Ausland

US-Präsident Donald Trump behält laut der Entscheidung eines Bundesberufungsgerichts das Kommando über die von ihm nach Los Angeles entsandte kalifornische Nationalgarde.

In ihrem Urteil erklärten die Richter in San Francisco gestern (Ortszeit), Trumps „Versäumnis, die Bundesanordnung direkt ‚über‘ den Gouverneur von Kalifornien zu erteilen, schränkt seine ansonsten rechtmäßige Befugnis zum Einsatz der Nationalgarde nicht ein“.

Trump hatte Mitte Juni nach Protesten gegen seinen Migrationskurs die Nationalgarde und Soldaten mobilisiert – gegen den Willen des Gouverneurs Gavin Newsom von den Demokraten.

In Tel Aviv ist eine Granate auf die Residenz des norwegischen Botschafters in Israel geworfen worden. Das teilte Israels Außenminister Gideon Saar gestern Nacht im Onlinedienst X mit.

Das norwegische Außenministerium teilte mit, in der Residenz habe es eine Explosion gegeben. „Kein Botschaftsmitarbeiter wurde bei dem Vorfall verletzt“, hieß es in einer Erklärung, die keine Angaben zur Ursache der Explosion enthielt. Die israelische Polizei erklärte, es sei „leichter Sachschaden“ entstanden. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden.

Die von der radikalislamischen Terrororganisation Hamas kontrollierte Zivilschutzbehörde im Gazastreifen hat gestern der israelischen Armee die Tötung von 76 Menschen bei Angriffen vorgeworfen.

Viele seien getötet worden, als sie an Verteilzentren auf die Ausgabe von Hilfsgütern warteten, sagte Behördensprecher Mahmud Bassal. Er verwies auf Schüsse am Nezarim-Korridor im Zentrum des Gazastreifens sowie an einem Hilfszentrum in der Nähe von Chan Junis im Süden des Gazastreifens.

Darüber hinaus seien im Norden des Gazastreifens bei neun verschiedenen israelischen Angriffen weitere 51 Menschen getötet worden, sagte Bassal und erhöhte damit die von ihm zuvor genannte Zahl von Todesopfern deutlich.

Die israelische Armee erklärte, ihre Soldaten hätten am Nezarim-Korridor „Warnschüsse“ auf „Verdächtige“ abgegeben, die sich ihnen näherten. Über Verletzte habe sie keine Kenntnis. Zu dem Vorfall in der Nähe von Chan Junis äußerte sich die Armee nicht.

Mehrfach Vorwürfe von tödlicher Gewalt nahe Verteilzentren

Die Behörden der militanten Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen warfen der israelischen Armee schon mehrfach die Tötung von Dutzenden Menschen, die sich in der Nähe von Verteilzentren für Hilfsgüter versammelt hatten, vor.

Die von den USA und Israel unterstützte Hilfsorganisation Gaza Humanitarian Foundation (GHF) hatte Ende Mai ihre Arbeit im Gazastreifen aufgenommen und vier Verteilzentren im Süden und im Zentrum des Palästinensergebiets eröffnet.

Die UNO und große Hilfsorganisationen verweigern die Kooperation mit der Stiftung, der sie vorwerfen, sich nach den Plänen der israelischen Armee auszurichten. An den Zentren kommt es immer wieder zu Chaos und Gewalt.

Seit der kriegerischen Eskalation zwischen Israel und dem Iran Ende vergangener Woche haben bisher 48 Österreicherinnen und Österreicher Israel beziehungsweise das benachbarte Jordanien verlassen können. Das teilte das Außenministerium in Wien gestern mit.

Die Zahl der Personen, die mit Hilfe der österreichischen Botschaft in Teheran den Iran verlassen konnten, beläuft sich laut Ministerium auf 44. Darunter sind aber auch mehrere Staatsbürger anderer EU-Länder.

