COV Ausland

Die Coronavirus-Krise ist für UNO-Generalsekretär Antonio Guterres die größte Herausforderung an die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Herausforderung brauche daher eine „stärkere und effektivere Antwort“, die nur in der Solidarität aller Beteiligten bewältigt werden könne, sagte Guterres zum Ende einer Videokonferenz gestern Abend in New York. „Die Welt steht vor einer noch nie dagewesenen Prüfung“, sagte der UNO-Chef. „Und jetzt ist der Moment der Wahrheit.“

Der UNO-Generalsekretär zeigte sich unzufrieden mit der seiner Ansicht nach schleppenden globalen Antwort im Kampf gegen das Coronavirus. „Wir bewegen uns langsam in die richtige Richtung, aber wir müssen schneller sein und viel mehr tun, wenn wir das Virus besiegen wollen.“ Unter anderem gebe es noch immer keine koordinierten Handlungen aller Länder unter Führung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Deren Richtlinien würden in vielen Teilen der Welt noch immer nicht beachtet.

„Ausmaß der Antwort so groß wie das der Krise“

Guterres stellte einen UNO-Plan vor, um der Krise und ihren sozialen sowie wirtschaftlichen Folgen zu begegnen: „Das Ausmaß der Antwort muss so groß sein wie das der Krise“, sagte er. Im Zentrum stehe dabei die Zusammenarbeit und geteilte Verantwortung der Länder der Welt. Nach UNO-Angaben brauche es gerade für die Unterstützung der ärmeren Staaten bei der Bekämpfung der Pandemie ein Hilfspaket im Bereich von mehreren Billionen Dollar.

Im Fokus stehe die Zusammenarbeit auch im wissenschaftlichen Bereich – entwickelte Impfungen und Behandlungsmethoden müssen allen Menschen in gleicher Weise zur Verfügung gestellt werden.

Staatsoberhäupter rufen zu „globaler Allianz“ auf

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief indes zusammen mit vier weiteren Staatsoberhäuptern zur Bildung einer „globalen Allianz“ gegen die Coronavirus-Pandemie auf. „Diese Pandemie wird kein Land verschonen, egal wie fortschrittlich seine Wirtschaft, seine Fähigkeiten oder seine Technologie sind“, heißt es in einem gemeinsamen Namensartikel in der „Financial Times“ (Mittwoch-Ausgabe). „Vor diesem Virus sind wir alle gleich, und wir müssen alle zusammenarbeiten, um es zu bekämpfen.“

Der Namensbeitrag unter der Überschrift „Für eine globale Allianz gegen die Pandemie“ wurde von Bundespräsident Steinmeier, Jordaniens König Abdullah II., der Präsidentin Singapurs, Halimah Yacob, der Präsidentin Äthiopiens, Sahle-Work Zewde, sowie dem Präsidenten Ecuadors, Lenin Moreno Garces, verfasst. „Wir alle stehen vor demselben Gegner, und es bringt uns nur Vorteile, wenn ihm die gesamte Menschheit vereint und entschlossen entgegentritt“, schreiben sie darin weiter.

„Es wird keinen Sieg über das Virus in nur einem Land oder nur wenigen Ländern geben“, betonen die fünf Staatsoberhäupter. „Zugleich können wir alle einen Beitrag leisten, unabhängig von der Größe unserer Wirtschaft oder unseres Volkes. Eine globale Lösung liegt im ureigenen Interesse eines jeden von uns.“ Die überzeugendste Art, mit der globalen Dimension dieser Krise umzugehen, bestehe darin, Zusammenarbeit und Solidarität zu stärken.

Trotz Alarms durch den Kapitän eines US-Flugzeugträgers, auf dem sich das Coronavirus ausgebreitet hat, hat Pentagonchef Mark Esper die Evakuierung des Schiffs verweigert. Der Punkt, an dem die „USS Theodore Roosevelt“ evakuiert werden müsse, sei nicht erreicht, sagte der Verteidigungsminister gestern Abend (Ortszeit) im US-Sender CBS. Stattdessen würden zusätzliches medizinisches Personal und weitere Testsets auf das Schiff geschickt.

Der Fluszeugträger „USS Theodore Roosevelt“
APA/AFP/US-Navy/Paul L. Archer

Niemand auf dem Flugzeugträger sei „ernsthaft krank“, sagte Esper auch. Kapitän Brett Crozier hatte hingegen zuvor laut US-Medienberichten in einem Brief Alarm geschlagen und um die Evakuierung des Schiffs mit mehr als 4.000 Besatzungsmitgliedern gebeten. Die Ausbreitung des Virus an Bord beschleunige sich, wurde er zitiert.

