COV Inland

Tausende Impfzertifikate werden heute in Österreich ungültig. Grund ist eine rückwirkende Verkürzung der Gültigkeit der Zertifikate im Grünen Pass von 360 auf 270 Tage. Von den Änderungen sind all jene betroffen, die vor dem 11. März ihre zweite Impfung erhalten haben. Damit sinkt auch die Durchimpfungsrate.

Ausgenommen sind Personen, die genesen und zumindest einmal geimpft sind. Für sie ist das Zertifikat weiterhin 360 Tage lang gültig, hieß es seitens des Gesundheitsministeriums. Ab 3. Jänner 2022 ist das Impfzertifikat einer einmaligen Janssen-Dosis nicht mehr gültig.

Gegnerinnen und Gegner der CoV-Maßnahmen haben gestern erneut zu Demonstrationen aufgerufen. Laut Angaben der Polizei protestierten am späten Nachmittag etwa 2.200 Menschen in der Linzer Innenstadt.

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In Salzburg demonstrierten laut Schätzungen der Polizei zwischen 1.500 und 2.000 Menschen. Die Kundgebung verlief ruhig.

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Perchten-Aufmarsch in Kufstein

Auch in Bregenz kam es zu einer Demonstration. Laut Polizei waren rund 900 Menschen bei der Demonstration anwesend. Die Polizei musste 27 Anzeigen ausstellen.

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Am Innsbrucker Landhausplatz demonstrierten etwa 300 Menschen gegen die Impflicht sowie gegen die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Angemeldete Großdemos gegen die CoV-Politik gab es auch in Kufstein und in Lienz. In Kufstein versammelte marschierten neben Maßnahmengegnern auch Perchten auf.

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Die FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch sorgt für Empörung mit der Behauptung, die Spitäler wären nicht mit Ungeimpften gefüllt, sondern mit Geimpften, die wegen Impfschäden behandelt werden müssen. In der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“ zeigten sich alle anderen Parteien fassungslos über diese „Lüge“. Salzburgs FPÖ-Chefin Marlene Svazek wollte dazu nichts sagen, derartiges würde man in der FPÖ nicht in einer ORF-Sendung, sondern parteiintern debattieren.

Belakowitsch hatte bei der CoV-Demo gestern in Wien – wie auf Social-Media-Videos zu sehen ist – behauptet, es seien „nicht die bösen Ungeimpften“, die die Spitäler füllen. „Oh nein, das sind ganz ganz viele Geimpfte, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen.“

ÖVP-Klubobmann August Wöginger, Grünen-Klubchefin Sigrid Maurer, SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger zeigten sich über diesen Auftritt fassungslos. Mit einer Partei, die bereit sei, offen zu lügen, sei es schwer zusammenzuarbeiten, „aber unsere Hand ist ausgestreckt“, sagte Maurer. Wöginger und Leichtfried erinnerten auch daran, dass FPÖ-Chef Herbert Kickl ein Entwurmungsmittel gegen CoV empfohlen und damit die Gesundheit von Menschen gefährdet habe.

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 618,2 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Vorarlberg hat mit einer Inzidenz von 1.024,5 den höchsten Wert, gefolgt von Kärnten mit 899,7. Am niedrigsten ist die 7-Tage-Inzidenz in Wien (356,1) und dem Burgenland (410,1).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Ministerien melden 5.192 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 5.192 neu registrierte CoV-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: gestern, 9.30 Uhr). Diese Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab.

12.796 Menschen verstarben bisher an den Folgen des Coronavirus. Derzeit befinden sich 3.029 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 651 auf Intensivstationen.

Daten des Krisenstabs in ORF.at/corona/daten/morgenmeldung

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

In vielen steirischen Skigebieten hat mit diesem Wochenende die Saison begonnen. Vor allem am Samstag war der Ansturm wetterbedingt groß. Die Liftbetreiber orten aufgrund der 2-G-Kontrollen Optimierungsbedarf.

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Vbg.: Skisaison startet mit regem Andrang

Auch in Vorarlberg starteten mehrere Skigebiete in die Wintersaison. Trotz 2-G und schlechtem Wetter ist der Saisonstart aber recht gut angelaufen.

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COV Ausland

In Italien gelten ab heute strengere CoV-Richtlinien. Eine Neuerung ist die Ausweitung der 3-G-Regel auf den öffentlichen Nahverkehr und Hotels.

