Ausland

Macron wegen prügelndem Mitarbeiter unter Druck

Eine Prügelattacke eines Mitarbeiters gegen einen Demonstranten setzt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unter Druck. Die Staatsanwaltschaft leitete heute ein Ermittlungsverfahren gegen den engen Mitarbeiter des Präsidenten ein.

Intern war der Vorfall bereits bekannt, der Mann zeitweise suspendiert und in die Verwaltung versetzt worden. Ihm wird vorgeworfen, den Teilnehmer einer Demonstration zum 1. Mai geschlagen zu haben.

Die Tageszeitung „Le Monde“ hatte ein Video von dem Vorfall veröffentlicht. Der Zeitung zufolge hatte der Sicherheitsmitarbeiter bei der Demonstration einen Polizeihelm getragen, einen jungen Demonstranten zu Boden gebracht und diesen mehrfach geschlagen.

Wegen „Fehlverhaltens“ suspendierter Gendarm

Macrons Stabschef habe dem Mitarbeiter erlaubt, als Beobachter an einem Einsatz der Polizei bei der Demonstration teilzunehmen, berichtete „Le Monde“. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun unter anderem Amtsmissbrauch sowie Missbrauch von Symbolen, die der öffentlichen Hand vorbehalten sind, vor.

Der Mann war während des französischen Präsidentschaftswahlkampfs im vorigen Jahr für Macrons Sicherheit zuständig und arbeitet seit dessen Wahl im Elysee-Palast. Der Reservist der Gendarmerie war zuvor auch für Ex-Präsident Francois Hollande tätig gewesen, jedoch wegen „Fehlverhaltens“ suspendiert worden.

Italien verlangt Stelle für Verteilung von Flüchtlingen

Italien hat die EU-Kommission aufgefordert, eine Behörde zur Verteilung der im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge und Migranten zu schaffen.

Ein solcher Krisenausschuss könne dann zwischen verschiedenen Regierungen vermitteln, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte heute der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“. Was am Sonntag geschehen sei, solle zur Norm werden. Am Wochenende hatte es die Regierung 450 Frauen und Männern erlaubt, in Sizilien an Land zu gehen, nachdem sich Deutschland und mehrere andere Staaten bereiterklärt hatten, die Menschen aufzunehmen. Es war das erste Mal, dass eine solche Einzelaktion unter EU-Partnern verabredet wurde.

Häfen für private Retter geschlossen

Italien will die Zahl der Geflüchteten begrenzen und hat die Häfen für Rettungsschiffe privater Hilfsorganisationen geschlossen. Einige EU-Länder wie Ungarn und Tschechien weigern sich, Flüchtlinge aufzunehmen. Conte sagte, er werde versuchen, beide Länder davon zu überzeugen, das Thema aktiver anzugehen.

Seit 2014 sind an den italienischen Küsten mehr als 650.000 geflüchtete Menschen angekommen. Im vergangenen Jahr ging ihre Zahl jedoch deutlich zurück. Italien hat Druck auf Libyen ausgeübt, diese an seiner Küste zu stoppen.

Russland erhöht unter Protesten Pensionsalter

Das russische Parlament hat trotz Protesten eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters genehmigt. 372 Duma-Abgeordnete sprachen sich heute in erster Lesung für die Erhöhung auf 65 Jahre für Männer und 63 für Frauen aus, 102 Abgeordnete stimmten dagegen.

Bemerkenswert dabei ist, dass regierungsfreundliche Parteien wie die Kommunisten und die liberal-demokratische Partei den Vorstoß der Regierung von Präsident Wladimir Putin ablehnten. Die zweite Lesung des Gesetzes wurde für den 24. September angesetzt.

Weitere Proteste angekündigt

Die geplante erste Erhöhung des Pensionsantrittsalters in Russland seit fast 90 Jahren hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Derzeit können Frauen in Russland mit 55 Jahren in Pension gehen, Männer mit 60 - früher als in den meisten Ländern der Welt. Allerdings ist auch die Lebenswartung der Russen verhältnismäßig niedrig. Vor der Abstimmung im Parlament demonstrierten rund 1.000 Menschen in Moskau gegen die Pläne des Kreml. Weitere Proteste sind angekündigt.

