Grafik auf österreichischer Fahne
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Österreich im Wandel

100 Jahre Republik in Infografiken

Wie viele Autos und Pferde hat es in den letzten Jahrzehnten in Österreich gegeben? Woran starben die Menschen? Wofür gaben Herr und Frau Österreicher rund um 1918 ihr Geld aus? Das Land feiert heuer das 100. Jubiläum der Gründung der Ersten Republik. Die Statistik Austria hat aus diesem Anlass Daten zu damals und heute aufbereitet. In Grafiken zeigt sich ein Bild enormen gesellschaftlichen Wandels.

Daten vom Leben und Sterben

Ein interessanter Indikator für den Zustand eines Landes sind stets die Lebenserwartung und das durchschnittliche Alter seiner Bevölkerung. Während Zweiteres 1910 noch bei 29,3 Jahren lag, ging es seitdem rasant in die Höhe: 2017 lag es schon bei 42,5 Jahren. Auch die Lebenserwartung ist stetig gewachsen – ein Indikator für gestiegenen Wohlstand und auch ein Hinweis auf eine starke Alterung. Aufgrund des Krieges schlägt sich das Jahr 1918 selbst in dieser und weiteren Grafiken übrigens nicht nieder – zu groß ist der Ausreißer.

Grafik zur Lebenserwartung und Durchschnittsalter der letzten 100 Jahre
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Kampf der Tuberkulose

Apropos steigende Lebenserwartung: Auch woran in Österreich gestorben wurde, hat sich entschieden verändert. Vor 100 Jahren waren Infektionskrankheiten für wesentlich mehr Todesfälle verantwortlich als heute. Allein die gefürchtete Tuberkulose verursachte jeden siebenten Todesfall. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs waren hingegen seltener als heute: Das Alter, in dem sie üblicherweise auftreten, wurde oft nicht erreicht.

Grafik:  Balkengrafik zeigt die Häufigkeit der Todesursachen von 1914 und 2017
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Geburten und die Politik

Eindeutig zeigt sich der medizinische Fortschritt in der Geburtenstatistik. Von den 1900 geborenen Kindern hat fast jedes vierte das erste Lebensjahr nicht erreicht, von den 2016 geborenen hingegen nur drei von 1.000 nicht. Eindrücklich zeigt sich auch, welchen Einfluss politische Ereignisse wie die Weltkriege und die wirtschaftliche Entwicklung auf die Geburtenstatistik haben. Gleichzeitig haben Frauen heute durchschnittlich wesentlich weniger Kinder als um die Jahrhundertwende: 1900 waren im Durchschnitt es 4,1 Kinder pro Frau, 2016 nur noch 1,5.

Grafik:  Lineargrafik zeigt die Anzahl der Lebend- und Totgeburten
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Prüfe, wer sich ewig bindet

Im Vergleich entscheiden sich immer weniger Menschen für den Bund der Ehe. Während der Anteil der verheirateten 16- bis 65-Jährigen im Jahr 1910 noch bei 56 Prozent lag, waren es im vergangenen Jahr nur noch 46 Prozent. Scheidungen waren sowohl damals als auch heute überwiegend einvernehmlich. Zudem heiraten die Menschen später: Das durchschnittliche Erstheiratsalter lag 2017 bei Frauen bei 30,4 Jahren und bei Männern bei 32,7 Jahren. Die Statistik Austria erhebt nicht nur hier übrigens auch kuriose Daten: So war das älteste Brautpaar 2017 zusammen 175 Jahre alt – ein 87-jähriger Mann hatte eine 88-jährige Frau geheiratet.

Grafik:  Tortengrafiken zeigen den Anteil an Eheschließungen, sowie Scheidungen nach Grund
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Geld für Freizeit statt Essen

Mit Hilfe einer zeitgenössischen Erhebung zu den Lebensverhältnissen von Wiener Arbeiterfamilien zwischen 1912 und 1914 lässt sich auch ungefähr erheben, wofür damals und heute Geld floss und fließt. Das Fazit: Heute wird wesentlich weniger für Lebensmittel ausgegeben als zu Beginn des Jahrhunderts, stattdessen sind Körperpflege und Gesundheit, der Verkehr und Freizeit größere Bilanzposten. Auch das Wohnen frisst heute mehr Geld als damals, allerdings ist auch der verfügbare Wohnraum pro Person enorm gestiegen.

Grafik:  Gestapelte vertikale Balkengrafik über die Haushaltsausgaben von 1912/14 und 2014/15 im Vergleich
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

60-mal mehr studierende Frauen

Stark demokratisiert hat sich auch die Bildung. Während es im Studienjahr 1918/19 nur knapp 30.000 Studierende – die überwältigende Mehrheit davon freilich Männer – gab, waren es im vergangenen Jahr fast 300.000. Das ist eine Verzehnfachung. Die Zahl der studierenden Frauen ist heute sogar fast 60-mal so hoch wie damals. Interessante Knicke und Zuwächse zeigen sich bei der Wiedereinführung bzw. Befreiung von Studiengebühren.

Grafik zu Studierenden an öffentlichen Universitäten
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Frauen auf dem Arbeitsmarkt und der 70er-Knick

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich nicht nur die Zahl der studierenden, sondern auch der erwerbstätigen Frauen erhöht. Bemerkenswert dabei ist allerdings, dass im Jahr 1910 in ganz Österreich-Ungarn bereits 41 Prozent der Frauen im Arbeitsleben standen – im Jahr 2015 waren es 48 Prozent. Einen echten Knick gab es im Jahr 1971: Damals waren nur 30 Prozent erwerbstätig.

Grafik zur Erwerbstätigkeit von Frauen
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Der Siegeszug des Autos

Enorme Umwälzungen gab es in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Sachen Lebensstandard und Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch im Verkehr. Als das Jahrhundert begann, gab es in Österreich ungleich mehr Pferde als Autos – bei der ersten „allgemeinen Viehzählung“ von 1934 waren es 261.000 Tiere. Erst in den 1950er Jahren wurde das Ross von Zweirädern, dann von Autos überholt. 2017 gab es fast fünf Millionen Pkws im Land – aber nur noch rund 88.000 Pferde.

Grafik:  Lineargrafik zeigt den Bestand von Fahrzeugen und Pferden von 1945 bis 2017
Grafik: ORF.at; Quelle: Statistik Austria

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