Ausland

Eine US-Drohne vom Typ MQ-9 Reaper ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vor der Küste des Jemen ins Meer gestürzt, nachdem sie offenbar von einer von den militanten Huthi-Rebellen abgefeuerten Rakete getroffen worden war.

Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass „das Luftfahrzeug von einer Boden-Luft-Rakete der Huthis abgeschossen wurde“, sagte Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh gestern vor Medien. Der Vorfall ereignete sich bereits am Montag.

Es wäre das zweite Mal innerhalb weniger Monate, dass es der Huthi-Miliz gelang, eine US-Drohne abzuschießen. Zuletzt war das im November 2023 der Fall gewesen.

Huthis zielten auf Frachter mit Hilfsgütern

Die Huthis feuerten nach US-Angaben außerdem zwei ballistische Anti-Schiff-Raketen auf das unter griechischer Flagge fahrende US-Containerschiff „Sea Champion“ ab.

Eine der Raketen sei in der Nähe des Schiffes explodiert und habe leichte Schäden verursacht, teilte das US-Zentralkommando mit. Der Frachter sei mit humanitären Hilfsgütern auf dem Weg nach Aden im Jemen gewesen. Laut einem Insider war die Attacke ein Versehen.

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen greift seit Mitte November regelmäßig Schiffe im Roten Meer an. Die Huthis sehen sich als Teil der gegen Israel gerichteten selbst ernannten „Achse des Widerstands“, zu der neben der radikalislamischen Hamas unter anderem auch die Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon gehört.

Die entscheidende Anhörung im Tauziehen um die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange geht heute in die zweite Runde. Nachdem tags zuvor die Anwälte des 52-Jährigen ihre Argumente vor dem Londoner High Court dargelegt hatten, wird nun mit dem Plädoyer der Gegenseite gerechnet.

Wann eine Entscheidung fallen wird, ist noch unklar. Erwartet wurde aber, dass sie nicht direkt im Anschluss an den zweiten Anhörungstag verkündet werden soll.

Hoffnung auf Auslieferungsstopp

Für Assange ist die zweitägige Anhörung die letzte Hoffnung, seine Auslieferung an die USA vor britischen Gerichten noch zu verhindern. Die US-Regierung will dem Australier in den USA wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Ihm drohen bis zu 175 Jahre Haft.

Washington wirft Assange vor, mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Assange sieht sich hingegen wegen seiner journalistischen Tätigkeit strafrechtlich verfolgt.

In Pakistan bildet sich eine Minderheitsregierung um den ehemaligen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif. Nach zehn Tagen intensiver Verhandlungen schloss die Pakistanische Volkspartei (PPP) eine Koalitionsvereinbarung mit Sharifs Muslimliga (PML-N), wie die beiden Organisationen gestern mitteilten.

Die Parteien wollten schnellstmöglich eine Regierung bilden, sagte Ex-Außenminister Bilawal Bhutto Zardari, der als Spitzenkandidat für die PPP ins Rennen gegangen war.

Er bestätigte während einer Pressekonferenz mit Sharif, dass der ehemalige Regierungschef der Muslimliga die Koalition anführen und neuer Ministerpräsident Pakistans werden soll. Seinen Vater Asif Ali Zardari schlage das Bündnis als Präsidenten vor.

Wahl brachte kein eindeutiges Ergebnis

Die von Gewalt überschattete Parlamentswahl in Pakistan am 8. Februar war ohne eindeutigen Sieger ausgegangen. Die von dem inhaftierten Ex-Ministerpräsidenten Imran Khan unterstützten Kandidaten hatten die meisten Sitze erhalten.

Sowohl Imran Khan als auch der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif reklamierten den Sieg für sich. Nawaz ist der ältere Bruder von Shehbaz Sharif und schlug diesen als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vor.

Die kolumbianische Guerillagruppe ELN hat ein vorläufiges Ende der Friedensverhandlungen mit der Regierung verkündet. Die Gespräche würden „in eine Phase des Einfrierens“ eintreten, „bis die Regierung bereit ist, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“, erklärte die ELN heute. Die Gruppe sprach von einer „offenen Krise“ mit der Regierung und beklagte „Verstöße“ gegen Regeln, die bei Aufnahme der Gespräche 2022 in Kuba vereinbart worden waren.