Montenegro wehrt sich gegen Trumps Verbalangriff

Montenegro hat sich gegen den jüngsten Verbalangriff von US-Präsident Donald Trump gewehrt. Das Land trage „zu Frieden und Stabilität nicht nur auf dem europäischen Kontinent, sondern weltweit“ bei, sagte die Regierung in Podgorica heute. Trump hatte Montenegro in einem Interview als winziges Land mit „sehr aggressiven“ Menschen bezeichnet; die NATO-Partner müssten es im Fall eines Angriffs verteidigen, was zum „Dritten Weltkrieg“ führen könnte.

„In der heutigen Welt, egal wie groß oder klein man ist, zählt es, wie man die Werte der Freiheit, Solidarität und Demokratie verteidigt“, so die montenegrinische Regierung weiter. Deshalb seien die Freundschaft und das Bündnis mit den USA „stark und unveräußerlich“. Die Regierung wies darauf hin, dass Montenegro „zusammen mit den USA Soldaten in Afghanistan“ stelle.

Seit 2006 von Serbien unabhängig

Trump hatte mit seinen Äußerungen erneut Zweifel an seiner Treue zur Beistandsgarantie der NATO genährt. Er frage sich, warum die NATO-Partner ein kleines Mitgliedsland wie Montenegro im Fall eines Angriffs verteidigen müssten, sagte Trump im Interview mit dem US-Fernsehsenders Fox News am Dienstagabend.

In Montenegro leben rund 660.000 Menschen, das Militär zählt nur wenige tausend Soldaten. Der kleine Balkan-Staat machte sich 2006 von Serbien unabhängig. Im Frühjahr 2017 trat Montenegro der NATO bei und hat Verhandlungen mit Brüssel über einen möglichen EU-Beitritt aufgenommen.

Spanien verzichtet auf Auslieferung Puigdemonts

Die spanische Justiz verzichtet auf eine Auslieferung des in Deutschland festgenommenen katalanischen Separatistenführers Carles Puigdemont. Der Ermittlungsrichter am obersten Gericht in Madrid, Pablo Llarena, habe den europäischen Haftbefehl gegen den ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten im Exil zurückgezogen, teilte das Gericht heute mit.

Das oberste Gericht in Madrid verwies zur Begründung auf die kürzlich ergangene Entscheidung der deutschen Justiz, die eine Auslieferung Puigdemonts an Spanien nur wegen des Vorwurfs der Veruntreuung und nicht wegen Rebellion für zulässig erklärt hatte. Puigdemont war aufgrund des internationalen Haftbefehls im März bei der Durchreise in Schleswig-Holstein festgenommen worden.

Russischer Diplomat verlangt Beweise im Fall Skripal

Russland verlangt im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal eine offizielle Erklärung der britischen Behörden zu den neuen Verdächtigungen. „Ich will das von Scotland Yard oder dem Außenministerium hören“, nicht aus der Presse, sagte der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, heute der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Britische Medien hatten zuvor berichtet, die Polizei habe mutmaßliche Täter des Giftangriffs auf Skripal und seine Tochter Julia im März im südenglischen Salisbury identifiziert. Es handle sich dabei um mehrere Russen, berichtete die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf eine Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen.

London wirft Moskau vor, Drahtzieher des versuchten Mordanschlags auf die Skripals gewesen zu sein. Russland weist die Vorwürfe zurück und fordert Beweise. Botschafter Jakowenko sagte, Russland sei zur Zusammenarbeit mit den britischen Behörden bereit, und bekräftigte die Forderung, Zugang zu den Ermittlungen zu bekommen.

Kambodscha auf dem Weg in Richtung Diktatur

Kambodscha entwickelt sich immer mehr in Richtung Militärdiktatur. Das urteilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in ihrem aktuellen Bericht. Unter Ministerpräsident Samdech Hun Sen werden in der Tat seit Jahrzehnten Opposition, Medien und Zivilgesellschaft unterdrückt. Militärgeneräle verstießen zudem regelmäßig gegen die Menschenrechte, sagt HRW - und zieht Vergleiche mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in den 1970er Jahren, die Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen hat.

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Inland

Kopftuchverbot im Kindergarten: Wallner attackiert Strache

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) legt bei seiner Kritik an der Bundesregierung nach und nimmt Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) ins Visier. Anlass ist dessen Vorstoß für ein Kopftuchverbot im Kindergarten, was von der Regierung mit weiteren Zuschüssen für den Kindergartenausbau der Länder junktimiert wurde.

