Ukraine-Krieg

In der ukrainischen Hafenstadt Mariupol haben sich nach russischen Angaben nun alle Kämpfer in dem belagerten Asow-Stahl-Werk ergeben. Die Industriezone und die Stadt seien damit vollständig unter russischer Kontrolle, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau heute Abend mit. Es seien insgesamt 2.439 ukrainische Soldaten seit dem 16. Mai in russische Gefangenschaft gekommen. Das Werk war das letzte Stück der strategisch wichtigen Stadt im Südosten der Ukraine, das noch nicht komplett unter russischer Kontrolle gewesen war.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Präsident Wladimir Putin von der „vollständigen Befreiung des Werks und der Stadt Mariupol“ berichtet. Heute kam nach Angaben des Ministeriums die letzte Gruppe von 531 Kämpfern in Gefangenschaft, hieß es in der Mitteilung der Behörde. Die Industriezone war seit dem 21. April von russischen Truppen blockiert gewesen.

Asowstahlwerk
AP

Schon zuvor hatte der Kommandeur des Asow-Regiments, Denys Prokopenko, in einem Video die Kapitulation eingestanden. „Die Armeeführung hat den Befehl gegeben, die Verteidigung der Stadt einzustellen“, sagte Prokopenko. Damit sollten Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison geschützt werden. Moskauer Angaben zufolge wurde der Kommandeur in einem speziellen gepanzerten Fahrzeug abtransportiert.

Russischer Vormarsch im Donbas

Die russischen Truppen erreichten unterdessen nach eigenen Angaben weitere Etappenziele in der Ukraine. Der Vormarsch im östlichen Donbas-Gebiet sei erfolgreich und die „Befreiung“ der von Moskau anerkannten Luhansker „Volksrepublik“ nähere sich dem Abschluss, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Die russischen Streitkräfte konzentrierten nach eigenen Angaben ihre Luftangriffe auf das frontnahe Hinterland der Ukraine. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau wurden mehrere Ortschaften in den Gebieten Donezk und Charkiw attackiert.

Moskau dreht Helsinki Gashahn zu

Unterdessen wurde bekannt, dass Russland morgen Früh die Gaslieferungen nach Finnland einstellt. Ab 6.00 Uhr (MESZ) werde kein Gas mehr fließen, teilte der finnische Gaskonzern Gasum mit. Zuvor hatte der finnische Konzern mitgeteilt, Forderungen von Gasprom Export, die Zahlungen in Rubel zu begleichen, nicht zu akzeptieren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf heute Abend den russischen Truppen den Beschuss eines Kulturzentrums im Osten vor und griff Moskau dafür scharf an. Bei der Attacke in der Stadt Losowa seien sieben Menschen verletzt worden, darunter ein Kind, so Selenskyj.

Mehr dazu und zu den Entwicklungen im Ukraine-Krieg des gesamten Tages im ORF.at-Liveticker

Russland hat den Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski und den früheren Schachweltmeister Garri Kasparow als „ausländische Agenten“ eingestuft. Sie seien auf die entsprechende Liste des Justizministeriums in Moskau gesetzt worden, meldete die Staatsagentur TASS heute.

Beide seien an politischen Aktivitäten beteiligt und dabei von der Ukraine und den USA finanziert worden, teilte das Ministerium zur Begründung mit. Viele Nichtregierungsorganisationen und Medien sind in Russland als „ausländischer Agent“ eingestuft, was sie als Stigmatisierung kritisieren.

Kasparow hatte zuletzt den russischen Staatschef Wladimir Putin persönlich für den Krieg gegen die Ukraine kritisiert. Die russischen Behörden waren wiederholt gegen die Organisationen des im Ausland lebenden früheren Oligarchen Chodorkowski vorgegangen.

Der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder will den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft verlassen. Schröder, der Rosneft-Aufsichtsratschef ist, habe mitgeteilt, dass es ihm unmöglich sei, sein Mandat in dem Gremium zu verlängern, teilte der Konzern am Freitag mit. Wegen seines Engagements bei dem russischen Ölkonzern war der politische Druck auf Schröder in Deutschland und der EU zunehmend gestiegen.

