Ausland

Bei den Regionalwahlen in Schottland hofft die Pro-Unabhängigkeitspartei SNP von Regierungschefin Nicola Sturgeon weiter auf eine absolute Mehrheit. Experten konnten nach der Auszählung von knapp 50 Wahlbezirken aber auch gestern Abend noch keine klare Prognose für den Ausgang abgeben. Bis dahin konnte die SNP gut zwei Dutzend ihrer bisherigen Sitze verteidigen und den Konservativen des britischen Premierministers Boris Johnson und der Labour-Party je ein Mandat abjagen.

Einige wichtige Sitze bereits verfehlt

Einige Mandate, die für eine absolute Mehrheit nötig wären, verfehlte die SNP jedoch. Sturgeon, die ihr Direktmandat im Süden Glasgows mit einer klaren Mehrheit verteidigte, will ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum ausrufen und Schottland in die Eigenständigkeit führen.

Die Wahl gilt deshalb als richtungsweisend für die Zukunft des gesamten Vereinigten Königreichs. Die Regierungschefin hofft auf einen klaren Wahlsieg, um mehr Druck auf London ausüben zu können. Mit endgültigen Ergebnissen wurde erst am Samstag gerechnet, die Wahlbeteiligung lag der BBC zufolge mit rund 64 Prozent deutlich höher als zuletzt.

Viel Geduld gefragt

Der britische „Super-Wahltag“, bei dem am Donnerstag nicht nur in Schottland und Wales neue Regionalparlamente gewählt wurden, sondern auch zahlreiche Bürgermeister und ein neu zu vergebendes Mandat im Unterhaus, verlangte Beteiligten wie Beobachtern viel Geduld ab: Wegen der Pandemie wurden keine Nachwahlbefragungen durchgeführt und der Auszählungsprozess umstrukturiert, so dass einige Ergebnisse erst mehrere Tage nach der Wahl erwartet wurden.

Labour verliert in England weiter

Bei den Kommunalwahlen in weiten Teilen Englands zeigte sich in Gegenden, die mehrheitlich für den Brexit gestimmt hatten, eine Wählerbewegung zu den Konservativen. Damit wurde ein Trend bestätigt, der bereits bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren eingesetzt hatte und Johnson einen großen Sieg beschert hatte. Der zutiefst enttäuschte Parteichef Keir Starmer übernahm die Verantwortung für die Niederlage und kündigte an, die Partei grundlegend verändern zu wollen.

Starmer hatte versucht, das Thema Brexit zu meiden und so die Partei für die traditionelle Anhängerschaft in Nordengland wieder wählbar zu machen. Doch diese Strategie gilt nun als gescheitert.

Bei schweren Auseinandersetzungen in Jerusalem sind nach Medienberichten Dutzende Menschen verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, kam es gestern in der Altstadt auf dem Tempelberg zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei seien unter anderem Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten geworfen worden. Diese gingen dann gegen Randalierer vor.

Israelische Medien berichteten unter Berufung auf den Palästinensischen Roten Halbmond von 163 verletzten Palästinensern. Die israelische Polizei sprach von bislang sechs verletzten Beamten. Tausende Gläubige hatten sich zuvor auf dem Tempelberg zu Gebeten am letzten Freitag im muslimischen Fastenmonat Ramadan versammelt.

Seit Ramadan-Beginn und der Verschiebung der palästinensischen Parlamentswahl war es wiederholt zu Spannungen und Gewalt im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems gekommen. Als Auslöser für die Unruhen in Jerusalem galt zunächst Zorn der Palästinenser über Sperrmaßnahmen der israelischen Polizei im Bereich der Altstadt während des Ramadan.

Konflikt um Delogierungen

Zuletzt verschärfte ein Konflikt um mögliche Räumungen von palästinensischen Familien im Viertel Scheich Dscharrah die Spannungen. Israelische Sicherheitskräfte hatten am Freitagvormittag einen Anschlag auf einen Stützpunkt im Norden des Westjordanlandes verhindert. Zwei Angreifer wurden getötet.

Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als „ewige und unteilbare Hauptstadt“ für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

Im Zusammenhang mit der Tötung des Afroamerikaners George Floyd in den USA ist gegen die vier an dem Einsatz beteiligten Ex-Polizisten nun auch vor einem Bundesgericht Anklage erhoben worden. Das US-Justizministerium teilte gestern mit, den Beschuldigten werde vorgeworfen, Floyd vorsätzlich seiner verfassungsmäßigen Rechte beraubt zu haben. Die Anklagen seien getrennt von jenen, die der US-Bundesstaat Minnesota im Zusammenhang mit Floyds Tod erhoben habe.

Bei einem ersten Verfahren in Minnesota war der Hauptangeklagte, der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin, vor gut zwei Wochen in allen Punkten schuldig gesprochen worden. Das Justizministerium teilte weiter mit, Chauvin habe der neuen Anklage zufolge Floyds verfassungsmäßiges Recht verletzt, „frei von unangemessener Gewaltanwendung durch einen Polizeibeamten“ zu sein. Seine Handlungen hätten zum Tod Floyds vor knapp einem Jahr geführt.

Zwei der drei Mitangeklagten würden beschuldigt, vorsätzlich nicht eingegriffen zu haben. Sie und der dritte Mitangeklagte müssten sich außerdem wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten. Allen vier Angeklagten werde vorgeworfen, Floyd ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren seiner Freiheit beraubt zu haben.

In Brasiliens Metropole Rio de Janeiro ist einmal mehr ein Polizeieinsatz in einer Favela, der sich vorgeblich gegen Drogenhändler richtete, offenbar völlig ausgeartet. 25 Menschen wurden bei der Schießerei getötet, unter ihnen ein Polizist. Die Bewohnerinnen und Bewohner werfen den Einsatztruppen Misshandlungen und „Exekutionen“ vor. Auch das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte kritisierte den Polizeieinsatz scharf.

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COV Inland

Am 19. Mai beendet auch Wien den Lockdown. Nun sind Details zur Gastroöffnung bekannt. Laut Verordnung dürfen Lokale von 5.00 bis 22.00 Uhr offen halten. Tests sind Pflicht – ebenso wie eine Registrierung, die entgegen ersten Angaben nun doch kommt.

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Nach einem eher holprigen Start der CoV-Impfaktion bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten vor nicht einmal zwei Wochen springen viele schon wieder ab. Der Grund sind Unsicherheiten zum Impfstoff von AstraZeneca – sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten.

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Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den abgelaufenen sieben Tagen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, liegt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei 115,8 (Stand: gestern, 14.00 Uhr).

Am höchsten ist die Zahl weiter in Vorarlberg (189,4) – unter 100 liegt der Wert im Burgenland (65,2) und in Niederösterreich (74,5).

Das Berichtsschema der AGES zeigt die Zahlen vom Vortag – wie die Meldung der Ministerien. Wesentlicher Unterschied zu den Ministeriumsmeldungen: Laborbestätigte Fälle, Tote etc. werden nicht zum Meldezeitpunkt dargestellt, sondern zum Diagnose- bzw. Sterbedatum. In der Darstellung in ORF.at wird auch täglich transparent gemacht, welchen Tagen die neu gemeldeten Fälle zugeordnet werden.

Ministerien melden 1.333 Neuinfektionen

Das Gesundheits- und das Innenministerium meldeten 1.333 neu registrierte Coronavirus-Fälle innerhalb der letzten 24 Stunden (Stand: gestern, 9.30 Uhr). Diese Zahlen nannten die Bundesländer dem nationalen Krisenstab. Landesweit starben laut Ministerien bisher 10.351 Personen an oder mit Covid-19. Derzeit befinden sich 1.394 Personen aufgrund des Coronavirus in Spitalsbehandlung, davon 417 auf Intensivstationen.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Erklärung zur Zählweise und weiteren Fragen in ORF.at/corona

Ein Coronavirus-Infizierter hat in Österreich im Schnitt zuletzt 0,85 weitere Personen mit SARS-CoV-2 angesteckt. Die geschätzte tägliche effektive Reproduktionszahl lag für den 5. Mai bei diesem Wert und damit besser als in der Vorwoche (0,93).