Wörtlich spricht Wallner im Nachrichtenmagazin „News“ von einem „beliebten Sommerthema des Vizekanzlers“. Einen praktikablen Vorschlag vom FPÖ-Chef habe er dazu nicht vernommen: „Eine verfassungskonforme Bestimmung, wie das gehen soll, hat der Bund bisher nicht auf den Tisch gelegt.“

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Schächten: Registrierung für Sobotka nicht vorstellbar

Die Registrierung von Konsumenten beim Kauf von koscherem Fleisch sei „in keiner Weise mit dem Grundrecht der freien Religionsausübung vereinbar und daher auszuschließen“, unterstrich heute Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP).

In einer Unterredung am Vormittag war er mit dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, einer Meinung, dass die bestehenden Gesetze in der bisherigen Interpretation ausreichen. „Religiöse Themen sind ungeeignet, um aus ihnen politisches Kleingeld zu schlagen“, stellten Sobotka und Deutsch in einer gemeinsamen Aussendung fest. Deutsch plädierte für eine Versachlichung der Debatte.

„Alle Alarmglocken“

Entsetzt über die Diskussion in Österreich ist Charlotte Knobloch, früher Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und jetzt Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Eine Registrierung für den Kauf von koscherem Fleisch wäre „ungeheuerlich und abscheulich“, sagte sie der „Bild“ (Freitag-Ausgabe). Es sei offensichtlich, dass die FPÖ über das vorgeschobene Argument des Tierschutzes Listen der niederösterreichischen Juden erstellen wolle. Vor dem Hintergrund der österreichischen Geschichte müssten hier „alle Alarmglocken schrillen“.

Vilimsky legt gegen Van der Bellen nach

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hat erneut seine Vorwürfe gegen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bekräftigt und gleichzeitig neue Kritik an Bundespräsident Alexander Van der Bellen geübt. Nach Meinung Vilimskys ist dieser „auf einem Auge völlig blind“. Die Überparteilichkeit des Staatsoberhaupts sei „ausbaufähig“. Das Schweigen des Regierungspartners ÖVP zu den Attacken auf Juncker und Van der Bellen ist für den FPÖ-Generalsekretär verständlich.

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EU

Österreich erhält Mahnschreiben aus Brüssel

Die EU-Kommission hat heute ihr monatliches Paket an Mahnschreiben, Stellungnahmen und Klagen an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen Mitgliedsstaaten verschickt. Österreich wird dabei gemeinsam mit 16 weiteren Ländern aufgefordert, die EU-Cybersecurity-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Dafür gibt es zwei Monate Zeit, sonst droht ein formelles Mahnschreiben.

Darüber hinaus hat Österreich auch die erste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens in Sachen Binnenmarkt erhalten. Dabei geht es darum, dass Österreich das EU-Recht bei einer öffentlichen Auftragsvergabe für die Klärung von Sondermüll im Bereich von Wiener Neustadt gewährleistet. Es müssten die Prinzipien von Transparenz, Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung eingehalten werden.

Eine dritte Aufforderung erhielt Österreich gemeinsam mit 16 weiteren EU-Staaten wegen der fehlenden Umsetzung der Richtlinie über die Bedingungen für Drittstaatsangehörige im Bereich von Forschung, Studien, Ausbildung. Ein vierter Brief aus Brüssel kam an Wien wegen der fehlenden Umsetzung der neuen Regeln über Passagierdaten in nationales Recht, im letzteren Fall gemeinsam mit 13 weiteren EU-Ländern.

Brüssel klagt Ungarn wegen Asylpolitik vor EuGH

Die EU-Kommission hat heute Ungarn im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklagt. Der Grund ist, dass die Asyl- und Rückführungsvorschriften Ungarns mit EU-Recht nicht vereinbar sind. Außerdem gibt es ein Mahnschreiben an Budapest wegen des „Stop Soros“-Gesetzes.

Diese neuen ungarischen Rechtsvorschriften sehen vor, dass jegliche Unterstützung, die von Personen im Namen nationaler, internationaler und nicht staatlicher Organisationen für Personen geleistet wird, die in Ungarn Asyl oder einen Aufenthaltstitel beantragen möchten, unter Strafe gestellt wird.

