Ausland

Im Streit um den vom Iran festgesetzten Öltanker „Stena Impero“ rechnet der schwedische Eigner damit, dass Teheran das Schiff in Kürze freigibt. Stena-Bulk-Chef Erik Hanell sagte heute dem schwedischen Fernsehsender SVT, dass mit der Freigabe des Schiffes „in einigen Stunden“ zu rechnen sei.

Am 19. Juli hatten die iranischen Revolutionsgarden die Kontrolle über den 183-Meter-Tanker übernommen. Sie schleppten ihn in den Hafen Bandar Abbas. Die „Stena Impero“ fuhr unter britischer Flagge. Anfang September hatte Iran sieben der insgesamt 23 Besatzungsmitglieder freigelassen.

Die Festsetzung der „Stena Impero“ erfolgte 15 Tage nach der Beschlagnahmung des iranischen Öltankers „Grace 1“ durch britische Behörden in Gibraltar. Das hatte zu einer diplomatischen Krise zwischen Teheran und London geführt. Der Öltanker „Grace 1“, der inzwischen in „Adrian Darya 1“ umbenannt wurde, durfte am 15. August weiterfahren. Die Behörden in Gibraltar erhielten nach eigenen Angaben die Zusage, dass die 2,1 Millionen Barrel Erdöl an Bord des Schiffes nicht nach Syrien geliefert würden. Am 10. September warf die Regierung in London dem Iran vor, die Zusage gebrochen und das Erdöl nach Syrien geliefert zu haben.

Bei neuen Protesten in Hongkong hat die Polizei heute Tränengas und Gummigeschoße eingesetzt. Zahlreiche Demonstrierende wurden festgenommen, als die zunächst friedlichen Proteste am Nachmittag in dem Einkaufszentrum New Town Plaza in der Vorstadt Sha Tin in Gewalt umschlugen.

An den Protesten in dem Einkaufszentrum beteiligten sich Tausende Anhänger und Anhängerinnen der Demokratiebewegung. Bei den Ausschreitungen in Sha Tin wurde eine chinesische Flagge heruntergeholt, wie eine Trophäe durch das Einkaufszentrum getragen und schließlich in einen Fluss geworfen.

Ein Aufruf zu einem „Stresstest“ am Hongkonger Flughafen lief angesichts scharfer Kontrollen der Sicherheitskräfte ins Leere. Mit verstärkten Kontrollen in Zügen und Bussen verhinderten die Sicherheitskräfte, dass die für den Flughafen angekündigten Protestaktionen zustande kamen.

Die seit mehr als drei Monaten andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong hatten sich anfangs gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Unter dem Druck der Demonstranten zog die Hongkonger Regierung das Gesetz zurück. Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die pekingtreue Führung in Hongkong und die Beschneidung der Bürgerrechte.

Ein brisantes Telefonat zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenski vom 25. Juli hat am Wochenende für Aufregung gesorgt. Trumps möglicher demokratischer Herausforderer bei der nächsten Präsidentschaftswahl, Joe Biden, warf Trump „überwältigenden Machtmissbrauch“ vor.

Medienberichten zufolge soll Trump Selenski aufgefordert haben, kompromittierende Informationen zu Bidens Sohn Hunter zusammenzutragen. „Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann kennt die Bereitschaft von Präsident Trump, seine Macht zu missbrauchen und unser Land zu demütigen, keine Grenzen“, sagte Joe Biden.

Trump bestätigte Gespräch über Biden

Trump wehrt sich gegen den Verdacht, im Gespräch mit einem ausländischen Staatenlenker ein unangemessenes und geheim gehaltenes „Versprechen“ gegeben zu haben. Er nannte den gegen ihn laut „Washington Post“ von einem Geheimdienstmitarbeiter erhobenen Verdacht „lächerlich“ und sprach wieder von einer „Hexenjagd“ der Opposition. „Ich habe absolut nichts Falsches gesagt. Es war perfekt“, sagte er im Weißen Haus.

Später bestätigte Trump, dass Joe Biden und dessen Sohn Thema des Gespräches mit Selenski waren. Es sei um eine mögliche Verwicklung der beiden in Korruption in der Ukraine gegangen. Er äußerte zudem die Hoffnung, dass das heikle Telefonat veröffentlicht werde.