Bisher mussten Reisende zum Beispiel im Fernbahnverkehr nachweislich gegen Covid-19 geimpft, von der Krankheit genesen oder negativ auf das Coronavirus getestet sein. Ab sofort ist dieser Nachweis auch für U-Bahnen, Busse und Züge im Nahverkehr vorgeschrieben.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte Ende November die Einführung von 2-G-Regeln für bestimmte Bereiche des öffentlichen Lebens beschlossen. Demnach dürfen nur noch Geimpfte und Genese zum Beispiel innen in Restaurants essen gehen, ins Kino, in Diskotheken feiern und zu Fußballspielen ins Stadion gehen. Die Regeln sollen zunächst bis zum 15. Jänner gelten.

Kinder unter zwölf ausgenommen

Von den Regelungen ausgenommen sind Kinder unter zwölf Jahren, da sie noch nicht geimpft werden könnten. Das soll nach den Plänen der Regierung ab dem 16. Dezember möglich sein. Die italienische Arzneimittelbehörde hatte bereits den CoV-Impfstoff von Pfizer und Biontech in reduzierter Menge für Kinder zwischen fünf und elf Jahren freigegeben.

Ab dem 15. Dezember tritt zudem die Ausweitung der Impfpflicht für das Schulpersonal sowie Polizisten und Soldaten in Kraft. Im Gesundheitsbereich galt das bereits seit April.

Angesichts der dramatischen CoV-Lage rückt auch in Deutschland wieder die erhöhte Vorsicht für die Weihnachtsfeiertage in den Blick. Der voraussichtliche Kanzler Olaf Scholz (SPD) appellierte gestern erneut an ungeimpfte Menschen: „Gebt euch jetzt einen Ruck, macht das.“ Der designierte Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) empfahl in der „Bild am Sonntag“, Weihnachten im kleinen Kreis zu Hause zu verbringen und keine größeren Reisen durchs Land zu planen.

Scholz warb um Akzeptanz für härtere Beschränkungen im Advent, die nach all der langen Zeit schwer zu ertragen seien. „Aber eben weil nicht genug sich haben impfen lassen, müssen wir das noch mal machen“, sagte er – und hob hervor, dass 2-G-Zugang nur für Geimpfte und Genesene zu Restaurants oder Geschäften immerhin möglich ist. Im vergangenen Winter hatten Schließungen alle betroffen. Er rief dazu auf, bis Weihnachten „zig Millionen Impfungen“ hinzukriegen.

Spahn: „Trauriger Höhepunkt“ rund um Weihnachten erwartet

FDP-Chef Christian Lindner sagte: „Jeder hatte wohl gehofft und mit der Verfügbarkeit der Impfstoffe auch erwartet, dass dieser Winter ein anderer sein würde als der im vergangenen Jahr. Diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt.“ Es gehe nun um eine Strategie, „die konsequenter Risiken bekämpft, die aber zugleich mehr gesellschaftliches Leben erhält“. Damit nicht weitere Maßnahmen beschlossen werden müssten, baue man auf das Verantwortungsgefühl aller Menschen, Kontakte zu reduzieren und sich impfen zu lassen.

Eine längere kritische Phase bis über die Feiertage wird in Politik und Medizin schon erwartet. Die Zahl von mehr als 5.000 CoV-Patienten und -Patientinnen auf Intensivstationen werde deutlich überstiegen, hatte etwa Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt. Die Lage werde „rund um Weihnachten ihren traurigen Höhepunkt erreichen“.

Um die Welle einzudämmen, haben Bund und Länder eine Reihe strengerer Maßnahmen beschlossen. Dazu gehören Zuschauerbegrenzungen bei Großveranstaltungen und umfassende Beschränkungen für Ungeimpfte. Im Weihnachtsgeschäft wird ihnen der Zutritt zu den meisten Läden verwehrt. Bundesweit im Blick steht auch eine allgemeine Impfpflicht, über die der Bundestag voraussichtlich ohne Fraktionsvorgaben entscheiden soll.

In Brüssel ist es bei Protesten gegen die CoV-Regeln zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Rund 8.000 Menschen hätten an den Protesten in der belgischen Hauptstadt teilgenommen, teilte die Polizei gestern mit. Aus einer Gruppe heraus seien Feuerwerkskörper und Gegenstände auf Polizisten geworfen worden, diese hätten Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt. Sechs Personen seien verletzt worden, es gab 20 Festnahmen.

Der Demonstrationszug in Brüssel verlief zunächst friedlich. Die Teilnehmer hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Impfung – nein, danke“. Eine Gruppe Frauen skandierte „Keine Impfung für unsere Kinder“. Später wurden einige Demonstranten gewalttätig, während ihrer Angriffe auf Polizisten riefen sie immer wieder „Freiheit, Freiheit“.

Bei den Auseinandersetzungen wurden nach Angaben aus Polizeikreisen vier Demonstranten und zwei Polizisten verletzt. Rund 20 Menschen seien festgenommen worden. Vor rund zwei Wochen war es bei einem ähnlichen Protest mit rund 35.000 Teilnehmern zu schweren Ausschreitungen und Straßenschlachten gekommen.