Verstöße gegen EU-Recht

Zur Klage gegen Ungarn erklärte die Brüsseler Behörde, die ungarischen Rechtsvorschriften betreffend Asylverfahren blieben hinter den Anforderungen der EU-Verfahrensrichtlinie in dem Bereich zurück, da gemäß diesen Vorschriften Asylanträge nur innerhalb von Transitzonen gestellt werden könnten. Dabei werde der Zugang nur einer begrenzten Zahl von Personen und erst nach übermäßig langer Wartezeit gewährt.

Das von Ungarn durchgeführte Grenzverfahren verstoße gegen EU-Recht, da die Höchstdauer von vier Wochen nicht eingehalten werde, während der eine Person in einem Transitzentrum festgehalten werden kann. Auch sehe das Verfahren keine besonderen Garantien für schutzbedürftige Antragsteller vor. Damit biete Ungarn keinen wirksamen Zugang zu Asylverfahren, da irreguläre Migranten hinter die Grenze zurückbegleitet werden, selbst wenn sie Asyl beantragen möchten.

Lob von Karas

Darüber hinaus sei das ungarische Recht nicht mit der Rückführungsrichtlinie der EU vereinbar. Es werde nicht gewährleistet, dass Rückkehrentscheidungen einzeln erlassen werden.

Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, begrüßte das Vorgehen der Kommission. Allerdings sei es nur eine „Hilfskrücke“. Statt gegen Antisemitismus, Hetze und Verletzung der Rechtsstaatlichkeit vorzugehen, könne die Kommission nur Verstöße gegen die EU-Asylregeln untersuchen. Deswegen sei ein wirksameres Verfahren in Europa notwendig.

Sport

Formel 1: Hamilton bleibt den Silberpfeilen treu

Der vierfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton wird auch in den kommenden beiden Jahren in einem Mercedes seine Runden drehen. Das teilte der deutsche Rennstall heute im Vorfeld des Grand Prix von Deutschland in Hockenheim am Sonntag (15.10 Uhr, live in ORF eins) mit. „Wir sind auf und abseits der Rennstrecke auf einer Wellenlänge“, unterstrich der 33-jährige Brite. „Ich freue mich auf weitere Siege in der Zukunft und darauf, den Stern noch stärker zum Leuchten zu bringen.“

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Formel 1: Vettel bekämpft „Hockenheim-Fluch“

Zum sechsten Mal nimmt Sebastian Vettel am Sonntag einen Formel-1-Grand-Prix auf dem Hockenheimring in Angriff. Zu mehr als einem dritten Platz vor acht Jahren hat es für den vierfachen Weltmeister auf dem Kurs nahe seiner Geburtsstadt Heppenheim noch nicht gereicht. Nun soll der „Hockenheim-Fluch“ endlich beendet werden. Möglicherweise ist es Vettels letzte Chance, ist doch die Zukunft des Rennens in Deutschland ungewiss. Sein WM-Rivale Lewis Hamilton will sich nach der bitteren Heimpleite in Silverstone revanchieren.

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Wirtschaft

IWF dämpft Optimismus für Konjunktur in Euro-Zone

Die Wirtschaft in der Euro-Zone muss sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den nächsten Jahren auf nachlassende Wachstumsraten einstellen. Es gebe eine ganze Reihe von Risiken für den Ausblick, teilte der IWF heute mit. Nach 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum 2017 - dem besten Wert seit Jahren - werde die Dynamik nach und nach abnehmen.

2023 dürfte es dann nur noch zu 1,4 Prozent reichen. Seine Prognosen für dieses und nächstes Jahr hatte der Fonds kürzlich bereits leicht auf 2,2 beziehungsweise 1,9 Prozent zurückgenommen.

Risiken von Trump bis „Brexit“

Die Inflation dürfte gleichzeitig vergleichsweise niedrig bleiben. Es werde wohl noch „ein paar Jahre“ dauern, bis die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Ziel von knapp zwei Prozent erreiche. Für 2018 und 2019 prognostiziert der IWF jeweils ein Plus von 1,7 Prozent - also zumindest nahe am EZB-Ziel. Ab 2020 dürften die Verbraucherpreise dann um zwei Prozent anziehen.