„Will ihm nicht schaden“

Trump stellte Biden als aussichtslosen Kandidaten dar und spottete: „Ich will ihm nicht schaden. Er braucht alle Hilfe, die er bekommen kann.“ Trumps Anwalt hatte am Freitag jedoch eingeräumt, die Ukraine ermuntert zu haben, Vorwürfen gegen die Bidens nachzugehen.

Trump warf Biden zudem vor zu lügen, wenn dieser sage, nie mit seinem Sohn über dessen umstrittene Geschäfte in der Ukraine gesprochen zu haben. „Er hat mit seinem Sohn gesprochen, er lügt wieder“, sagte Trump. US-Außenminister Mike Pompeo forderte eine Untersuchung über Bidens Rolle in der ukrainischen Korruptionsaffäre.

250 Mio. Dollar US-Militärhilfe für die Ukraine

Laut „Wall Street Journal“ versuchte Trump in dem Telefonat „etwa achtmal“, Selenski auf die Aktivitäten von Hunter Biden anzusetzen, der während Bidens Amtszeit als US-Vizepräsident ab 2014 für eine ukrainische Gasfirma arbeitete. Zu diesem Zweck habe Trump Selenski aufgefordert, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zusammenzuarbeiten. In dem Gasunternehmen soll es Fälle von Korruption gegeben haben, Hunter Biden wurden aber nie persönlich Vorwürfe gemacht.

Die Kontroverse um das Telefonat wurde befeuert von der Tatsache, dass Washington Ende Juli Militärhilfe in der Höhe von 250 Millionen Dollar (rund 226 Mio. Euro) für die Ukraine zurückhielt. Dieses Geld wurde vergangene Woche schließlich vom Weißen Haus freigegeben.

„Langes und freundschaftliches Gespräch“

Aus Sicht demokratischer Abgeordneter läge ein weiterer Grund für ein Amtsenthebungsverfahren vor, sollte Trump ausländische Hilfe an die Lieferung schmutziger Informationen über einen politischen Rivalen knüpfen. „Der Präsident kann keine US-Hilfe als Waffe für seine eigenen politischen Zwecke nutzen“, erklärte der demokratische Kongressabgeordnete Seth Moulton.

Der ukrainische Außenminister Wadim Pristaiko versicherte, bei dem fraglichen Telefonat habe es sich um ein „langes und freundschaftliches Gespräch“ gehandelt. „Ich weiß, worüber sie gesprochen haben, und ich denke, dass es keinen Druck gab“, sagte Pristaiko dem ukrainischen Sender Hromadske.

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat sich für eine „stabile Regierung“ mit Beteiligung der Likud-Partei des bisherigen Regierungschefs Benjamin Netanjahu und dem Mitte-Bündnis Blau-Weiß des Ex-Generalstabschefs Benni Ganz ausgesprochen. „Ich bin überzeugt, dass eine stabile Regierung mit beiden großen Parteien gebildet werden muss“, sagte Rivlin heute.

Er äußerte sich nach dem Beginn der Vorgespräche mit den verschiedenen Parteichefs, bei denen nach der vorgezogenen Parlamentswahl vom Dienstag eine Regierungsmehrheit ausgelotet werden soll. Die Bildung einer stabilen Regierung entspreche dem Willen der Bevölkerung, sagte Rivlin. „Niemand will zum dritten Mal wählen.“

Arabische Vereinte Liste unterstützt Ganz

Die arabisch dominierte Vereinte Liste stellte sich inzwischen auf die Seite von Ganz. Sie empfahl heute den Ex-Militärchef als neuen Ministerpräsidenten des Landes. Ganz kommt damit zwar auf mehr Unterstützer als Ministerpräsident Netanjahu – doch beiden fehlt eine Mehrheit zur Regierungsbildung. Derzeit sind noch immer nicht alle Stimmen ausgezählt. Das amtliche Endergebnis wird am Mittwoch erwartet.

Wahl ohne klares Ergebnis

Nach der ersten Parlamentswahl im April war es Netanjahu nicht gelungen, eine Koalitionsregierung zu bilden. Daraufhin wurde am Dienstag erneut eine Wahlen abgehalten, bei denen aber kein klares Ergebnis herauskam.

Ganz’ Blau-Weiß kam auf 33 Sitze, Netanjahus Likud-Partei auf 31. Rivlin muss nicht unbedingt Netanjahu oder Ganz mit der Regierungsbildung beauftragen. Er könnte sich auch für eine dritte Lösung entscheiden, wofür es bisher aber keine Hinweise gab. Die laizistisch-nationalistische Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) von Avigdor Lieberman erhielt bei der Parlamentswahl acht von 120 Mandaten in der Knesset. Lieberman strebt laut vorherigen Äußerungen eine Einheitsregierung an, zu der sich der Likud, Blau-Weiß und seine Partei Israel Beitenu zusammenschließen sollten.