Demos in mehreren europäischen Städten

In mehreren europäischen Städten waren am Wochenende wieder Gegner von staatlichen Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus auf die Straße gegangen. Nirgends demonstrierten aber so viele wie in Wien, wo am Samstag wieder über 40.000 CoV-Maßnahmengegner gezählt wurden. Viele Menschen protestierten in den Niederlanden und Italien. In Luxemburg wurde ein Weihnachtsmarkt gestürmt.

Erste Erkenntnisse zur neuen Omikron-Variante des Coronavirus deuten nach Einschätzung des US-Experten Anthony Fauci nicht auf schwerere Krankheitsverläufe hin. Die neue Variante breite sich in Südafrika schnell aus, sagte der oberste CoV-Berater von Präsident Joe Biden gestern im Fernsehsender CNN.

Die Variante habe einen „Übertragungsvorteil“. Nach derzeitigem Stand sehe es aber nicht danach aus, dass Omikron eine besonders schwere Covid-19-Erkrankung hervorrufe. „Bis jetzt sind die Signale etwas ermutigend“, sagte Fauci. Es sei aber noch zu früh, um eine abschließende Einschätzung abzugeben.

32 Mutationen

Omikron weist im Vergleich zum bisher gängigen Coronavirus 32 Mutationen auf, so dass eine höhere Übertragbarkeit befürchtet wird. Die neue Variante war Ende November von Wissenschaftlern in Südafrika entdeckt worden. Seither wurde sie in dutzenden Ländern nachgewiesen, darunter Österreich.

Laboruntersuchungen sollen nun Aufschluss darüber geben, ob die vorhandenen Impfstoffe gegen die neue Variante weniger wirksam sein könnten und ob Omikron schwerere Krankheitsverläufe verursacht.

Die USA hatten wegen der Omikron-Variante in der vergangenen Woche Reisebeschränkungen für Südafrika und sieben andere afrikanische Länder verhängt. Fauci sagte, er hoffe eine Aufhebung der Restriktionen „innerhalb eines angemessenen Zeitraums“.

Ausland

Die weltweit führenden Rüstungsfirmen haben trotz der Pandemie im vergangenen Jahr ihre Umsätze gesteigert. Die 100 größten Hersteller setzten insgesamt 531 Milliarden US-Dollar (470 Milliarden Euro) um – ein Plus von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri am Montag bekanntgab. Mit Abstand führend sind US-Unternehmen, dahinter folgen Rüstungsfirmen aus China.

Trotz schrumpfender Weltwirtschaft und Lieferkettenengpässen seien die Branchenriesen „weitgehend durch die anhaltende staatliche Nachfrage nach militärischen Gütern und Dienstleistungen geschützt“, sagt Alexandra Marksteiner, Sipri-Expertin für Rüstungsproduktion. „Einige Regierungen haben sogar ihre Zahlungen an die Rüstungsindustrie erhöht, um die Auswirkungen der Covid-19-Krise abzumildern.“

USA dominieren weiter

US-Unternehmen dominieren auch 2020 die Sipri-Rangliste. Die Umsätze durch Waffenverkäufe der 41 in der Liste geführten US-Firmen beliefen sich zusammen auf 285 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 1,9 Prozent im Vergleich zu 2019. Auf die US-Rüstungsproduzenten entfielen 54 Prozent der gesamten Waffenverkäufe der Top 100.

Um weiterhin führend zu bleiben, setzt der US-Rüstungsmarkt dem Bericht zufolge auf Fusionen und Übernahmen. „Dieser Trend ist besonders ausgeprägt im Raumfahrtsektor“, sagte die Sipri-Expertin Marksteiner.

China holt rasch auf

Chinesische Firmen entwickeln sich derweil zu einigen der „fortschrittlichsten Militärtechnologieproduzenten der Welt“, wie Nan Tian, leitender Wissenschaftler bei Sipri, sagte. Auf die fünf chinesischen Rüstungsfirmen in der Rangliste entfielen 13 Prozent des Gesamt-Umsatzes. Damit befindet sich China zwar weit hinter den USA, aber noch vor Großbritannien, das auf Platz drei liegt.

Die chinesischen Hersteller hätten in den vergangenen Jahren von den militärischen Modernisierungsprogrammen des Landes sowie der Verschmelzung von militärischen und zivilen Projekten profitiert, sagte Nan Tian.