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Russland geht laut dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell mit militärischen Aktionen gezielt gegen die Lebensmittelproduktion in der Ukraine vor. „Russische Truppen bombardieren ukrainische Felder, verhindern die Aussaat, plündern Lebensmittelvorräte, blockieren ukrainische Häfen und erhöhen so die Preise für Lebensmittel und Düngemittel“, sagte Borrell heute in Brüssel.

Die Lebensmittelversorgung sei vor allem wegen Russlands Invasion in der Ukraine in Gefahr. Vor dem Krieg wurde in der Ukraine unter anderem eine für den Weltmarkt relevante Menge Weizen angebaut. Es sei klar, dass zunächst Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen betroffen seien, die von Lebensmittel- und Düngemittelimporten abhingen, sagte Borrell.

Zudem widersprach er Behauptungen aus Russland, die EU-Sanktionen gegen Moskau seien in erster Linie für die Preissteigerungen verantwortlich. „Das ist eine falsche Behauptung Russlands.“ Es sei der Krieg selbst, der diese Nahrungsmittelkrise und ihre hohen Preissteigerungen verursache, sagte er. Die EU-Sanktionen richteten sich nicht gegen Lebensmittel und nicht gegen Düngemittel. Die EU verhindere auch keine russischen Exporte in diesen Bereichen.

Jedes dritte Feld in der Ukraine nicht bestellt

Die Folgen des Ukraine-Krieges für die globale Nahrungsmittelsicherheit werden zunehmend sichtbar. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer globalen Lebensmittelkatastrophe, weil etwa 30 Prozent der ukrainischen Agrarflächen nicht bestellt werden können. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres erhöht unterdessen den Druck auf Moskau, Getreideexporte aus der Ukraine nicht weiter zu blockieren. Moskau junktimiert das jedoch mit den westlichen Sanktionen.

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Ausland

Zwei türkische Kampfjets sind heute in den griechischen Luftraum eingedrungen und haben sich bis auf 2,5 Kilometer der nordöstlichen Hafenstadt Alexandroupolis genähert. Das Außenministerium in Athen sprach von einer „beispiellosen Verletzung der nationalen Souveränität“.

Es handle sich um eine „ganz klare Eskalation türkischer Provokationen“. Dass türkische Bomber griechischen Luftraum verletzen und sogar über bewohnte Gebiete fliegen, passierte zuletzt fast täglich.

Neu ist jedoch, dass sie den Hafen von Alexandroupolis ansteuern. Dort unterhält das US-amerikanische Militär eine Basis, über die Kriegsgerät per Landweg binnen weniger Stunden an die Grenze der Ukraine transportiert werden kann. Der Türkei ist die US-griechische Kooperation ein Dorn im Auge – die USA umgehen damit den Seeweg über die Meerenge der Dardanellen und über den Bosporus.

Gründe unklar

Die Aktion untergrabe den Zusammenhalt und die Prioritäten der NATO und stellten eine klare Bedrohung der EU dar, da der Hafen von Alexandroupolis ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Verbündeten sei, teilte das griechische Außenministerium weiter mit. Athen habe beim türkischen Botschafter Protest eingelegt – zudem seien die EU, die NATO und die Vereinten Nationen informiert worden.

Die Beweggründe Ankaras sind unklar. Bisher galten Überflüge türkischer Kampfjets als Mittel, die Souveränität griechischer Inseln infrage zu stellen. Allerdings steht nun auch das Veto Ankaras zum Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO im Raum.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt mit seinem neuen Kabinett weitgehend auf Kontinuität. Zwar geht das Außenministerium an die bisherige Botschafterin in Großbritannien, Catherine Colonna, wie Macrons Büro heute bekanntgab. Allerdings bleibt Bruno Le Maire Finanzminister und Gerald Darmanin Innenminister. Die bisherige Industrieministerin Agnes Pannier-Runacher wird Energieministerin.

Neuer Verteidigungsminister wird Sebastien Lecornu, bisher Minister für die Überseegebiete. Neuer Erziehungsminister wird der Historiker Pap Ndiaye, der senegalesische Wurzeln hat und auf die Geschichte der Minderheiten spezialisiert ist.