Die österreichische Botschaft in Tel Aviv steht laut Außenministerium mit allen Österreicherinnen und Österreichern in Israel in Kontakt, die ausreisen möchten. Am Montag war von „rund 200 grundsätzlich ausreisewilligen Personen“ die Rede, die sich bei der Botschaft Tel Aviv gemeldet hätten.

Ausreise aus dem Iran nur über den Landweg möglich

Im Iran befänden sich rund 100 ausreisewillige Österreicherinnen und Österreicher, hieß es Anfang der Woche. Die Grenzübergänge zwischen dem Iran und Armenien sowie dem Iran und der Türkei seien offen. Die Sicherheitslage sei aber „äußerst volatil“, das erschwere die Planung von Überlandfahrten, so das Außenministerium nun.

Eine direkte Ausreise aus dem Iran nach Österreich sei aufgrund der Lage nicht möglich. Auch im Iran stehe die Botschaft in Teheran mit allen ausreisewilligen Österreicherinnen und Österreichern in Kontakt.

Im Außenministerium in Wien tagt derzeit täglich ein Krisenstab, der die Entwicklungen in der Konfliktregion mit Blick auf die Sicherheit österreichischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger dort evaluiert.

Nach den baltischen NATO-Staaten Lettland, Litauen und Estland steigt auch Finnland aus der Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonenminen aus.

Das Parlament in Helsinki stimmte gestern mit klarer Mehrheit von 157 zu 18 Stimmen für den Ausstieg. Nach Angaben des Rundfunksenders Yle tritt der Schritt sechs Monate nach Eingang eines entsprechenden finnischen Bescheids bei den Vereinten Nationen in Kraft.

Die finnische Regierung hatte die Vorbereitung des Vertragsausstiegs bereits Anfang April mit Hinweis auf eine mögliche Bedrohung durch den östlichen Nachbarn Russland angekündigt. Das finnische Militär ist der Ansicht, dass es Personenminen benötigt, um das Land verteidigen zu können.

USA, Russland und China unterzeichneten Abkommen nie

Das Abkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung gilt seit März 1999. Finnland unterzeichnete die Vereinbarung im Jahr 2012. Wichtige Staaten wie die USA, Russland, China und Indien haben sich dem Vertrag nicht angeschlossen.

Finnland, das auf einer Länge von 1.340 Kilometern an Russland grenzt, hatte sich 2022 unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ebenso wie Schweden dazu entschlossen, Mitglied der NATO zu werden. Im April 2023 wurde Finnland in das Verteidigungsbündnis aufgenommen, Schweden folgte knapp ein Jahr danach.

Die ungarische Polizei hat gestern die Abhaltung der Pride-Parade in Budapest verboten. Der Marsch für die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft sollte am 28. Juni in der Hauptstadt abgehalten werden.

Die Polizei gab nun auf ihrer Website das Verbot bekannt – drei Tage nachdem die Stadt publikgemacht hatte, dass sie die Organisation übernehmen werde. Die Stadtverwaltung will sich dem Verbot aber widersetzen.

„Verbotsentscheidung hat keinerlei Bestand“

„Diese Verbotsentscheidung hat keinerlei Bestand“, erklärte der Bürgermeister der Hauptstadt, Gergely Karacsony, auf seiner Facebook-Seite. Er brauche keine offizielle Erlaubnis für die Pride-Parade, weil es sich um eine „städtische Veranstaltung“ handle. Der liberale Politiker hatte schon zuvor angekündigt, ein drohendes Verbot zu umgehen.

Die rechtsnationalistische Regierung in Ungarn unter Regierungschef Viktor Orban schränkt seit Jahren unter dem Vorwand des „Kinderschutzes“ die Rechte von LGBTQ-Menschen ein. Mitte März hatte das ungarische Parlament eine Gesetzesänderung verabschiedet, die auf ein Verbot der jährlichen Parade abzielt. Damit werden alle Versammlungen untersagt, die gegen das ungarische LGBTQ-Gesetz verstoßen. Das Gesetz von 2021 verbietet Darstellungen von Homosexualität vor Minderjährigen.