Die europäischen Hersteller haben hingegen einen durchwachsene Bilanz im ersten Pandemiejahr vorzuweisen. Auf die 26 europäischen Rüstungsunternehmen entfielen zusammen 21 Prozent der gesamten Waffenverkäufe (109 Milliarden Dollar).

Der langjährige frühere US-Senator und ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Bob Dole ist tot. Wie seine Familie mitteilte, ist er gestern mit 98 Jahren gestorben.

Dole gehörte in den 1980er und 1990er Jahren zu den politischen Schwergewichten der konservativen Partei. Bei der Präsidentenwahl 1996 zog er gegen den demokratischen Amtsinhaber Bill Clinton den Kürzeren. Den Staat Kansas vertrat er fast drei Jahrzehnte im US-Senat.

Der angjährige Anführer der US-Republikaner, Bob Dole
AP/Manuel Balce Ceneta

Bei seiner Präsidentschaftskandidatur war Dole 73 Jahre alt. Damit war er bis zum Duell von Donald Trump (74) und Joe Biden (78) bei der Wahl 2020 die älteste Person, die von einer der beiden US-Großparteien jemals ins Rennen ums Weiße Haus geschickt worden waren. Dole war auch der letzte Veteran des Zweiten Weltkriegs, der bei einer US-Präsidentschaftswahl antrat.

Biden: „Amerikanischer Staatsmann“

US-Präsident Biden würdigte seinen früheren Senatskollegen. Dole sei „ein amerikanischer Staatsmann wie wenige in unserer Geschichte“ gewesen. „Er hatte ein unverrückbares Gefühl für Integrität und Ehre“, erklärte Biden. Im Senat seien sie oft unterschiedlicher Meinung gewesen, aber Dole habe nie gezögert, mit ihm oder den Demokraten zusammenzuarbeiten, so Biden weiter.

Dole galt als Vertreter des wertkonservativen Flügels der Republikaner. In den Senat gewählt wurde er im Jahr 1969. Sieben Jahre später machte ihn US-Präsident Gerald Ford zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten, doch gingen die beiden bei der Wahl 1976 mit fliegenden Fahnen unter.

Der politischen Karriere Doles tat dies aber keinen Abbruch. Im Jahr 1985 wurde er zum Fraktionschef der Republikaner im Senat, drei Jahre später konnte er sich in der Vorwahl der US-Republikaner nicht gegen den amtierenden Vizepräsidenten George H. W. Bush durchsetzen. Acht Jahre später war es dann soweit. Die oppositionellen Republikaner kürten Dole zu ihrem Herausforderer bei der Präsidentenwahl 1996.

Dole blieb nach Politkarriere gefragter Kommentator

Der demokratische Amtsinhaber Clinton konnte sich jedoch insbesondere wegen des Antretens des texanischen Rechtspopulisten Ross Perot, der acht Prozent der Stimmen erreichte, im Weißen Haus halten. Obwohl sich Clinton mit 49 zu 41 Prozent durchsetzte, wurde Doles Ergebnis als beachtlich angesehen.

Nach dem Ende seiner aktiven politischen Karriere zog sich Dole keineswegs zurück, sondern blieb unter anderem als gefragter Fernsehkommentator aktiv. Vor der Präsidentschaftswahl 2016 unterstützte er den Gouverneur von Florida, Jeb Bush, als republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Nach dem Vorwahlsieg von Trump war Dole aber der einzige lebende republikanische Ex-Präsident bzw. Präsidentschaftskandidat, der sich hinter den umstrittenen Rechtspopulisten stellte. Nach dessen Wahlniederlage im Jahr 2020 distanzierte sich Dole aber von Trump und betonte, dass es „nicht den geringsten Wahlbetrug“ gegeben habe.

In Myanmar wird heute ein erstes Urteil gegen die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi erwartet. Die Friedensnobelpreisträgerin von 1991 war im Februar nach einem Militärputsch abgesetzt und festgenommen worden. Die nun regierende Militärjunta überzog sie mit einer Reihe von Anschuldigungen, der 76-Jährigen droht jahrzehntelange Haft. In dem Verfahren, in dem am Montag das Urteil erwartet wird, geht es um den Vorwurf des Aufrufs zur Gewalt.

Details zu dem Verfahren vor einem Sondergericht in der Hauptstadt Naypyidaw sind nicht bekannt, Journalisten sind nicht zugelassen. Seine Machtübernahme hatte das Militär mit angeblichem Betrug bei der Parlamentswahl 2020 begründet, bei der Suu Kyis Partei einen klaren Sieg errungen hatte. Bei Protesten gegen das Militär wurden seit Februar mehr als 1.300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen.

