Japanischer Hubschrauberträger Kaga
Reuters/Kim Kyung Hoon
Konflikt im Chinesischen Meer

Japan rüstet mit ersten Flugzeugträgern auf

Japan rüstet auf und plant seine ersten Flugzeugträger seit dem Zweiten Weltkrieg. Hintergrund ist der Konflikt mit China über Hoheitsansprüche im Chinesischen Meer. Ganz neu sollen sie allerdings nicht gebaut werden. Laut der Regierung werden dazu zwei bereits existierenden Izumo-Helikopterträger „upgegradet“, sodass Kampfjets transportiert und auch von den runderneuerten Schiffen abheben können, wie japanische Medien berichteten.

Diese Aufrüstungspläne sollen in die neuen Verteidigungsrichtlinien, die nächstes Monat veröffentlicht werden sollen, Eingang finden, wie der „Guardian“ am Donnerstag berichtet. Laut Nikkei-Wirtschaftsnachrichten ist Japan gewillt, auch bei Kampfjets aufzurüsten. Das Land könnte nun von den USA 100 F-35-Stealth-Jets kaufen: Geschätzter Kaufpreis laut Nikkei 8,8 Milliarden Dollar (7,8 Milliarden Euro).

Vor rund einem Jahr auf dem Höhepunkt der Krise mit Nordkorea hatte US-Präsident Donald Trump den US-Verbündeten Japan und auch Südkorea gedrängt, mehr US-Rüstungsgüter zu kaufen. Er erlaube es Japan und Südkorea, „eine stark erhöhte Zahl hochentwickelter Rüstungsgüter aus den USA zu kaufen“, hatte Trump damals getwittert. Der Kauf der 100 F-35 durch Japan ist eine Ergänzung für bereits erworbene 42 Stück.

Japanischer Hubschrauberträger Kaga
Reuters/Kim Kyung Hoon
Zwei Schiffe sollen künftig für den Gebrauch als Flugzeugträger umgerüstet werden

Offensiv oder defensiv?

Der japanische Premierminister Shinzo Abe hatte Trump im September gesagt, dass hochtechnologisierte Rüstungsgüter wichtig seien, um Japans Verteidigung zu stärken. Derzeit sind die zwei 248 Meter langen Izumo-Schiffe mit bis zu 14 Helikoptern ausgestattet. Der Umbau zu voll einsatzfähigen Flugzeugträgern wird allerdings skeptisch beäugt. Es wäre das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass Japan wieder Flugzeugträger hat.

Kritiker und Kritikerinnen sehen darin eine Verletzung der verfassungsrechtlichen Verpflichtung auf eine rein defensive Rolle des Militärs nach den Zweiten Weltkrieg, wie der „Guardian“ weiter berichtete. Frühere japanische Regierungen hatten stets den Erwerb von Flugzeugträgern aus diesem Grund ausgeschlossen. Sie befürchteten, dass ein Flugzeugträger als offensiv gewertet werden würde – im Gegesatz zur „pazifistischen“ Verfassung.

Antwort auf Chinas Flugzeugträger

Hintergrund für den jetzigen Sinneswandel ist auch die Auseinandersetzung mit China um Hoheitsrechte im Chinesischen Meer. China hatte erst vergangenes Jahr nach fünf Jahren Bauzeit seinen ersten selbst gebauten Flugzeugträger vorgestellt. Das Land ist damit auf dem Weg zu einer internationalen Seemacht. Trägerverbände sollen künftig unter chinesischer Flagge rund um den Globus unterwegs sein, so die Vision Pekings.

Mit der Fertigstellung seines ersten selbst gebauten Flugzeugträgers trieb China die Aufrüstung seiner Marine weiter voran. Das Schiff ist der zweite Flugzeugträger im Dienste der Volksbefreiungsarmee. Bereits 1998 hatte China aus der Ukraine einen alten Träger aus Sowjetbeständen gekauft, modernisiert und 2012 unter dem Namen „Liaoning“ in Dienst gestellt. Der neue Flugzeugträger sieht aus wie die „Liaoning“, ist aber mit einer Länge von 315 Metern und einer Breite von 75 Metern etwas größer und soll Platz für bis zu 36 Kampfjets bieten.

Einsatz auf entlegenen Inseln

Es sei wünschenswert, dass die Flugzeugträger für verschiedenste Einsätze gerüstet seien, so der japanische Verteidigungsminister Takeshi Iwaya vorige Woche. Die Flugzeugträger sollen nach der Fertigstellung zu Verteidigung von Japans abgelegenen südwestlichen Inseln eingesetzt werden, wie japanische Medien berichteten.

Neben der chinesichen Aufrüstung und den Aktivitäten im Chinesischen Meer, sieht Japan laut dem Weißbuch zur militärischen Einschätzung Nordkorea als Gefahr an. Es gebe „keinen Wandel in unserer grundlegenden Beurteilung der Bedrohung durch Nordkoreas Atomwaffen und Raketen“, heißt es in dem im August vorgestellen Verteidigungspapier. Pjöngjang bedrohe weiter „erheblich“ den „Frieden und die Sicherheit in der Region und der internationalen Gemeinschaft“.

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