Letzte Meldung

Seehofer lehnt Entlassung Maaßens ab

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer sträubt sich weiterhin gegen eine Entlassung des umstrittenen obersten Verfassungsschützers Hans-Georg Maaßen. Er habe als Vorgesetzter eine „Fürsorgepflicht“ für Maaßen und werde ihn „nicht entlassen“, sagte Seehofer der „Bild am Sonntag“ laut Vorausmeldung. „Das machte ich nicht aus Trotz, sondern weil die Vorwürfe gegen ihn nicht zutreffen.“

Seehofer machte auch klar, dass es in dem neu aufgeflammten Streit um Maaßen „keine Zusammenkunft ohne vorheriges Lösungsszenario geben (werde), das alle Beteiligten in der Zukunft mittragen“. Die SPD hatte am Freitag eine Einigung der Koalitionsspitzen aufgekündigt, die vorgesehen hatte, dass Maaßen zum Staatssekretär im Innenministerium befördert werden sollte. Dem Chef des deutschen Verfassungsschutzes war vorgeworfen worden, rechtsextreme Ausschreitungen in Chemnitz verharmlost zu haben.

Seehofer stellte sich in der „Bild am Sonntag“ neuerlich hinter Maaßen. Man müsse ihn „anständig behandeln“. Er sei „ein hoch kompetenter und integrer Mitarbeiter. Er hat kein Dienstvergehen begangen.“ Der CSU-Chef verteidigte auch die politischen Einstellungen des Spitzenbeamten, dem auch Kontakte zur rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ vorgeworfen worden waren. „Den Vorwurf, er sei rechtslastig oder vertrete rechtsextremistische Positionen, weise ich mit allem Nachdruck zurück“, sagte Seehofer.

Union und SPD suchen Lösung

Aus Koalitionskreisen war gestern verlautet, dass noch am Wochenende eine neue Lösung im Streit um Maaßen gefunden werden soll. Dem Vernehmen nach sollten die Chefs der drei Koalitionsparteien heute in Berlin zusammentreffen. Indes wurden innerhalb der SPD die Rufe nach einer Entlassung Seehofers lauter. „Da hat man zwei, die vernünftig sind und einen, der immer wieder einen radikalen Kurs fährt. Jetzt ist man soweit zu sagen: Es reicht“, sagte etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs.

Ausland

Schweizer stimmen über gesündere Lebensmittel ab

Die Schweizer entscheiden bei einer Volksabstimmung heute über die Förderung von Fahrradwegen und gesündere Lebensmittel. Ein Gesetzentwurf zu Unterstützung regionaler Fahrradwege ist praktisch unumstritten. Bei den Agrar-Initiativen deuteten Umfragen aber auf ein knappes Ergebnis hin. Im Kanton St. Gallen steht das regionale Burka-Verbot zur Disposition.

Die Fair-Food-Initiative verlangt, dass Lebensmittel fair, nachhaltig und tierfreundlich produziert werden. Die Initiative für Ernährungssouveränität verlangt unter anderem faire Preise und Gehälter im Agrarsektor und ein Verbot von Gentechnik und anderen Technologien wie Genome-Editing. Gegner warnen, die Vorschläge könnten die Einfuhr von Eiern und Fleisch aus Massenhaltung stoppen und Nahrungsmittel dadurch teurer machen. Die anfängliche Zustimmung der Bevölkerung ist in Umfragen zuletzt deutlich geschrumpft.

Im Ostschweizer Kanton St. Gallen wollen linke Gruppen das im Vorjahr beschlossene Verbot jeder Art der Gesichtsverhüllung zu Fall bringen. Das Referendum sorgte in der ganzen Schweiz für hitzige Debatten.

Labour-Parteitag startet in Liverpool

Der „Brexit“ und Antisemitismusvorwürfe stehen ab heute im Mittelpunkt des britischen Labour-Parteitages. Zu dem viertägigen Treffen in Liverpool werden etwa 13.000 Delegierte der Oppositionspartei erwartet. Der europafreundliche Flügel möchte die Forderung nach einem zweiten „Brexit“-Referendum zur Parteilinie machen. Parteichef Jeremy Corbyn setzt lieber auf Neuwahlen.