Nur wenige Tage nach dem tödlichen Schusswaffen-Angriff auf eine Schule im US-Bundesstaat Michigan hat ein Abgeordneter des Repräsentantenhauses mit einem Weihnachtsgruß für Empörung gesorgt: Der Republikaner Thomas Massie posiert auf dem Foto mit seiner Familie vor einem Weihnachtsbaum – und alle halten eine Waffe in der Hand. Dazu schrieb der Abgeordnete aus dem Bundesstaat Kentucky: „Frohe Weihnachten. PS: Weihnachtsmann, bitte bring Munition.“

Massie veröffentlichte das Foto nur wenige Tage nach einem erneuten tödlichen Schusswaffenvorfall: Ein 15-Jähriger hatte an seiner Schule in der nördlich von Detroit gelegenen Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sieben weitere Menschen. Vor allem in diesem Kontext sorgte Massies Foto nun für allgemeine Empörung sowohl bei demokratischen als teilweise auch bei republikanischen Politikern.

Auch der für ein schärferes Waffenrecht kämpfende Aktivist Fred Guttenberg, dessen Tochter beim Parkland-Schulmassaker 2018 getötet worden war, meldete sich zu Wort: „Thomas Massie, wenn wir gerade schon Familienfotos teilen, hier sind meine“, schrieb er auf Twitter und veröffentlichte Fotos: „Das eine ist das letzte Foto, das ich von Jaime gemacht habe. Das andere zeigt den Ort, wo sie begraben ist.“

Umwelt & Klima

Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten haben gestern gegen die Erkundung von Öl- und Gasvorkommen vor der südafrikanischen Küste durch den Energieriesen Shell protestiert. Bei Kundgebungen an den Stränden von Kapstadt und Port Elizabeth forderten sie eine Beendigung des Projekts und riefen zum Boykott von Shell-Tankstellen auf. Sie warfen dem Konzern vor, mit seinen Suchmethoden die Meerestiere zu gefährden.

Antrag vor Gericht gescheitert

Shell will an Südafrikas Wild Coast mit seismischen Wellen, die von Luftkanonen auf Schiffen ausgesandt werden, die Struktur des Meeresbodens analysieren, um mögliche Rohstoffvorkommen aufzuspüren. Nach Einschätzung von Umweltschützern beeinträchtigt dieses Verfahren das Verhalten und die Fortpflanzung von Walen und anderen Lebewesen im Meer, die stark auf ihren Hörsinn angewiesen sind. Ein Eilantrag gegen die Erkundungen war am Freitag vor Gericht gescheitert.

Shell: Auswirkungen „minimieren“

Die Wild Coast, die mehrere Natur- und Meeresschutzgebiete umfasst, erstreckt sich über rund 300 Kilometer an der Ostküste Südafrikas am Indischen Ozean. Shell will dort in den kommenden vier bis fünf Monaten auf einer Fläche von rund 6.000 Quadratkilometern Erkundungen vornehmen. Das Unternehmen hat zugesagt, Auswirkungen auf die dort lebenden Tiere nach Möglichkeit „zu verhindern oder zu minimieren“.

Wirtschaft

Die Vertragsverhandlungen zwischen den Rübenbauern und dem Zuckerrübenverarbeiter Agrana ziehen sich länger als geplant. Die Mindestanbaufläche für den Betrieb von zwei Zuckerfabriken in Tulln und Leopoldsdorf im Marchfeld wurde noch nicht erreicht.

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Das Land Niederösterreich hat 6.044 Einzeldarlehen im Umfang von 405,6 Millionen Euro an die Hypo NOE Landesbank verkauft. Mit dem Erlös von 419,3 Millionen Euro soll das durch die CoV-Krise bedingte Defizit im Landesbudget teilweise gedeckt werden.

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Die Skyline von Wien verändert sich weiter. Mittlerweile stehen in der Donaustadt mehrere riesige Türme. Für den vierten und bisher höchsten – dem 155 Meter hohen Turm Vienna Twenty Two (V22) – kam kürzlich die Baubewilligung.

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Sport

Das 334. Wiener Fußball-Derby hat ein 1:1 (1:1) und damit Neo-Rapid-Trainer Ferdinand Feldhofer zumindest einen Teilerfolg gebracht. Im Geisterspiel in Hütteldorf musste Grün-Weiß gestern schon nach 49 Sekunden die Führung der Austria durch Matthias Braunöder verdauen, war in der Folge aber zumindest leicht tonangebend und kam durch den Foulelfer von Ercan Kara (25.) zu einem verdienten Punkt. Für beide Teams reichte eine mäßige Leistung zum Sprung in die Top Sechs.

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Mirjam Puchner ist auch beim Super-G-Saisonauftakt in Lake Louise auf das Stockerl gefahren. Nach Platz drei in der Abfahrt am Freitag musste sich die 29-Jährige gestern als Dritte nur der italienischen Seriensiegerin Sofia Goggia und Weltmeisterin Lara Gut-Behrami aus der Schweiz geschlagen geben.