EU

Die Länder mit Euro-Gemeinschaftswährung sind bereit, Bulgarien in ihren Kreis aufzunehmen. Die Finanzministerinnen und -minister der Länder stimmten gestern bei einem Treffen in Luxemburg dem grünen Licht der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) für einen Beitritt des Balkan-Landes zur Euro-Zone mit 1. Jänner 2026 zu.

Kriterien erfüllt

Anfang des Monats hatten die Europäische Kommission und die EZB mitgeteilt, Bulgarien erfülle die für eine Euro-Einführung notwendigen Kriterien.

Dazu gehören Preisstabilität, solide öffentliche Finanzen und stabile Wechselkurse. Die Inflation zum Beispiel darf nicht aus dem Ruder laufen, damit der Wert des Geldes gewahrt und seine Kaufkraft erhalten bleibt.

Die Euro-Beitrittskandidaten müssen zudem nachweisen, dass sie ihre Staatsverschuldung im Griff haben. Und sie müssen dafür sorgen, dass der Wechselkurs ihrer Landeswährung stabil bleibt, damit zum Beispiel Unternehmen vorausschauend planen können.

Einführung eigentlich für 2024 geplant

Ursprünglich war die Euro-Einführung in Bulgarien für Anfang 2024 geplant. Unter anderem wegen der damals vergleichsweise hohen Inflationsrate von 9,5 Prozent wurde der Beitritt verschoben.

Bulgarien gehört zu den ärmeren EU-Ländern und ist beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung auch 2024 EU-Schlusslicht – obwohl die Wachstumsraten höher waren als anderswo. In Bulgarien wird die Debatte über die Einführung des Euro von heftigen Protesten begleitet.

Staats- und Regierungsspitzen müssen noch zustimmen

In einem nächsten Schritt müssen die Finanzministerinnen und -minister aller EU-Länder den Plänen zustimmen, bevor die EU-Staats- und Regierungsspitzen voraussichtlich Ende Juni über den Beitritt Bulgariens zur Euro-Zone diskutieren werden.

Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, hat die Zusammenarbeit mit den Westbalkan-Staaten in puncto Migration gelobt. „Unsere Kooperation mit den Westbalkan-Staaten hat Modellcharakter. Die verstärkte Zusammenarbeit hat die irreguläre Migration um fast 95 Prozent gesenkt“, teilte sein Kabinett gestern mit.

Dazu beigetragen hätten die Stärkung der Rolle der EU-Grenzschutzagentur Frontex und die zunehmende Angleichung der Visapolitik zwischen der EU und den Staaten in der Region.

Abkommen mit Bosnien und Herzegowina

Nach Abschluss des Frontex-Statusabkommens mit Bosnien und Herzegowina in der Vorwoche, das neue Entsendungen von Einsatzkräften der EU-Grenzschutzagentur ermögliche, sei nun „mit all unseren Partnern des Westbalkans ein solches Abkommen“ abgeschlossen worden. Das führe „zu weiteren Erfolgen im Bereich Migration und Sicherheit“.

Außerdem seien am Dienstag in Straßburg die Verhandlungen über den Visaaussetzungsmechanismus finalisiert worden. „Es wird nun möglich sein, den Mechanismus auch im Falle einer unzureichenden Angleichung an die Visumpolitik der EU anzuwenden.“ Das biete Anreize, bei der Visaangleichung voranzugehen, so Brunner.

Inland

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) will bei dem im Regierungsprogramm geplanten Umbau der Sozialhilfe eine Reform „ohne soziale Kälte zu erzeugen und ohne Personengruppen gegeneinander auszuspielen“. Es gehe darum, das System gerechter und zielgerichteter zu gestalten – zum Beispiel mit Sachleistungen – sagte sie gegenüber der APA.