Bisher über 100 Infektionen bestätigt

Laut den Zeitungen „San Francisco Chronicle“ und „New York Times“ bat Crozier darum, fast die gesamte Besatzung auf der Pazifikinsel Guam, wo sich die „USS Theodore Roosevelt“ derzeit befindet, von Bord zu holen und unter Quarantäne zu stellen. „Wir befinden uns nicht im Krieg. Es müssen keine Seeleute sterben“, schrieb er diesen Berichten zufolge.

Auf Guam befindet sich ein Stützpunkt der US-Marine. Es gibt dort aber nicht ausreichend Betten für alle Besatzungsmitglieder des Flugzeugträgers. Auf der „USS Theodore Roosevelt“ waren Anfang vergangener Woche zunächst drei Seeleute positiv auf das neuartige Virus getestet worden. Laut „San Francisco Chronicle“ wurden inzwischen mehr als hundert Coronavirus-Infektionen an Bord bestätigt.

Der Flugzeugträger hatte vor Guam in Vietnam angelegt. Ob sich die ersten Marinesoldaten dort ansteckten, war aber unklar.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat seinen Ton im Hinblick auf das Coronavirus geändert, nachdem er es wochenlang
heruntergespielt und Einschränkungen des öffentlichen Lebens kritisiert hatte. „Das Virus ist eine Realität. Wir stehen vor einer
der größten Herausforderungen unserer Generation“, sagte Bolsonaro
in einer Fernsehansprache gestern Abend (Ortszeit), der vierten zur Coronavirus-Krise, in der er sich ungewohnt empathisch gab.

Den Inhalt behielt er weitgehend bei und sagte, dass er sich Sorgen um das Leben und auch um den Erhalt der Arbeitsplätze mache. Das Mittel gegen die Pandemie könne jedoch nicht schlimmer sein als deren Auswirkungen. „Was wird mit dem Straßenverkäufer, der Haushaltshilfe und anderen Selbstständigen, mit denen ich während
meines ganzen öffentlichen Lebens Kontakt halte?“, fragte Bolsonaro.

Mehr als 40 Prozent der Brasilianer gehen einer informellen Arbeit nach und haben kaum Rücklagen. Bolsonaro führte die Maßnahmen an,
die die Regierung schon ergriffen habe und hob das Einfrieren der Preise für Medikamente für 60 Tage hervor.

In Frankreich sind binnen 24 Stunden 499 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Mit diesem neuen Höchstwert stieg die Zahl der Todesopfer auf insgesamt 3.523, wie der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Jerome Salomon, gestern mitteilte. Fast 22.800 Covid-19-Kranke werden derzeit in den Krankenhäusern des Landes behandelt, mehr als 5.560 von ihnen auf der Intensivstation.

Frankreich ist in der EU eines der Länder, das am stärksten vom Coronavirus betroffen ist. Seit dem 17. März gilt eine strenge Ausgangssperre, die mittlerweile bis zum 15. April verlängert wurde.

Präsident Emmanuel Macron erklärte, die Produktion von Schutzmasken werde in Frankreich nun hochgefahren. Bis Ende April sollen nach seinen Worten „mehr als zehn Millionen“ Stück pro Woche produziert werden, dreimal so viele wie vor der Coronavirus-Krise.

Das Weiße Haus befürchtet laut einer Prognose trotz Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zwischen 100.000 und 240.000 Tote in den USA. Die Koordinatorin der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses, die Ärztin Deborah Birx, stellte die Prognose am Abend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Washington vor.

Man arbeite daran, die Zahl niedriger halten zu können, die Bandbreite sei aber möglich. US-Präsident Donald Trump bereitete die amerikanische Bevölkerung auf „sehr harte zwei Wochen“ mit steigenden Todeszahlen vor. „Ich möchte, dass jeder Amerikaner auf die harten Tage vorbereitet ist, die vor uns liegen“, erklärte er. „Wir werden zwei sehr harte Wochen durchmachen.“ Er hoffe darauf, dass danach Licht am Ende des Tunnels erkennbar sein werde. „Aber dies werden sehr schmerzhafte, sehr, sehr schmerzhafte zwei Wochen.“ Die Ausdauer der Amerikaner werde herausgefordert sein.