Die britische Oppositionspartei Labour ist nach wie vor uneinig über ihren Brexit-Kurs. Parteichef Jeremy Corbyn sagte heute am Rande der Labour-Jahreskonferenz in Brighton der BBC, er werde eine Sonderkonferenz oder ein Treffen einberufen, um die Haltung der Partei festzulegen. Dafür erntete er sofort Widerspruch.

Die Partei sollte sofort darüber entscheiden, wofür sie in einem etwaigen neuerlichen Referendum über den EU-Austritt oder Verbleib Großbritanniens werben wolle, sagte die außenpolitische Sprecherin von Labour, Emily Thornberry, ebenfalls am Rand des Parteitags: „Ich meine, dass dieser Parteitag das klären sollte.“

Teile von Labour wollen, dass Großbritannien in der EU bleibt, andere bestehen dagegen auf einem Austritt. Corbyn selbst bezog keine Position: „Ich bin stolz auf die Demokratie in der Partei und ich werde selbstverständlich alles mittragen, was die Partei beschließt.“

Parteivize für neues Referendum

Gestern scheiterte in Brighton der Versuch des linken Parteiflügels, den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden abzuschaffen. Parteivize ist derzeit Tom Watson. Watson fordert im Gegensatz zu Corbyn ein neues Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU vor einer Neuwahl. Corbyn strebte bisher eine Volksbefragung erst nach einer Wahl an. Anhänger und Anhängerinnen Corbyns werfen Watson Illoyalität vor.

Kritisiert werden auch Vorwürfe Watsons, Corbyn unternehme zu wenig gegen antisemitische Tendenzen in der Partei. Corbyn sprach sich gegen den Antrag des linken Parteiflügels zur Abschaffung des Parteivizes aus, plädierte aber für eine Überprüfung der Posten des Stellvertreters und anderer Ämter, die den Parteichef unterstützen sollen.

Die Präsenz ausländischer Truppen am Golf erhöht nach den Worten des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani die „Unsicherheit“ in der Region. „Ausländische Truppen können Probleme und Unsicherheit für unser Volk und unsere Region verursachen“, sagte Rouhani heute in einer TV-Ansprache anlässlich einer Militärparade. Demnächst will er der UNO einen Kooperationsplan vorlegen.

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Inland

ÖVP-Chef Sebastian Kurz will seine Partei nicht vorzeitig in die Siegerrolle für die Nationalratswahl drängen lassen. „Ich glaube, dass es deutlich enger werden wird“, sagte er heute in der ORF-„Pressestunde“ zu Umfragen, die die Volkspartei mehr als zehn Prozent vor den Verfolgern sehen. Seine Sorge sei, dass es eine Mehrheit an der ÖVP vorbei gebe.

Die Wahlkampfgrenze von sieben Millionen Euro wird die ÖVP laut Kurz einhalten. Seine Partei soll innerhalb von fünf Jahren schuldenfrei sein. In der Koalitionsfrage legte sich Kurz nicht fest. Es gebe niemanden in der ÖVP in einer Verantwortungsposition, der dafür sei, die FPÖ per se auszuschließen, sagte Kurz, auch wenn er skandalträchtige Aussagen und Kontakte von Freiheitlichen mit den rechtsextremen Identitären „grauslig“ finde.

Eine Minderheitsregierung schloss Kurz nicht aus, betonte aber, dass das nicht seine Lieblingsvariante wäre. Diese wäre viel mehr eine stabile Koalition mit guter Arbeit für Österreich.

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz in der „Pressestunde“

ÖVP-Chef Kurz will seine Partei trotz guter Umfragewerte bei der NR-Wahl nicht vorzeitig in der Siegerrolle sehen. Auf mögliche Koalitionsvarianten wollte sich Kurz nicht festlegen.

Keine „Was-wäre-wenn-Spiele“ über Klubobleute

Neuerlich wies er daraufhin, dass noch nicht klar sei, ob sich in der FPÖ das Lager um Parteichef Norbert Hofer oder jenes um Ex-Innenminister Herbert Kickl durchsetzen werde. Ersterer habe in der Koalition immer Gemeinsames über Trennendes gestellt, bei Kickl sei genau das Gegenteil der Fall gewesen.

