Ex-BVT-Chef warnt vor Russland-Beziehung der FPÖ
Wenig erfreut über die Aussicht auf einen blauen Kanzler zeigt sich der ehemalige Chef des mittlerweile aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling. „Russland wird Verbindungen zur FPÖ nutzen“, sagte er heute dem „Standard“. Die FPÖ sei unter den österreichischen Parteien jene, die am engsten in russische Spionage verwickelt sei. „Die FPÖ war ein Einfallstor für russische nachrichtendienstliche Informationsgewinnung.“
Als Beispiel führte er etwa die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl und die frühere Österreichisch-Russische Freundschaftsgesellschaft ins Treffen. Auf nachrichtendienstlicher Ebene hätte aber weder ein blauer Kanzler noch Innenminister grobe Konsequenzen, meinte Gridling. „Ein Partnerdienst kann sich die internationalen Verwicklungen nicht leisten, wenn er Hinweise zu Terrorgefahr nicht übermitteln würde.“
Als Kickl während der letzten türkis-blauen Bundesregierung das Innenressort leitete, sei die Informationsweitergabe zum Thema Russland eingeschränkt gewesen. In anderen Bereichen habe es dennoch gemeinsame Ermittlungen gegeben.
Suspendierung durch Kickl
Kickl ließ Gridling suspendieren. Der ehemalige Verfassungsschützer sieht einen Grund: „Man wollte damals das BVT handstreichartig umfärben.“ Nachdem die Ermittlungen eingestellt worden waren, kehrte Gridling ins Amt zurück. „Man hat damals auch probiert, an mir vorbei mit Geheimprojekten Strukturen im BVT aufzubauen“, so Gridling. „Gott sei Dank ist dann ‚Ibiza‘ passiert.“
Danach gefragt sprach sich der ehemalige Verfassungsschutzchef für einen Innenminister aus der ÖVP aus. Auch in der Justiz wäre „ein unabhängiger Experte als Minister gefragt“.
Damit rechnet er aber nicht: „Als gelernter österreichischer Beamter braucht man sich aber nichts vorzumachen. Bei Postenbesetzungen wird sich nicht viel ändern. Auch die Grünen haben das rasch gelernt. Unter ÖVP-Ministern gab es oft Personalvorschläge, bei denen Loyalität wichtiger als Kompetenz war.“