Streit im US-Kongress über neue Hilfe

In den USA streiten Demokraten und Republikaner über weitere milliardenschwere Staatshilfen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. Während die Demokraten gestern ein viertes Gesetzespaket – als „Phase 4“ bezeichnet – forderten, erklärten die Republikaner, es müsse zunächst die Wirkung der jüngsten Maßnahmen abgewartet werden.

Dagegen forderte US-Präsident Donald Trump, selbst Republikaner, als Teil eines weiteren Pakets ein lange diskutiertes Infrastrukturprogramm mit einem Volumen von zwei Billionen Dollar. „Da die Zinsen für die USA bei null (Prozent) liegen, ist jetzt die Zeit gekommen, das seit Jahrzehnten lang erwartete Infrastruktur-Gesetz zu erlassen“, schrieb Trump auf Twitter, gefolgt von dem Schlagwort „Phase 4“. Daten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge übersteigt die Zahl der Toten durch das Virus in den USA mit 3.393 inzwischen die in China.

Kongress tritt am 20. April zusammen

Zuvor hatte die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, von ihren Kollegen und Kolleginnen im Kongress ein viertes Hilfsprogramm gefordert, um eine Erholung nach der Pandemie zu unterstützen. Dagegen sagte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, das Finanzministerium kämpfe bereits damit, die Maßnahmen der dritten Phase umzusetzen. Jedes neue Paket müsste von beiden Kammern verabschiedet und von Trump unterzeichnet werden. Der Kongress tritt am 20. April wieder zusammen.

Die USA hatten am Freitag ein drittes Maßnahmenpaket in Höhe von 2,2 Billionen Dollar verabschiedet, das insbesondere die Wirtschaft stützen soll. Zuvor hatte der Kongress in zwei Paketen 8,3 Milliarden Dollar für Forschung und Tests bewilligt sowie 100 Milliarden Dollar für Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen. Pläne für ein großes Programm zur Instandsetzung der maroden US-Infrastruktur werden seit Längerem diskutiert. Im Mai hatte Trump Gespräche mit den Demokraten dazu nach weniger als fünf Minuten abgebrochen. Im November finden in den USA Präsidentschafts- und Kongresswahlen statt.

In Großbritannien ist ein 13-jähriger Bub nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das Krankenhaus und die Familie teilten gestern Abend mit, dass über eine Vorerkrankung des Buben nichts bekannt gewesen sei.

Nach Angaben seiner Familie wurde der 13-jährige Ismail vergangenen Donnerstag mit den für eine Infektion mit dem Erreger typischen Symptomen und Atemnot in das Londoner King’s College-Krankenhaus eingeliefert und einen Tag später positiv auf das Coronavirus getestet. Er wurde künstlich beatmet und in ein künstliches Koma versetzt. Der Bub verstarb am Montag. Er ist das mutmaßlich bisher jüngste Covid-19-Todesopfer in Großbritannien.

Ebenfalls gestern meldeten die belgischen Behörden den Tod eines zwölfjährigen Mädchens nach einer Ansteckung mit dem Virus. Vergangene Woche starb eine 16-Jährige in der Nähe von Paris.

(Schluss) beg

COV Inland

Die Zahl der Personen, die sich in Österreich nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, ist gestern (Stand 16.15 Uhr) erstmals auf über 10.000 gestiegen. Laut Gesundheitsministerium sind bisher insgesamt 10.019 Menschen positiv auf das Virus getestet worden.

Die meisten Infektionen wurden mit 2.333 bisher in Tirol verzeichnet. Ebenfalls stark betroffen waren Niederösterreich mit 1.629 und Oberösterreich mit 1.599 Fällen. In Wien wurden bisher 1.390 Personen positiv auf das Virus getestet.

128 Menschen mit Infektion sind bisher verstorben, wie das Gesundheitsministerium gestern Früh mitteilte.

Ausland

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat seinen Vorsprung gegenüber US-Präsident Donald Trump bei den registrierten Wählern ausgebaut. Obwohl die Coronavirus-Pandemie die Kampagne des ehemaligen Vizepräsidenten so gut wie aus dem Blickfeld der Wähler gedrängt hat, liegt er in einer gestern veröffentlichen Reuters/Ipsos-Meinungsumfrage vor Trump.