Nicht äußern wollte sich Kurz dazu, ob er Kickl in einer Koalition als freiheitlichen Fraktionschef akzeptieren würde. Er mache keine „Was-wäre-wenn-Spiele über Klubobmänner anderer Parteien“. Lediglich bei seiner Partei wisse er, dass August Wöginger seinen Posten als Klubchef behalten werde.

Dass dieser wegen einer Aussage bei einer Wahlveranstaltung, wonach es nicht gehe, dass die Kinder nach Wien gingen und dann nicht mehr die ÖVP, sondern die Grünen oder NEOS wählten, in die Kritik geraten war, focht Kurz nicht sonderlich an: „Lassen Sie ihn doch den Witz machen.“ Der Wahlkampf sei ohnehin geprägt von totalem Wahnsinn und permanentem Hickhack, da störe ihn eine humorvolle Äußerung nicht.

Kurz neuerlich gegen CO2-Steuer

Was das Hickhack angeht, zeigte sich der ÖVP-Chef verärgert darüber, dass SPÖ-Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner noch immer behauptet, er habe seinen Pressesprecher angewiesen, die Presse über eine fiebrige Erkrankung von FPÖ-Obmann Hofer vor TV-Duellen zu informieren: „Was hätte ich davon gehabt?“, frage Kurz in die Runde und betonte auch, dass mittlerweile erwiesen sei, dass die Aussage Rendi-Wagners nicht stimme. Als „lächerlich“ bezeichnete Kurz Kritik, wonach er sich nicht entscheiden könne, ob er Wiener oder Niederösterreicher sei: „Ich fühle mich an beiden Orten zu Hause.“

Einer CO2-Steuer erteile Kurz erneut eine Absage, er will weiter auf eine Wasserstoffoffensive als Teil eines Maßnahmen-Mix setzen. Ausgeschlossen wurde vom früheren Regierungschef, dass Österreich wie befürchtet hohe Bußen wegen Verfehlung der Klimaziele wird leisten müssen: „Die Strafen werden definitiv nicht fällig werden.“

In Sachen Bundesheer sicherte Kurz zu, dass das Budget vor allem für Geräteanschaffung und Stärkung der Miliz steigen werde, das Ziel von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde aber nicht sofort zu erreichen sein und eine Verlängerung des Präsenzdiensts lehnte er ebenfalls ab. In der Zuwanderungspolitik sprach sich der ÖVP-Chef dafür aus, die kulturelle Identität, die Österreich ausmache, hochzuhalten und auch wehrhaft gegen negative Einflüsse aufzutreten.

Trotz des deutlichen und stabilen Rückstands der SPÖ in den Umfragen hat Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner heute in der ORF-„Pressestunde“ betont, bei der Wahl am kommenden Sonntag Platz eins erzielen zu wollen. Eine Koalition mit der FPÖ schloss sie neuerlich aus. Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) warf sie ein unehrliches „Spiel mit der Wahrheit“ vor.

Rendi-Wagner zeigte sich bemüht, trotz der schwachen Umfragewerte Optimismus für das Wahlkampffinale zu verbreiten. „Die einzige Umfrage, die mich interessiert, ist die am Wahltag“, verwies sie auf zahlreiche noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler. Kein Spitzensportler fahre los, ohne gewinnen zu wollen: „Alle fahren mit dem Ziel Platz eins, und das ist mein Ziel.“

SPÖ-Chefin schließt Rot-Blau aus

Parteichefin will Rendi-Wagner auch bleiben, wenn die SPÖ die Wahl nicht gewinnt. Ihr Ziel sei, die offenbar bereits paktierte Neuauflage der ÖVP-FPÖ-„Ibiza-Koalition“ zu verhindern, betonte sie. Wobei die SPÖ-Chefin eine rot-blaue Koalition ausschloss. Nicht ausschließen wollte sie auf Nachfrage, auch als Zweitplatzierte Kanzlerin zu werden. Sollten die Gespräche in diese Richtung gehen, könne das „eine von vielen Optionen“ sein.

SPÖ-Vorsitzende Rendi-Wagner in der „Pressestunde“

In der ORF-„Pressestunde“ bekräftigte SPÖ-Chefin Rendi-Wagner, ihre Partei trotz des derzeitigen Umfragrückstands bei der NR-Wahl auf Platz eins führen zu wollen.