Corbyn mit Antisemitismusvorwürfen beschäftigt

Der Alt-Linke Corbyn hat noch ganz andere Sorgen: Ihn und seine Partei verfolgen Antisemitismusvorwürfe. Kritiker werfen ihm eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Der Parteivorstand übernahm nach langen Diskussionen im September eine international anerkannte Definition für Antisemitismus – allerdings mit dem Zusatz, weiter Israels Politik kritisieren zu dürfen.

China bestellt US-Botschafter wegen Sanktionen ein

Aus Protest gegen US-Sanktionen hat die chinesische Regierung den US-Botschafter in Peking einbestellt. Vize-Außenminister Zheng Zeguang bestellte Botschafter Terry Branstad gestern ins Außenministerium ein und protestierte offiziell „gegen die Sanktionen gegen das chinesische Militär“, wie die Zeitung „People’s Daily“ auf ihrer Website berichtete.

Washington hatte am Donnerstag Strafmaßnahmen gegen die Abteilung für Ausrüstungsentwicklung des chinesischen Verteidigungsministerium verhängt, weil sie Kampfflugzeuge vom Typ Su-35 und S-400-Raketensystemen aus Russland gekauft hatte. Die chinesische Regierung legte dagegen offiziell Beschwerde ein.

Die Sanktionen wurden zeitgleich mit neuen Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump setzte insgesamt 33 Einzelpersonen und Einrichtungen aus dem Bereich der russischen Streitkräfte und Geheimdienste auf eine schwarze Liste. Begründet wurden die neuen Sanktionen mit „bösartigen Aktivitäten“ Russlands, womit unter anderem die mutmaßlichen Einmischungen in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und Moskaus Rolle im Ukraine-Konflikt gemeint sind.

Polizei auf Malediven stürmt Oppositionshauptquartier

Einen Tag vor der Präsidentenwahl im streng islamisch ausgerichteten Urlaubsparadies Malediven hat die Polizei das Hauptquartier der Opposition gestürmt. Polizisten seien gestern in die Räume der Maledivischen Demokratischen Partei (MDP) in der Hauptstadt Male eingedrungen und hätten alles durchsucht, teilte die MDP mit. Festnahmen habe es keine gegeben.

Polizei vor dem Hauptquartier der Opposition auf dem Malediven
AP/Eranga Jayawardena

Wiederwahl des Amtsinhabers gilt als sicher

Im streng islamisch orientierten Touristenparadies Malediven wird heute ein neuer Präsident gewählt. Die Wiederwahl des autoritär regierenden Amtsinhabers Abdulla Yameen, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt, gilt als sicher. Alle aussichtsreichen Konkurrenten sitzen im Gefängnis oder mussten das Land verlassen. Der ehemalige Staatschef Mohamed Nasheed, der ebenfalls im Exil lebt, durfte wegen einer Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen Terrorvorwürfen nicht kandidieren

Die UNO und zahlreiche westliche Staaten hatten den Prozess gegen Nasheed und seine Verurteilung als politisch motiviert kritisiert. Nasheeds MDP unterstützt bei der Wahl am Sonntag den 54-jährigen Ibrahim Mohamed Solih. Neben der Opposition warnten auch Wahlbeobachter, die Abstimmung in dem von 340.000 überwiegend muslimischen Einwohnern bevölkerten Inselstaat werde nicht fair und frei ablaufen. Beobachtern des Asiatischen Netzwerks für freie Wahlen (Anfrel) und Journalisten wurde die Einreise verweigert.