Die Umfrage unter mehr als 1.100 amerikanischen Erwachsenen ergab, dass 46 Prozent der registrierten Wähler und Wählerinnen sagten, sie würden Biden unterstützen, wenn er bei der Wahl am 3. November gegen Trump antreten würde, während 40 Prozent angaben, sie würden für Trump stimmen.

In einer ähnlichen Umfrage Anfang März lag Biden statt jetzt sechs nur ein Prozent vor dem Amtsinhaber. Während Trump täglich im Fernsehen über das Virus berichtet, musste Biden Spendenaktionen und andere Wahlkampfveranstaltungen einstellen. Viele Bundesstaaten haben ihre Nominierungswettbewerbe verschoben.

Die ungarische Justizministerin Judit Varga hat gestern in der ZIB2 das Notstandsgesetz und die De-Facto-Ausschaltung des Parlaments in Budapest verteidigt. Das ungarische Parlament habe mehr Kompetenzen als normalerweise in solchen Situationen und könne die Maßnahmen beenden, so Varga. Es sei „Mode in Europa, Ungarn zu kritisieren“, sagte die ungarische Ministerin.

Das sei der „liberale Mainstream, der die Medien beherrscht“, betonte sie. Alle sollten das zweiseitige Gesetz lesen und nicht den Irreführungen der Medien glauben. Ungarn habe in wichtigen Fragen konservative Ansichten, „wir sind europäisch, aber kritisch“. Eine Unterdrückung der Pressefreiheit in Ungarn stellte Varga in Abrede.

Ungarns Justizministerin zu Notstandsgesetz

Ungarns Justizministerin Judit Varga erörtert, warum Ungarn das einzige Land mit einem Notstandsgesetz ohne zeitliche Beschränkung ist. Die UNO, der Europarat und die OSZE verurteilen diese Vorgehensweise. Im Interview spricht die Ministerin von „unbegründeten Vorwürfen“ und geht auch auf die Pressefreiheit im Land ein.

Online würden regierungskritische Stimmen fast 80 Prozent der Meldungen ausmachen, außerdem falle jede Form von Meinung, auch Kritik an der Regierung, nicht in die Zuständigkeit des Notstandsgesetzes.

Kritik von EU-Parlamentspräsidenten

EU-Parlamentspräsident David Sassoli kritisierte das Pandemie-Notstandsgesetz in Ungarn dagegen scharf. „Niemand darf diese Pandemie dazu benutzen, unsere Freiheiten zu untergraben“, erklärte Sassoli. „Wir wollen mit unseren Demokratien intakt aus dieser Krise hervorgehen“, fügte der Italiener hinzu.

Alle EU-Staaten hätten die Pflicht, die Grundwerte der EU zu wahren und zu schützen. „Für uns müssen die Parlamente offen bleiben und die Presse muss frei bleiben“, erklärte Sassoli.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte eine direkte Konfrontation mit Budapest vermieden. Ohne explizit Bezug auf Ungarn zu nehmen, mahnte sie Verhältnismäßigkeit bei Notfallmaßnahmen aller EU-Staaten an.

Vier UNO-Organisationen haben angesichts der Coronavirus-Pandemie gemeinsam die Freilassung aller Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten gefordert, die in geschlossenen Einrichtungen oder bewachten Lagern festgehalten würden. Die Situation für diese Menschen, die oft unter beengten und unhygienischen Zuständen festgehalten würden, sei besonders beunruhigend, hieß es gestern Abend in einer Mitteilung.

„Hinsichtlich der tödlichen Konsequenzen, die ein Covid-19-Ausbruch haben könnte, sollten sie ohne Verzögerung entlassen werden“, forderten das UNO-Flüchtlingshilfswerk, die Internationale Organisation für Migration, das UNO-Büro für Menschenrechte sowie die Weltgesundheitsorganisation. Vor allem Kinder, deren Familien und jene, die ohne ausreichende gesetzliche Grundlage festgehalten werden, sollten sofort freigelassen werden.

Es sei lebenswichtig, dass jeder, auch alle Flüchtlinge und Migranten, einen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben und auch in die nationalen Antworten auf das Coronavirus eingeschlossen werden, „inklusive Prävention, Tests und Behandlung“.

Erster CoV-Fall in griechischem Flüchtlingslager

Erstmals ist in Griechenland in einem Flüchtlingslager eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Betroffen ist eine Frau, bei der das Virus nach der Geburt ihres Kindes in einem Krankenhaus in Athen festgestellt wurde, wie das griechische Migrationsministerium mitteilte.