ÖVP-Chef Kurz warf die SPÖ-Vorsitzende ein unehrliches „Spiel mit der Wahrheit“ vor. Sie bekräftigte hier den Vorwurf, Kurz habe vor einer TV-Konfrontation seinen Sprecher angewiesen, Medien über die Erkrankung von FPÖ-Chef Norbert Hofer zu informieren: „Das war vor meinen Augen.“ Auch dass Kurz mal angibt, aus Wien zu stammen, mal aus dem Waldviertel, führte sie gegen ihn ins Treffen. Und in Sachfragen wie der Abschaffung der Maklerprovision hält Rendi-Wagner die ÖVP ebenfalls für unverlässlich.

„Es ist ein professionelles Verhältnis, innig ist es zur Zeit nicht“, beschrieb Rendi-Wagner ihre Beziehung zu Kurz. Einer Koalition mit der ÖVP stehe das aber nicht im Wege, denn da brauche es eine „professionelle Herangehensweise“: „Da haben persönliche Befindlichkeiten gar nichts zu suchen.“

Krankenkassenfusion nicht rückabwickeln

Inhaltlich forderte Rendi-Wagner eine rasche Steuersenkung, einen steuerfreien Mindestlohn von 1.700 Euro und Verbesserungen bei der Arbeitszeitflexibilisierung, etwa einen erleichterten Anspruch auf die sechste Urlaubswoche.

Die Fusion der Gebietskrankenkassen würde die SPÖ-Chefin nicht rückabwickeln, denn: „Das 1:1 rückzuführen ist in dieser Form nicht möglich.“ Aber man müsse „an mehreren Schrauben drehen“ – etwa die Leistungen harmonisieren und im Sinne der Selbstverwaltung den Einfluss der Arbeitnehmervertreter stärken. Einzelne Koalitionsbedingungen wollte sie aber nicht formulieren.

Verteidigt hat Rendi-Wagner die Nationalratsbeschlüsse im „freien Spiel der Kräfte“, trotz der damit verursachten Mehrkosten. Sowohl die stärkere Erhöhung geringer Pensionen als auch die Wiedereinführung der „Hackler-Regelung“ seien eine Frage der Gerechtigkeit. Nicht unterstützt wird von ihr die Forderung des früheren SPÖ-Bundesgeschäftsführers Max Lercher nach dem kommunalen Wahlrecht für Ausländer. Das sei verfassungsrechtlich nicht möglich, so die Parteichefin.

EU

Die Innenminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Malta beraten morgen über eine Übergangslösung für aus Seenot gerettete Geflüchtete. Bei dem Treffen in der maltesischen Stadt Vittoriosa soll eine Grundsatzeinigung dafür gefunden werden, wie Bootsmigranten aus dem zentralen Mittelmeer künftig auf andere EU-Staaten verteilt werden. Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte jüngst angekündigt, Deutschland könne bei einer Übergangslösung ein Viertel der vor Italien Geretteten aufnehmen.

Bisher sitzen gerettete Geflüchtete teils wochenlang an Bord ziviler Rettungsschiffe fest, weil die Regierungen in Rom und Valletta den Hilfsorganisationen die Einfahrt in ihre Häfen verbieten. Sie fordern, dass andere EU-Staaten vorher zusagen, ihnen die Migranten und Migrantinnen abzunehmen. Dann erst sind sie bereit, ihre Häfen zu öffnen. Zuletzt musste in jedem Einzelfall geklärt werden, welches Land sich zur Aufnahme der Menschen bereiterklärt.

An dem Treffen auf Malta wollen auch EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos und die finnische Innenministerin Maria Ohisalo teilnehmen. Finnland hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten inne. Sollte es zu einer Einigung kommen, sollen beim Treffen der EU-Innenminister Anfang Oktober weitere Länder davon überzeugt werden mitzumachen.

Malta kritisiert mangelnde Solidarität

Der maltesische Außenminister Michael Farrugia beklagte mangelnde Solidarität unter den EU-Mitgliedstaaten in Sachen Migration. Trotz Faruggias skeptischen Aussagen könnte bei dem Treffen auf Malta nach Jahren des Streits erstmals wieder eine Verständigung in der Einwanderungsfrage erzielt werden. Den Weg dafür dürfte der selbst verschuldete Abschied der rechtspopulistischen Lega aus der italienischen Regierung frei gemacht haben.

