Ausland

Eine Bundesrichterin hat den Einsatz der Nationalgarde in der US-Hauptstadt Washington für nicht rechtens erklärt. Die Behörden hätten die Grenzen ihrer gesetzlichen Befugnisse überschritten, hieß es gestern von Richterin Jia Cobb. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe die Einheit der Hauptstadt nicht ohne ausdrückliche Anforderung der lokalen Behörden aktivieren dürfen.

Zudem hätte sie Nationalgardisten aus anderen US-Staaten zu polizeilichen Zwecken nicht nach Washington beordern dürfen, hieß es in der Verfügung weiter. Cobb ordnete an, den Einsatz der Nationalgarde zu beenden, setzte ihre Entscheidung jedoch für drei Wochen aus, damit die Trump-Regierung in Berufung gehen kann. Die Anordnung bleibt damit bis 11. Dezember außer Kraft.

Sonderregeln für Washington

Die Nationalgarde ist eine militärische Reserveeinheit und Teil der US-Streitkräfte. Sie untersteht im Normalfall der Kontrolle der Staaten und wird etwa bei Naturkatastrophen, Unruhen und anderen Notlagen eingesetzt. In bestimmten Situationen kann jedoch auch der US-Präsident das Kommando übernehmen. Für Washington bestehen Sonderregeln.

Trump hatte sie im August nach Washington beordert und ihre Mobilisierung mit einer angeblich ausufernden Kriminalität begründet. Kriminalitätsstatistiken stützen diese Darstellung nicht. Die Stadt ging juristisch gegen den Einsatz vor. Cobb schilderte in ihrer Anordnung, wie Nationalgardisten an Denkmälern, in Metrostationen und in Wohnvierteln der Hauptstadt präsent seien.

Warnung vor Trumps autoritärem Regierungsstil

Medienberichten zufolge sind derzeit rund 2.300 Nationalgardisten in Washington im Einsatz. Laut Cobb sollen sie bis Ende Februar 2026 in der Stadt bleiben. Die Kosten dafür werden laut dem Sender CNN auf etwa eine Million Dollar (rund 870.000 Euro) pro Tag geschätzt.

Trump ließ auch in anderen Städten Nationalgardisten patrouillieren. Kritiker warnen, er nutze die Truppen als Versuchsfeld für einen zunehmend autoritären Regierungsstil. Wegen der Einsätze laufen mehrere juristische Verfahren.

Nachdem US-Kongressmitglieder der Demokraten Militärangehörige zur Verweigerung illegaler Befehle aufgerufen hatten, hat US-Präsident Donald Trump diesen mit der Todesstrafe gedroht. Die sechs Demokraten seien „Verräter“, schrieb Trump gestern auf Truth Social.

Er warf ihnen „aufwieglerisches Verhalten, strafbar mit dem Tode“ vor. Die Demokratische Partei verurteilte Trumps Äußerungen als „absolut abscheulich“ und warnte vor neuer politischer Gewalt in den USA.

Eine Gruppe von Senatoren und Abgeordneten hatte am Dienstag ein Video veröffentlicht, in dem sie aktive Soldaten oder Geheimdienstmitarbeiter aufruft, „illegale Befehle“ zu verweigern. Die drei Frauen und drei Männer sind selbst frühere Militärs oder Geheimdienstvertreter.

„Diese Regierung spielt unser Militär in Uniform sowie professionelle Geheimdienstleute gegen amerikanische Bürger aus“, heißt es in dem Video. Die Soldaten und Sicherheitsmitarbeiter hätten einen Eid geschworen, die US-Verfassung zu schützen und könnten deshalb ungesetzliche Befehle verweigern.

Demokraten: „Einfach widerlich“

Als Beispiele nannten die Kongressmitglieder in Interviews den Einsatz von Soldaten gegen Demonstrierende, wie Trump diesen als Oberbefehlshaber etwa in Los Angeles angeordnet hatte. Sie übten darüber hinaus scharfe Kritik an der Tötung mutmaßlicher Drogenschmuggler aus Lateinamerika durch US-Streitkräfte.