Kolumbiens linksgerichteter Präsident Gustavo Petro, selbst ein ehemaliger Guerillero, hatte zu Beginn seiner Amtszeit im August 2022 Kontakt zur ELN aufgenommen. Einige Monate später begannen die Friedensverhandlungen.

Im Jahr 2016 hatte die größte kolumbianische Guerillaorganisation FARC ein Friedensabkommen mit der Regierung unterzeichnet. Seither ist die ELN, die 1964 von Anhängern des argentinisch-kubanischen Revolutionärs Ernesto „Che“ Guevara gegründet worden war, die stärkste verbliebene Rebellenorganisation des Landes. Nach Angaben der Behörden gehörten der ELN im Jahr 2022 rund 5.800 Kämpfer an. Sie sind vor allem im Nordosten des Landes, im Gebiet der Grenze zu Venezuela präsent.

Ukraine-Krieg

Die Überbleibsel eines in der Ukraine gefundenen nordkoreanischen Marschflugkörpers enthalten einem Bericht zufolge Komponenten von Unternehmen mit Sitzen in den USA und Europa.

Das in Nordkorea gefertigte Geschoß habe mehr als 290 elektronische Teile enthalten, die nicht aus dem Land stammten, heißt es in dem gestern veröffentlichten Bericht der Organisation CAR, die die Lieferung von Waffen und anderem militärischen Material in Konfliktgebiete verfolgt.

Der CAR-Bericht weist darauf hin, dass Pjöngjang trotz harter Sanktionen in der Lage ist, an westliche Komponenten für seine Waffenproduktion zu gelangen, und dass diese Waffen von Russland im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Laut Bericht konnten 75 Prozent der ausländischen Teile Unternehmen in den USA und 16 Prozent Unternehmen in Europa zugeordnet werden.

Das Weiße Haus hatte Anfang Jänner mitgeteilt, dass Nordkorea Russland mit Marschflugkörpern und Raketenwerfern versorgt habe, die bei Angriffen in der Ukraine eingesetzt worden seien.

Russland hat nach eigenen Angaben die von Präsident Wladimir Putin im Juli zugesagte Lieferung von 200.000 Tonnen kostenlosen Getreides an sechs afrikanische Länder abgeschlossen.

Je 50.000 Tonnen gingen nach Somalia und in die Zentralafrikanische Republik, je 25.000 Tonnen nach Mali, Burkina Faso, Simbabwe und Eritrea, sagte Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew nach Angaben des Kreml bei einem Gespräch mit Putin.

Vor allem ärmere Länder in Afrika sind auf die Getreidelieferungen aus der Ukraine angewiesen. Russland hatte nach dem Einmarsch in die Ukraine versprochen, die Getreidelieferungen nach Afrika zu ersetzen.

Moskau verbietet der US-Sendergruppe Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL), in Russland weiterzusenden. In einem Dokument in der Datenbank des russischen Justizministeriums, das die Nachrichtenagentur AFP gestern einsah, werden die Aktivitäten des von den USA finanzierten Mediums für „unerwünscht“ erklärt. Auch das Medium selbst bestätigte den Schritt in sozialen Netzwerken.

Mit dem Verbot droht auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Sendergruppe juristische Verfolgung in Russland.

Seit Beginn des Ukraine-Krieges geht der Kreml zunehmend gegen kritische Stimmen vor und verbot bereits eine Reihe ausländischer Organisationen. Auch RFE/RL steht bereits seit Längerem unter Druck. Seine Mitarbeiterin Alsu Kurmaschewa war im Oktober festgenommen worden. Der Journalistin wird vorgeworfen, sich nicht als „ausländische Agentin“ registriert und gegen die strengen russischen Gesetze zur Militärzensur verstoßen zu haben. Kürzlich lehnte ein Gericht ihren Antrag ab, sie aus gesundheitlichen Gründen aus der Untersuchungshaft in den Hausarrest zu verlegen.

Inland

NEOS will nächste Woche im Plenum des Nationalrats einen Entschließungsantrag einbringen, in dem die Partei die Bundesregierung dazu auffordert, das Gaswirtschaftsgesetz so zu ändern, dass ein vorzeitiger Ausstieg aus dem OMV-Gasprom-Liefervertrag und eine stufenweise Beendigung russischer Gasimporte bis 2027 gewährleistet wird. Das kündigte NEOS-Energiesprecherin Karin Doppelbauer bei einem Pressegespräch gestern Abend an.

