Ausland

Die US-Regierung hat ein Kopfgeld von bis zu zehn Millionen Dollar gegen Verantwortliche einer ausländischen Einmischung in US-Wahlen ausgerufen. Das erklärte US-Außenminister Mike Pompeo gestern. Pompeo nannte dabei unter anderem Russland als möglichen Akteur.

Das Geld werde für Hinweise zur „Identifizierung und zum Aufenthaltsort jeder Person“ gezahlt, die im Auftrag oder unter Kontrolle einer ausländischen Regierung die US-Wahlen „durch kriminelle Cyberaktivitäten“ beeinflussen wolle.

Vor der Präsidentschaftswahl im November wachsen die Sorgen vor einer ausländischen Einmischung. Nach Einschätzung der US-Geheimdienste versuchte Russland 2016 die Wahlen zu beeinflussen, um dem rechtspopulistischen Kandidaten Donald Trump zum Sieg zu verhelfen. Trump hat diese Darstellung zurückgewiesen.

Der US-amerikanische Historiker und Politikwissenschaftler Allan Lichtman hat jeden Gewinner der US-Präsidentschaftswahl seit 1984 genau vorhergesagt. Auch 2016 hatte er einen Sieg von Donald Trump prognostiziert. Für die kommende Wahl im Herbst sagt Lichtman, dass Joe Biden den amtierenden Präsidenten Trump schlagen wird.

Der Universitätsprofessor hat in den 1980er Jahren ein Modell zur Vorhersage der Präsidentschaftswahlen entwickelt. Es berücksichtigt die 120 Jahre der US-Wahlgeschichte und orientiert sich an 13 Schlüsselfaktoren, die darüber entscheiden, wer in das Weiße Haus einziehen wird.

„Die Schlüsselfaktoren sagen voraus, dass Trump sein Amt im Weißen Haus verlieren wird“, sagte Lichtman in einem Video der „New York Times“, das gestern veröffentlicht wurde. Es werde aber ein knappes Rennen, so der Historiker weiter.

Lichtman: Charisma fehlt beiden Kandidaten

Zu den 13 Schlüsselfaktoren in seinem System gehören Faktoren wie Amtszeit, lang- und kurzfristige Wirtschaftszahlen, soziale Unruhen und Skandale sowie das persönliche Charisma der Kandidaten bzw. Kandidatinnen. Nach Lichtmans System sprechen sieben der 13 Schlüssel für Biden und sechs für Trump.

Für Trump würde sprechen, dass er Amtsinhaber sei, keinem parteiinternen Gegenkandidaten gegenüberstehe, bedeutende politische Veränderungen durchgesetzt und jeden entscheidenden militärischen Fehlschlag im Ausland vermieden habe. Zudem kandidiere Trump gegen einen Mann, den Lichtman als „uncharismatischen Herausforderer“ betrachtet.

Doch die sozialen Unruhen, der gegenwärtige wirtschaftliche Zusammenbruch und die Skandale während der Präsidentschaft von Trump deuten auf einen Sieg Bidens hin. Ein weiterer Vorteil für Biden sei, dass die Demokraten in den Zwischenwahlen 2018 Gewinne erzielt hatten. Zudem zähle Trump nicht zu den „charismatischen Amtsinhabern“.

Nach der ebenso umstrittenen wie mysteriösen Ausreise des unter Korruptionsverdacht stehenden Altkönigs Juan Carlos reißt die Kritik an Regierung und der königlichen Familie in Spanien nicht ab. Juan Carlos sei nicht vor der Justiz geflüchtet, versicherte die stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo gestern im nordspanischen Oviedo.

„Er ist vor nichts geflohen“, der 82-Jährige sei kein Angeklagter, betonte sie vor der Presse. In einem am Montagabend vom Königshaus veröffentlichten Brief an seinen Sohn und Nachfolger Felipe VI. hatte Juan Carlos mitgeteilt, dass er wegen der Finanzaffäre ins Ausland ziehe. Damit wolle er die Arbeit Felipes „erleichtern“. Nach Medienberichten hatte das frühere Staatsoberhaupt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Briefes Spanien längst verlassen.