Die Demokratische Partei verurteilte Trumps Drohungen scharf. Der Parteivorsitzende Ken Martin nannte die Anspielung auf die Todesstrafe angesichts der jüngsten politischen Gewalt in den USA „einfach widerlich“.

„Zu wenig, zu spät“: In ihrem gestern vorgestellten Bericht ist eine Untersuchungskommission zum Umgang mit der Coronavirus-Pandemie in Großbritannien zu einem drastischen Fazit gekommen. In der damaligen konservativen Regierung habe Chaos geherrscht, und das Virus sei viel zu spät ernst genommen worden, heißt es in dem mehr als 800 Seiten langen Bericht, in dem die Erkenntnisse der öffentlichen Untersuchung erläutert wurden.

Alle Regierungen im Vereinigten Königreich hätten es „versäumt, das Ausmaß des Risikos und der Katastrophe“ zu erkennen, sagte die Vorsitzende der Untersuchung, Heather Hallett, der Nachrichtenagentur PA zufolge bei der Vorstellung des Berichts. In diesem wurden auch mehrere Empfehlungen für künftige Pandemien abgegeben.

Die Reaktion der damaligen Regierung auf den Beginn der Pandemie im Jahr 2020 war dem Bericht zufolge deutlich zu lasch. Wäre der Lockdown im März 2020 eine Woche früher verhängt worden, hätte es während der ersten Infektionswelle in England etwa 23.000 Todesfälle weniger gegeben.

Die ersten beiden Lockdowns hätten den Angaben zufolge zudem kürzer ausfallen können oder wären gar vermeidbar gewesen, wenn Maßnahmen wie Social Distancing früher eingeführt worden wären. Aus anfänglichen Fehlern seien auch im späteren Verlauf keine Lehren gezogen worden.

„Giftige und chaotische Kultur“

Auch mit dem früheren britischen Premierminister Boris Johnson geht Hallett in dem Bericht hart ins Gericht. Damals habe eine „giftige und chaotische Kultur“ in der Downing Street geherrscht.

Johnsons damaliger Chefberater Dominic Cummings habe „beleidigende, sexualisierte und frauenfeindliche“ Sprache verwendet. Dem habe Johnson nicht nur kaum entgegengewirkt, sondern diese Kultur stellenweise sogar „aktiv gefördert“.

Johnson, der von 2019 bis 2022 Premierminister seines Landes war, stand wegen seines Vorgehens in der CoV-Pandemie immer wieder in der Kritik. Besonders kritisiert wurde er wegen seiner Rolle im „Partygate“-Skandal, als im Regierungssitz Feste gefeiert wurden, während der Rest des Landes in Lockdowns saß.

Im Vereinigten Königreich starben laut Sterbeurkunden etwa 227.000 Menschen an Covid-19. Viele Hinterbliebene machen Johnson und seine Regierung für den Tod ihrer Angehörigen verantwortlich. Der britische Premierminister Keir Starmer kündigte laut PA an, die im Bericht gewonnenen Erkenntnisse sorgfältig prüfen zu wollen.

Die US-Gesundheitsbehörde (Centers for Disease Control and Prevention, CDC) suggeriert eine mögliche Verbindung zwischen Autismus und Impfungen. „Die Behauptung ‚Impfstoffe verursachen keinen Autismus‘ ist keine evidenzbasierte Behauptung“, heißt es nach einer Änderung seit gestern auf der Website der Behörde.

Studien hätten die Möglichkeit, dass Impfstoffe für Kleinkinder Autismus verursachen, nicht ausgeschlossen. Untersuchungen, die eine solche Verbindung stützten, seien von Gesundheitsbehörden ignoriert worden, so die Behauptung.

Scharfe Kritik von Autism Science Foundation

Die gemeinnützige Autism Science Foundation zeigte sich entsetzt über die neuen Inhalte, die „verändert und verzerrt wurden und voll mit impfkritischer Rhetorik und glatten Lügen über Impfungen und Autismus sind“. Auf der Website seien nun Fehlinformationen zu finden, die den „besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen“ widersprächen.