Das geht aus dem jüngsten Update von Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und TU Graz von gestern hervor. Die tägliche Steigerungsrate der Neuinfektionen war mit minus 3,2 Prozent weiterhin rückläufig (Vorwoche: minus 1,0 Prozent).

Nur in Vorarlberg lag die Reproduktionszahl beim kritischen Wert von 1,0. In allen anderen Bundesländern wiesen die Experten Werte unter 1,0 aus. Eine Reproduktionszahl von 1,0 bedeutet, dass pro Fall ein neuer Fall generiert wird.

Somit ergibt sich theoretisch täglich eine gleichbleibende Anzahl der Neuinfektionen (Inzidenz), also eine endemische Verbreitung der Infektion. Die Reproduktionszahl macht jedoch keine Aussage über das Niveau der täglichen Inzidenz.

„Die Anzahl der täglich neu diagnostizierten Fälle ist in allen Bundesländern auf einem erhöhten Niveau“, sagten dazu die Experten von AGES und TU Graz.

COV Ausland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor dem Risiko weiterer verheerender Coronavirus-Ausbrüche nach dem Muster Indiens. In mehreren anderen Ländern fehlten die richtigen Vorkehrungen, sagte WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan gestern in Genf. „Dieses Virus hat eine enorme Bewegungsenergie“, sagte Ryan. „Es hat massive Infektionskraft, und wir müssen die Ausbreitung verlangsamen.“

In manchen Ländern entwickle sich die Lage schon ähnlich wie in Indien, sagte Ryan, ohne Namen zu nennen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nannte später die angespannte Lage in Brasilien und Nepal. Weitere Länder könnten bald in eine ähnliche Notlage kommen. Noch seien die Impfungen allein nicht die ausreichende Antwort, sagte Ryan mit Verweis auf die viel zu kleine Produktion und die ungleiche Verteilung der Impfstoffe in der Welt.

Nur Bruchteil der Dosen in ärmsten Ländern

Nach Angaben der WHO wurden weltweit 1,2 Milliarden Impfdosen verabreicht, aber mehr als 80 Prozent davon in reichen Ländern. Nur ein Bruchteil, fünf Millionen, ging in die ärmsten Länder.

Tedros appellierte an die reichen Länder, mehr Impfdosen zu spenden. Das sei kein Akt der Nächstenliebe, sondern im Interesse der reichen Länder, weil sich sonst anderswo Varianten entwickeln können, die global neue Infektionswellen auslösen können.

Bis es genügend Impfstoff gebe, müssten Länder das tun, was sich bewährt habe, sagte Ryan. Er verwies auf Südafrika, das eine gefährliche Variante des Virus weitgehend unter Kontrolle gebracht habe. Der Kontakt zwischen Menschen auf engem Raum, ohne Handhygiene, ohne Masken und womöglich noch in schlecht gelüfteten Räumen müsse reduziert werden.

Als erste chinesische Firma erhält Sinopharm eine Notfallzulassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ihren Coronavirus-Impfstoff. Die Entscheidung teilte die WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern in Genf mit.

Damit können UNO-Organisationen das Mittel kaufen und verteilen. China hat dem internationalen UNO-Impfprogramm Covax, auf das sich viele ärmere Länder verlassen, im Februar bereits zehn Millionen Dosen versprochen.

Der unabhängige Beraterstab SAGE habe den Impfstoff für Menschen über 18 Jahre freigegeben, sagte Tedros. Es seien zwei Dosen für den vollen Impfschutz nötig. Die Wirksamkeit gibt SAGE mit 79 Prozent an.