Das Flüchtingscamp Ritsona in der Nähe der griechischen Hauptstadt Athen
APA/AFP/Louisa Gouliamaki

Die Menschen, die mit der aus Afrika stammenden Frau in Kontakt gekommen sind, seien isoliert worden. Ähnliche Maßnahmen seien im Camp von Ritsona im Norden Athens getroffen worden. Es werde nun nachgeforscht, wo genau die Frau infiziert wurde.

Heute startet offiziell die EU-Militäroperation „Irini“ zur Überwachung des UNO-Waffenembargos gegen Libyen. Die Mittelmeer-Mission mit Hauptquartier in Rom ersetzt die bisherige EU-Marineoperation „Sophia“, mit der gegen den Menschenschmuggel vorgegangen wurde, und soll zum Friedensprozess in dem Bürgerkriegsland beitragen. „Irini“ bedeutet auf Griechisch Frieden.

Die Einhaltung des UNO-Waffenembargos soll nun im Luftraum, auf dem Seeweg und per Satellit kontrolliert werden. Wie sich einzelne EU-Länder mit Ressourcen und Personal beteiligen, ist noch Gegenstand von Diskussionen. Der Regierungsbeschluss über die österreichische Beteiligung sei derzeit in Vorbereitung, teilte das Außenministerium mit.

Wann die ersten „Irini“-Flugzeuge starten und -Schiffe im Mittelmeer auslaufen, soll laut dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell aber nur eine Frage von wenigen Tagen sein.

Inland

Die SPÖ sieht ein „Zahlenchaos“ bei den in Österreich verfügbaren Beatmungsgeräten, nachdem die Bundesländer gestern um gut 900 Geräte mehr gemeldet hatten als das Sozialministerium am Vortag.

Das Sozial- und Gesundheitsministerium hatte eine Gesamtkapazität von 2.584 Beatmungsgeräten gemeldet, die zur Behandlung schwerer Fälle einer Covid-19-Erkrankung benötigt werden. Tags darauf rückten aber fast alle Bundesländer aus, um die Angaben des Ministeriums zu korrigieren. In Summe meldeten die Länder um gut 900 Beatmungsgeräte mehr (3.478).

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Die SPÖ forderte erneut eine zentrale Koordination aller gesundheitspolitischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. „Jeden Tag zeigen sich nun die Folgen dieser fehlenden zentralen Steuerung“, kritisierte SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher.

Die Arbeitslosenzahlen explodieren, Zehntausende Anträge auf Kurzarbeit sind gestellt worden. Das hat Auswirkungen auf die Finanzen der Gemeinden, weil die Kommunalabgaben drastisch sinken. Städten und Gemeinden stehen große finanzielle Probleme bevor.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Auch der burgenländische Gemeindebund und der Gemeindevertreterverband warnen vor den finanziellen Folgen der Coronavirus-Krise für die Gemeinden. Den Kommunen würden massive Einnahmeausfälle und damit ein „Finanzloch“ drohen.

Mehr dazu in burgenland.ORF.at

Wirtschaft

In den USA haben Angestellte des Onlinehandelsriesen Amazon gegen mangelhaften Schutz vor Coronavirus-Infektionen während der Arbeit demonstriert. Zwischen 50 und 60 Arbeiterinnen und Arbeiter schlossen sich in New York einer Kundgebung vor einem Amazon-Lager an. Das Unternehmen selbst erklärte, lediglich 15 Menschen hätten teilgenommen.

Die Demonstrierenden forderten die Schließung und Desinfizierung des Gebäudes, nachdem ein Angestellter dort positiv auf CoV getestet worden war.

Demonstration von Amazon-Mitarbeitern in New York
APA/AFP/Getty Images/Spencer Platt

Organisator entlassen

Nach den Protesten wurde deren Organisator, Christian Smalls, von Amazon entlassen. Smalls hatte im Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben, dass sich Tausende Amazon-Angestellte in den Gebäuden des Onlineriesen mit dem Coronavirus ansteckten.

Amazon bezeichnete die Anschuldigungen als „irreführend“ und beteuerte, die Unternehmensführung habe „extreme“ Maßnahmen zum Schutz seiner Mitarbeiter vor der Pandemie getroffen. Die Entlassung von Smalls begründete Amazon mit dessen Teilnahme an dem Protest in New York, obwohl sein Arbeitgeber ihn zu häuslicher Quarantäne aufgefordert hatte. Smalls habe zuvor Kontakt mit einem Infizierten gehabt und mit seiner Teilnahme die anderen Demonstranten gefährdet.