Angesichts des medial diskutierten Beispiel einer syrischen Großfamilie mit elf Kindern, die in Summe auf Sozialleistungen von rund 9.000 Euro kam, sagte Schumann, sie habe „vollstes Verständnis", dass solche Fälle bei vielen Menschen Unmut und Ärger hervorrufen – übrigens auch bei den vielen Tausenden Syrern, Afghanen und Menschen anderer Nationalitäten, die einer Arbeit nachgehen und in Österreich Steuern zahlen.“

Verfassungskonforme Regelung

Dass es in Einzelfällen zu hoch anmutenden Summen an Sozialleistungen kommt, sei der Kinderzahl geschuldet: "Gerade bei größeren Haushalten mit Kindern summieren sich die Leistungen durch gesetzlich vorgesehene Familienbeihilfen und Zuschüsse.

Eine generelle Deckelung, um Leistungen künftig zu begrenzen, wird es laut Schumann nicht geben. „Eine pauschale Deckelung unabhängig vom Bedarf wäre verfassungsrechtlich bedenklich“, sagte sie. Die Ressortchefin verwies darauf, dass die dargestellten Summen stets aus mehreren Leistungen bestehen. Sie stehe für Anpassungen, „die uns nicht in ein paar Jahren von Gerichten zurückgeworfen werden“.

Verweis auf „Aufstocker“

Dass arbeitende Menschen mit Jobs nicht auf die Bezüge von Sozialhilfebeziehern bzw. -bezieherinnen kommen würden, wenn sie Kinder haben, ist laut Schumann eine Falschinformation: „Wenn ein Haushalt mit Einkünften nicht auf die Höhe der errechneten Sozialhilfe kommt, kann der Haushalt eben aufstocken.“ 73 Prozent der Haushalte, die Sozialhilfe beziehen, seien solche „Aufstocker“.

Die Sozialministerin sprach sich aber – wie der Rest der Regierung – für eine Vereinheitlichung der Geldleistungen über die Bundesländer hinweg. Es brauche „einheitliche Mindeststandards bei der Sozialhilfe, statt eines regionalen Fleckerlteppichs.“

Nach dem Grazer Schulattentat hat die Bundesregierung angekündigt, den Zugang zu sozialen Medien für Minderjährige zu verschärfen. Ein konkretes Modell gibt es bisher allerdings noch nicht, Bundeskanzler Christian Stocker nannte ein Alterslimit als „eine der Möglichkeiten“.

Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) hat nun gegenüber der APA für ein Verbot bis 15 Jahre plädiert und wünscht sich eine Lösung auf europäischer Ebene. „Wir müssen unsere Kinder vor den Algorithmen der Online-Konzerne schützen“, so Babler in einer schriftlichen Stellungnahme.

Vorschlag von Macron aufgegriffen

Der Vizekanzler griff den Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf. Dieser war nach einer tödlichen Messerattacke an einer französischen Schule vergangene Woche für ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 eingetreten.

Babler schlug vor, das Thema in den Mittelpunkt der mit Anfang Juli beginnenden dänischen Ratspräsidentschaft zu stellen. Er werde dazu in den kommenden Wochen Gespräche auf europäischer Ebene führen.

Pröll verwies auf Datenschutzgrundverordnung

Sollte bis Ende des Jahres keine europäische Initiative zustande kommen, will Babler nationale Lösungen finden. Von einer solchen Lösung hatte zuletzt Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) gesprochen. Als möglichen Hebel nannte er die Bestimmung der Datenschutz-Grundverordnung, wonach Daten von Unter-14-Jährigen nicht verarbeitet werden dürfen.

Neben dem Social-Media-Verbot bis 15 plädierte Vizekanzler Babler auch für eine schnellere Um- und Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) der EU, der Kontrolle und Transparenz für die Algorithmen von großen Online-Plattformen vorschreibt. Er könne sich hier auch härtere Strafen bei Verweigerung oder unvollständiger Informationsübermittlung durch die Plattformen vorstellen, so der Vizekanzler.

Mit strengeren Regeln für Immobilienkredite, der KIM-Verordnung, hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) 2022 ein Instrument geschaffen, um angesichts steigender Zinsen und einer hohen Inflation eine Überschuldung privater Haushalte zu vermeiden.