Ermitttlungen gegen Perus Ex-Präsidenten Kuczynski

Die Staatsanwaltschaft Perus hat Vorermittlungen gegen Ex-Präsident Pedro Pablo Kuczynski wegen des Verdachts auf Stimmenkauf eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, im März Kongressmitglieder beeinflusst zu haben, um seine Absetzung zu verhindern, wie die Staatsanwaltschaft in der Nacht auf gestern mitteilte. Von den Untersuchungen seien noch weitere Parlamentarier des südamerikanischen Landes betroffen, so die Staatsanwaltschaft.

Perus Ex-Präsident Pedro Pablo Kuczynski
AP/Martin Mejia

Der deutschstämmige rechtsliberale Politiker und frühere Investmentbanker war im März letztendlich zurückgetreten, um einem Amtsenthebungsverfahren wegen Korruption zu entgehen. Medien veröffentlichten Audioaufnahmen, auf welchen illegale Absprachen zwischen Richtern, Staatsanwälten und Politikern zu hören waren. In Lima kam es zu Demonstrationen von Tausenden Menschen gegen die Korruption in der Politik.

Das peruanische Parlament hatte am Donnerstag mit einem Vertrauensvotum für die Regierung den Weg zu einer Verfassungsreform freigegeben, die mehr Transparenz in die peruanische Politik bringen soll.

18 Islamisten bei US-Luftangriff in Somalia getötet

Bei einem Luftangriff in Somalia haben die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben mindestens 18 mutmaßliche Kämpfer der islamistischen Al-Shabaab-Terrormiliz getötet. Die Attacke fand am Freitag rund 50 Kilometer nordwestlich der Hafenstadt Kismayo statt und wurde von einheimischen Kräften unterstützt, wie das Afrikakommando des US-Militärs gestern mitteilte.

Nach USA Angaben handelte es sich um „Selbstverteidigung“, um einen Angriff der Extremisten zurückzuschlagen. Es seien keine Zivilisten zu Schaden gekommen, ebenso wenig wie US-Soldaten oder einheimische Sicherheitskräfte.

Al-Shabaab, deren Name auf Arabisch „Die Jugend“ bedeutet, kämpfen um die Vorherrschaft in der Region am Horn von Afrika. Sie wollen einen sogenannten Gottesstaat errichten. Die USA sowie eine rund 20.000 Mann starke Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) unterstützen die somalischen Streitkräfte im Kampf gegen Al-Shabaab.

Tausende Russen demonstrieren gegen Pensionsreform

Rund 3.000 Menschen haben gestern in Moskau gegen die geplante Pensionsreform protestiert. Die Teilnehmer der genehmigten Demonstration in der russischen Hauptstadt waren einem Aufruf der Kommunistischen Partei gefolgt. Mit Slogans wie „Feind des Volkes“ und „Schande“ zogen sie durch das Stadtzentrum.

Demonstration in Moskau
AP/Pavel Golovkin

Bei verbotenen Demonstrationen gegen die Pensionsreform, zu denen der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny aufgerufen hatte, waren Anfang des Monats Hunderte Menschen festgenommen worden.

Erste Altersanhebung seit fast 90 Jahren

Die am ersten Tag der Fußballweltmeisterschaft von Ministerpräsident Dmitri Medwedew verkündeten Pensionspläne sahen ursprünglich vor, das Pensionseintrittsalter bei Frauen schrittweise von 55 auf 63 Jahre und bei Männern von 60 auf 65 Jahre anzuheben. Nach anhaltenden Protesten und einem massiven Umfrageeinbruch für Präsident Wladimir Putin milderte der Staatschef die Pläne leicht ab: Für Frauen soll das Pensionseintrittsalter nun um fünf statt acht Jahre angehoben werden.

Es ist die erste Anhebung des Pensionsalters in Russland seit fast 90 Jahren. Sie dürfte dazu führen, dass viele Männer kaum mehr den Pensionseintritt erleben – sie werden im Durchschnitt nur 65 Jahre alt.

Inland

KV-Verhandlungen: Kritik an „PR-Schmäh“ der Regierung

Mit der Aufforderung der Sozialpartner zu guten Lohnabschlüssen haben Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) Gewerkschaft, SPÖ und auch NEOS verärgert.