Nachspiel für Amazon

New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James nannte das Vorgehen Amazons „schändlich“. Sie kündigte die Prüfung rechtlicher Schritte an. James rief zudem die Arbeitsschutzbehörde National Labor Relations Board zu Ermittlungen auf. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio gab bekannt, dass er eine Untersuchung des Vorfalls durch den Menschenrechtsbeauftragten der Stadt angeordnet habe.

Der Drucker- und Kopiererhersteller Xerox stellt angesichts der Coronavirus-Krise die Bemühungen ein, den größeren Rivalen HP zu übernehmen. Aufgrund der schwierigen Markt- und Wirtschaftslage wegen der Pandemie werde die Kaufofferte zurückgezogen, teilte Xerox gestern nach US-Börsenschluss mit.

Der Konzern hatte sich seit dem Herbst um HP bemüht und zuletzt fast 35 Milliarden Dollar (32 Mrd. Euro) für den Konkurrenten geboten, war dort aber ohnehin stets abgeblitzt. Als treibende Kraft hinter dem versuchten Deal galt der US-Investor Carl Icahn, der an beiden Konzernen große Anteile hält.

Das Topmanagement der Bank-Austria-Mutter UniCredit hat infolge der Coronavirus-Epidemie beschlossen, auf die gesamten Bonuszahlungen für das Jahr 2020 zu verzichten. Der somit gesparte Betrag soll der „UniCredit Foundation“ zufließen, die Wohltätigkeitsprojekte finanziert, hieß es gestern in einer Presseaussendung der Mailänder Bank.

„Dieser Beschluss ist ein Zeichen der Verantwortung aufgrund der starken Auswirkung der Coronavirus-Epidemie auf die Wirtschaft und die unsichere Entwicklung in den kommenden Monaten“, hieß es.

UniCredit folgt damit dem Beispiel des Autobauers Fiat Chrysler FCA. Um eine Kürzung des Personals im zweiten Quartal zu vermeiden, hat der Chef des italo-amerikanischen Konzerns, Mike Manley, die Reduzierung seines Gehalts in den nächsten drei Monaten angekündigt. Verwaltungsratschef John Elkann und die übrigen Mitglieder des Gremiums würden bis Jahresende auf ihre Löhne verzichten, schrieb Manley in einem Brief an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Hinweis

Hinweis zum Umgang von ORF.at mit statistischen Daten zur Coronavirus-Krise in Österreich: Es gibt auf Landes- und Bundesebene verschiedene staatliche Quellen, die in unterschiedlichem Rhythmus Daten zum Stand der Coronavirus-Krise veröffentlichen.

Dabei kann es zu plötzlichen Sprüngen in den Fallzahlen kommen, etwa weil viele Datensätze auf einmal ins Epidemiologische Meldesystem – eine zentrale medizinische Datenbank – eingetragen werden.

Anders als in Italien gibt es in Österreich derzeit keine täglich veröffentlichten maschinenlesbaren Berichte der verantwortlichen staatlichen Stelle, sodass alle Daten händisch eingeben werden müssen.

Verbindlich sind für ORF.at nach wie vor die halbtäglichen Meldungen der durchgeführten Tests, der bestätigten Infektionen und Todesfälle auf der Website des Gesundheitsministeriums. Gegen 8.00 Uhr werden die Anzahl der Tests vom Vortag sowie die aktuellen Summen von bestätigten Fällen und Todesfällen auf Bundes- und Landesebene veröffentlicht. Gegen 15.00 Uhr werden diese Zahlen und auch die Verlaufsgrafiken aktualisiert.

Karten, Grafiken und Informationen zu aktuellen Fällen und zum Epidemieverlauf in ORF.at/corona/daten

Nähere Informationen zu Quellen und Aktualisierungsrhythmus finden Sie in einem erläuternden Zusatzartikel.

Sport

Österreichs Fußball ist wegen der Coronavirus-Pandemie derzeit zum Stillstand gezwungen. Wie die Saisonen in den heimischen Ligen bei einem Abbruch gewertet werden, entscheidet das Präsidium des österreichischen Fußballbundes (ÖFB). Das teilten ÖFB und Bundesliga gestern Abend in einer gemeinsamen Presseaussendung mit. Einen Termin für eine ÖFB-Präsidiumssitzung zu diesem Thema gibt es aber noch nicht.