Die Verordnung läuft mit Ende Juni aus, soll aber mit einem Rundschreiben der FMA de facto verlängert werden. Die Landeshauptleutekonferenz fordert nun, davon Abstand zu nehmen, berichtete die „Kronen Zeitung“ (Onlineausgabe) gestern.

Banken und Industriellenvereinigung (IV) kritisierten zuvor bereits den Plan, auf diesen Regeln zu beharren. Nun schaltete sich auch die Landeshauptleutekonferenz ein. So forderte deren Vorsitzender, der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), die beiden FMA-Vorstände Helmut Ettl und Eduard Müller in einem Brief auf, von diesem Rundschreiben Abstand zu nehmen.

FMA verweist auf gestiegene Neukreditvergabe

Das Neukreditgeschäft sei eingebrochen, und die Bauwirtschaft leide unter diesen Beschränkungen, so die Argumentation der Landeshauptleute. Die FMA wiederum konterte laut „Kronen Zeitung“ damit, dass heuer die Neukreditvergabe in den ersten vier Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Drittel auf 5,2 Mrd. Euro gestiegen ist.

Die Entscheidung zu diesem Rundschreiben fällte nicht die FMA alleine, sie wurde im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgremiums, dem auch Vertreter des Fiskalrats, des Finanzministeriums und der Nationalbank angehören, getroffen.

Ukraine-Krieg

Russland und die Ukraine haben
gestern einen weiteren Gefangenenaustausch abgeschlossen. „Unsere Leute kommen aus russischer Gefangenschaft zurück“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Onlinenetzwerken.

Nach Angaben der ukrainischen Regierung waren „schwer kranke und verletzte“ Soldaten unter den Freigelassenen. Eine genaue Zahl der ausgetauschten Gefangenen gaben beide Seiten nicht bekannt.

Fotos von Soldaten veröffentlicht

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Austausch und veröffentlichte Fotos von Soldaten mit russischen Flaggen, die winken und jubeln. Auch Selenskyj veröffentlichte ähnliche Fotos von ukrainischen Soldaten, die lächeln, weinen und ihre Angehörigen anrufen.

Die Ukraine und Russland hatten sich im Juni bei ihren Gesprächen in Istanbul auf weitere Gefangenenaustausche geeinigt. Insgesamt sollen über 1.000 Gefangene von jeder Seite freikommen – alle verletzt, krank oder unter 25 Jahre alt.

Wirtschaft

Die Finanzvermögen von Privathaushalten und Unternehmen in Österreich übersteigen die Staatsschulden deutlich und sind in den vergangenen Jahren zudem stärker gewachsen.

Laut einer Analyse des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts auf Basis von Zahlen der EU-Kommission betrugen die privaten Netto-Finanzvermögen pro Kopf Anfang 2025 gut 38.000 Euro – ein Zuwachs um rund 10.400 Euro seit 2020.

Die Staatsschulden abzüglich staatlichen Finanzvermögens stiegen im gleichen Zeitraum um lediglich 3.670 Euro auf zuletzt 25.400 Euro pro Kopf. Auf 25 Jahre betrachtet, sei die Schere noch größer: Während sich die privaten Vermögen in der Zeit versiebenfachten, hätten sich die Staatsschulden knapp verdreifacht.

Erneuter Ruf nach Vermögenssteuern

Mit Verweis auf die großen Vermögensunterschiede zwischen den verschiedenen Haushalten fordert das Momentum Institut einmal mehr „die Wiedereinführung der Vermögensteuer sowie Erbschafts- und Schenkungssteuern“. Auch eine höhere Kapitalertragsteuer könne die starken Vermögensgewinne zum Teil abschöpfen.

Rückschlag für den „grünen“ Umbau der Stahlindustrie in Deutschland: ArcelorMittal Europe verfolgt Pläne zur Dekarbonisierung der Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt nicht weiter, wie der Konzern gestern mitteilte.