Der Appell der Regierungsspitze schlage „dem Fass den Boden aus“, meinte SPÖ-Sozialsprecher Beppo Muchitsch in einer Aussendung. Denn: „Kurz und Strache greifen den Menschen ins Geldbörsel, nehmen ihnen Gesundheit, Geld und Freizeit.“ Dann die Sozialpartner zu höheren Gehaltsabschlüssen aufzufordern sei „ein Hohn“.

Zu richten wäre dieser Appell nur an „die Auftraggeber des neuen Arbeitszeitgesetzes, das den Menschen Gesundheit, Zeit und Geld nimmt“, nämlich Arbeitgeberverbände und Industriellenvereinigung. Denn „an der Gewerkschaft werden höhere Löhne nicht scheitern“.

„Bizarr“

„Bizarr“ und „wohl nur der nächste PR-Schmäh ihrer Berater“ ist der Appell aus der Sicht von FSG-Chef Rainer Wimmer. „Die Regierung legt auf die Sozialpartnerschaft und besonders auf die Gewerkschaft keinen Wert. Das hat sie in den letzten Wochen und Monaten mit einer ausgesprochenen arbeitnehmerfeindlichen Politik deutlich bewiesen. Ihre unehrlichen Empfehlungen sind entbehrlich“, richtete er Kurz und Strache per Aussendung aus.

Letzteres mahnte auch NEOS-Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker ein. Denn sonst würde von guten Gehaltsabschlüssen letztlich „wieder nur der Finanzminister“ profitieren.

Verweis auf „zweiten Schritt“

Wie Kurz und Strache zuvor in einer gemeinsamen Stellungnahme mitteilten, sollen die Sozialpartner bei den angelaufenen Kollektivvertragsverhandlungn „sicherstellen, dass die Arbeitnehmer von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in unserem Land profitieren“. Auch wenn es „gute Tradition in Österreich“ sei, dass die Sozialpartner die Lohnverhandlungen führen, „sieht es die Bundesregierung dennoch in ihrer Verantwortung, den Aufruf an alle Verhandlungspartner zu richten“, wird in der Stellungnahme der ungewohnte Schritt durch die Regierungsspitze gerechtfertigt.

In der Stellungnahme verweist die Regierung einmal mehr auf eigene „erste spürbare Maßnahmen zur Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie der Wirtschaft“. Nun seien „in einem zweiten Schritt die Sozialpartner am Zug“, heißt es.

Die Regierung weist darauf hin, dass die Haushaltseinkommen in der EU seit 2001 jährlich um durchschnittlich 1,077 Prozent gewachsen seien, in Österreich aber mit 0,56 Prozent praktisch nur halb so stark. Zwischen 2010 und 2016 sei in Summe der Reallohn in Österreich zurückgegangen, einzig 2012 und 2016 habe es Zuwächse gegeben.

Sport

Wirtschaft

Streit über Staatsschulden in Italien eskaliert

Der Streit in der italienischen Regierung über den Widerspruch zwischen Wahlversprechen und der Stabilität des Haushalts eskaliert. Gestern gelangten Sätze des Regierungssprechers an die Öffentlichkeit, in der er Mitarbeitern des Finanzressorts die Entlassung androhte, falls sie nicht die nötigen Mittel zur Umsetzung der Versprechen freigäben.

„Wenn sie uns am Ende sagen, wir können das Geld nicht auftreiben, dann werden wir uns 2019 darauf konzentrieren, alle diese Miststücke loszuwerden“, heißt es in einer Tonband-Aufzeichnung von Regierungssprecher Rocco Casalino, der mit einem nicht genannten Journalisten sprach. „Eine Mega-Vendetta wird vorbereitet“, sagte er demnach weiter. Das italienische Wort Vendetta bedeutet im engeren Sinn Blutrache. Die Opposition forderte Ministerpräsident Giuseppe Conte auf, Casalino sofort zu entlassen.