Zweiter chinesischer Impfstoff wird geprüft

Eine WHO-Notfallzulassung (EUL – Emergency Use Listing) gibt es bereits für die Coronavirus-Impfstoffe von Biontech und Pfizer, AstraZeneca, Janssen/Johnson & Johnson und Moderna. Ein zweiter chinesischer Impfstoff, von Sinovac, wird von der WHO noch geprüft, ähnlich wie andere Impfstoffe, darunter der russische Stoff „Sputnik 2V“ und das Mittel des US-Konzerns Novavax.

Für die EU, die USA und andere Länder mit Regulierungsbehörden hat die Notfallzulassung der WHO keine Bedeutung. Sie prüfen Wirkstoffe selbst und entscheiden über eine Zulassung. Aber Länder, die keine Kapazitäten für eigene wissenschaftlichen Prüfungen haben, nutzen die WHO-Qualitätsprüfung als Grundlage für ihre eigene Zulassung.

Für die Notfallzulassung prüfen WHO-Experten Sicherheit und Wirksamkeit unter anderem mit Hilfe der eingereichten Phase-II- und Phase-III-Studien. Sie inspizieren auch den Herstellungsprozess und die Risikovorkehrungen. Die Firmen verpflichten sich, weiterhin alle relevanten Daten an die WHO zu liefern. Wie bei den anderen Impfstoffen können auch bei einer Impfung mit dem Mittel von Sinopharm leichte Nebenwirkungen auftreten.

Bereits 200 Mio. Dosen verabreicht

China hat nach offiziellen Angaben bereits mehr als 200 Millionen Dosen Impfstoffe im eigenen Land verabreicht, darunter von Sinopharm, Sinovac und anderen heimischen Herstellern. Mehr als 100 Millionen Dosen seien ins Ausland geliefert worden.

Genannt werden rund 80 Länder und drei internationale Organisationen. Peking machte keine Angaben darüber, ob der Impfstoff gratis oder zu reduzierten Preisen abgegeben wurde.

Die griechische Regierung hat den Coronavirus-Fahrplan für die nächsten Wochen und den Startschuss für den Tourismus am 15. Mai vorgelegt. Bereits ab heute dürfen Strandbars und bewirtschaftete Strände mit ihren Strandliegen öffnen. Ab Montag öffnen alle Schulen. Am 14. Mai sollen dann Museen wieder zugänglich sein, am 21. Mai die Open-Air-Kinos und ab 28. Mai die Amphitheater des Landes.

Am Montag war bereits die Außengastronomie erstmals nach gut sechs Monaten wieder geöffnet worden. Es handle sich um vorsichtige, aber dringend notwendige Öffnungsschritte, sagte der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias.

Er wies darauf hin, dass die Menschen sich gerade angesichts der Öffnung unbedingt an bestehende Regeln halten sollten. Das betonte auch die Medizinerin Vana Papaevangelou vom Coronavirus-Krisenstab: Zwar sei die Zahl der Infizierten rückläufig, es müsse aber angesichts der Öffnungen immer wieder mit einem lokalen Aufflammen gerechnet werden.

Öffnungen mit Auflagen

Alle Öffnungen sind mit Auflagen verbunden. So müssen die Schülerinnen und Schüler immer montags und donnerstags einen negativen Selbsttest vorlegen, den sie gratis erhalten. In Tavernen gilt Abstand zwischen den Tischen und es dürfen maximal sechs Personen an einem Tisch Platz nehmen.

Einrichtungen wie Open-Air-Kinos und Amphitheater dürfen nur die Hälfte ihrer Plätze besetzen. Und weiterhin gilt im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre von 23.00 bis 5.00 Uhr. Die griechische Gesundheitsbehörde hatte am Freitag binnen 24 Stunden 2.691 neue Coronavirus-Fälle registriert.

EU

Wegen neuer Migrationsregeln seit dem Brexit haben die britischen Behörden bereits mehreren EU-Bürgern die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert. Darunter sind auch Deutsche.