Aufgrund der Marktsituation und der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion könnten die Investitionen nicht weitergeführt werden. Der Konzern nimmt damit staatliche Fördergelder nicht in Anspruch.

Konzern lässt über eine Milliarde an Förderungen liegen

ArcelorMittal verwies auf eine Verpflichtung, die Entscheidung mitzuteilen – da der Vertrag mit der Bundesregierung über die Förderung von 1,3 Milliarden Euro den Beginn der Bauarbeiten für das Projekt bis Juni 2025 vorsah. Konkret geht es um den Bau von Direktreduktionsanlagen – mit Wasserstoff – und Elektrolichtbogenöfen – mit Strom.

„Wir wissen die Finanzierung durch die Bundesregierung und das Land Bremen sowie die Unterstützung des Landes Brandenburg für dieses Projekt zu schätzen“, erklärte Geert Van Poelvoorde, Chef von ArcelorMittal Europe. Aber selbst mit der finanziellen Unterstützung sei die Wirtschaftlichkeit der Umstellung nicht ausreichend gegeben.

Das Unternehmen hatte wiederholt erklärt, Voraussetzung für den Umbau der Stahlerzeugung seien wettbewerbsfähige Strompreise und ausreichend Wasserstoff. Wasserstoff ist aus Sicht der Energiebranche aber derzeit noch nicht ausreichend vorhanden und viel zu teuer. Zudem klagen Unternehmen in Deutschland seit Langem über im internationalen Vergleich hohe Strompreise.

Chronik

Der als gefährlich eingestufte Hurrikan „Erick“ hat Mexiko erreicht und dort erste Schäden angerichtet. Der Wirbelsturm traf mit Windgeschwindigkeiten von 205 Kilometern pro Stunde im südwestlichen Bundesstaat Oaxaca auf Land, wie das US-Hurrikanzentrum (NHC) in Miami mitteilte. Später verlor er an Kraft und wurde zum Tropensturm herabgestuft.

Der Sturm habe Bäume und Strommasten umstürzen lassen und mindestens neun Erdrutsche auf Landstraßen verursacht, sagte die Koordinatorin der Nationalen Zivilschutzbehörde, Laura Velazquez.

beschädigte Geschäfte entlang der Küste in San Agustinillo
Reuters/Jorge Luis Plata

Es kam zu Stromausfällen und Überschwemmungen, unter anderem in einem Krankenhaus. Nach vorläufigen offiziellen Angaben gibt es bisher in den betroffenen Bundesstaaten Guerrero und Oaxaca keine Todesopfer zu beklagen.

Weiter Gefahr durch starke Niederschläge

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum rief in ihrer täglichen Pressekonferenz dazu auf, weiterhin vorsichtig zu bleiben. Zwar werde sich der Sturm über Land weiter abschwächen, die Gefahr vor allem durch starken Regen sei jedoch nicht vorbei.

Die Behörden warnten vor verheerenden Windschäden und lebensbedrohlichen Überschwemmungen. Für den Küstenabschnitt zwischen den Badeorten Acapulco und Puerto Ángel gilt eine hohe Gefahrenstufe.

Sieben Kinder sind in Nordfrankreich binnen weniger Tage mit schweren Durchfallerkrankungen auf die Intensivstation der Klinik in Saint-Quentin gekommen. Bei vier von ihnen trat eine seltene Form von akutem Nierenversagen auf, an dem ein zwölfjähriges Kind inzwischen gestorben ist, teilte die Präfektur mit.

Die Behörden suchen fieberhaft nach der Ursache der Erkrankungen und möglichen Zusammenhängen. Auslöser könnte eine Lebensmittelvergiftung sein, wobei die Kinder den Ermittlungen zufolge aber nicht am selben Ort gegessen haben.

Die Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren wurden zwischen dem 13. und 18. Juni in die Klinik eingeliefert und stammen aus der 53.000-Einwohnerstadt Saint-Quentin oder der Umgebung.

