ist. Der Erfolg ist jetzt schon enorm: Innerhalb von zwei Tagen wurde das Video auf YouTube mehr als 85 Millionen Mal aufgerufen. Auf Instagram bedankte sich Teya bei den Machern des Spiels: „Danke, dass ich Teil eures Universums sein darf.“

Vor einigen Monaten sorgten exorbitante Ticketpreise für die Reunion-Tour der Rockband Oasis bei Fans für Unmut. Heute kündigte die britische Regierung an, dass sie die Preise für den Weiterverkauf deckeln wolle.

Die Regierung sagte, sie habe einen „besorgniserregenden Anstieg der Zahl der Fans“ festgestellt, die Konzerte, Sportveranstaltungen und andere Events besuchen wollten und „mit professionellen Wiederverkäufern konfrontiert werden, die Tickets horten und sie zu weitaus höheren Preisen weiterverkaufen“. Auch über die „mangelnde Transparenz des dynamischen Preissystems“ zeigte man sich besorgt.

Die Brüder Liam und Noel Gallagher hatten Ende August, 15 Jahre nach ihrer aufsehenerregenden Trennung, angekündigt, ihre Band für eine Tournee im nächsten Sommer neu zu formieren.

Karten um Tausende Euro

In den darauffolgenden Tagen stießen Oasis-Fans, die Tickets kaufen wollten, auf den offiziellen Websites auf eine dynamische Preisgestaltung, die die Preise in die Höhe trieb. Auf inoffiziellen Wiederverkaufsseiten erreichten die Preise mancherorts Tausende von Euro.

Der Regierung zufolge ist das kein Einzelfall: „Von Sportturnieren bis hin zu Auftritten von Taylor Swift wurden große Veranstaltungen zu oft durch missbräuchliche Praxen beim Ticketverkauf ruiniert“, wird Handelsminister Jonathan Reynolds in der Pressemitteilung zitiert.

London startet nun eine öffentliche Konsultation zu einigen Vorschlägen. Einer davon ist die Festlegung einer Obergrenze für den Preis von Eintrittskarten beim Weiterverkauf. Beraten werde über eine maximale Erhöhung um 30 Prozent oder eine Begrenzung der Anzahl von Tickets, die Wiederverkäufer anbieten dürfen.

Panorama

Eine Frau in Australien hat ihre Ehe annullieren lassen, nachdem sie herausgefunden hatte, dass eine für Instagram inszenierte Hochzeit tatsächlich echt war. Ein Richter in Melbourne gewährte gestern die Annullierung mit der Begründung, die Frau sei hinters Licht geführt worden.

Die bizarre Geschichte habe bereits im September 2023 begonnen, als die Frau ihren Partner auf einer Onlinedating-Plattform kennengelernt habe, berichtete etwa am Freitag die BBC. Im Dezember desselben Jahres machte der Mann der Frau einen Heiratsantrag, den sie annahm.

Bereits zwei Tage später nahm die Frau mit dem Mann an einer Veranstaltung in Sydney teil. Ihr sei gesagt worden, es handle sich um eine Fete Blanche, bei der alle Teilnehmenden weiße Kleidung tragen würden. Bei ihrer Ankunft seien aber nur ihr Partner, ein Fotograf mit einem Assistenten sowie ein Standesbeamter anwesend gewesen.

„Sie glaubte, sie würde schauspielern“

Ihr Partner habe ihr dann gesagt, es handle sich um eine Scherzhochzeit für die sozialen Netzwerke, um seine Reichweite von 17.000 Followern zu steigern. Die Frau spielte mit.

Zwei Monate später habe ihr Partner sie gebeten, ihn in ihrem Ansuchen auf dauerhaften Aufenthalt in Australien als Ehepartner hinzuzufügen. Auch die Frau ist keine Australierin. Sie stellte Nachforschungen an und fand eine Absichtserklärung einer Eheschließung, mit der Unterschrift ihres Mannes sowie ihrer eigenen, die er gefälscht habe, so die Frau.

Der Richter entschied nun, dass die Frau „über die Art der durchgeführten Zeremonie getäuscht worden war“ und „keine echte Zustimmung zu ihrer Teilnahme“ an der Ehe gegeben habe. „Sie glaubte, sie würde schauspielern“, so der Richter in seinem Urteil.