Zu den Risiken zählt vor allem der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelsstreit. Außerdem kritisiert der IWF, dass die Euro-Länder nicht genug dafür tun, um krisenfester zu werden. Die wenigen Fortschritte in den „Brexit“-Verhandlungen vergrößerten darüber hinaus die Gefahr, dass es zu einem ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens kommen könnte. Hinzu kämen mittelfristig die ungünstige demografische Entwicklung und eine schwache Produktivität. Fortschritte habe es dagegen bei der Bankenunion und der Stabilität der Finanzinstitute gegeben, heißt es.

Trump attackiert EU wegen Strafe für Google

US-Präsident Donald Trump hat die EU wegen der Verhängung einer Kartellstrafe gegen Google kritisiert. „Ich habe es euch doch gesagt! Die Europäische Union hat soeben eines unserer großartigen Unternehmen, Google, zu einer Fünf-Milliarden-Dollar-Strafe verdonnert. Sie haben die Vereinigten Staaten wirklich ausgenutzt, aber nicht mehr lange“, schrieb Trump heute im Kurznachrichtendienst Twitter.

EU: Ein „Feind“ neben China und Russland

Der US-Internetkonzern müsse wegen Verstößen gegen EU-Recht 4,3 Mrd. Euro zahlen, hatte Brüssel zuletzt mitgeteilt. Google habe etwa Smartphone-Herstellern und Mobilfunknetzbetreibern seit 2011 unzulässige Vorschriften für die Verwendung seines Betriebssystems Android gemacht und verlangt, bestimmte Google-Apps vorzuinstallieren, so die Begründung. Am Wochenende hatte Trump die EU - neben Russland und China - in einem Interview als einen „Feind“ bezeichnet, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht.

Illegales Holz: WWF-Beschwerde gegen heimische Firmen

Die Umweltschutzorganisation WWF geht erneut in die Offensive und will eine weitere Klage gegen heimische Holzunternehmen beim Bundesamt für Wald (BfW) einbringen. WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides sieht die Behörden gefordert: Nach neuen Vorwürfen müsste illegaler Holzhandel gestoppt und die Europäische Handelsverordnung (EUTR) auf Punkt und Beistrich umgesetzt werden.

Die Vorwürfe gegen mehrere österreichische Holzunternehmen wie Schweighofer, Egger und Kronospan stützen sich auf kürzlich veröffentlichte Berichte der Umweltorganisationen Environmental Investigation Agency (EIA) und Earthsight. Laut dem EIA-Bericht beziehen heimische Unternehmen weiterhin illegal geschlägertes Holz aus rumänischen Nationalparks. Durch Käufe von zahlreichen Zwischenhändlern wüssten die Unternehmen dabei selbst schlussendlich nicht, woher ihr Holz stamme, so David Gehl von EIA.

Kaum Änderungen zu beobachten

Nach fünf Jahren leerer Transparenzversprechungen hätte sich aufseiten der Unternehmen bisher wenig geändert. Regelungen wie die EUTR würden nur entsprechend greifen, wenn man auch wisse woher das Holz stamme, sagte Gehl. Die 2013 in Kraft getretene EUTR soll nachhaltige Waldbewirtschaftung fördern und den Handel von Holz und Holzprodukten aus illegalem Einschlag in die EU stoppen.

„Unser Unternehmen handelt entsprechend der Europäischen Holzhandelsverordnung“, sagte ein Sprecher von Schweighofer auf APA-Anfrage bereits am Dienstag, nachdem erste Vorwürfe bekanntgeworden waren. Über Gesetze hinausgehend gebe es strenge Unternehmensrichtlinien für die gesamte Wertschöpfungskette, so der Sprecher. Das Unternehmen habe sich freiwillig verpflichtet, kein Holz aus Nationalparks zu verarbeiten, und das, obwohl eine Holzernte in Teilen der Nationalparks gesetzlich erlaubt sei. Ein Holznachverfolgungssystem mache die rumänische Lieferkette sehr wohl transparent.

Egger-Gruppe will weitere Schritte setzen

Nach den jüngsten Vorwürfen von Umweltschutzorganisationen will der heimische Holzkonzern Egger weitere Schritte im Kampf gegen illegale Holzeinschlag setzen, wie das Unternehmen mitteilte. Man schätze die Arbeit der NGOs sehr und unterstütze die Forderung nach einer strengeren Gesetzgebung.