Die EU-Kommission will offenbar eine Neuauflage der zuletzt mit Erbitterung geführten Diskussion um Upload-Filter verhindern. Für 15.
Oktober ist bereits der erste „Stakeholder-Dialog“ in Brüssel angesetzt, neben Rechteverwertern und Internetfirmen sind diesmal auch Daten- und Konsumentenschützer eingeladen.

In Deutschland ist das Karussell bereits auf Touren, Anfang September hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Leistungsschutzrecht wegen eines Formfehlers annulliert. Fast gleichzeitig ging eine große öffentliche Konsultation zur Umsetzung der Coypright-Richtlinie in Deutschland zu Ende. Wie aus den Eingaben hervorgeht, kann vom behaupteten Gleichklang der Interessen von Urhebern und Verlegern keine Rede sein.

Mehr dazu in fm4.ORF.at

Wahlstimmen

ZIB2

Viele Unentschlossene vor der Wahl und viel mehr Wechselwähler als früher. Im Studio dazu ist die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle.

Wie fair geht es bei der Personenbeförderung zu?

Warum sich die Wettbewerbsbehörde für Taxis und Uber interessiert.

Mitarbeiter und Urlauber zittern

Thomas Cook versucht eine drohende Pleite abzuwenden. Etwa 600.000 Touristen wären betroffen.

ZIB 2 am Sonntag Lou Lorenz-Dittlbacher, 21.50 Uhr, ORF 2
Mail an die ZIB2(zib2@orf.at)

Chronik

Unter der Terrasse eines Gebäudes im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen hat ein Mann bei Aufräumarbeiten eine männliche Leiche gefunden. Die Identität des Toten stand zunächst nicht fest, wie Staatsanwaltschaft und Polizei heute in Bielefeld mitteilten. Die Terrasse gehört den Angaben zufolge zur Außengastronomie einer Bäckerei.

Nach dem Leichenfund vom Freitag richtete die Bielefelder Polizei eine siebenköpfige Mordkommission „Terrasse“ ein, die nun die Hintergründe klären soll. „Wir prüfen, ob es sich um ein Kapitalverbrechen handeln könnte“, erklärte der Leiter der Mordkommission, Jürgen Kolin. Die Leiche soll in den nächsten Tagen obduziert werden.

Wirtschaft

Thomas Cook versucht derzeit, eine drohende Pleite abzuwenden, die etwa 600.000 Touristen und Touristinnen treffen würde. Das Unternehmen lotet heute mit Banken, Gläubigern und der Regierung in London aus, ob noch eine Rettung des ältesten Touristikkonzerns der Welt und TUI-Rivalen gelingen kann.

Banken fordern zusätzlich zu einem schon ausgehandelten 900 Millionen Pfund (knapp eine Mrd. Euro) schweren Rettungspaket weitere 200 Millionen Pfund.

„Hoffen, dass es weitergehen kann“

In Großbritannien wappnen sich Regierung und Luftfahrtaufsicht bereits dafür, dass eine Rettung von Thomas Cook scheitern könnte. Außenminister Dominic Raab sagte, dass keine Urlauber im Ausland hängengelassen würden. „Wir hoffen, dass es weitergehen kann“, sagte er. Aber man habe Notfallpläne eingerichtet, „um sicherzustellen, dass wir im schlimmsten Fall alle diejenigen unterstützen können, die sonst gestrandet wären“, sagte Raab der BBC.

Beim deutschen Ferienflieger Condor läuft das operative Geschäft trotz der Turbulenzen der britischen Konzernmutter Thomas Cook normal. „Derzeit werden die Condor-Flüge regulär durchgeführt“, sagte heute ein Unternehmenssprecher. „Thomas Cook setzt nach wie vor alles in seinen Möglichkeiten Stehende daran, den Deal zur Rekapitalisierung über die Ziellinie zu bringen.“ Die Verhandlungen mit allen wesentlichen Beteiligten seien komplex und dauerten an.

Die USA stehen kurz davor, nach 144 Jahren aus dem Weltpostverein (UPU) auszusteigen. Auslöser ist abermals ein Streit mit China: Denn Pakete aus der Volksrepublik in die USA kosten häufig weniger als Pakete, die innerhalb der USA verschickt werden. Grund dafür ist eine jahrzehntealte Regel für den Postverkehr. Diese ist nun Thema auf einem Sondergipfel – gibt es dort keine Einigung, könnte sich das stark auf die Preise auswirken.