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Jan Hörl hat gestern im polnischen Wisla sein erstes Weltcup-Springen gewonnen. Der Salzburger, der bereits nach dem ersten Durchgang führte, setzte sich mit Sprüngen auf 121 und 128 Meter sowie 261,9 Punkten vor dem Norweger Marius Lindvik (255,2) und seinem Teamkollegen Stefan Kraft (253,6) durch. Bei den Damen schaffte Sara Marita Kramer in Lillehammer ihren zweiten Saisonsieg. Die Salzburgerin setzte sich mit Sprüngen auf 138 und 134,5 Meter mit 268,9 Punkten vor Katharina Althaus aus Deutschland (259,8) durch. Dritte wurde die Norwegerin Silje Opsetz (253,2).

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Chronik

Nach dem Ausbruch des Vulkans Semeru auf der indonesischen Insel Java ist die Zahl der Toten auf 15 gestiegen. Mindestens 68 weitere Menschen hätten Brandverletzungen erlitten, sagte Wawan Hadi, der Chef des örtlichen Zivilschutzes, heute. Lokale Fernsehsender zeigten Bilder von Häusern, die fast komplett unter Asche begraben waren. Rund 1.500 Betroffene seien vorübergehend in Moscheen und Regierungsgebäuden untergebracht worden, hieß es.

Der fast 3.700 Meter hohe Vulkan im Osten von Indonesiens bevölkerungsreichster Insel war am Samstag ausgebrochen und hatte mit einer riesigen Rauchwolke in den umliegenden Dörfern den Tag zur Nacht gemacht. Der Einsatz der Retter wurde nach Behördenangaben durch dicken Schlamm und den Einsturz einer größeren Brücke zwischen zwei Bezirken erschwert. Piloten von Flugzeuge wurden angewiesen, ihre Routen zu ändern und den Vulkan nördlich zu umfliegen.

Seit 2020 wieder aktiv

Der fast 3.700 Meter hohe Vulkan ist der höchste Berg auf Java und liegt im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru. Er ist seit Dezember 2020 wieder verstärkt aktiv. Der Inselstaat Indonesien liegt auf dem sogenannten Feuerring im Pazifik und hat knapp 128 aktive Vulkane. Heuer waren bereits der Merapi auf Java, der Sinabung auf Sumatra und der Lewotolo auf Lembata ausgebrochen.

Der Winter ist nun endgültig eingezogen im Land. Mehr als 20 Zentimeter Neuschnee gab es bis gestern Mittag stellenweise in Kärnten. Die Schneefälle sorgten auf den Straßen für einige Unfälle. In Außerfragant prallte ein Pkw gegen einen Linienbus. Beide Lenker und ein Beifahrer wurden verletzt. Auch Stromausfälle gibt es.

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Ein 56-jähriger Mann ist gestern Nachmittag zwischen Kematen und Zirl (Tirol) mit seinem Auto von der Straße abgekommen und abgestürzt. Der Mann wurde in seinem Auto eingeklemmt und musste von der Freiwilligen Feuerwehr befreit werden.

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Gestern Nachmittag ist es in Dornbirn in Vorarlberg zu einer Kollision gekommen. Ein Motorradlenker wollte an einer Autokolonne vorbeifahren, dabei übersah eine Pkw-Lenkerin den Mann aufgrund stehenden Verkehrs. Der Motorradfahrer stürzte und zog sich Verletzungen unbekannten Grades zu.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

Einen Sechser zu rund 2,6 Millionen Euro hat die gestrige Ziehung von Lotto „6 aus 45“ gebracht.

Folgende Gewinnzahlen wurden ermittelt:

9 10 16 21 28 31 Zusatzzahl 17

Die aktuellen LottoPlus-Zahlen:

31 34 36 37 38 39

Der richtige Joker:

8 3 6 2 8 3

Alle Angaben ohne Gewähr

Kultur

Im Zeichen von Dionysos wollte der australische Starregisseur Barrie Kosky Mozarts „Don Giovanni“ lesen und als erstes von den drei Da-Ponte-Stücken gemeinsam mit Staatsopern-Musikchef Philippe Jordan in Wien auf die Bühne stellen. Seit gestern Abend und dank weltweiter Livestreams weiß man um das Ergebnis seiner Arbeit: Es wurde ein „Don Giovanni“, der auf dem sehr harten Boden des griechischen Mythos landete, bevor spät für die Hochzeit von Masetto und Zerlina das Paradies aus dem harten Stein erblühte.