Bereits am Montag hatte Macron die bisherige Arbeitsministerin Elisabeth Borne als neue Ministerpräsidentin vorgestellt. Beobachter hatten eigentlich größere Änderungen erwartet, da Macron nach seinem vergleichsweise knappen Sieg bei der Präsidentenwahl eine neue Art des Regierens angekündigt hatte.

Nächste Hürde Parlamentswahl im Juni

Das neue Kabinett steht unter dem Vorbehalt, dass Macron und seine Verbündeten die Mehrheit im Parlament behalten. Andernfalls müsste er einen neuen Regierungschef aus den Reihen der Sieger ernennen, der wiederum eine eigene Ministerriege mitbringen würde.

Die erste Runde der Parlamentswahl findet am 12. Juni statt, die zweite eine Woche später. Zwar deuten Umfragen auf eine knappe Mehrheit für Macrons Lager hin. Zudem erzielte er zuletzt Rückenwind durch die jüngsten Arbeitslosenzahlen, die den niedrigsten Stand seit 14 Jahren dokumentieren. Allerdings haben sich die linken Parteien in Frankreich zum ersten Mal seit 20 Jahren auf eine Allianz verständigt.

US-Präsident Joe Biden trifft sich morgen mit dem neuen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol. Bei den Gesprächen im Rahmen von Bidens erster Asien-Reise soll es vor allem um die Stärkung der Beziehung zu dem wichtigen Verbündeten sowie um die angespannte Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel gehen. Nordkorea hat in diesem Jahr bereits mehrfach Raketen getestet, die einen Atomsprengkopf tragen können.

Südkorea und die USA befürchten, Nordkorea könnte rund um den Besuch Bidens in Seoul einen neuen Raketen- oder sogar Atomwaffentest vornehmen. Biden will morgen einen Kranz auf dem Nationalfriedhof in Seoul niederlegen. Im Anschluss stehen bilaterale Gespräche mit Präsident Yoon auf dem Programm, gefolgt von einer gemeinsamen Pressekonferenz. Abends empfängt Yoon Biden zu einem Staatsbankett im Koreanischen Nationalmuseum in der Hauptstadt Seoul.

Am Sonntag will Biden noch einen US-Luftwaffenstützpunkt in Südkorea besuchen. Im Anschluss wird er nach Japan weiterreisen. Die beiden Staaten sind die wichtigsten US-Verbündeten in Asien.

Zwischenfall mit US-Sicherheitsbeamten

Kurz vor Bidens Ankunft in Südkorea war es offenbar zu einem Zwischenfall mit einem US-Sicherheitsbeamten in Seoul gekommen. Ein im Vorfeld angereister Mitarbeiter des US-Heimatschutzministeriums soll betrunken einen Südkoreaner angegriffen haben, wie die Polizei mitteilte. Sie nahm Ermittlungen auf.

Demnach soll ein Streit um ein Taxi vor einem Hotel der Auslöser gewesen sein. „Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden des Donnerstags und wurde heute formell untersucht“, erklärte die Polizei. Das mutmaßliche Opfer habe keine größeren Verletzungen erlitten.

21 Freiwillige und drei Hilfsorganisationen aus der zivilen Seenotrettung stehen morgen auf der italienischen Insel Sizilien vor Gericht. Die vier deutschen Crewmitglieder des Seenotretterschiffs „Iuventa“ müssen sich am Vormittag (10.30 Uhr) in Trapani wegen Beihilfe zur illegalen Einreise von Schutzsuchenden nach Italien verantworten.

In der Vorverhandlung wird zunächst entschieden, ob es zu einem Prozess gegen die Männer und Frauen kommt. Dem Anwalt der beklagten Deutschen zufolge könnte das Monate dauern. Wird der Prozess zugelassen, drohen den Freiwilligen bis zu 20 Jahre Haft.