Trotzdem sei die Einhaltung europäischer Standards und Gesetzgebungen im Unternehmen selbstverständlich und würden bei der Auswahl der Lieferanten strikt beachtet. Man werde jedoch vor allem für Holz aus der Ukraine weitere Schritte setzen und erhoffe sich die Unterstützung lokaler Behörden und europäischer Institutionen, so der Konzern.

Chronik

Belgischer Luftraum wegen Panne gesperrt

In Belgien sind Tausende Passagiere von Flugausfällen und Verspätungen betroffen. Wegen technischer Probleme bei der Flugüberwachung Belgocontrol wurde der Luftraum heute Nachmittag zunächst gesperrt. Das Unternehmen teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, man operiere im „Clear the sky“-Modus. Das bedeutet, dass kein Flugzeug über Belgien fliegen darf.

Auf der Website des Brüsseler Flughafens wurden Dutzende Flüge als verspätet, gecancelt oder umgeleitet angezeigt. Die Flugsicherung betonte, es habe keine Gefahr für die Sicherheit bestanden. Die Sperre dauerte etwa eineinhalb Stunden.

Russin wird in Indien Opfer von Gruppenvergewaltigung

In Indien soll eine russische Touristin betäubt und anschließend Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden. „Sechs Männer sind im Zusammenhang mit der Vergewaltigung und Betäubung der Frau festgenommen worden“, sagte die leitende Ermittlerin, Mangayar Karasi, heute gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Tat soll sich in der Nacht auf Montag in einem Hostel in der südlichen Touristenstadt Tiruvannamalai ereignet haben.

Unter den Festgenommenen befänden sich der Geschäftsführer des Hostels und der Touristenführer der 21-jährigen Russin, hieß es. Der Guide habe bei der Polizei ausgesagt, er habe die junge Frau, einige Stunden nachdem er einvernehmlich Sex mit ihr gehabt habe, bewusstlos auf dem Boden ihres Zimmers gefunden.

Zehntausende Fälle pro Jahr

Der medizinische Befund habe allerdings das Vorliegen eines Sexualverbrechens bestätigt, sagte die Ermittlerin. Die Russin werde nun im Krankenhaus wegen einer Überdosis Betäubungsmittel und leichter Verletzungen behandelt.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in Indien weit verbreitet, immer wieder gibt es brutale Übergriffe. Verstärkte Aufmerksamkeit erregen die Fälle seit der brutalen Vergewaltigung einer 23-jährigen Studentin durch sechs Männer im Dezember 2012 in der Hauptstadt Neu Delhi. Die junge Frau wurde in einem Bus so schwer misshandelt, dass sie später starb. Nach Angaben des Innenministeriums am Mittwoch wurden zwischen 2014 und 2016 in Indien 110.333 Vergewaltigungen registriert. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen.

Berliner Polizei beschlagnahmt 77 Immobilien einer Familie

Im Zuge eines Geldwäscheverfahrens gegen eine Familie und Verdächtige aus deren Umfeld hat die Polizei in Berlin 77 Immobilien im Gesamtwert von rund 9,3 Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. Es handelt sich um überwiegend bebaute Grundstücke in Berlin und im näheren Umland, wie die Ermittler heute in der deutschen Bundeshauptstadt bestätigten.

100 Kilo schwere Goldmünze bleibt verschwunden

Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ sollen die Verdächtigen einer arabischen Großfamilie angehören. Mitglieder seien in der Vergangenheit durch spektakuläre Einbrüche in Berlin aufgefallen, berichtete das Magazin. Drei stünden im Verdacht, im März 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen zu haben. Die Goldmünze namens „Big Maple Leaf“ mit einem Materialwert von etwa 3,7 Millionen Euro blieb verschwunden.

Die deutsche Polizei wollte sich laut Medienberichten nicht zur Staatsangehörigkeit der insgesamt 16 Beschuldigten äußern. Die Ermittlungen nahmen ihren Angaben zufolge ihren Ausgang nach einem Einbruch in eine Sparkasse in Berlin-Mariendorf im Herbst 2014. Die Täter machten damals eine Beute von weit mehr als neun Millionen Euro. Auch die ist bis heute verschwunden.