Wie es aus dem Auswärtigen Amt hieß, ist der deutschen Botschaft in London „eine niedrige einstellige Zahl von Fällen bekannt, in denen deutsche Staatsangehörige nach Einreise vorübergehend am Flughafen festgehalten wurden“.

Die Betroffenen, die als Einreisegrund jeweils eine Au-Pair-Tätigkeit angegeben hatten, wurden demnach nach mehreren Stunden mit der Auflage entlassen, das Vereinigte Königreich binnen weniger Tage zu verlassen, hieß es weiter. Es seien aber keine Fälle bekannt, in denen Deutsche „über einen längeren Zeitraum festgehalten oder in einer Abschiebehaftanstalt untergebracht worden wären“.

Das Online-Portal „Politico“ berichtete von mindestens 30 Menschen, darunter auch Deutschen. Einige EU-Bürger seien tagelang in Abschiebehaft festgehalten worden. Das britische Innenministerium wollte sich nicht konkret äußern. „EU-Bürger sind unsere Freunde und Nachbarn, und wir möchten, dass sie bleiben“, teilte die Behörde in London auf Anfrage mit.

Das Ministerium verwies auf das sogenannte EU Settlement Scheme, das EU-Bürgern, die bereits vor dem 31. Dezember 2020 in Großbritannien gelebt haben, weitgehend die gleichen Rechte zusichern soll wie vor dem Brexit. Dazu zählen etwa das Recht, im Land zu leben, zu arbeiten und den staatlichen Gesundheitsdienst in Anspruch zu nehmen. Noch bis Ende Juni können Bürger sich darauf bewerben.

„Für diejenigen, die vor diesem Datum nicht hier ansässig waren, benötigen wir – wie es die Öffentlichkeit erwartet – einen Rechtsnachweis, um im Vereinigten Königreich zu leben und zu arbeiten“, betonte das Ministerium. Ein Ziel der britischen Regierung von Premierminister Boris Johnson für den Brexit war, die Freizügigkeit zu stoppen.

Seit Jänner müssen Menschen, die neu ins Land kommen und dort arbeiten wollen, meistens Visa beantragen. Für junge Leute, die etwa Jobs als Praktikanten, Au Pairs oder Referenten übernehmen wollen, sind die Voraussetzungen schwer zu erfüllen.

Wirtschaft ankurbeln, Jobs erhalten, Armut lindern: Beim Sozialgipfel in Portugal haben sich Vertreterinnen und Vertreter der EU-Staaten, von Gewerkschaften und Arbeitgebern gemeinsam zu einem gerechten Aufschwung nach der Coronavirus-Krise und zu einem sozialeren Europa bekannt. In einer Erklärung verpflichteten sie sich gestern Abend zu konkreten Zielen, um die soziale Lage bis 2030 spürbar zu verbessern.

So soll bis zum Ende des Jahrzehnts eine Beschäftigungsquote von mindestens 78 Prozent in der EU erreicht werden. Mindestens 60 Prozent der Erwachsenen sollen jährlich Fortbildungskurse belegen, und die Zahl der Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, soll um mindestens 15 Millionen reduziert werden.

Costa: „Historischer Moment“

Eine so weitreichende Einigung der Staaten und der Sozialpartner sei beispiellos, sagte der portugiesische Ministerpräsident Antonio Costa. Er sprach von einem „historischen Moment“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, bei der Erholung von der Coronavirus-Krise und dem digitalen und grünen Wandel der Wirtschaft gehe es nun um die Schaffung von guten, zukunftsfesten Jobs und um die nötigen Qualifikationen.

Die 750 Milliarden schweren EU-Aufbauhilfen würden das unterstützen, betonte von der Leyen. Das Programm sei „größer als der Marshall-Plan“, doch müsse es nun rasch umgesetzt werden. Von der Leyen appellierte an alle EU-Staaten, den nötigen Haushaltsbeschluss noch im Mai zu ratifizieren. Dann könne die Kommission im Juni beginnen, die nötigen Darlehen auf den Finanzmärkten aufzunehmen.