„Die Wissenschaft belegt eindeutig, dass Impfungen keinen Autismus verursachen“, heißt es weiter. Dementsprechend stand bisher auch zuvor auf der CDC-Website: Studien hätten gezeigt, dass es „keinen Zusammenhang“ zwischen Impfungen und Autismus gebe.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. wird immer wieder vorgeworfen, Zweifel an Impfungen zu streuen. Er vertrat in der Vergangenheit zudem das widerlegte Gerücht, Impfungen riefen Autismus hervor. Die ehemalige Leiterin der US-Gesundheitsbehörde, Susan Monarez, wurde vor ein paar Monaten nach eigenen Angaben von Kennedy Jr. aus ihrer Rolle gedrängt, weil sie sich geweigert habe, wissenschaftliche Standards zu missachten.

Inland

Auf Liveübertragungen aus Untersuchungsausschüssen wird man wohl weiter warten müssen. Für eine entsprechende Gesetzesinitiative der FPÖ, die gegen Ende der gestern Abend abgeschlossenen Plenarwoche des Nationalrats erstmals behandelt worden war, zeichnete sich keine Mehrheit ab. Die ÖVP befand den Vorschlag wörtlich als „untauglich“. Die vier anderen Parteien äußerten sich allesamt zu einer Liveübertragung an sich positiv.

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker argumentierte, dass es ja auch bereits einen Liveticker aus dem Ausschuss gebe. Warum sollte man dann also die Befragungen nicht auch in Bildern präsentieren können, fragte er.

Hafenecker hätte gerne eine tragbare Lösung bis zum Start der Befragungen im Pilnacek-U-Ausschuss Mitte Jänner. Dazu soll eine bereits geplante gemeinsame Reise nach Deutschland dienen, wo unter gewissen Umständen eine Direktübertragung möglich ist.

ÖVP: Vorschlag „untauglich“

Die ÖVP äußerte in Bezug auf die Verletzung von Persönlichkeitsrechten Bedenken. Das von der FPÖ präferierte Modell, dass der Vorsitzende des Ausschusses über Ausnahmen von der Übertragung entscheiden soll, bezeichnete ÖVP-Mandatar Andreas Hanger als „untauglich“. Wenn es rechtlich möglich sei, solle man die Liveübertragungen ermöglichen, wenn nicht, dann eben nicht.

SPÖ-Abgeordneter Jan Krainer ist grundsätzlich dafür, er würde die Medien selbst (rechtlich) entscheiden lassen, welche Befragung diese senden. Dieser Modus könnte funktionieren, meinte auch NEOS-Mandatar Nikolaus Scherak. Er könnte sich aber beispielsweise auch eine zeitversetzte Übertragung vorstellen.

Die Grünen-Abgeordnete Nina Tomaselli sah wie ihre Vorredner zwar rechtliche Herausforderungen. Diese seien aber zu überwinden, wenn man denn wolle, so Tomaselli mit Blick auf die ÖVP. Der Gesetzesvorschlag wird nunmehr im Geschäftsordnungsausschuss beraten und könnte so im Fall einer Einigung – auch abgeändert – zeitnah vom Nationalrat beschlossen werden.

Die Vignette zum Aufkleben ist demnächst Geschichte. Der Nationalrat hat gestern mit den Stimmen der Dreierkoalition beschlossen, ab 1. Dezember 2026 nur noch auf die digitale Variante zu setzen. Gleichzeitig kommt es zu einer geringen Anhebung der Lkw-Maut.

Klebe-Vignette an der Windschutzscheibe eines Autos
APA/Roland Schlager

Für die Beibehaltung der Klebevignette sprach sich die FPÖ aus. Zudem forderten die Freiheitlichen, dass die Gültigkeitsdauer der digitalen Eintages- und Zehntagesvignette auf eine stundengenaue Abrechnung umgestellt wird.

Analoger Zugang bleibt

Für Bedenken hatte gesorgt, ob der analoge Zugang gewährleistet bleibt. Hier versuchte Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) zu beruhigen. Die digitale Vignette werde weiter bei Trafiken, Tank- und Mautstellen sowie den Autofahrerclubs zu erwerben sein.