Arbeitslosengeld und Immobilienvermögen

Bei den anschließenden Ermittlungen fiel auf, dass einer der Brüder eines bereits wegen des Sparkassenraubs rechtskräftig verurteilten Mannes Eigentumswohnungen erwarb - obwohl er zuvor von Hartz IV gelebt hatte. Weitere Nachforschungen führten die Ermittler zu weiteren Immobilien, die womöglich mit Geld aus Straftaten gekauft wurden.

Die vorläufige Beschlagnahmung der Immobilien sowie Durchsuchungen an insgesamt 13 Orten in Berlin und Brandenburg fanden bereits am vergangenen Freitag statt. Die weiteren Ermittlungen sollen nun klären, ob sich der Geldwäscheverdacht erhärtet und in diesem Fall die 77 Immobilien dauerhaft eingezogen werden können.

Kultur

Netflix macht Rushdies „Mitternachtskinder“ zur Serie

Der Streaminganbieter Netflix plant eine Serie, die auf Salman Rushdies Roman „Mitternachtskinder“ basieren soll. Rushdie wurde für den 1981 veröffentlichten Roman unter anderem zweimal mit dem Booker Price ausgezeichnet.

Die Handlung folgt Saleem Sinai, der exakt um Mitternacht des 15. August 1947, dem Tag der indischen Unabhängigkeit von Großbritannien, geboren wird und der über übersinnliche Fähigkeiten verfügt.

„Mitternachtskinder" sei einer der besten Romane der Welt. Die besprochenen Themen seien auch im heutigen Indien relevant“, sagte Netflix-Vizepräsident Erik Barmack in einem Statement. Die Serie dürfte ein weiterer Versuch des US-Streamingdienstes sein, auf dem indischen Markt Fuß zu fassen.

Deborah-Sengl-Schau: Zwischen Kopftuch und Tierschädel

In Deborah Sengls künstlerischer Welt spielen Tiere schon immer eine besondere Rolle. Seit fast 13 Jahren arbeitet die Wiener Künstlerin mit einem Tierpräparator zusammen. In ihrer aktuellen Ausstellung „Schleier-Haft“, die derzeit im Millstätter Forum contemporary in Kärnten zu sehen ist, sind es Hunde, die viele der gezeigten Objekte prägen.

Bilder der Ausstellung von Deborah Sengl

Deborah Sengl

Zwei Bilder aus „Schleier-Haft“

Die Schau bildet einen Überblick über Sengls Schaffen der letzten Jahre. Die heuer entstandene Bilderserie „Schleier-Haft“ versieht die typischen Heile-Welt-Bilder der 1950er Jahre mit einem Twist. Die Frauen - präsentiert als Hausfrauen und Mütter - tragen Kopftuch, die Männer - Familienoberhäupter und Ernährer - haben Hundeschädel.

Es ginge ihr nicht um Islamkritik, sondern um die Demaskierung der Doppelmoral von rechtspopulistischen Parteien in Europa, sagte Sengl der „Kleinen Zeitung“. Sie würden an veralteten Rollenbildern festhalten, aber genau diese am Islam kritisieren.

Bild der Ausstellung von Deborah Sengl

Katharina Stögmüller

Sengls Werk „Home Story“

Ebenfalls Thema in Sengls Kunst ist die Kritik an der Konsumgesellschaft. In der Installation „Home Story“ macht eine reiche Frau mit Hundekopf ein Selfie, während im Hintergrund ein Obdachloser auf der Parkbank sitzt, sein gesamtes Hab und Gut in einem Einkaufswagen vor ihm.

Arm und reich liegen dicht beieinander

Zu der Arbeit inspiriert habe sie das Bild eines „sogenannten Facebook-Freundes“, der sich mit einem Obdachlosen abgelichtet hat, schrieb Sengl zum Objekt. Das Foto sei nicht aus Mitgefühl entstanden: „Ganz im Gegenteil hat er dem am Boden liegenden verbal nachgetreten und dessen trauriges Schicksal verhöhnt.“

Bild der Ausstellung von Deborah Sengl

Deborah Sengl

Zeichnung aus der Serie „Toy Story“

In fast allen Ländern seien Armut und Reichtum dicht nebeneinander zu finden. Auf der Suche nach „materieller Befriedigung“ würden oft jene Menschen übersehen, „deren existenzieller Spielraum vor den Türen der Einkaufstempel endet“. Die Schau läuft noch bis zum 28. Juli. Alle gezeigten Objekte finden sich zudem auf der Website der Künstlerin.