Das Exil des Altkönigs sei von der Regierung und dem Königshaus gemeinsam beschlossen worden, berichteten spanische Medien. Der Aufenthaltsort des Bourbonen ist derzeit unbekannt. Das Königshaus hüllte sich zu dieser Frage in Schweigen. Ministerpräsident Pedro Sanchez sagte auf Fragen von Journalisten nur: „Ich weiß es nicht.“

Ein Filmemacher hat die verheerende Explosion in Beirut während eines Hochzeitsvideodrehs auf Kamera festgehalten. Die Aufnahmen von Mahmud Naquib zeigen den Moment, in dem die Schockwelle die Innenstadt von Beirut erreicht.

Zunächst ist die libanesische Ärztin Israa Seblani in ihrem Hochzeitskleid zu sehen. Als die Kamera auf ihre Schleppe schwenkt, ist ein Knall zu hören, ehe sich eine Staubwolke ihren Weg durch die Gassen bahnt. Am Ende des Videos sind Männer zu sehen, die Seblani in Sicherheit bringen.

Die Braut und Filmemacher wurden bei der Explosion Medienberichten zufolge nicht schwer verletzt. Bei der Detonation im Hafen der libanesischen Hauptstadt wurden mindestens 130 Menschen getötet und mehrere tausend verletzt.

Inland

Grünen-Familiensprecherin Barbara Neßler ist mit der Ausgestaltung des von Türkis-Grün als Coronavirus-Hilfe auf den Weg gebrachten Extrakinderbonus nicht glücklich, konkret mit der Indexierung desselben. „Ich halte es für absurd und ethisch nicht vertretbar, gerade jene Personen finanziell zu beschneiden, die ohnehin schon viel zu geringe Löhne erhalten“, sagte Neßler dem „Standard“.

Ihrer Partei sei es aber wichtig gewesen, dass diese Familien überhaupt einen weiteren Zuschuss erhalten. Sie hoffe aber, so Neßler, dass die Indexierung des Kinderbonus durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aufgehoben wird. Dort läuft im Zusammenhang mit der Indexierung der Familienbeihilfe bereits ein Verfahren gegen Österreich.

Auszahlung Anfang September

Die von ÖVP und Grünen beschlossene Coronavirus-Einmalzahlung von 360 Euro pro Kind wird Anfang September gemeinsam mit der Familienbeihilfe ausbezahlt. Sie ist ebenso wie die Familienbeihilfe indexiert, was auf die ÖVP-FPÖ-Regierung zurückgeht.

Die Vorgängerregierung hatte 2019 die Höhe der Auszahlung der Familienbeihilfe von den Lebenshaltungskosten jenes EU-Landes abhängig macht, in dem das Kind lebt. Die Grünen waren damals dagegen Sturm gelaufen.

Was in Österreich für den Artenschutz und die Biodiversität getan wird, gibt in vielen Bereichen die nationale Biodiversitätsstrategie vor. Auf zehn Jahre angelegt, läuft die aktuelle Strategie heuer aus. Eine neue soll deshalb eigentlich noch dieses Jahr verabschiedet werden.

Bereist 2018 begannen das damalige Nachhaltigkeitsministerium und das Umweltbundesamt mit der Arbeit an der Biodiversitässtrategie 2030. Das Ergebnis des Prozesses, in den auch zahlreiche Expertinnen und Experten eingebunden waren, ist ein 20-seitiges Papier. Über dieses soll laut Klimaschutzministerium nun diskutiert werden.

Teilnahme auch per Fragebogen

Diese Woche startete auf der Website Biodiversitätsdialog2030.at die öffentliche Konsultation. Bis 27. September können nicht nur Interessenverbände und andere Organisationen, sondern auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung einbringen. Sei es per Kommentar zu einem konkreten Punkt, sei es durch die – anonyme – Teilnahme an einer Onlinebefragung.

Und Meinungen zu dem Thema gibt es wohl viele: Die in dem Papier vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen die Land- und Forstwirtschaft ebenso wie die Industrie, den Verkehr und den Tourismus. „Wir freuen uns daher auf vielfältige Kommentare zur Biodiversitätsstrategie 2030 – diese sind ein Meilenstein in diesem Prozess“, so Ressortchefin Leonore Gewessler (Grüne) in einer Aussendung.