„Alles bleibt gleich, außer dass man sich nicht mehr beim Runterrubbeln ärgern muss“, sagte SPÖ-Verkehrssprecher Wolfgang Moitzi.

ÖVP-Verkehrssprecher Joachim Schnabel verwies darauf, dass mit der Novelle auch zusätzliche Mittel für die ASFINAG frei würden. Auch Süleyman Zorba von den Grünen betonte, dass die Digitalisierung der Vignette Geld spare.

Regierung verteidigt Änderung bei Lkw-Maut

Dass die Grünen nicht zustimmten, hing mit den neuen Bestimmungen zur Lkw-Maut zusammen, die aus Zorbas Sicht „umweltpolitischer Wahnsinn“ seien. Vorgesehen ist, dass negative Umweltauswirkungen zwar stärker als bisher bei der Berechnung der Maut berücksichtigt werden, gleichzeitig aber die Valorisierung der Infrastrukturkomponente aufgrund der schwachen Konjunktur 2026 einmalig ausgesetzt wird.

Mit dieser verhältnismäßigen Regelung habe man auf die schwierige Situation auch in der Transportwirtschaft reagiert, sagte Schnabel. Hanke sah mehr Kostenwahrheit, zudem unterstütze man die Transportwirtschaft beim Umstieg auf emissionsfreie Lkws. NEOS-Mandatar Dominik Oberhofer erkannte ein längst überfälliges Gesetz, weil es um Kostenwahrheit und fairen Wettbewerb gehe.

Die FPÖ hat sich gestern in einer Dringlichen Anfrage im Nationalrat an Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) abgearbeitet. Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch warf diesem „Totalversagen von Wohnen bis Pensionen“ vor. Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ), die Babler im Nationalrat vertrat, wies die Kritik zurück und verwies auf die gesetzten Maßnahmen im Kampf gegen die Teuerung. Dieser sei „oberste Priorität der Regierung“.

Belakowitsch kritisierte, dass Bablers Versprechen aus dem SPÖ-Wahlprogramm in Bezug auf Inflation, Pensionen und Mieten bisher nicht umgesetzt worden seien. Sie bemängelte die wirtschaftsliberale Stimmung in der Bundesregierung, „in der es kein soziales Korrektiv mehr gibt“.

Trotz SPÖ in der Regierung werde „der Sozialabbau fortgesetzt“, Wohnen und Lebensmittel seien weiterhin teuer und die Probleme im Gesundheitsbereich nicht gelöst, kritisierte Belakowitsch. Auch im Pensionsbereich sah die blaue Politikerin „eine eiskalte Sozialabbaupolitik“.

Schmidt verweist auf Maßnahmen gegen Teuerung

Der Bundesregierung seien im Kampf gegen die Teuerung in den vergangenen Tagen „weitreichende Schritte gelungen“, entgegnete die SPÖ-Staatssekretärin Schmidt. Zur Umsetzung sei teilweise eine Zweidrittelmehrheit nötig, hier liege es an den Freiheitlichen, einen raschen Beschluss zu ermöglichen.

Mit der Mietpreisbremse sei dem für Wohnen zuständigen Babler „wirklich Historisches gelungen“. Die Bekämpfung der Teuerung sei „oberste Priorität der Regierung“, man arbeite an vielen weiteren Entlastungsmaßnahmen.

ÖVP ortet Unehrlichkeit bei FPÖ

Zur Verteidigung Bablers rückten auch die Koalitionspartner ÖVP und NEOS aus. Andreas Ottenschläger (ÖVP) sah Unehrlichkeit bei der FPÖ, die sich selbst als wirtschaftsliberale Partei rühme. Der NEOS-Abgeordnete Markus Hofer wunderte sich ebenfalls über die „planwirtschaftlichen Ideen“ der Unternehmerpartei.

Der Grüne Werner Kogler fand in der freiheitlichen „Generalabrechnung“ dagegen viel Zutreffendes, wunderte sich aber ebenfalls über die „seltsame Rollenverteilung“ und warf der FPÖ vor, selbst keine Lösungen zu präsentieren.