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Deutschland tritt der internationalen Allianz für den Kohleausstieg bei. Das erklärte die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) heute in New York, wie ihr Ministerium mitteilte. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte mehr Tempo beim Kohleausstieg an, damit Deutschland einen „würdigen Platz“ in der Allianz einnehmen könne.

„Der Kohleausstieg ist ein zentraler Baustein für den weltweiten Klimaschutz“, erklärte Schulze. Mit den Beschlüssen des Klimakabinetts bekennt sich Deutschland offiziell zum Kohleausstieg. „Damit können wir endlich auch der Allianz der Kohleausstiegsländer beitreten.“

Diese Allianz zeige, „dass die Kohleverstromung in den verschiedensten Teilen der Welt zum Auslaufmodell wird“, fügte die Ministerin hinzu. Wenn ein großes Industrieland wie Deutschland sich von Atom und Kohle verabschiede und seine Energieversorgung schrittweise vollständig auf erneuerbare Energien umstelle, sei das zudem „ein starkes Signal für andere Teile der Welt“.

Sport

IT

Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Tansania beschuldigt, Informationen über Ebola-Verdachtsfälle zurückzuhalten. Die Organisation teilte gestern mit, sie habe von mehreren Menschen erfahren, die in dem ostafrikanischen Land womöglich an dem Virus erkrankt seien. „Trotz mehrerer Anfragen hat die WHO von den tansanischen Behörden keine weiteren Einzelheiten zu einem dieser Fälle erhalten“, erklärte die WHO.

Die WHO erfuhr nach eigenen Angaben bereits am 10. September von einem Patienten in Daressalam, der positiv auf das Virus getestet worden sei. In der vergangenen Woche sei sie darüber informiert worden, dass Menschen aus dem Umfeld des Patienten nun auch im Krankenhaus behandelt würden. Zwei weitere Verdachtsfälle seien der Organisation inoffiziell gemeldet worden.

„Zusätzliche Tests“ wurden abgelehnt

Tansanische Behörden hingegen erklärten Mitte September, es gebe keine Ebola-Erkrankten in dem Land. Laut WHO lehnten sie jedoch „zusätzliche Bestätigungstests“ in einem Zentrum der WHO ab.

Die WHO kritisierte, dass der Informationsmangel die Bemühungen zur Eindämmung der Ausbreitung des tödlichen Virus behindere. Da der potenziell erkrankte Patient zuvor viel gereist war, sei „das Risiko auf nationaler Ebene als sehr hoch eingeschätzt“ worden. Sollten sich die Verdachtsfälle bestätigen, würde es sich laut WHO um die ersten offiziellen Ebola-Erkrankungen in Tansania handeln.

Science

Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist tot. Der DDR-Kosmonaut starb gestern im Alter von 82 Jahren, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) heute Abend mitteilte. „Mit Sigmund Jähn verliert die deutsche Raumfahrt einen weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur“, sagte die Vorstandsvorsitzende des DLR, Pascale Ehrenfreund, laut Mitteilung.

Der ehemalige DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn
APA/dpa/Zentralbild

Jähn war mit der Rakete „Sojus 31“ am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus gestartet. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934-2019) war er 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All.

Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher ins All.

Im Osten der Schweiz haben Dutzende Umweltaktivistinnen und Umweltaktivisten in schwarzer Tracht einen Trauermarsch für den abgeschmolzenen Pizol-Gletscher veranstaltet. Der seit 1893 erforschte Gletscher in der Nähe des Fürstentums Liechtenstein habe „so stark von seiner Substanz verloren, dass er aus wissenschaftlicher Sicht kein Gletscher mehr ist“, sagte Alessandra Degiacomi von der Schweizer Vereinigung für Klimaschutz heute.

Eine Frau mit schwarzem Schleier am Schweizer Pizolgletscher
APA/AFP/Fabrice Coffrini

Seit 2006 habe der Pizol-Gletscher zwischen 80 und 90 Prozent seines verbliebenen Volumens verloren, sagte der Geologe Matthias Huss von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Es blieben noch 26.000 Quadratmeter übrig, „weniger als vier Fußballfelder“.

Der Pizol-Gletscher befand sich in einer Höhe von rund 2.700 Metern. Seit 1850 seien in der Schweiz mehr als 500 Gletscher verschwunden, sagte Huss. Viele von ihnen hätten keinen Namen getragen. Der Pizol-Gletscher sei ein Sonderfall, weil er „sehr gut untersucht worden“ sei. In den Alpen gibt es rund 4.000 Gletscher. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten mehr als 90 Prozent von ihnen abgeschmolzen sein.