EU-Strategie im Mai vorgestellt

Österreich handelt nicht national losgelöst. Seit 1994 ist das Land Vertragspartei des UNO-Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Erst im Mai präsentierte die EU-Kommission die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030. Deren Vorgaben flossen laut Ministerium ebenfalls in das nun zur Diskussion gestellte Papier ein.

Die EU-Strategie rief dabei auch innerhalb der österreichischen Regierung unterschiedliche Reaktion hervor. „Die Reduktion der Betriebsmittel und der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind massive Einschnitte in die europäische Lebensmittelproduktion“, sagte etwa Anfang Juni Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Die EU-Strategien „sind ein wichtiger erster Schritt für mehr Artenvielfalt und auch zur Umsetzung des Green Deal“, hieß es hingegen von Klimaschutzministerin Gewessler.

COV Inland

In Österreich sind bisher 923.902 Coronavirus-Tests durchgeführt worden (Stand: gestern, 23.00 Uhr). Die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus beträgt aktuell 706. Für die Zählung ist die Definition des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) ausschlaggebend.

Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Personen liegt hierzulande derzeit bei 1.383. In Summe wurden bisher 21.624 Fälle gezählt. Im Spital behandelt werden im Moment insgesamt 115 Personen, 25 davon auf der Intensivstation.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Hinweis zur Aktualisierung der Daten

Um die Daten aktuell zu halten, übernimmt ORF.at die Informationen direkt aus dem offiziellen Dashboard des Gesundheitsministeriums. Die aktuellen Fallzahlen im Kopf der Seite werden stündlich aktualisiert, die Verlaufsgrafiken zum Tageswechsel, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Genaue Informationen zu Definitionen, Herkunft der Daten, Aktualisierung und FAQs finden sich im Infopoint Coronavirus von ORF.at.

Mehr dazu in Daten und Karten und Daten-Updates und Quellen

COV Ausland

Italiens Luftfahrtbehörde ENAC hat der Billigfluglinie mit der Aussetzung ihrer Flüge gedroht, sollte sich die Airline künftig nicht streng an die Anti-CoV-Vorsichtsmaßnahmen hatten. ENAC stellte gestern fest, dass sich Ryanair „systematisch nicht an die in Italien geltenden Sicherheitsprotokolle“ an Bord der Flüge halte.

So werde unter anderem die Pflicht auf Distanzierung unter Passagieren nicht berücksichtigt. Sollte Ryanair seinen Pflichten nicht nachkommen, soll ein Flugverbot über die Airline verhängt werden, warnte ENAC.

An Bord der italienischen Maschinen müssen Passagiere Mundschutz tragen und Distanzierung einhalten. Ryanair hatte angekündigt, das Flugangebot im August auf 60 Prozent und im September auf 70 Prozent der normalen Kapazität auszuweiten.

Das Oberhaupt des Yawalapiti-Volks in Brasilien, Aritana Yawalapiti, ist an einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Der etwa 70-Jährige, der auch als Umweltschutzaktivist bekannt war, sei der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 erlegen, sagte sein Neffe Iano Yawalapiti gestern.

Yawalapiti war für seinen Einsatz für die Rechte indigener Völker und für den Schutz des Regenwaldes bekannt. Vor zwei Wochen war er mit Atemproblemen in ein Krankenhaus im brasilianischen Bundesstaat Goias eingeliefert worden.

Wirtschaft

Nachdem die voestalpine in der Obersteiermark bis zu 550 Arbeitsstellen abbauen will, hat ein Betriebsrat des Werks in Kapfenberg das Vorgehen des oberösterreichischen Konzerns kritisiert. „Wenn man das über die Medien erfährt, ist das sehr seltsam“, sagte Betriebsrat Peter Bacun in der ZIB1 gestern.

Voestalpine entlässt Hunderte Arbeiter

Die von der türkis-grünen Bundesregierung und anderen politischen Entscheidungsträgern verhängten Coronavirus-Zwangsmaßnahmen führen nun zur Streichung von bis zu 550 Arbeitsplätzen in Kapfenberg und Kindberg.