Ukraine-Krieg

Das russische Verteidigungsministerium hat gestern ein Video veröffentlicht, das seine Soldaten in der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt Pokrowsk zeigen soll. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigte den Ort der Aufnahmen im Süden der umkämpften Stadt. Sie zeigen Soldaten, die sich unbehelligt durch menschenleere Straßen bewegen.

Russland versucht seit mehr als einem Jahr, Pokrowsk mit einer Zangenbewegung einzukesseln und die Versorgungswege zu unterbrechen. Auf russischen Landkarten wird die Stadt inzwischen als „unter russischer Kontrolle“ dargestellt, während ukrainische Truppen im benachbarten Myrnohrad eingekesselt sein sollen.

Ukrainische Karten weisen Pokrowsk bisher noch als Grauzone aus, die von keiner Seite kontrolliert wird. Myrnohrad sei nicht vollständig umschlossen. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben gibt es nicht.

Strategisch wichtige Stadt

Pokrowsk in der Region Donezk gilt als strategisch bedeutender Straßen- und Eisenbahnknotenpunkt und als Logistikzentrum für das ukrainische Militär. Die Stadt liegt an einer wichtigen Versorgungsroute für andere umkämpfte ukrainische Stellungen.

Mit einer Einnahme könnten die russischen Streitkräfte die ukrainischen Versorgungslinien an der Ostfront unterbrechen. Sie hätten damit eine Ausgangsbasis, um weiter nach Norden auf die beiden größten verbliebenen von der Ukraine kontrollierten Städte in der Region – Kramatorsk und Slowjansk – vorzustoßen.

Zudem befindet sich in Pokrowsk die einzige Kokskohlengrube der Ukraine, die für die Stahlindustrie des Landes von großer Bedeutung ist.

Moskau: Kupjansk eingenommen

Russische Truppen haben nach Angaben des Generalstabschefs Waleri Gerassimow zudem die Kontrolle in der ukrainischen Stadt Kupjansk übernommen. Das teilte Gerassimow Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch im Kommandoposten der russischen Truppen mit.

Putin lässt sich dem Kreml zufolge auch über die Lage in den Städten Kostjantyniwka und Kramatorsk im Gebiet Donezk informieren. Die Ukraine wies die russischen Angaben zurück. Kupjansk befinde sich unter der Kontrolle der ukrainischen Verteidigungskräfte, erklärte der ukrainische Generalstab.

EU

Die Europäische Union und Südafrika haben sich auf ein Abkommen für die künftige Zusammenarbeit bei der Gewinnung und Veredelung von Mineralien und Metallen des rohstoffreichen Landes geeinigt.

„Wir brauchen diese Rohstoffe, um die Energiewende sowohl hier als auch in Europa voranzutreiben“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gestern auf einer Pressekonferenz in Johannesburg. Sie war kurz vor Beginn des G-20-Gipfels zu Gesprächen mit Südafrikas Präsidenten Cyril Ramaphosa angereist.

Südafrika verfügt laut dem US-Institut United States Geological Survey (USGS) über mehr als drei Viertel der weltweiten Reserven an Platinmetallen und Seltenerdmetallen. Das Land besitze zudem die weltweit größten Manganvorkommen und gehört zu den führenden Produzenten von Chrom.

„Beispielloses“ Abkommen

Ramaphosa bezeichnete das Abkommen als „beispiellos“. Es bringe Südafrika einen Mehrwert, da die Verarbeitung voraussichtlich im Land stattfinden werde. „In einem zunehmend instabilen geopolitischen Umfeld strebt Europa danach, seine Lieferkette für kritische Rohstoffe zu sichern und seine Bezugsquellen zu diversifizieren“, erklärte EU-Industriekommissar Stephane Sejourne.

China dominiert bei wichtigen Rohstoffen wie Seltenerdmetallen, die für viele Sektoren von entscheidender Bedeutung sind, den Weltmarkt. Im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China, in dessen Rahmen Peking seine Marktmacht offen als Druckmittel einsetzt, gewann das Thema weiter an Bedeutung. Die 27 Mitgliedsstaaten der EU streben daher nach neuen Rohstoffhandelspartnern.