Das Team der „Iuventa“ operierte zwischen 2016 und 2017 im zentralen Mittelmeer, um in Seenot geratene Geflüchtete zu retten, die auf dem Weg von Nordafrika in die EU waren. Den Mitgliedern wird vorgeworfen, mit Schleppern zusammengearbeitet zu haben. Sie bestreiten das vehement. Im August 2017 beschlagnahmten die Behörden das Schiff. Es liegt seitdem ungenutzt in Sizilien.

Die Organisationen beklagen eine Kriminalisierung der Helferinnen und Helfer und fürchten, dass die zivile Seenotrettung Schaden nehmen könnte. In Italien werden die Rettungsmissionen der verschiedenen Organisationen im Mittelmeer seit Jahren kritisiert. Vor allem rechte Parteien wettern gegen die Einsätze, weil in Italien ein Großteil der Geflüchteten vom Mittelmeer ankommt.

Der irische Premierminister Micheal Martin wirft der britischen Regierung im Streit über Brexit-Regeln für Nordirland unlauteres Handeln vor. „Die aktuelle britische Regierung ist zu weit gegangen“, sagte Martin heute bei einem Besuch in Belfast der BBC. Großbritanniens Außenministerin Liz Truss hatte in dieser Woche angekündigt, Teile des Nordirland-Protokolls mit der EU aushebeln zu wollen, um Hürden für Betriebe in der britischen Provinz abzubauen.

Mit dem Nordirland-Protokoll soll eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Staat Irland vermieden werden, die Spannungen in der ehemaligen Bürgerkriegsregion erneut befeuern könnte. Allerdings müssen nun Waren zwischen Großbritannien und Nordirland kontrolliert werden. Anhänger einer engen Anbindung Nordirlands an das Vereinigte Königreich – auch Unionisten genannt – befürchten dadurch eine Entfremdung und Abkopplung von London.

Die britische Regierung gehe nach dem Prinzip „Nach unserem Willen oder gar nicht“ vor und das sei nicht die Art und Weise, wie man mit der EU verhandle, kritisierte der Ire Martin. Professionelle, seriöse Gespräche seien der einzige Weg, die Krise zu lösen. Er kritisierte außerdem die wichtigste Unionistenpartei DUP, die aus Protest gegen das Nordirland-Protokoll derzeit die Bildung der vorgesehenen Einheitsregierung mit der katholisch-republikanischen Seite nach den Parlamentswahlen blockiert.

Australien wählt morgen ein neues Parlament. Mehr als 17 Millionen Menschen sind aufgerufen, über 151 Sitze im Unterhaus und die Hälfte der 78 Sitze im Senat zu entscheiden. Als Spitzenkandidat der konservativen Liberalen geht der amtierende Parteichef und Premierminister Scott Morrison ins Rennen. Sein Herausforderer ist der Vorsitzende der sozialdemokratischen Labor-Partei, Anthony Albanese.

Die Umfragen sahen Labor lange vorne. In den vergangenen Tagen wurde der Vorsprung aber immer geringer. Bei der letzten Wahl 2019 waren die Liberalen, die zusammen mit der noch konservativeren National Party of Australia regieren, ebenfalls im Vorfeld lange hinten gelegen, konnten das Ruder aber am Ende überraschend herumreißen. Wichtigste Themen im Wahlkampf waren die Wirtschaftslage, der Klimawandel und die nationale Sicherheit.

Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ) geöffnet. Mit Ergebnissen wird noch morgen gerechnet. Es herrscht Wahlpflicht. 2019 lag die Wahlbeteiligung bei knapp 92 Prozent. Gewählt wird alle drei Jahre.