Soziale Säule seit 2017

Die EU-Staaten hatten sich schon 2017 auf eine „Säule sozialer Rechte“ geeinigt. Das sind 20 Grundsätze unter anderem für Chancengleichheit im Beruf, faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Diese sozialen Rechte müssten Punkt für Punkt umgesetzt werden, sagte der deutsche Sozialminister Hubertus Heil (SPD), der die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zum Auftakt des Treffens in Porto vertrat. „Das soziale Europa ist heute wichtiger denn je.“

Kurz hofft auf Tourismus als Jobmotor

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich „extrem optimistisch“, dass die Pandemie bald besiegt sei. Als Jobmotor sieht er vor allem den Tourismus mit Hilfe eines europäischen Impfzertifikats. Die Wiederherstellung des Binnenmarkts und der Reisefreiheit werde den nötigen Aufwind für die Wirtschaft bringen, sagte er.

Das EU-Treffen wird heute fortgesetzt. Am Rande sollte es in Porto auch um die Pandemie gehen und dabei unter anderem um die Frage, ob Impfstoffpatente freigegeben werden sollten, um die weltweite Versorgung voranzubringen. Die EU-Staaten sind da uneins. Am zweiten Tag ist auch eine Videokonferenz mit dem indischen Premier Narendra Modi vorgesehen.

Inland

Im Linzer Dschihadisten-Prozess, bei dem drei Männer wegen des Verbrechens der staatsfeindlichen Verbindung auf der Anklagebank saßen, hat das Geschwornengericht gestern Abend einen Angeklagten schuldig- und alle anderen freigesprochen.

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Die Regierung ist bei ihrem Anti-Terror-Paket einig. Gegenüber der Begutachtung wurden keine größeren Änderungen mehr vorgenommen. Das heißt etwa, es wird einen eigenen Straftatbestand für religiös motivierten Extremismus geben. Gestern wurde das Paket präsentiert.

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Wirtschaft

Die Ratingagentur Fitch hat die Einstufung der Republik Österreich mit der Note AA+ und einem stabilem Ausblick bestätigt. Das Land profitiere von einer geringen Verschuldung des Privatsektors und soliden Außenfinanzen, begründete Fitch gestern Abend die Rating-Einschätzung. Der stabile Ausblick spiegle die Erwartung wider, dass die Staatsverschuldung nach dem starken Anstieg im Vorjahr wieder sinken wird.

Kurze Laufzeiten

Die Staatsverschuldung Österreichs sei zwar im Vergleich zu anderen Ländern hoch und noch im Steigen begriffen, erklärte die Agentur – erst 2022 werde die Verschuldung ihren Höhepunkt erreichen. Jedoch sei die Schuldenstruktur des Staates mit einer durchschnittlichen Laufzeit von rund elf Jahren sowie niedrigen und sinkenden Kreditkosten günstig. Mit dieser Einschätzung bewerte Fitch die österreichische Schuldenstruktur sehr positiv, betonte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) dazu.

Positive Folge von niedrigerem Eingangssteuersatz

Nach zwei Jahren mit Haushaltsüberschüssen – 2018 und 2019 – habe die österreichische Regierung beträchtliche finanzielle Unterstützung bereitgestellt, um die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Wirtschaft zu mildern, so Fitch. 2020 hätten sich die direkten und vorübergehenden Maßnahmen für die Wirtschaft auf rund 21 Mrd. Euro bzw. 5,5 Prozent des BIP belaufen.

Zudem hätten eingebaute automatische Stabilisatoren und die Senkung der ersten Einkommensteuertarifstufe von 25 auf 20 Prozent dazu beigetragen, die Auswirkungen der Pandemie abzufedern und die Haushaltseinkommen vor allem von Geringverdienern zu stützen, erklärte die Ratingagentur.