Für die Region sei der Jobabbau „ein Wahnsinn. Dementsprechend ist die Mannschaft anzusprechen“, sagte wiederum der Kindberger voest-Betriebsrat Mathias Narnhofer. In Kindberg wackeln per September bzw. Oktober 250 Jobs, in Kapfenberg 300. Der weltweit aktive Technologiekonzern hat zuletzt insgesamt gut sieben Prozent der Belegschaft abgebaut.

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IT

Die USA wollen „nicht vertrauenswürdige“ chinesische Apps aus dem Onlinestore von Apple entfernen. Das sagte US-Außenminister Mike Pompeo gestern in Washington und erklärte, der Videodienst TikTok und der Kurznachrichtendienst WeChat seien „ernsthafte Gefahren“.

Pompeo kündigte weiter an, er werde mit dem Wirtschaftsministerium und anderen Behörden zusammenarbeiten, um die Möglichkeiten chinesischer Cloud-Anbieter zu begrenzen, Daten und sensible Informationen aus den USA zu sammeln, speichern und zu bearbeiten.

Sport

Mit drei Podestplätzen hat sich Max Verstappen heuer als klare Nummer drei hinter dem bisher unantastbaren Mercedes-Duo etabliert. Um Siege zu kämpfen sei schwierig, meinte der Red-Bull-Pilot. „Aber unser Auto wird besser“, sagte der Niederländer vor dem GP zum 70-Jahr-Jubiläum in Silverstone am Sonntag (15.10 Uhr, live in ORF1). „Wenn wir dranbleiben können, gibt es immer eine Chance.“

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Chronik

Auch einen Tag nach dem Tropensturm „Isaias“ sind laut Energieversorger Con Edison in der Region New York weiter fast 180.000 Kunden und Kundinnen ohne Strom gewesen. Laut „Outage Map“, einer Onlinekarte mit gemeldeten Ausfällen, waren gestern vor allem Zehntausende Menschen im Stadtteil Queens und in der Bronx sowie in Vororten New Yorks im Norden betroffen.

Herabhängende Stromleitungen und ein umgestürzter Baum in New York
AP/Kathy Willens

Im zentralen Stadtteil Manhattan waren nur wenige Dutzend Kunden ohne Strom, dort sind die allermeisten Stromleitungen unterirdisch verlegt. Die „New York Times“ berichtete, dass in den Bundesstaaten der Region sogar 2,5 Millionen Menschen von Stromausfällen durch den Sturm betroffen gewesen seien und dass diese zum Teil laut einem Sprecher noch Tage auf Strom warten müssten.

„Isaias“ war besonders am Dienstag über den Nordosten der USA hinweggezogen. US-Medien hatten von mindestens zwei Toten in North Carolina und einem Toten in New York berichtet. Vielerorts war der Sturm der gravierendste seit Hurrikan „Sandy“ 2012, allerdings verlief er glimpflicher als von den Behörden befürchtet.

Zu einer Kollision zwischen einem Zug und einem Pkw ist es gestern auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Klagenfurt im Stadtteil Viktring gekommen. Wie die Polizei berichtete, erfasste die mit zwölf Fahrgästen besetzte Triebwagengarnitur das Auto und schob es zur Seite. Lediglich der 39-jährige Pkw-Lenker erlitt leichte Verletzungen.

Er wurde in das Unfallkrankenhaus Klagenfurt eingeliefert. Die Fahrgäste des Zuges blieben unverletzt. Die Zugstrecke musste rund eindreiviertel Stunden gesperrt werden.

Religion

Gesundheit

Kultur

Science

Belgische Wissenschaftler haben eine neu entdeckte Unterart der Gottesanbeterin nach dem britischen Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough benannt. Das Insekt trage nun den Namen Titanodula attenboroughi, teilte Belgiens königliche Gesellschaft für Insektenkunde gestern mit. Zuvor hatten belgische Forscher und Forscherinnen das Insekt in Zentralvietnam entdeckt.