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Inland

Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) klagt Identitären-Chef Martin Sellner. Sein Büro bestätigte gegenüber der APA einen entsprechenden Medienbericht. Der Sprecher der rechtsextremen Gruppierung hatte auf Telegram geschrieben, Stelzer habe einen jungen Syrer, der im Verdacht steht, eine 15-jährige Ukrainerin vergewaltigt zu haben, „ins Land gelassen“ und habe daher „mitvergewaltigt“.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Karl Mahrer ist heute mit 94,21 Prozent zum 19. Landesparteiobmann der Wiener ÖVP gewählt worden. Er wurde zum Nachfolger von Gernot Blümel gekürt, der im Dezember aus allen politischen Ämtern ausschied. In seiner Rede kündigte Mahrer an, die Umgangsformen in der Politik ändern zu wollen. Er wolle Hass und Aggression aus der politischen Diskussion heraushalten und sei gegen „Schläge unter der Gürtellinie“.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Die Regierung will einen gleichberechtigten Zugang zur Blutspende unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung ermöglichen. In Zukunft soll eine „Drei-mal-drei-Regel“ für alle gelten: Wer innerhalb der letzten drei Monate mit drei verschiedenen Partnern oder Partnerinnen Sex hatte, wird für drei Monate von der Blutspende ausgenommen – ungeachtet der sexuellen Orientierung.

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ZIB2

Bund und Länder wollen mehr Geld für den Bildungsbereich in die Hand nehmen. Das ist zu wenig, lautet die Kritik. In der ZIB2 ist Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).

Trotzdem lebt noch Hoffnung

Warum Experten die Zukunft der Ukraine eher positiv sehen.

Egal ob Mann, Frau, Hetero, Homo oder Transgender

Die Regierung will einen gleichberechtigten Zugang zur Blutspende unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung ermöglichen. Das sorgt auch für Kritik.

ZIB2 mit Margit Laufer, 22.00 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

COV Inland

Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 269,7 (Stand: heute, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl in Wien (367,8), gefolgt vom Burgenland (298). Am niedrigsten ist der Wert in Kärnten (203,3) und der Steiermark (204,3).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien melden 3.234 Neuinfektionen

Mit Verspätung aufgrund „technischer Probleme“, wie es hieß, meldeten das Gesundheits- und das Innenministerium die Zahl der neu registrierten Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: heute, 9.30 Uhr) mit 3.234. Diese Zahlen meldeten die Bundesländer an den nationalen Krisenstab.

18.333 Menschen verstarben bisher am oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus. 649 infizierte Personen werden derzeit in einem Spital behandelt, 55 davon auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

COV Ausland

Nach der erstmaligen Bestätigung eines Coronavirus-Ausbruchs im abgeschotteten Nordkorea ist die Zahl der Fieberfälle in dem Land nach behördlichen Angaben auf mehr als zwei Millionen gestiegen. Gestern seien mehr als 263.000 Fälle hinzugekommen, berichteten Staatsmedien heute unter Berufung auf das Notfallhauptquartier zur Epidemieprävention.

Es gibt keine offizielle Bestätigung, ob die Betroffenen mit dem Coronavirus infiziert sind, weil das Land nach Expertenangaben kaum Testkapazitäten hat.

Die Gesamtzahl der Fieberfälle erhöhte sich demnach auf mehr als 2,24 Millionen. Rund 1,49 Millionen Menschen sollen bereits wieder genesen sein. Die Zahl der Todesfälle wurde mit 65 angegeben. In dem Land leben knapp 26 Millionen Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es dort bisher keine flächendeckenden Impfungen gegeben hat.

Trotz der hohen Zahl von fieberbedingten Krankheitsfällen werde die Produktion in der Landwirtschaft und den Fabriken wie gewohnt fortgesetzt, berichteten Staatsmedien.

EU

Bauern sollen einem Vorschlag der EU-Kommission zufolge zusätzliche Zuschüsse für Betriebsmittel wie Dünger, Sprit und Futter bekommen können.

Die Sondermaßnahme ermögliche den EU-Staaten, einen einmaligen Pauschalbetrag an Landwirte sowie Agrar- und Lebensmittelunternehmen zu zahlen, die von Preissteigerungen betroffen seien, wie die Kommission heute mitteilte.

Diese Unterstützung trage zur globalen Ernährungssicherheit bei. Nach der Covid-19-Pandemie seien Bauern nun stark von den Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine betroffen, sagte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski.

Bis zu 1,4 Mrd. Euro zusätzlich

Je nachdem, wie intensiv die Sonderregelung gebraucht werde, könnten bis zu 1,4 Mrd. Euro mobilisiert werden, so die Kommission. Die EU-Länder müssten die Unterstützung gezielt auf die Betriebe ausrichten, die von der derzeitigen Krise am stärksten betroffen seien.