Sport

Dominic Thiem steht nach einem Kraftakt im Halbfinale des ATP-1000-Turniers von Madrid. Der als Nummer drei gesetzte Niederösterreicher bezwang gestern im Viertelfinale den US-Amerikaner John Isner nach Satzrückstand mit 3:6 6:3 6:4 und trifft am Samstag (16.00 Uhr MESZ) im Duell um den Finaleinzug auf Alexander Zverev, der Rafael Nadal überraschend glatt in zwei Sätzen schlug.

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Der FC Wacker Innsbruck hat gestern in der 2. Liga den GAK mit 5:1 (2:1) abgefertigt und befindet sich im Rennen um das beste aufstiegsberechtigte Team weiter in der Poleposition. Mann des Spiels war Ronivaldo, der gleich viermal traf. An der Spitze löste unterdessen der FC Liefering (4:1 in Steyr) den FC Blau Weiß Linz (0:0 gegen Lafnitz) ab.

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Die UEFA hat ihre Drohung gegen die verbliebenen drei Gründungsmitglieder der gescheiterten Superliga verschärft. Man habe sich alle Rechte vorbehalten, angemessene Aktionen zu unternehmen, und werde die Angelegenheit an die zuständigen UEFA-Disziplinargremien übergeben, teilte der europäische Verband gestern mit.

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Chronik

Nach dem Abschuss eines Bären in Rumänien hat der Schütze, Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein und Besitzer der steirischen Riegersburg, gestern die Vorwürfe zurückgewiesen: Es habe sich um ein „Problemtier“ gehandelt, das zum Abschuss freigegeben worden sei. Er unterstütze die rumänischen Behörden und bedauere den Abschuss.

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In Wien-Ottakring hat gestern Abend ein Mann aus einem Fenster geschossen. Zeugen alarmierten gegen 18.00 Uhr die Polizei. Spezialabteilungen und ein Hubschrauber wurden eingesetzt. Kurz vor 20.00 Uhr hieß es, der Verdächtige sei gefasst.

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Mehrere Menschen sind gestern bei einem Großbrand in einem Mehrparteienhaus in Wien verletzt worden. Sie wurden von der Berufsrettung Wien versorgt. Die Feuerwehr ist mit 14 Fahrzeugen und 60 Einsatzkräften ausgerückt.

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Nach dem Mord an zwei Frauen in Wals (Salzburg) gibt es nun Erkenntnisse zum Tatablauf. Der mutmaßliche Täter hat in der Nacht auf Donnerstag insgesamt zehn Schüsse auf die beiden Frauen abgegeben. Der Mann hat die Bluttat bei der Polizei gestanden.

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Nach den Berichten von SOS-Kinderdorf Österreich über Gewalt, Misshandlung und sexuellen Missbrauch hat gestern das Management der SOS-Kinderdörfer weltweit auf Handlungsbedarf in 50 der insgesamt 3.000 Einrichtungen verwiesen.

Zuvor war es den Angaben zufolge bereits in 22 Fällen zu Untersuchungen in den Bereichen sexueller Missbrauch, Vorteilnahme und Korruption gekommen. Der Dachverband der SOS-Kinderdörfer weiß laut eigenen Angaben seit 2020, dass bekannte Vorfälle nicht konsequent untersucht wurden. Im November habe man daraufhin eine Untersuchung in Auftrag gegeben.

Wie SOS-Kinderdorf Österreich nannte auch die internationale Dachorganisation keine Details zur Zahl der Opfer, den betroffenen Ländern und den Übergriffen. Gestern hatte die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf in Österreich, Elisabeth Hauser, von „schwerem Fehlverhalten von Mitarbeitern und schwerwiegenden Vorwürfen“ gesprochen und die Vorfälle erstmals öffentlich gemacht.

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Medien

„Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner gibt die Moderation der auf oe24.TV ausgestrahlten Talksendung „Fellner live“ nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung vorübergehend ab. „Auf eigenen Wunsch“, wie der Medienmanager gestern in einer Aussendung mitteilte. Damit kam er laut APA wohl einer geplanten gemeinsamen Erklärung hochrangiger Politikerinnen zuvor, die ihm bis zur Ausräumung der Vorwürfe nicht länger für Interviews zur Verfügung stehen wollen.