Haushaltsplanung für 2019

Italien bereitet derzeit die Haushaltsplanung für 2019 vor. Die Daten müssen bis Donnerstag an die EU-Kommission gemeldet werden, die das hochverschuldete Italien zur Haushaltsdisziplin mahnt. Allerdings hat die neue Regierung aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtsextremen Lega unter anderem ein Grundeinkommen für ärmere Italiener von bis zu 780 Euro monatlich versprochen.

Italiens Notenbank-Chef Ignazio Visco warnte vor einem wachsenden Haushaltsdefizit im kommenden Jahr. Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung hatte dagegen am Freitag deutlich gemacht, die Regierung sehe kein Problem in einem steigenden Defizit im kommenden Jahr. Dagegen sprach der Führer der Oppositionspartei „Partito Democratico“, Maurizio Martina, von unglaublichen Äußerungen.

Chronik

Acht Kinder in Afghanistan von Mörsergranate getötet

Tragischer Unfall in Afghanistan: Beim Spielen mit einer herumliegenden Mörsergranate sind im Nordwesten des Landes acht Kinder ums Leben gekommen. Sechs weitere Kinder seien durch den Blindgänger verletzt worden, sagten Verwandte der Opfer gestern der Nachrichtenagentur AFP.

Einige der Verletzten hätten Gliedmaßen verloren und befänden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand im Krankenhaus. Die Kinder waren zwischen fünf und zwölf Jahre alt, vier der Todesopfer waren Geschwister.

Das Unglück ereignete sich am Freitag in der Provinz Faryab. „Sie haben eine nicht explodierte Mörsergranate gefunden und sie in die Nähe unseres Hauses getragen“, sagte Shukrullah, ein Onkel von vier der Todesopfer. „Sie wussten nicht, was es war und haben versucht, es zu öffnen, als es plötzlich explodierte.“ Ein Cousin von einigen der Kinder, Mohammed Alam, sagte, er habe eine „heftige Explosion“ gehört. „Ich rannte hin und sah die blutüberströmten Kinder.“

Behörden machen Taliban verantwortlich

Behördenvertreter machten die radikalislamischen Taliban verantwortlich und sprachen im Gegensatz zu den Verwandten von der Explosion einer Mine. Die Taliban hatten vergangene Woche das Dorf Koh-e-Sayed erobert, in dem die Kinder lebten. Laut einem Polizeisprecher platzierten sie eine Mine an einem Kontrollposten. Am Freitagnachmittag seien die Kinder dort vorbeigekommen und von der Mine getroffen worden.

Fährunglück auf Victoriasee: Zahl der Toten steigt

Nach dem Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 218 gestiegen. Taucher und Rettungskräfte setzten auch gestern Abend nahe der Insel Ukara ihre Suche nach Opfern und möglichen Überlebenden des Unglücks vom Donnerstag fort, wie der Gouverneur der Region Mwanza, John Mongella, mitteilte.

Die gekenterte Fähre auf dem Victoriasee in Tansania
APA/AFP

„Wir beklagen momentan 218 Tote und der Einsatz dauert an“, sagte Mongella gestern im Fernsehsender TBC One. Er kündigte an, dass Experten und Geräte auf dem Weg seien, um das kieloben liegende Schiffswrack umzudrehen und dadurch die Suche zu erleichtern. Zuvor war in dem Wrack ein Überlebender gefunden worden, der sich in einen Raum mit ausreichend Luft gerettet und dort zwei Tage ausgeharrt hatte. Damit stieg der Zahl der Überlebenden auf 41.

Opfer werden beigesetzt

Hunderte Bewohner des Unglücksortes beobachteten die Bergungsarbeiten. Dutzende Holzsärge waren am Ufer aufgereiht, damit sie von Angehörigen abgeholt werden konnten. Dem Gouverneur zufolge sollten nicht identifizierte Leichen ab heute an Ort und Stelle beigesetzt werden. Die Zeremonie werde von Ministerpräsident Kassim Majaliwa geleitet. Vertreter der verschiedenen Religionsgruppen würden anwesend sein, sagte Mongella.