Die OMV sei „der einzige westeuropäische Energiekonzern, der immer noch einen aufrechten Liefervertrag mit Russland hat und nicht juristisch gegen die einseitigen russischen Lieferdrosselungen 2022 vorgegangen ist“, sagte Doppelbauer.

Für einen Ausstieg aus dem russischen Gas brauche es nur politischen Willen, so die NEOS-Energiesprecherin und verwies auf die Trilog-Einigung, die im April 2024 im EU-Parlament abgestimmt werde und den Mitgliedsstaaten das Recht einräumen werde, Lieferungen aus Russland und Belarus durch gesetzliche Maßnahmen einzuschränken. Die Regierung müsse nun den gesetzlichen Ausstieg rasch auf Basis der neuen EU-Rechtslage vorbereiten, forderte Doppelbauer.

Energieexperte hält Ausstieg für möglich

Der Energieexperte und frühere E-Control-Vorstand Walter Boltz hält einen Ausstieg aus russischem Gas ebenfalls für möglich. „Der europäische Gasmarkt ist aktuell gut versorgt, die Preise sind wieder niedriger, und die Speicher sind voll. Es war also noch nie so einfach für Österreich, aus russischem Gas auszusteigen.“

Auch Länder, die wesentlich schlechter an das europäische Gasnetz angeschlossen seien, hätten den Ausstieg erfolgreich geschafft. Österreich habe zuletzt fast seine gesamten Gasimporte (98 Prozent) aus Russland bezogen, kritisierte Doppelbauer. Im Gesamtjahr 2023 habe der Russland-Anteil rund 65 Prozent betragen, Österreich habe dafür 3,6 bis 3,8 Mrd. Euro bezahlt.

Die SPÖ will die Grundsätze der gesetzlichen Pensionsversicherung in den Verfassungsrang heben. Auch forderten SPÖ-Chef Andreas Babler und -Sozialsprecher Josef Muchitsch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz gestern u. a. Anreize für die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters.

Mit seiner Politik will der SPÖ-Chef Rechtsansprüche schaffen, wie er sagte. Wer jahrzehntelang gearbeitet habe, solle auch Anspruch auf gesetzlich gesicherte staatliche Pensionen haben.

Hebe man die Grundsätze der gesetzlichen Pensionsversicherung – eine solidarische Pflichtversicherung finanziert nach dem Umlageverfahren – in die Verfassung, sei das staatliche Pensionssystem besser vor Eingriffen geschützt.

Außerdem wollen die Sozialdemokraten eine Personaloffensive in den Bereichen Gesundheit, Kinderbildung und Pflege, Anreize für die Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters, ein Bekenntnis gegen die Erhöhung des derzeitigen gesetzlichen Pensionsantrittsalters sowie Maßnahmen, um Frauen aus der „Teilzeitfalle“ zu holen.

Die Forderungen hat die Partei auch per Entschließungsantrag in den Sozialausschuss des Nationalrats eingebracht.

Das Pensionssystem sei jedenfalls zukunftsfit, zeigten sich Babler und Muchitsch überzeugt. Anders sah das NEOS, dessen Sozialsprecher Gerald Loacker weitreichende Reformen im Pensionssystem forderte.

Einigkeit demonstriert

Neben der Pensionsthematik ging es der SPÖ bei dem Termin wohl auch darum, Einigkeit zu signalisieren, hatte Muchitsch in der Vorwoche doch Kritik an Babler geübt. In einem Interview hatte sich der FSG-Vorsitzende für eine wirtschaftsfreundlichere Positionierung des Parteichefs ausgesprochen.

Babler habe die linke Hälfte gebunden, mit ihr sei das „große Ziel“ aber nicht zu schaffen, sagte er mit Blick auf die anstehende Nationalratswahl. Er bedauere, wie seine Aussage angekommen sei, sagte Muchitsch nun auf Nachfrage.

Kritik an den „Problembären“ in der Partei kam von der stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden Eva-Maria Holzleitner. „Mir reicht es ehrlicherweise auch“, sagte sie gegenüber oe24 zum Thema Streit innerhalb der SPÖ. Sie empfahl, sich auf die Inhalte zu konzentrieren.

EU

Im Kampf gegen Luftverschmutzung sollen in der EU künftig strengere Grenz- und Zielwerte für verschiedene Schadstoffe gelten.

Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder verständigten sich gestern Abend auf neue Obergrenzen unter anderem für Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO2) und Schwefeldioxid (SO2), wie das Europaparlament mitteilte. Auch die belgische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte eine Einigung.

Diese muss noch offiziell von den EU-Staaten und vom Parlament gebilligt werden. In den meisten Fällen ist das aber Formsache.

Anspruch auf Entschädigung im Krankheitsfall

Mit den neuen Regeln solle sichergestellt werden, dass die Luftverschmutzung in Europa die menschliche Gesundheit nicht schädige, teilte das Parlament mit. Bürger sollen Anspruch auf Entschädigung bekommen, wenn sie wegen nicht eingehaltener Grenzwerte krank werden.

Für bestimmte Feinstaubpartikel sowie Schwefeldioxid sollen die Grenzwerte halbiert werden. Beide Schadstoffe hätten einen besonders großen Einfluss auf die Gesundheit, so das Europaparlament.

Die neuen Regeln sollen die Weichen für den Aktionsplan der EU-Kommission für „Null Schadstoffe“ in Luft, Wasser und Boden stellen, den diese 2021 vorgestellt hatte.

Wirtschaft

Nach dem Ende des Warnstreiks bei der AUA-Mutter Lufthansa soll sich der Betrieb bei Deutschlands größter Fluggesellschaft heute normalisieren. „Lufthansa plant, nach Ende des Verdi-Streiks am Mittwochmorgen ihren Flugbetrieb in Frankfurt und München sukzessive wieder hochzufahren“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Wegen der Auswirkungen des 35-stündigen Ausstands des Bodenpersonals könne es im Laufe des Tages vereinzelt zu Verspätungen oder Ausfällen kommen. Das Unternehmen bittet Kundinnen und Kunden, sich online regelmäßig über den Flugstatus zu informieren.

Gestern waren Hunderte Flüge aufgrund des Warnstreiks ausgefallen. Der Ausstand von Personal in der Technik, Logistik und am Schalter war besonders an den Drehkreuzen München und Frankfurt zu spüren, wo heute noch Flüge abgesagt wurden.

Streikaktionen gab es auch in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. Flüge der AUA waren nicht betroffen. Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Konzern sollen heute in Frankfurt fortgesetzt werden.

Zum Schutz des deutschen Atommüllzwischenlagers Gorleben wird eine Schutzwand um die Halle mit hochradioaktiven Abfällen errichtet. Auch eine neue Sicherungszentrale soll in den nächsten drei bis dreieinhalb Jahren entstehen, wie die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) auf dpa-Anfrage mitteilte.

„Der Schutz der Zwischenlager gegen Terroranschläge oder kriminelle Handlungen wird permanent neu bewertet und an sich verändernde Bedrohungslagen angepasst“, sagte ein BGZ-Sprecher. Auch Maßnahmen aus dem Bereich der IT-Sicherheit und der Umbau der Hauptzufahrt zählten zu dem Projekt.

Bürgerinitiative kritisiert Schutzmauer

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg kritisierte die geplante Schutzmauer. Die nur 20 Zentimeter starke Decke der Halle sei der Schwachpunkt, vor allem im Fall eines Flugzeugabsturzes, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke. Der Betreiber wies diese Kritik zurück.

Gorleben hat ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie ein Lager mit Transportbehältern mit hochradioaktivem Müll (Castorlager). Die Genehmigung für das Zwischenlager Gorleben ist bis 2034 aufrecht.

Der US-Elektroautobauer Tesla ist mit seinen Plänen zur Erweiterung des Werksgeländes auf die Ablehnung der Bürger und Bürgerinnen von Grünheide bei Berlin gestoßen. Mit Nein stimmten bei einer Befragung 3.499 Einwohner, mit Ja 1.882, wie die Gemeinde in Brandenburg gestern mitteilte.

Die Gemeindevertretung von Grünheide muss noch über den Bebauungsplan entscheiden. Das Votum der Bürgerbefragung ist nicht bindend – es gilt aber als wichtiger Fingerzeig.

Die Beteiligung lag nach Angaben der Gemeinde bei über 70 Prozent. Abstimmen durften alle Einwohnerinnen und Einwohner von Grünheide über 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben.