Die Berichte zweier Moderatorinnen über ihre Erfahrungen mit Fellner seien „schockierend“, heißt es in einer Erklärung, die unter anderem von SPÖ-Frauenchefin und Vizeklubchefin Gabriele Heinisch-Hosek, Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer und NEOS-Vorsitzender Beate Meinl-Reisinger unterstützt wird. Die Politikerinnen bekundeten den beiden Journalistinnen, die eine öffentliche Debatte über Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in der Medienbranche gestartet hätten, ihren Respekt.

Raab zollt Frauen, die sich zur Wehr setzen, Respekt

Bis die von Fellner vehement bestrittenen Vorwürfe ausgeräumt sind, werden sie ihm nicht mehr für Interviews in seiner Sendung zur Verfügung stehen. Wie weit der Boykott innerhalb der Parteien reicht, ist vorerst unklar. Grüne und NEOS würden sich APA-Angaben zufolge generell daran halten.

Der Boykott betreffe jedoch ausschließlich Fellner und nicht andere Journalisten des Mediums, da „wir als Politikerinnen und Politiker die Kontrollfunktion von Medien in einer Demokratie nicht beeinträchtigen wollen“, so die Erklärung.

Auch die ÖVP bestätigte der APA entsprechende Gespräche, Fellner war einer finalen Entscheidung jedoch zuvorgekommen. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte am Rande einer Pressekonferenz, sie habe mit den beiden Journalistinnen bereits am Vortag telefoniert. Sie wolle jeder Frau, die sich gegen Übergriffe zur Wehr setze, Respekt aussprechen und auch weiter Initiativen setzen, um Frauen dabei den Rücken zu stärken.

Gesundheit

Wenn Schwangere Alkohol trinken, kann das schwere Folgen für das ungeborene Kind haben: lebenslange, teils schwere Behinderungen. Jedes Glas ist eines zu viel, warnen Expertinnen und Experten. Sie fordern mehr Aufklärungsarbeit.

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Science

Am 9. Mai jährt sich der Geburtstag der deutschen Studentin und Widerstandskämpferin Sophie Scholl zum 100. Mal. Ihr Kampf gegen das Hitler-Regime hat sie zur Ikone gemacht. Doch sie hatte viele „Schwestern im Geiste“ – mehrere tausend unbekannte Frauen riskierten ihr Leben im Widerstand.

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Umwelt & Klima

In der Grazer Herrengasse ist der erste österreichische „BeePoint“ eröffnet worden. Er dient als Anlaufstelle für alle, die sich zum Thema „Bienen in der Stadt“ informieren wollen. Dort und im Internet gibt es kostenlose Samen für die Bienenwiese.

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Kultur

Fünf Monate nach dem Neujahrskonzert im Wiener Musikverein treten Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker wieder zusammen auf. Drei Konzerte sind nächste Woche in Ravenna, dem Wohnort Mutis, sowie in Florenz und an der Mailänder Scala geplant. Gestern wurden sie im Rahmen der Proben in Wien mit dem „Romy“-Publikumspreis „für den TV-Moment des Jahres“ beim Neujahrskonzert ausgezeichnet.

„Der Romy Award ist ein Zeichen dafür, dass es gelungen ist, trotz Pandemie, mit den Klängen des Neujahrskonzertes Hoffnung in die Welt zu schicken und Zuseher begeistern zu können. Diese Dankbarkeit der ZuseherInnen und HörerInnen aus aller Welt ist unser größter Lohn, insbesondere nach einer wirklich herausfordernden Zeit. Wir danken allen Beteiligten, die die Konzertübertragung möglich gemacht haben“, so Daniel Froschauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker.

Die TV-Übertragung der gesamten „Romy“-Verleihung findet am 15. Mai um 20.15 Uhr auf ORF2 statt.