Karte von Tansania und dem Victoriasee
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Die Fähre „MV Nyerere“ war am Donnerstag im südlichen Teil des Victoriasees gekentert, nur rund 50 Meter vom Anleger auf der Insel Ukara entfernt. Die Unglücksursache war zunächst unklar – doch die veröffentlichten Zahlen bedeuten, dass die Fähre, ausgelegt für 100 Passagiere, heillos überladen war. Tansanias Präsident John Magufuli sagte am Freitagabend, Ermittlungen hätten ergeben, dass der Kapitän des Schiffes gar nicht an Bord war – er habe seine Aufgaben an einen Untergebenen ohne Erfahrung übertragen.

Piratenüberfall auf Schweizer Frachter vor Nigeria

Vor der Küste Nigerias haben Piraten den unter Schweizer Flagge fahrenden Frachter „Glarus“ überfallen und dabei zwölf der 19 Besatzungsmitglieder gekidnappt. Unter den Entführten sind keine Schweizer Staatsbürger.

Die Reederei Massoel Shipping teilte mit, der Getreide transportierende Frachter sei unterwegs gewesen zwischen der südwestlichen Handelsstadt Lagos und dem Ölhub Port Harcourt im südlichen Niger-Delta. Piraten hätten das Schiff geentert und zwölf der 19 Crew-Mitglieder mit sich genommen.

Ringen um Freilassung der Besatzung

Die Firma arbeite mit Behörden und Spezialisten zusammen, um die schnelle und sichere Freilassung der Festgehaltenen zu ermöglichen, hieß es weiter. Kidnapping zur Lösegeld-Erpressung ist in Teilen Nigerias ein bekanntes Problem.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte gestern Abend auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA mit, es habe Kenntnis von dem Überfall auf den Frachter „Glarus“. Das Seeschifffahrtsamt in Basel stehe in direktem Kontakt mit der verantwortlichen Reederei. Laut der Reederei gehören der Crew keine eidgenössischen Staatsbürger an.

Gesundheit

Zahl der Toten durch West-Nil-Fieber steigt

In Europa sind in diesem Jahr bereits 115 Menschen nachweislich am West-Nil-Fieber gestorben. Das sind nach Angaben des EU-Gesundheitszentrums ECDC von gestern 25 registrierte Fälle mehr als in der Vorwoche. Das Virus wird durch Mücken übertragen und grassiert derzeit innerhalb der EU vor allem in Südeuropa.

Bis Donnerstag hatten die EU-Staaten dem Zentrum 1.134 Fälle von West-Nil-Fieber für dieses Jahr gemeldet, 186 mehr als in der Vorwoche. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, denn die meisten Erkrankten haben keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen. Nur etwa jeder 150. Infizierte erkrankt nach Auskunft des deutschen Robert-Koch-Instituts schwer, etwa mit Hirnhautentzündung. In der Regel seien das ältere Menschen mit Vorerkrankungen.

In seltenen Fällen ist die Krankheit tödlich, dennoch sterben in Südeuropa derzeit zahlreiche Menschen daran. Besonders viele Todesfälle registrierte in diesem Jahr Italien (35), gefolgt von Serbien (29) und Rumänien (25). Für Griechenland wurden 24 Tote genannt, das griechische Gesundheitsministerium sprach dagegen bereits von 28 Toten.

Science

Japanische Roboter auf Asteroiden gelandet

Zwei kleine Roboter der japanischen Raumsonde „Hayabusa2“ sind 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf dem Asteroiden Ryugu gelandet. Das gab die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa gestern bekannt.

Die beiden trommelförmigen Roboter sollen vor dem für Oktober geplanten Aufsetzen der deutsch-französischen Landeeinheit „Mascot“ Aufnahmen von der Oberfläche des Himmelskörpers machen und die Temperatur auf dem Asteroiden messen. Die Forscher wollen mit der Mission den Ursprüngen unseres Sonnensystems auf die Spur kommen.