Biber, Wolf und Goldschakal sind in Europa auf dem Vormarsch. Auch Elche und Braunbären erobern regional neue Gebiete. Der Europäische Nerz dagegen verschwindet zunehmend von der Landkarte – und etliche Fledermausarten sind stark rückläufig. Die Verbreitung der Säugetiere und deren Lebensräume nimmt ein Großprojekt der Stiftung Europäische Säugetiere nun unter die Lupe.

Das Projekt erforscht, wie die rund 270 Säugetierarten aktuell in Europa verbreitet sind, und hält deren Vorkommen auf Karten fest. „Es ist ein Mammutprojekt“, sagte der Sekretär der Stiftung, Laurent Schley, in Luxemburg. Die Fläche, die kartiert werden soll, umfasse 11,5 Millionen Quadratkilometer in 42 Ländern, darunter auch Österreich. Die Ergebnisse sollen 2024 in einem rund 600 Seiten dicken Atlas erscheinen. „Es ist das weltweit größte Kartierungsprojekt für Säugetiere“, betonte der Biologe.

Das Besondere sei, dass 1999 bereits eine erste Ausgabe des Atlas erschien – wenn auch nur für etwa die Hälfte der Fläche. „Das ermöglicht uns jetzt einen Langzeitvergleich, auch im Zuge des Klimawandels“, sagte Schley. Er steuert mit neun weiteren Fachleuten das Projekt, das 73 nationale Koordinatoren einbindet. Die Informationen zur Verbreitung seien vor allem wichtig, um die Arten besser schützen zu können.

Kultur

Der „Star Trek“-Schauspieler Aron Eisenberg ist tot. Eisenberg sei im Alter von 50 Jahren gestorben, berichteten US-Medien heute unter Berufung auf seine Ehefrau. Der Schauspieler hatte in dem „Star Trek“-Ableger „Star Trek: Deep Space Nine“ die Rolle des Nog gespielt. Zuletzt war es aber ruhiger um ihn geworden. Woran Eisenberg starb, war zunächst nicht bekannt.

Das Cleveland Orchestra hat gestern im Rahmen seines Saisoneröffnungskonzerts die Vertragsverlängerung für seinen seit 2002 amtierenden Chefdirigenten Franz Welser-Möst bekanntgegeben. Der gebürtige Oberösterreicher wird nun bis zumindest 2027 an der Spitze des Orchesters stehen.

Mit einem Vierteljahrhundert wird Welser-Möst dann zum Ende der Vertragslaufzeit der längsdienende Chefdirigent des Cleveland Orchestra sein. Den Rekord hält bisher George Szell, der von 1946 bis 1970 und mithin 24 Jahre an dessen Spitze gestanden war.

Wien-Besuch im März

„Unter der Leitung von Franz Welser-Möst wurde das Cleveland Orchestra zu höchsten musikalischen und künstlerischen Höhen geführt“, streute Orchestermanager Andre Gremillet dem Maestro in einer Aussendung Rosen. Der bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen und kündigte zugleich neue Pläne mit seinem Klangkörper an: „Um in unserer sich verändernden Welt etwas zu bewegen, müssen wir uns ständig weiterentwickeln und auf neue Weise erfolgreich sein.“

Fixiert sind für die kommenden fünf Spielzeiten etwa je eine Opernaufführung und die jährliche Veröffentlichung von Liveaufnahmen aus den Konzerten. In Wien wird das Orchester im Rahmen seiner Europatournee wieder zwischen 24. und 26. März 2020 im Musikverein zu erleben sein.

Zum 71. Mal werden in Los Angeles in der Nacht auf morgen die TV-Preise Emmys verliehen. Mit 32 Nominierungen geht die Abschlussstaffel der US-Serie „Game of Thrones“ diesmal als großer Favorit ins Rennen um die Auszeichnungen, die als wichtigste Fernsehpreise der Welt gelten. In der Hauptkategorie „Beste Dramaserie“ könnten außerdem unter anderem „Bodyguard“, „Pose“ und „This is Us“ gewinnen.

Die Emmys werden in rund 120 Kategorien von etwa 24.000 Mitgliedern der Television Academy vergeben. Bei der Gala stehen die Hauptkategorien im Mittelpunkt. Zum vierten Mal in ihrer Geschichte wird die Gala diesmal ohne Moderator stattfinden.

Panorama

Wahlstimmen - Was sagt Österreich zu dieser Wahl?