Leporello und Don Giovanni wirkten dabei wie ein Gespann, das wie aus einem Pasolini-Film entnommen schien. Vorne der unbändige Triebtäter, hinten der Strippenzieher, der sich nicht aus Scham, sondern mehr dem Gesetz der Straße folgend das Kaputzenshirt überzog.

Don Giovanni Premiere in der Staatsoper
ORF.at/Gerald Heidegger
Selbstapplaus am Schluss: Radikaler Guckkasten, forciertes Tempo. Kein „Don Giovanni“ für das gemütliche Sitzfleisch

Ein Abend mit überzeugender Ensemble-Leistung

Kyle Ketelsen bei seinem überzeugenden Staatsoperndebüt als Don Giovanni und Philippe Sly als Leporello standen dominant im Mittelpunkt dieser Inszenierung und wagten sich gemeinsam auch an die Persiflage der bisherigen Traditionslast. Beide Bassbaritone brachten ein sehr dunkles Timbre in ihre Rollen und das stützte das Stück, in dem Regisseur Kosky immer deutlich mehr mit den Alphatieren als mit dem ein wenig im steinernen Meer umherirrenden Don Ottavio (sehr gut: Stanislas de Barbeyrac) sympathisierte. Das mag man gemein finden, denn so viel überzeugende Ensemble-Qualität und -Leistung ist nicht selbstverständlich – und Kosky und Jordan trafen sich kongenial in der Führung der Sängerinnen und Sänger auf der doch kargen Bühne. Und Ketelsen und Sly sind eine Paarung für ein neues, jüngeres Opernpublikum, das diese Institution dringend braucht.

Was Kosky uns auch sagen will mit seiner Arbeit, etwa, wenn er den Paradies-Apfel gleich zu Beginn mit in den Ring wirft: Bei Don Giovanni gibt es keine Umkehr, keine Abkehr, keine Einsicht. Diesem Charakter nimmt man an diesem Abend alle seine Taten, die zweifelsohne Untaten sind, ab. Selten sah man einen Don Giovanni so trotzig überzeugt seinem Ende entgegengehen. Hier starb der heterosexuell normative Mann, der von keinem Trend der Zeit wie Body Positivity oder #metoo mitbekommen hätte; der aber auch nie auf die Straße gehen würde, um kindlich „Ihr kriegt meinen Körper nie“ zu winseln.

Den Don Giovanni, scheint Kosky zu sagen, wird es immer geben – warum ihn also überdeuten oder umkehren? Für Kosky ist Ketelsen, sorry to say: eine Rampensau. Vor der Pause würde dieser Don Giovanni am liebsten in den Orchestergraben springen, so sehr wird hier Testosteron zu Musik.

Am Ende bleibt die Glut

Alle Gegenüber des Don Giovanni sind freilich nicht weniger selbstbewusst. Hanna-Elisabeth Müller ist eine überzeugende Donna Anna, Kate Lindsey eine Donna Elvira, die dem Triebtäter stolz entgegentritt. Seht, wir sind einfach in einer „Comédie humaine“, scheint Kosky zu sagen. Und trifft damit den Geist Mozarts. Sowohl der Komtur (Ain Anger) als auch Don Giovanni stehen nach dem Sterben auf und ziehen als Geist durch den Raum. Don Giovanni schaut seinen Abrechnern verächtlich ins Gesicht. Er mag zwar nicht den Himmel erreicht haben, aber auf Erden hat er sich bis zur Glut verbraucht.

Eine Besserungsanstalt im Sinne Schillers ist die Oper bei Kosky ohnedies nicht. Hier geht es um Kurzweiligkeit und den Funkenflug über dem dunklen, harten Grund. Wie schon Romeo Castellucci deutet auch Kosky die Hochzeit von Zerlina und Masetto als Paradiesszene. Patricia Nolz, Mitglied des Opernstudios, überzeugt bei ihrem Rollendebüt. Ihr zu Seite agiert mit Peter Keller ein ebenso virtuoser und gar nicht so trauriger Masetto wie sonst oft.

Jordan im Pakt mit dem Teufel

Jordan als musikalischer Leiter des Abends, der zwischendurch am Hammerklavier sitzt, dirigiert und auch schon mal Teile des Werks kammermusikalisch mit auf die Bühne verlagert, entscheidet sich für zweierlei in seiner Herangehensweise: Akzentuierung und Schmissigkeit bei den Einsätzen auf der einen Seite. Andererseits zelebriert er den Wohlklang mit oft sinfonischer Hingabe. Er liebt eben die musikhistorische Ausdeutung – und ja, es steckt auch schon ein Stück Mahler in diesem Mozart. Und sicher will Jordan auch mit dem Chef des Hauses mithalten, der das Format Oper durchaus als intellektuellen Hochleistungssport begreift. Vielleicht wird hier viel auf einmal gewollt. Aber wenn der „Don Giovanni“ die oft bemühte „Oper der Oper“ ist, dann wollen alle offenbar faustisch an diese herangehen.