Vier von ihnen entwickelten das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das in der Regel bei Kindern infolge einer Infektion des Darms auftritt und zur Bildung von Blutgerinnseln führt, die vor allem Gehirn, Herz und Nieren blockieren. Jährlich werden in Frankreich nur 100 bis 165 Erkrankungen von Kindern mit dem HUS-Syndrom dokumentiert.

Nach einer Explosion in einem Beisl in der Region Murcia im Südosten Spaniens sind mindestens 16 Menschen verletzt worden. Es gebe drei Schwerverletzte, die in Krankenhäuser gebracht worden seien, teilte der Notfalldienst der Region gestern auf der Plattform X mit.

Zwei der Opfer seien in kritischem Zustand und würden auf der Intensivstation behandelt, hieß es. Die Ursache der Explosion im Gasthaus Casa Javi in der Gemeinde San Pedro del Pinatar blieb unbekannt.

Wochenmarkt vor geschlossenem Lokal

Der Vorfall ereignete sich den amtlichen Angaben zufolge zur Mittagszeit im Inneren des Lokals. Es werde ein Gasaustritt vermutet. Das Beisl war zu dem Zeitpunkt geschlossen.

Vor dem Lokal fand aber gerade der Wochenmarkt statt, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete. Nach der Explosion sei ein Brand ausgebrochen, der von der Feuerwehr jedoch schnell gelöscht worden sei.

IT

US-Präsident Donald Trump gibt TikTok noch eine Fristverlängerung in den USA. Die Kurzvideo-App soll trotz eines US-Gesetzes zu ihrem Aus zunächst für weitere 90 Tage im Land verfügbar bleiben, ordnete Trump gestern an. Zuvor verstrichen bereits zwei von ihm gewährte Gnadenfristen ohne die versprochene Lösung.

TikTok hätte nach dem Gesetz eigentlich bis 19. Jänner vom in China ansässigen Eigentümer Bytedance verkauft werden – oder in den USA vom Netz gehen – müssen. Doch Trump räumte zu seinem Amtsantritt im Jänner eine zusätzliche Frist von 75 Tagen ein.

Fristverlängerungen nicht in Gesetz vorgesehen

Schon damals stellte er eine weitere Fristverlängerung bei Bedarf in Aussicht – obwohl es dafür in dem Gesetz keine Grundlage gibt. Schon die ersten 75 Tage waren nicht vom Dokument gedeckt: Es sah lediglich einen Aufschub von 90 Tagen für den Fall gut laufender Verkaufsverhandlungen vor. Nach wie vor sind keine aussichtsreichen Gespräche bekannt.

Hinter dem Gesetz stehen Befürchtungen, dass die chinesische Regierung über TikTok Amerikaner und Amerikanerinnen ausspähen und die öffentliche Meinung manipulieren könnte. China und Bytedance weisen das zurück.

US-Vizepräsident JD Vance hat dem Onlinedienst X des Tech-Milliardärs Elon Musk den Rücken gekehrt und ist zum liberalen Konkurrenten Bluesky gewechselt. Er musste allerdings gleich zu Beginn eine Sperrung seines Kontos hinnehmen, weil er für einen Nachahmer gehalten wurde.

Der Stellvertreter von US-Präsident Donald Trump meldete sich gestern bei Bluesky an, teilte ein Bildschirmfoto davon auf X und forderte seine vier Millionen Abonnenten auf, mit ihm umzuziehen. „Habe gerade meine Seite auf @bluesky eingerichtet und hoffe, Euch dort zu sehen!“, schrieb Vance auf X.

„Diskussionen mit gesundem Menschenverstand“

Auf Bluesky notierte er dann in seinem ersten Beitrag: „Hallo Bluesky, mir wurde gesagt, dass diese App die Anlaufstelle für politische Diskussionen und Analysen mit gesundem Menschenverstand geworden ist.“ Er sei begeistert, nun bei Bluesky zu sein „und mich mit Euch allen auszutauschen“, schrieb der Vizepräsident.