Die Zahlungen sollen bis zum 15. Oktober 2023 erfolgen. Dem Vorschlag müssen noch EU-Parlament und EU-Staaten zustimmen.

Wirtschaft

Sprit wird in Deutschland ab Juni für drei Monate lang günstiger. Der Bundesrat gab heute grünes Licht für den Tankrabatt, nachdem zuvor schon der Bundestag das Gesetz zur Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe gebilligt hatte. Die Tankstellenbranche warnte unterdessen vor Engpässen ab Juni – Verbraucherschützer und der ADAC rieten daher dazu, den Tank kurz vorher nicht vollständig zu leeren.

Das Gesetz ist eine Reaktion der „Ampelregierung“ auf die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise und gehört zum Entlastungspaket für Deutsche. Nach dem Parlamentsvotum kann es nun pünktlich zum 1. Juni in Kraft treten.

Das Gesetz senkt die Energiesteuer für die Dauer von drei Monaten auf das europarechtlich vorgeschriebene Mindestmaß. Dadurch wird Benzin um knapp 30 Cent pro Liter günstiger, bei Diesel sind es rund 14 Cent pro Liter. Der Bund rechnet mit verminderten Steuereinnahmen in Höhe von 3,15 Milliarden Euro.

In Kroatien rückt die Einführung des Euro näher: Vergangene Woche hat das Parlament in Zagreb grünes Licht für die Ablöse der bisherigen Landeswährung Kuna gegeben. Nun müssen noch die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die EU-Kommissionen und der Rat zustimmen. Offiziell soll der Euro dann ab 1. Jänner 2023 als offizielles Zahlungsmittel gelten.

Für Urlaubsgäste dürfte die Einführung aber schon ab September eine kleine Erleichterung bedeuten: Das Gesetz sieht vor, dass Preise bereits ab 5. September in beiden Währungen ausgezeichnet werden müssen, wie etwa die „Kleine Zeitung“ (Freitag-Ausgabe) berichtete. Diese Maßnahme soll dem Verbraucherschutz dienen. Festgelegt werden muss noch der Wechselkurs.

Bei den heimischen Ackerflächen hat es von 2021 auf 2022 einen Rückgang um 230 Hektar auf 1.320.700 Hektar (ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern) gegeben. Die Gründe sind laut Agrar Markt Austria (AMA) vielfältig, von der Umwandlung in Wald- und Grünland bis hin zur Versiegelung.

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Umwelt & Klima

Eine Forschungsanlage in Simmering zeigt, wie man aus Abfall Dieseltreibstoff oder grünes Gas erzeugen kann. In weiterer Folge soll aus dem Projekt eine industrielle Anlage werden, die zehn Millionen Liter erneuerbaren Diesel pro Jahr produziert.

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Sport

Österreichs Eishockeynationalteam muss um den Klassenerhalt weiter bangen. Nach der Niederlage gegen Norwegen musste sich die Mannschaft von Roger Bader bei der A-WM in Finnland am Freitag auch Lettland mit 3:4 nach Penaltyschießen geschlagen geben. Im entscheidenden Spiel gegen den Abstieg trifft Österreich am Montag (19.20 Uhr, live in ORF Sport +) auf Großbritannien.

Endstand in sport.ORF.at

Formel-1-Spitzenreiter Charles Leclerc ist dank technischer Neuerungen und einer tadellosen fahrerischen Vorstellung ein perfekter Auftakt in den Grand Prix von Spanien gelungen. Der 24-Jährige aus Monaco fuhr am Freitag in seinem überholten Ferrari in 1:19,670 Minuten die schnellste Trainingszeit und verdrängte die beiden Mercedes-Fahrer George Russell und Lewis Hamilton auf die Plätze zwei und drei.

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Laut Medienberichten sieht der alpine Weltcup-Kalender 2022/23 keine Rennen der Männer Ende Jänner 2023 in Saalbach-Hinterglemm vor. Und auch das vor den Weltmeisterschaften 2025 im Salzburger Ort vorgesehene Weltcup-Finale 2024 soll gestrichen werden. Vielmehr plant der neue Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), Johan Eliasch, scheinbar mit Aspen in Colorado – und das auf längere Sicht.