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Ende Mai jährt es sich zum ersten Mal, dass die langjährige Zusammenarbeit zwischen Dominic Thiem und Günter Bresnik zu Ende ging. Das Ende der erfolgreichen „Ehe“ zwischen Spieler und Manager hat Letztgenannter zwar offiziell „nüchtern wie immer“ verarbeitet, in einem APA-Interview hielt sich Bresnik mit deutlichen Worten zu den Umständen aber dennoch nicht zurück.

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Der Nachfolger von Andreas Felder als Cheftrainer der heimischen Skispringer ist seit gestern gefunden. Andreas Widhölzl übernimmt die Agenden seines Tiroler Landsmannes. Für den 43-jährigen ehemaligen rot-weiß-roten Vorzeigespringer ist es eine Beförderung. „Jetzt möchte ich die positive Entwicklung weiterführen und einen neuen Schwung mitbringen“, so der neue Chef.

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Chronik

IT

Die in der weltweiten Coronavirus-Krise populär gewordene Onlineplattform Zoom steht im Verdacht, keine ausreichenden Schutzvorkehrungen gegen Hackerangriffe getroffen zu haben. Die Generalstaatsanwältin des US-Bundesstaats New York, Letitia James, leitete eine Untersuchung zum Datenschutz bei dem kalifornischen Unternehmen ein, wie ein Behördensprecher mitteilte.

Zuvor hatten sich Zoom-Nutzer und -Nutzerinnen bei der US-Bundespolizei FBI darüber beschwert, dass während Videokonferenzen über die Plattform plötzlich pornografische Inhalte und Hassbotschaften auf den Bildschirmen aufgetaucht seien. Nach Angaben des FBI-Büros in Boston wurde auch Onlineschulunterricht über Zoom durch derartige Inhalte gestört.

Generalstaatsanwältin James forderte die Firma nach Angaben ihres Sprechers in einem Brief zur Darlegung der Maßnahmen auf, die sie zum Schutz der Privatsphäre ihrer Nutzer ergreife. James arbeite mit dem Unternehmen zusammen, um mögliche Probleme beim Datenschutz zu lösen, sagte der Sprecher.

Zoom erklärte einerseits, den Datenschutz „extrem ernst“ zu nehmen. Das Unternehmen arbeite rund um die Uhr mit Krankenhäusern, Universitäten, Schulen und Firmen in der ganzen Welt zusammen, damit sie während der durch das Coronavirus ausgelösten Krise funktionsfähig blieben.

Science

„Jeder ernsthafte Forscher, der irgendetwas Brauchbares gegen das Coronavirus haben könnte, will sich am Kampf dagegen beteiligen“, sagte der Österreicher Wolfgang Leitner, der am Nationalen Institut für Infektionskrankheiten (NIAID) in den USA arbeitet. Er hält bereits vorhandene Wirkstoffe als die vielversprechendsten, weil am schnellsten verfügbaren Mittel gegen SARS-CoV-2.

Die USA sind mit bisher mehr als 160.000 bestätigten Infektion global am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Forschung in den USA habe schon auf die Gefahr reagiert, als sie zunächst nur in China akut war, berichtet Leitner: „In dem Moment, als die Sequenz von SARS-CoV-2 veröffentlicht wurde, hat unser Vaccine Research Center die nötigen Erbgut-Konstrukte für einen Impfstoff herstellen lassen.“

Zeitpunkt für Durchimpfung noch unklar

Er wurde in Rekordzeit entwickelt und innerhalb von zwei Monaten schon an Freiwilligen getestet, wenn auch zunächst nur um festzustellen, dass er keine gefährlichen Nebenwirkungen hat. „Beim ersten SARS Ausbruch 2003 hat dies 20 Monate, also zehnmal so lange gedauert, was aber im Vergleich zur normalerweise jahrelangen Impfstoffentwicklung auch schon sehr schnell war“, so Leitner.

Absehbar sei trotzdem noch nicht, wann die Bevölkerung damit durchgeimpft werden könnte. „Nachdem die erste Phase so stark abgekürzt wurde, ist dies auch bei den nachfolgenden klinischen Tests zu erwarten, aber man darf dabei auf keinen Fall Risiken in Kauf nehmen, die nicht zu verantworten sind“, sagte er. Für Patienten und Patientinnen, die schon Symptome zeigen, wäre der vorbeugende Impfstoff ohnehin nicht geeignet. Für diese seien antivirale Wirkstoffe wahrscheinlich die beste Lösung.