Die Begeisterung erhielt jedoch schnell einen Dämpfer, als das Konto des Vizepräsidenten gleich danach kurzzeitig gesperrt wurde. Ein Nutzer bemerkte daraufhin, das sei wohl „die schnellste Sperrung aller Zeiten“ gewesen.

Bluesky: Heißen den Vizepräsidenten willkommen

Vance äußerte sich zu dem Vorgang nicht, sein Konto wurde schnell wieder freigeschaltet. Ein Sprecher von Bluesky sagte dem Magazin „Newsweek“, die Kontosperrung sei erfolgt, da das System in Vance zunächst fälschlich einen unerwünschten Nachahmer erkannt habe. Dieser Fehler sei aber schnell behoben worden.

„Wir heißen den Vizepräsidenten willkommen, sich an der Diskussion auf Bluesky zu beteiligen“, erklärte das Unternehmen.

Umwelt & Klima

Die Ozonwerte in Europa sind für die aktuelle Jahreszeit außergewöhnlich hoch. Darauf wies das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus gestern unter Berufung auf Daten seines Atmosphärenüberwachungsdienstes Cams hin.

Die bodennahe Konzentration von Ozon habe im Juni fast in allen europäischen Ländern – außer der skandinavischen Halbinsel – zuletzt signifikant zugenommen.

Vermutlich hohe Temperaturen als Ursache

Zwar seien höhere Ozonwerte im Sommer in Europa nicht ungewöhnlich, Episoden mit dieser Intensität so früh im Jahr hingegen schon. Mutmaßlich sei das auf die vergleichsweise hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen zurückzuführen, hieß es in einer Copernicus-Mitteilung.

Seit dem 9. Juni zeigten die Cams-Modelle erhöhte Ozonwerte im Mittelmeer-Raum an. Seitdem hätten die Werte in mehreren Regionen gesundheitsrelevante Schwellen überschritten.

EU-Richtlinie gibt Schwellenwerte vor

Laut einer EU-Richtlinie sollte die Ozonkonzentration nicht öfter als 18-mal pro Jahr die Schwelle von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter (im Acht-Stunden-Mittelwert eines Tages) überschreiten, um die Gesundheit der Bevölkerung nicht zu gefährden. Ab einem Stundenmittelwert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter muss die Bevölkerung informiert werden.

Gefährdeten Gruppen wie Kindern, älteren Menschen und Asthmatikern wird geraten, sich bei hohen Ozonwerten möglichst nicht im Freien aufzuhalten und körperliche Anstrengungen zu vermeiden.

Kultur

Archäologinnen und Archäologen haben in London römische Wandmalereien rekonstruiert, die vor knapp 2.000 Jahren die Wände einer Villa im einstigen Londinium geschmückt haben. Dabei wurden Tausende Teile Wandputz zusammengefügt, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, wie das Archäologische Museum der britischen Hauptstadt gestern mitteilte.

Rekonstruktion des Wandgemäldes
APA/AFP/Museum of London Archaeology

Die Bruchstücke waren am einstigen Standort eines luxuriösen Hauses aus der römischen Antike ausgegraben worden, dessen Rudimente 2021 auf einer Baustelle in Southwark südlich der Themse entdeckt worden waren.

„Es handelt sich um eine der größten Sammlungen bemalter römischer Fresken, die je in der Hauptstadt gefunden wurden“, erklärte das Museum. Han Li, einer der Museumsexperten für Baumaterialien, arbeitete drei Monate lang an der Rekonstruktion des nach seinen Worten „schwersten Puzzles der Welt“.

Die Teile seien sehr zerbrechlich und an der Fundstätte zudem völlig durcheinandergewürfelt gewesen. Zu sehen sind Malereien von Musikinstrumenten, Vögeln, Blumen und Früchten in Farbe sowie Nachahmungen kostbarer Materialien wie gelber Marmor und dunkelrotes Vulkangestein, ägyptisches Porphyr genannt.