Seit Ende 2014 im All

Die beiden Kundschafter „Rover-1A“ und „Rover-1B“ mit dem gemeinsamen Namen „Minerva II“ sind mit jeweils vier beziehungsweise drei Kameras ausgerüstet. Sie sollen zusammen Stereoaufnahmen von der Oberfläche des Asteroiden machen, hieß es. Die Roboter kommunizieren mit „Hayabusa2“ über ein OME-E genanntes Gerät an Bord der Raumsonde. Dieses wird später auch zur Kommunikation mit dem deutsch-französischen Lander „Mascot“ genutzt.

„Hayabusa2“ startete im Dezember 2014 in Japan und erreichte nach fast vier Jahren im All Ende Juni ihr Ziel. Die Sonde soll sich dem Asteroiden während der Mission so annähern, dass sie im dichten Überflug Material von seiner Oberfläche einsaugen und im Jahr 2020 zur Erde bringen kann.

Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelte Lander „Mascot“, dessen Landung auf dem Asteroiden Anfang Oktober erfolgen soll, wird auf Ryugu bleiben. Der Name Ryugu steht für den Unterwasserpalast eines Drachenkönigs aus der japanischen Überlieferung.

Kultur

Religion

Papst gedenkt Holocaust-Opfer in Litauen

Papst Franziskus besucht auf seiner Baltikum-Reise heute in Litauen das ehemalige jüdische Ghetto und gedenkt der Opfer des Holocaustes. In der Hauptstadt Vilnius wird der Pontifex zudem das Museum in der ehemaligen Zentrale des sowjetischen Geheimdienstes KGB besichtigen und im stillen Gedenken an die Opfer totalitärer Systeme verharren.

Am zweiten Tag seiner Reise wird der Papst zunächst eine Freiluftmesse im Santakos-Park in der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas halten.

Morgen wird der Pontifex nach Lettland weiterfliegen und zum Abschluss der Reise am Dienstag auch Estland besuchen. Es ist das erste Mal seit 25 Jahren, dass ein Papst wieder in die drei Länder reist. 1993 war der Pole Johannes Paul II. als erster Pontifex überhaupt in Litauen, Lettland und Estland – kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

China und Vatikan schließen vorläufiges Abkommen

Der Vatikan und China haben ein „vorläufiges Abkommen“ über die strittige Frage von Bischofsernennungen getroffen. Das teilte das vatikanische Presseamt gestern mit. Die Vereinbarung solle die „Bedingungen für eine weitere Zusammenarbeit auf bilateraler Ebene“ schaffen. Der Inhalt des Abkommens wurde nicht mitgeteilt. Geschätzt rund 13 Millionen von etwa 1,3 Milliarden Einwohnern der Volksrepublik China sind Katholiken; die Behörden verzeichnen jedoch lediglich sechs Millionen. Als kleine Minderheit haben die Katholiken mit rund 100 Diözesen dennoch landesweit funktionierende Kirchenstrukturen.

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Panorama

Mit Rettung zum Strand: Mann wollte „letztes Mal Meer sehen“

Ein Zwischenstopp eines Rettungswagens vom Roten Kreuz am Strand von Marina di Carrara (Region Toskana) rührt derzeit viele Italiener. Die Einsatzkräfte konnten einem 88-Jährigen nicht den Wunsch abschlagen, ein möglicherweise letztes Mal das Meer zu sehen.

Das vom Roten Kreuz der Stadt Ivrea auf Facebook veröffentlichte Bild wurde zigfach geteilt. „Ich möchte mich bei den vier freiwilligen Engeln vom Roten Kreuz bedanken, die meinen Vater im Rettungswagen von Carrara nach Ivrea brachten und ihm auf diesem Weg ermöglichten, möglicherweise das letzte Mal das Meer zu sehen“, lautete ein Kommentar, den der Sohn des 88-Jährigen dazu veröffentlichte.