Antivirale Medikamente wären von allen möglichen neuen Mitteln gegen das Coronavirus auch am schnellsten verfügbar: „Normalerweise versucht man bei einem neuen Krankheitserreger zunächst einmal zu verstehen, wie er genau funktioniert, was bei ihm anders ist als bei vorigen, und wie er die Krankheit genau auslöst“, sagte Leitner. Bei der aktuellen Covid-19 Pandemie habe man diesen Luxus nicht, dafür sei schlichtweg nicht genug Zeit. Um die Forschung gegen die Covid-19 Pandemie schnellstmöglich voranzutreiben, hat der US-Kongress kürzlich 836 Millionen Dollar (758 Mio. Euro) ausgeschüttet.

Der deutsche Astrophysiker und frühere Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Reimar Lüst, ist tot. Nach Angaben der Bremer Senatskanzlei starb er gestern, nur wenige Tage nach seinem 97. Geburtstag.

Der deutsche Astrophysiker Reimar Lüst
APA/AFP/Rolf Vennbernd

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler war Bremer Ehrenbürger und unter anderem Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (1972–1984) sowie der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (1989–1999).

Kultur

„Ghostbusters“-Fans müssen wegen der Coronavirus-Pandemie nun deutlich länger auf die Fortsetzung des Komödienspuks warten. Das Sony Studio hat den für diesen Sommer geplanten Kinostart von „Ghostbusters: Legacy“ (engl. Titel „Ghostbusters: Afterlife“) in den USA auf März 2021 verschoben.

Auch die Sony-Produktion „Morbius“ mit Jared Leto als Vampir-Bösewicht wird nicht im kommenden Sommer, sondern erst im März nächsten Jahres starten.

Wegen der Coronavirus-Krise mit derzeit weltweit geschlossenen Kinos werfen viele Hollywoodstudios ihre Terminpläne um. Auch die Filmstarts von „Peter Hase 2“, „Wonder Woman 1984“, „Fast & Furious 9“ und „Mulan“ sind schon verschoben worden.

Statt des abgesagten Eurovision Song Contest soll nun eine alternative Fernsehshow Europa miteinander verbinden. Die Show mit dem Titel „Europe Shine a Light“ soll am 16. Mai um 21.00 Uhr in ganz Europa ausgestrahlt werden, teilte die Europäische Rundfunkunion (EBU) gestern auf ihrer Website mit.

Die Show werde ohne Publikum gemacht und von den niederländischen TV-Sendern produziert, die auch für die nun abgesagte Liveshow verantwortlich gewesen wären. Das Finale des Wettbewerbs sollte am 16. Mai in Rotterdam stattfinden, ist aber wegen der Coronavirus-Krise abgesagt worden.

Kein Voting aus „versicherungstechnischen Gründen“

Die 41 Sängerinnen und Sänger – 40 aus Europa und einer aus Australien – die eigentlich in der Hafenstadt auftreten sollten, sollen in der alternativen TV-Show gemeinsam einen früheren Songfestivalhit singen – allerdings jeder im eigenen Land. Außerdem werde ein Fragment ihres ursprünglichen Beitrages für den Wettbewerb gezeigt.

Ein Voting werde es nicht geben, hieß es in einem Medienbericht: „Versicherungstechnische Gründe lassen ein Voting beim Ersatzevent nicht zu. Eine Show, die dem eigentlichen ESC zu nahe kommt, würde Ausfallzahlungen der Versicherung des Veranstalters gefährden.“

Die Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Krise nicht stattfinden. Die nachfolgenden Festspieljahrgänge müssten dadurch umdisponiert werden, teilten die Festspiele gestern Abend mit. Die für diese Saison geplante Neuproduktion „Der Ring des Nibelungen“ könne voraussichtlich erst im Jahr 2022 Premiere feiern.

Nächstes Jahr würden neben der vorgesehenen Neuproduktion „Der fliegende Holländer“ die Wiederaufnahmen „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Lohengrin“ aufgeführt. Außerdem stünden dann drei Konzerte von „Die Walküre“ auf dem Spielplan. Die bereits für 2020 gekauften Karten blieben für die Festspiele 2021 gültig.

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