Neuer Werksbahnhof und Lagerhallen

Tesla will neben dem 300 Hektar großen bestehenden Werksgelände auf zusätzlichen rund 170 Hektar einen Güterbahnhof, Lagerhallen und einen Betriebskindergarten errichten. Dafür sollen mehr als 100 Hektar Wald gerodet werden.

Tesla verwies vor der Abstimmung auf die Vorteile für die Region. Gegnerinnen und Gegner machten unter anderem Umweltschutzbedenken geltend.

Chronik

Nach dem Schusswaffenangriff während der Feier zum Super-Bowl-Sieg der Kansas City Chiefs sind zwei Männer offiziell des Mordes beschuldigt worden. Den beiden Männern aus Kansas City im US-Staat Missouri würden Totschlag in einem besonders schweren Fall, eine bewaffnete Straftat sowie der rechtswidrige Gebrauch einer Waffe vorgeworfen, sagte der Staatsanwältin von Jackson County, Jean Peters Baker, gestern vor Medien.

Durch die Schüsse während der Feier zum Sieg der Kansas City Chiefs waren vor einer Woche eine Person getötet und 22 weitere verletzt worden. Laut Baker geriet einer der Männer bei der Feier in eine verbale Auseinandersetzung mit anderen Personen, die „sehr schnell eskalierte“. Der Staatsanwältin zufolge gab wahrscheinlich der andere Mann die Schüsse ab. Bei einer Verurteilung drohen den Männern lebenslange Haftstrafen.

Schusswaffengewalt ist ein alltägliches Problem in den USA, wo es mehr Schusswaffen als Einwohnerinnen und Einwohner gibt. US-Präsident Joe Biden forderte nach dem Vorfall in Kansas City erneut ein strengeres Waffenrecht. Entsprechende Vorstöße sind in der Vergangenheit immer wieder am Widerstand der konservativen Republikaner im Kongress und an der mächtigen Waffenlobby NRA gescheitert.

Zweieinhalb Jahre nach dem tödlichen Vorfall am Filmset des US-Westerns „Rust“ muss sich Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed vor Gericht verantworten. Der Strafprozess in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico soll heute mit der Auswahl von Geschworenen beginnen.

Die US-Amerikanerin Gutierrez-Reed, die bei dem Filmdreh für Waffen und Sicherheitsvorkehrungen mitverantwortlich war, ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen bis zu 18 Monate Haft. Für das Verfahren sind rund zwei Wochen veranschlagt.

Hauptdarsteller und Produzent Alec Baldwin (65), der bei den Proben für eine Filmszene den Revolver bediente, aus dem sich der tödliche Schuss löste, ist ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Termin für seinen Prozess steht noch nicht fest, ein Beginn des Verfahrens im Sommer ist wahrscheinlich. Beide haben die Vorwürfe wiederholt von sich gewiesen und auf nicht schuldig plädiert.

Kamerafrau getötet

Der Vorfall ereignete sich im Oktober 2021 auf der Bonanza Creek Ranch in New Mexico. Kamerafrau Halyna Hutchins (42) wurde durch das Projektil tödlich getroffen, Regisseur Joel Souza an der Schulter verletzt. Trotz der umfangreichen Ermittlungen sind weiterhin viele Fragen offen. Unklar ist etwa, wie die scharfe Munition an den Set gelangte. Gutierrez-Reed hatte den Revolver geladen, der dann Baldwin angereicht wurde.

Mitarbeiter der Filmcrew hatten sich über mangelnde Sicherheit am Set beschwert. Die unerfahrene Waffenmeisterin sei überfordert gewesen, hieß es. Laut Zeugenaussagen soll Gutierrez-Reed nach der Arbeit Alkohol und Drogen konsumiert haben. Auch soll sie Kokain an jemanden weitergereicht haben, um so ein mögliches Beweismittel in den Ermittlungen zu vertuschen. Ihr Anwalt Jason Bowles sprach im Juni vergangenen Jahres von Rufschädigung.

Kurz vor Prozessbeginn schrieb Bowles in einer Stellungnahme: „Das war ein tragischer Unfall, ausgelöst durch eine Reihe von Ereignissen, aber Frau Gutierrez-Reed hat keinerlei Straftat begangen.“

Kultur

Oscar-Preisträger Sam Mendes will die Geschichte der Beatles mit vier Spielfilmen würdigen. Sony Pictures Entertainment und die Produktionsfirma des britischen Regisseurs, Neal Street Productions, gaben das Projekt gestern bekannt.