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Der Franzose Arnaud Demare hat heute seinen dritten Etappensieg beim 105. Giro d’Italia gefeiert. Der Groupama-Profi setzte sich im Sprint der 13. Etappe über 150 km von Sanremo nach Cuneo im Piemont knapp vor dem Deutschen Phil Bauhaus (Bahrain) und dem Briten Mark Cavendish (Quick-Step) durch. Das Hauptfeld hatte ein Ausreißerquartett erst wenige Meter vor dem Ziel eingefangen, für Demare war es der nächste Erfolg nach dem fünften und sechsten Teilstück.

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Chronik

Bei einem schweren Unwetter sind heute im Raum Paderborn in Deutschland 30 bis 40 Menschen verletzt worden, davon mindestens zehn schwer. „Im Zuge eines Gewitters hat eine Windhose am Freitagnachmittag eine Schneise der Verwüstung von West nach Ost mitten durch Paderborn in Richtung der östlichen Stadtteile gezogen“, sagte die Polizei.

Die Beamten berichteten von Millionenschäden. In einem Gewerbegebiet seien Dächer von Hallen gerissen worden. Bleche, Dämmungen und andere Materialien seien kilometerweit geflogen. Auch im etwa 35 Kilometer entfernten Lippstadt meldete die Feuerwehr einen mutmaßlichen Tornado, der schwere Schäden angerichtet habe.

Es habe zerstörte Dächer und umgestürzte Bäume im gesamten Stadtgebiet gegeben, sagte ein Feuerwehrsprecher. Fensterscheiben platzten und Autos wurden durch herabfallende Äste zerstört. Teils seien die Bäume schon am Stamm umgeknickt, berichtete die Gemeinde Altenbeken bei Paderborn – wie von der Hand eines Riesen getroffen.

Für die Region hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) zeitweise die höchste Unwetterwarnstufe 4 ausgegeben – „extreme Gewitter“ mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder extremen Orkanböen. Es seien mehrere Meldungen über Tornados eingegangen – nicht nur aus Lippstadt, sondern etwa auch aus Lüdenscheid und Meschede, sagte ein DWD-Sprecher. Diese Meldungen müssten aber noch überprüft werden.

Ein Feuer in der Nähe des Genfer Flughafens hat am Freitag Störungen im Schweizer Luftverkehr ausgelöst. Seit 17.35 Uhr seien wegen der starken Rauchentwicklung keine Starts und Landungen möglich, sagte ein Flughafensprecher.

Der Brand sei auf einer Baustelle ausgebrochen, auf der ein Asylzentrum der Polizei entstehe, sagte der Sprecher. Er betonte, dass sich das Gebäude nicht auf dem Flughafengelände befinde.

In Indien ist eine Schulleiterin festgenommen worden, weil sie Rindfleisch zum Essen bei einer Schulveranstaltung gebracht haben soll. Gegen die 56-Jährige werde wegen absichtlicher Taten zur Empörung religiöser Gefühle sowie des Förderns von Feindschaft zwischen verschiedenen Gruppen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher laut „Times of India“ heute.

Indien ist ein mehrheitlich hinduistisches Land. Für Hindus sind Kühe heilig. Viele wollen deshalb auch kein Rindfleisch essen. Das Töten der Tiere ist zudem in weiten Teilen des Landes eingeschränkt. In dem Bundesstaat Assam, wo die Schulleiterin lebt, ist der Verkauf von Rindfleisch in mehrheitlich von Hindus bewohnten Gebieten verboten. Muslime bilden in Indien mit gut 14 Prozent der Bevölkerung die größte religiöse Minderheit.

Die Schulleiterin sei festgenommen worden, nachdem eine Anzeige gegen sie erstattet worden sei, berichteten örtliche Medien. Die Person, die Anzeige erstattete, sei aufgebracht gewesen, dass die Frau Rindfleisch an einen Ort gebracht habe, wo Angehörige verschiedener Religionen aufeinandertreffen.