Science

Gestern jährte sich der Prozessbeginn gegen führende Repräsentanten des NS-Regimes zum 80. Mal. Dem Nürnberger Hauptprozess vor dem Internationalen Militärgerichtshof (IMG) wird ein maßgeblicher Einfluss auf die Entwicklung des Völkerrechts zugeschrieben.

„Nürnberg war sicherlich der Urknall. Danach dehnte sich das Universum der Strafgerichtsbarkeit, aber auch des Strafrechts weiter aus“, wie der Völkerrechtler Stephan Wittich zum Jahrestag gegenüber der APA sagte.

„Paradigmenwechsel“

Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher im Nürnberger Justizpalast war in mehrfacher Hinsicht ein juristisches Novum. „Erstmals wurden Menschen für Verbrechen, die gegen internationales Recht verstoßen, vor einem internationalen Gericht strafrechtlich verfolgt“, so Wittich.

Das habe „es vorher noch nicht gegeben und war völlig neu. Das ist herausragend für die historische Bedeutung und die Entwicklung des Begriffs des Völkerstrafrechts.“ Man könne in diesem Zusammenhang auch von einem „Paradigmenwechsel“ sprechen.

Dass in Nürnberg die Alliierten als Sieger über die Verlierer richteten, erschien manchen als „Siegerjustiz“. Wittich pflichtet dem bei, führt aber weiters aus, dass das die Notwendigkeit und historische Bedeutung des Prozesses auf keinen Fall schmälere.

Rede von Chefankläger Jackson

Weitsicht zeigte US-Chefankläger Robert Jackson mit seiner vielbeachteten Eröffnungsrede. „Das Privileg, eine Gerichtsverhandlung über Verbrechen gegen den Frieden der Welt zu eröffnen", bezeichnete er nicht nur als „ernste Verantwortung.“ Man dürfe auch „niemals vergessen, dass nach dem gleichen Maß, mit dem wir die Angeklagten heute messen, auch wir morgen von der Geschichte gemessen werden“.

Einführung der „Nürnberger Prinzipien“

Das Verfahren von 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946, das letztlich in zwölf Todesurteile mündete, ist untrennbar mit dem Namen der Stadt verbunden, in der Adolf Hitler seine Reichsparteitage abhalten ließ und wo der im Prozess verurteilte Julius Streicher einst mit seinem Hetzblatt „Der Stürmer“ sein Unwesen trieb.

Die große Bedeutung Nürnbergs erkannte auch die UNO, die im Oktober 1945 gegründet wurde. Sie beauftragte die Völkerrechtskommission, die Rechtsgrundsätze des Hauptkriegsverbrecherprozesses zu kodifizieren, 1950 wurden sie in Form der sieben „Nürnberger Prinzipien“ bestätigt.

Kultur

Ein bedeutendes Gemälde der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo ist in New York für einen Rekordpreis versteigert worden. Das Selbstporträt „El sueño (la cama)“ (Der Traum/Das Zimmer) aus dem Jahr 1940 erzielte die Rekordsumme von 54,6 Millionen Dollar (rund 47,4 Millionen Euro), wie das Auktionshaus Sotheby’s mitteilte. Noch nie habe ein Werk einer Künstlerin bei einer Versteigerung einen höheren Preis erzielt. Zum Käufer machte das Auktionshaus keine Angaben.

Das Werk zeigt die Künstlerin schlafend in einem Bett, das am Himmel zu schweben scheint. Darauf liegt ein riesiges Skelett, dessen Beine mit Dynamit umwickelt sind. Dieses Gemälde von Frida Kahlo sei ein „sehr persönliches“ Bild, in dem „sie folkloristische Motive der mexikanischen Kultur mit dem europäischen Surrealismus verschmilzt“, sagte Anna Di Stasi von der Sotheby’s-Abteilung für lateinamerikanische Kunst.

Singen, komponieren, produzieren, schreiben, schauspielern: Es gibt in der Kunstwelt nur wenig, was Björk nicht tut. Der elfenhafte Exportschlager aus Island war schon in jungen Jahren ein Multitalent. Heute sind ihre öffentlichen Auftritte rar geworden, ihr letztes Studioalbum liegt drei Jahre zurück. Aber auch im Pensionsalter – Björk wird heute 60 Jahre alt – ist es nicht ruhig um sie.