Paul McCartney und Ringo Starr und die Familien der verstorbenen Bandmitglieder John Lennon und George Harrison räumten die Drehrechte an der Lebensgeschichte und der Musik ein, wie es in der Mitteilung hieß. Der Kinostart ist für 2027 geplant.

Regisseur Sam Mendes
Reuters/Mario Anzuoni

Jeder Film aus Perspektive je eines Musikers

Mendes („American Beauty“, „1917“), der unter anderem die James-Bond-Filme „Skyfall“ und „Spectre“ inszenierte, will die verschiedenen Filme jeweils aus der Sicht eines der vier Musiker erzählen.

„Ich fühle mich geehrt, die Geschichte der größten Rockband aller Zeiten zu erzählen …“, schrieb Mendes. Das Quartett aus Liverpool hatte in den 1960er Jahren mit Hits wie „Let It Be“, „Help“ und „Yesterday“ eine weltweite Beatlemania ausgelöst. 1970 trennten sich die Musiker.

Mit blutigen Tatsachen hat das österreichische Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala gestern Abend das Berlinale-Programm konfrontiert. Ihr Wettbewerbsbeitrag „Des Teufels Bad“ beruht auf oberösterreichischen Gerichtsakten aus dem 18. Jahrhundert und erzählt von der jungen Bäuerin Agnes (gespielt von Anja Plaschg alias Soap&Skin), die unter Melancholie (das ist mit „des Teufels Bad“ gemeint) leidet.

Der Ehemann von Agnes (David Scheid in einer ungewöhnlich ernsten Rolle) ist ihrem Unglück gegenüber ratlos, die Schwiegermutter (Maria Hofstätter) versucht, die junge Frau mit Arbeit abzulenken, den viel anderes ist das Dasein einer jungen armen Bäuerin zu diesem Zeitpunkt nicht. Doch auch der Besuch beim Bader mit seinen grausigen Anwendungen ist vergebens.

Szene aus dem Film „Des Teufels Bad“
Ulrich Seidl Filmproduktion / Heimatfilm

Plaschg, deren bekanntester Filmauftritt in Ruth Beckermanns innigem „Die Geträumten“ auf Basis des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan war, war von Franz und Fiala zunächst nur für die Filmmusik angesprochen worden, doch „diese Geschichte von Gewalt und Gefangensein in einem Dasein am Land hat mich tief beeindruckt“, sagte die Musikerin und Schauspielerin in Berlin.

Grotesk und erschütternd

Ihre Figur der Agnes, für die sie von der internationalen Presse hochgelobt wird, ist eine sensible, naturzugewandte, im Leid aber immer fanatischer werdende gläubige Frau, deren Einsamkeit sich nicht lindern lässt. In ihrer Lebensmüdigkeit greift Agnes zu äußerster Gewalt – eine Praxis, die in der historischen Forschung als „Suicide by Proxy“, also als indirekter Suizid, bezeichnet wird.

Die Logik dahinter ist so grotesk wie erschütternd: Nach einem Suizid nach kirchlicher Lehre sei die Seele unwiederbringlich verloren. Doch ermordete man ein unschuldiges Kind, dessen Seele ohnehin in den Himmel kommen würde, könne man vor seiner Hinrichtung noch durch die Beichte erlöst werden.

Singuläre Zeugnisse

Diese Praxis war etwa in der Mitte des 17. Jahrhunderts in ganz Europa verbreitet, vor allem Frauen setzten ihrem Leben so ein Ende. Die Lebensumstände von Agnes sind sehr eng der realen Ewa Lizlfellnerin nachempfunden, die 1750 in Oberösterreich hingerichtet wurde. „Wir wollten diese Geschichte ursprünglich als eine Art Justizthriller drehen“, so Franz, „aber zugleich wollten wir dieser Frau und ihrem Leben gerecht werden“.

Die Verhörprotokolle seien singuläre Zeugnisse, „man hört so selten von solchen Menschen, weil die Geschichte so oft nur von den Reichen und Berühmten erzählt“. Weniger als in ihren bisherigen Spielfilmen „Ich seh, ich seh“ und „The Lodge“ hantieren Franz und Fiala in „Des Teufels Bad“ mit Horrormotiven, alle blutigen Details seien historisch verbürgt, so Fiala.

Kinostart für den vom Film/Fernsehabkommen unterstützten Film ist der 8. März.