Heute Mittag ist in Mittersill auf der Felbertauernstraße (Salzburg) laut Polizei ein 29-jähriger Motorradfahrer ums Leben gekommen. Er stürzte und erlitt schwerste Kopfverletzungen. Ein zufällig vorbeikommender Arzt konnte nicht mehr helfen.

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Science

Die zehnte „Lange Nacht der Forschung“ (LNF22) geht heute Abend in weiten Teilen des Landes bei teils großem Andrang über die Bühne. Nachdem man 2020 coronavirusbedingt auf das Onlineformat umstellen musste, konnte die heimische Wissenschaftsgemeinde wieder live ihre Arbeit aus nächster Nähe erlebbar machen – und das bei vielerorts hochsommerlichem Wetter. Bis zum Abend präsentierte sich die Veranstaltung als ebenso attraktiv.

Mit rund 2.500 Programmpunkten an 280 Standorten im ganzen Land sei die zehnte Ausgabe der LNF die größte Veranstaltung zur Wissenschaftsvermittlung im gesamten deutschsprachigen Raum, hieß es seitens der Veranstalter im Vorfeld.

Bei der vom Wissenschafts-, Klimaschutz- und Wirtschaftsministerium sowie den Bundesländern und dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) getragenen bzw. koordinierten Veranstaltung vermitteln Wissenschaftler ihre Arbeit in der Regel persönlich. Bis 23.00 Uhr möchte man so Forschung und Entwicklung (F&E) weiter in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) bezeichnete die LNF kürzlich als „geballte Präsentation“ der Leistungen der Wissenschaft. Angesichts der in Österreich im Vergleich mit anderen Ländern ausgeprägten Wissenschaftsskepsis bedürfe es allerdings „zahlreicher Maßnahmen“, die auch längerfristiger angelegt werden müssen. Man werde daher eine Strategie zur Wissenschaftsvermittlung entwickeln, mit der auch Personen erreicht werden sollen, die durch Veranstaltungen wie die LNF nicht angesprochen werden.

Die Nationalsozialisten wollten die Donau mit der Oder verbinden und so eine europäische Hauptverkehrsroute für den Schiffsverkehr schaffen. Bis auf wenige Kilometer wurde daraus nichts. Ab 1960 entstanden aus dem ehemaligen NS-Großprojekt mehrere Badeseen.

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Kultur

Der russische Rockstar Juri Schewtschuk muss sich wegen des Vorwurfs der Diskreditierung der russischen Armee vor Gericht verantworten. Dem Musiker wird vorgeworfen, bei einem Konzert die Offensive gegen die Ukraine und Präsident Wladimir Putin verurteilt zu haben, wie ein Gericht in Ufa der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti mitteilte. Der Vorgang wurde an ein Gericht in St. Petersburg, dem Wohnort des 65-Jährigen, weitergeleitet.

Der Sänger sagte vor seinem Publikum in Ufa laut online verbreiteten Videos, dass „Vaterland nicht bedeutet, dem Präsidenten ständig in den A… zu kriechen. Jetzt töten wir Menschen in der Ukraine, warum? Unsere Jungs sterben in der Ukraine, warum?“, rief er der Menge zu. Die Jugend der Ukraine und Russlands sterbe wegen „der napoleonischen Pläne unseres Caesars“.

Schewtschuk droht in diesem Fall eine Geldstrafe, bei Wiederholung sogar bis zu fünf Jahre Haft. Als Anführer der in der ehemaligen Sowjetunion sehr bekannten Rockband DDT prangerte Schewtschuk im Laufe der Jahre wiederholt den Einfluss von Putin an und stellte ihn 2010 sogar bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen zur Rede.

Immer wieder fiel der Musiker als Kritiker des Kremls auf. Schon vor der Ära Putin hatte sich Schewtschuk durch seine Kampagne gegen den ersten Tschetschenien-Krieg zwischen 1994 und 1996 hervorgetan. Er begann seine Karriere in den 1980er Jahren und erlangte mit seinen systemkritischen Liedern große Popularität.