Für das Repertoire bleibt dieser 16. Version des „Don Giovanni“ in der über 150 jährigen Geschichte im Haus am Ring eine so gute Besetzung wie an diesem Abend zu wünschen. So wie der harte Boden hier ausgelegt ist, kann man bei diesem „Don Giovanni“ Höhenflüge ebenso produzieren wie Abstürze. Für die Premiere hätte man sich Publikum mit Tifosi-Neigung gewünscht. Still sitzen war in diesem kurzweiligen „Don Giovanni“ nicht.

In tvthek.ORF.at ist der neue Wiener „Don Giovanni“ noch sieben Tage zu sehen. Ebenso auf Ö1 nachzuhören. Mehr dazu auch in Der neue Wiener „Don Giovanni“.

Der Architekt Günther Feuerstein ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie gestern der APA mit. Demnach verschied der „Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur“, wie der 1925 in Wien geborene Feuerstein einmal bezeichnet worden war, zuhause im Beisein seiner Angehörigen. Er habe sich von einer vor drei Wochen erfolgten Operation nicht mehr erholt, hieß es in der Mitteilung.

Feuerstein arbeitete demnach bis zuletzt „aktiv als Architekturtheoretiker“ und veröffentlichte noch im Herbst 2021 sein letztes Buch. „Spektakulär waren die Klubseminare über ‚Zeitgenössische Architektur‘ in den 60er-Jahren“, ließ die Familie am Sonntag wissen. Er wirkte als Professor an mehreren österreichischen Universitäten, zu seinen Studenten zählten neben Wolf Prix und Helmuth Swiczinsky mit Coop-Himmelblau, Laurids Ortner von der Haus-Rucker-Co (später O&O Baukunst) auch Wegbegleiter wie Walter Pichler und Raimund Abraham.

Ehrendoktortitel der TU-Innsbruck

Für seinen unermüdlichen wissenschaftlich Einsatz, erhielt er zuletzt den Ehrendoktortitel der TU-Innsbruck und für sein Wirken in der Architekturszene sowie sein Lebenswerk den „Hans Hollein Kunstpreis für Architektur 2021“.

An der Technischen Universität (TU) Wien wirkte Feuerstein als Assistent von Karl Schwanzer am Institut für Gebäudelehre und Entwerfen (1961-68) und als Lektor für Gegenwartsarchitektur (1966-96). Zudem war er Ordinarius für „Umraumgestaltung“ an der Hochschule für Gestaltung in Linz (1973-96). Dabei versuchte Feuerstein im Zeitalter des Funktionalismus, der Fantasie und der Welt der Gefühle zu ihrem Recht zu verhelfen.

Die Arbeit an der TU war vor allem geprägt durch seine Zusammenarbeit mit den Experimentalgruppen „Coop Himmelb(l)au“ und „Haus-Rucker-Co“. Den intellektuellen Freiraum, den die konservativen Hochschulen der 60er-Jahre noch vermissen ließen, schuf er sich in außeruniversitären Aktivitäten. In „Klubseminaren“ oder Veranstaltungen zum „Experimentellen Entwerfen“ wurden auch Gesellschaftskritik geübt und Aktionen geplant.

Eigenes Atelier in Wien ab 1962

1962 gründete Feuerstein sein eigenes Atelier in Wien. Zu seinen bekanntesten Bauprojekten zählen die Wohnsiedlung Hörsching bei Linz (1967-79), die Wohngruppe Hirschstetten in Wien-Donaustadt (1985-87) und ab 1988 die Revitalisierung des Wiener Augartens. In seiner publizistischen und wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte er sich mit Randgebieten der Architektur. „Visionäre Architektur – Wien 1958-1988“ (1988), „Androgynus – das Mann-Weibliche in Kunst und Architektur“ (1996) sowie als zweiter Band „Androgyne Architektur – coincidentia oppositorum“ (1998) sind Titel seiner Bücher.

1996 erschien „Visionäre Architektur in Österreich in den 60er und 70er-Jahren“, der Katalog zur gleichnamigen Wanderausstellung, mit der Feuerstein im Österreich-Pavillon der Architekturbiennale Venedig vertreten war. 2002 erschien „Biomorphic Architecture – Menschengestalten und Tiergestalten in der Architektur“. Im ORF wurde anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 2000 auch der Film „Expandierte Architektur“ von Doris Fercher präsentiert.