Zuckerwürfel aus Island

Björk Gudmundsdottir wurde 1965 in Reykjavik geboren. Schon mit zwölf Jahren nahm sie zusammen mit ihrem Stiefvater ihr erstes Album auf, das es in Island zu Achtungserfolgen brachte. Nach einigen Gehversuchen in Punkbands erlangte Björk Ende der 1980er Jahre auch international Anerkennung als Leadsängerin der Alternative-Rock-Band Sugarcubes.

Die isländische Band The Sugarcubes mit Sängerin Björk auf einer Aufnahme vom Oktober 1987
IMAGOAvalon/Tim Jarvis (Archivbild)
1987: Björk als Teil der Sugarcubes

Nachdem sich die Band 1992 aufgelöst hatte, zog Björk nach London und begann mit dem international erfolgreichen Song „Human Behaviour“ ihre Solokarriere. 1993 erschien das Album „Debut“, neun weitere Soloalben sollten folgen. Die sphärischen Klänge auf „Homogenic“ (1997) waren von der rauen isländischen Schönheit inspiriert, auf „Biophilia“ (2011) setzte sie sich gleich mit dem gesamten Universum auseinander.

„Vulnicura“ aus dem Jahr 2015 gilt als Björks emotionalstes Werk. Darin thematisiert sie die Trennung vom US-Medienmanager Matthew Barney, mit dem sie ihr zweites Kind hat. Das erste stammt aus der Beziehung mit Thor Eldon Jonsson, ehemals Gitarrist der Sugarcubes.

2022 erschien Björks bisher letztes Studioalbum „Fossora“, bei dem beide Kinder mitwirkten. Das Album ist auch wichtiger Bestandteil der aufwendigen und eindrücklichen Konzerttour „Cornucopia“, der ein Bildband und ein Konzertfilm folgten.

Die isländische Sängerin Björk bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles im März 2001
IMAGO/Depositphotos (Archivbild)

Auch modisch abseits des Tellerrands

Das Visuelle gehört zum Gesamtkunstwerk von Björk. Die Isländerin machte mit eigenwilligen Outfits ebenso Schlagzeilen wie mit ihrer Musik. Im kollektiven Gedächtnis der Popwelt fest verankert ist etwa das Schwanenkleid des mazedonischen Designers Marjan Pejoski, das Björk 2001 zur Oscar-Gala trug.

Auch als Schauspielerin feierte sie Erfolge, zum Beispiel im Film „Dancer in the Dark“ (2000) von Lars von Trier. Zuletzt sah man sie im Abenteuerfilm „The Northman“ (2022) von Regisseur Robert Eggers.

Zurück in den Charts

Auch wenn Björk in den vergangenen Jahren mehr ihr bisheriges Werk vermarktete, blieb sie auch musikalisch nicht untätig. Die spanische Sängerin Rosalia veröffentlichte im Oktober ihre Single „Berghain“, in der Björk mit von der Partie ist. Der eigenwillige Genremix aus symphonischen Klängen und sphärischem Mystikpop schoss sofort in die Charts und entzückte Fans auf der ganzen Welt.

Die Toten Hosen haben für ihre „Trink aus! Wir müssen gehen“-Tournee bereits mehr als eine Million Tickets verkauft. Das teilte die Band gestern mit.

Vor wenigen Tagen hatten die Musiker angekündigt, die Tournee ins Jahr 2027 zu verlängern. Das ist das 45. Jahr ihres Bestehens. Der Schlussakkord – das dritte, neu angesetzte Stadionkonzert in ihrer Heimatstadt Düsseldorf am 10. Juli 2027 – sei binnen weniger Minuten ausverkauft gewesen.

die deutsche Punkrockband „Die Toten Hosen“
APA/AFP/Ina Fassbender (Archivbild)

Ein Großteil der Tickets der für 2026 geplanten Termine sei ebenfalls bereits vergriffen. Für 2027 wurden sieben zusätzliche Konzerte angekündigt – darunter Auftritte in Nürnberg, Mannheim, Bern, Graz, Leipzig und Braunschweig.