Science

Religion

Panorama

Private Braunbärenhaltung vor Verbot in Österreich

Die private Haltung von Braunbären in Österreich soll verboten werden. Die zuständige Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat der Tierschutzorganisation Vier Pfoten die entsprechende Gesetzesänderung bei einem Treffen zugesagt, hieß es heute in einer Aussendung der NGO. Derzeit kann sich in Österreich jede Privatperson unter gewissen Auflagen einen Braunbären zulegen.

Laut Vier Pfoten gilt etwa auch in Ländern wie dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Kroatien und Polen ein gesetzliches Verbot der Braunbärenhaltung. In Österreich ist die Haltung von gefährlichen Wildtieren, auch von Großbären, durch Private nach der 2. Tierhaltungsverordnung zwar generell verboten - die Braunbären sind jedoch laut der NGO absurderweise eine Ausnahme. Eindeutig in den jeweiligen Landessicherheitsgesetzen verboten ist die Privathaltung von Braunbären laut Vier Pfoten lediglich in Kärnten und Wien.

Aktuell sind Vier Pfoten keine Fälle von privaten Braunbärhaltungen in Österreich bekannt, doch in der Vergangenheit wurden auch hierzulande Bären aus ungeeigneten Haltungsbedingungen gerettet. Braunbären sind keine Kuscheltiere, sondern eine höchst anspruchsvolle und auch potenziell gefährliche Art, so die NGO.

Airbus schickt „Beluga-Wal“ auf Jungfernflug

Bemalt mit einem lächelnden Walgesicht ist heute die neue Großfrachtmaschine des europäischen Flugzeugbauers Airbus zu ihrem Erstflug abgehoben. Der Beluga XL startete vor rund 10.000 Zuschauern und Zuschauerinnen nahe Toulouse in Frankreich zu einem etwa dreistündigen Flug.

Airbus Beluga

APA/AFP/Eric Cabanis

Die Frachtmaschine mit der Bezeichnung A330-743L Beluga XL soll ab 2019 den Beluga ST ersetzen, um Flugzeugteile von Airbus zwischen den verschiedenen Produktionsstandorten zu transportieren.

Gegenüber seinem Vorgänger ist die neue Version sechs Meter länger und einen Meter breiter. Damit können künftig etwa zwei Tragflächen eines A350 statt wie bisher nur eine transportiert werden. Insgesamt kann die Maschine eine Fracht von 53 Tonnen über eine Distanz von bis zu 4.000 Kilometern tragen. Vorgesehen ist der Bau von fünf Stück.

81-jährige Ralleyfahrerin für Versicherung Fahranfängerin

Die deutsche Unternehmerin und Ralleyfahrerin Heidi Hetzer ist von einer Kfz-Versicherung als Fahranfängerin eingestuft worden. Die 81-Jährige war erst letztes Jahr von einer Weltreise per Oldtimer zurückgekehrt und besitzt seit 1965 einen Führerschein.

Heidi Hetzer

APA/dpa/Hannibal Hanschke

Die Sache sei „ein Witz“, sagte die langjährige Autohausbesitzerin heute, nachdem die „Berliner Zeitung“ über den kuriosen Fall berichtet hatte. Wie es zu der Einstufung kam, erklärte sie so: Tatsächlich habe sie nie einen Neuwagen auf ihren Namen zugelassen, nur ihre Oldtimer. „Aber die zählen nicht, wenn ich eine internationale Versicherung abschließen will.“

Nächste Reise geht quer durch Afrika

Am Anfang habe sie sich geärgert, „jetzt kann ich nur noch darüber lachen“, so die gelernte Mechanikerin. Im November wolle sie mit ihrem Wohnmobil zu einer Reise durch Afrika starten. „Bis dahin werde ich bestimmt eine Lösung gefunden haben.“ Über Ägypten und den Sudan soll es bei der Reise bis nach Kapstadt gehen und später die Westküste entlang wieder zurück. Im März 2017 war Hetzer von ihrer Weltumrundung zurückgekehrt. Gut zweieinhalb Jahre saß sie am Steuer ihres petrolfarbenen Hudson, Baujahr 1930.