Der britische Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough
Reuters/Henry Nicholls

Eine belgische Fachzeitschrift für Insektenkunde bezeichnete die neu entdeckte Art als ein „sehr großes und robustes“ Exemplar ihrer Spezies. Den 94 Jahre alten Attenborough, der vor allem für seine Wildtierdokumentationen bekannt ist, beschrieb die Zeitschrift als einen „der weltweit beliebtesten Naturforscher“.

Attenborough hat bereit mehrere öffentliche Ehrungen erhalten, darunter den Ritterschlag des britischen Königshauses.

Panorama

Nach der Absage der Silvesterparty an der Copacabana wegen der Coronavirus-Pandemie soll der Jahreswechsel in Rio de Janeiro über die Stadt verteilt gefeiert werden. Mit Veranstaltungen an mehreren Orten der Stadt wie der Christusstatue solle die Kontrollmöglichkeit erhöht und das Verbreitungsrisiko verringert werden, berichteten brasilianische Medien gestern mit Verweis auf die Stadtverwaltung.

Die Silvesterparty in Rio ist eine der berühmtesten der Welt und zieht jedes Jahr Millionen Touristen und Touristinnen in die Hafenstadt. Das Feuerwerk wird von Flößen in der Atlantikbucht abgefeuert, am Stadtstrand Copacabana treten auf mehreren Bühnen Musiker und Musikerinnen, Bands und DJs auf. Das Feuerwerk und die Konzerte sollen in diesem Jahr im Internet übertragen werden. Auch soll es eine Schweigeminute für Covid-19-Opfer und eine Ehrung für das Gesundheitspersonal geben.

Nach den Vereinigten Staaten ist Brasilien derzeit einer der Brennpunkte der Coronavirus-Pandemie. Bisher haben sich in dem größten Land Lateinamerikas mehr als 2,8 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Über 95.000 Patienten und Patientinnen sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch deutlich höher liegen, da in Brasilien nur wenig getestet wird.

Leute

Die Coronavirus-Pandemie, der andauernde Rassismus und die Amtsführung von US-Präsident Donald Trump schlagen der früheren First Lady Michelle Obama schwer aufs Gemüt. Sie leide unter einer „Form der leichten Depression“, sagte die 56-Jährige in der gestern veröffentlichten neuesten Folge ihres Podcasts.

Ex-First-Lady Michelle Obama
AP/Invision/Brad Barket

„Ich wache manchmal mitten in der Nacht auf, weil ich mir Sorgen über etwas mache oder eine Schwere da ist.“ Sie erlebe wie jeder andere Mensch auch „emotionale Höhen und Tiefen“ und fühle sich manchmal nicht wie sie selbst, sagte die Ehefrau des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama. Die jetzigen Zeiten seien wenig erbaulich. „Nicht nur wegen der Quarantäne, sondern wegen des Rassismus, und einfach nur diese Regierung zu sehen, ihre Scheinheiligkeit, Tag für Tag, das ist deprimierend.“

„Zu einer Schwere geführt“

Es sei zudem „erschöpfend“, immer wieder mitzubekommen, wie ein Schwarzer „entmenschlicht, verletzt, getötet oder fälschlicherweise beschuldigt wird“, sagte Obama weiter. „Das hat zu einer Schwere geführt, die ich in meinem Leben seit Langem nicht mehr gespürt habe.“

Die frühere First Lady, die zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern zwischen 2009 und 2017 im Weißen Haus lebte, erinnerte aber daran, dass die USA schon „schwere Zeiten“ überstanden hätten. „Wir befinden uns in einem beispiellosen Moment in der Geschichte“, sagte Obama. „Wir durchleben eine Phase, wie sie noch niemand zu unseren Lebzeiten durchlebt hat.“

Rassismus und Polizeigewalt

Die USA sind im Wahljahr 2020 angeschlagen und gespalten wie seit Langem nicht. Durch die Coronavirus-Pandemie sind in dem Land bereits mehr als 157.000 Menschen gestorben, die mit Abstand höchste Zahl weltweit. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai hat zudem eine hitzige Debatte über Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst.

Trump wird unterdessen vorgeworfen, im Umgang mit dem Coronavirus zu versagen und die Spannungen im Land bewusst anzuheizen. Er will sich im November für eine zweite Amtszeit wiederwählen lassen.