Traktor vor zugeschneiten Hütten
APA/Harald Schneider
Warnstufe fünf

Höchste Lawinengefahr in der Steiermark

In einzelnen Regionen der nördlichen Obersteiermark gilt ab Dienstag, 18.00 Uhr, die höchste Lawinenwarnstufe auf der fünfteiligen Skala. Das wurde am Nachmittag in einer Krisensitzung des Bundeslandes beschlossen. Auch in den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich kündigte der Lawinenwarndienst für Mittwoch Warnstufe fünf an.

Die Einsatzkräfte in der Steiermark informierten die Regierung unter Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) am Dienstagnachmittag über die prekäre Lage. Lawinenwarnstufe fünf gelte zur Zeit als reine Vorsichtsmaßnahme angesichts der erwarteten Neuschneemenge von bis zu einem Meter, heißt es aus dem Landeskoordinationsausschuss. „Anordnungen der Behörden jetzt nicht zu befolgen ist kein Kavaliersdelikt, sondern lebensgefährlich“, sagte der stellvertretende Landeshauptmann Michael Schickhofer (SPÖ).

Betroffen ist unter anderem die bei Touristinnen und Touristen beliebte Region Dachstein. Schickhofer riet allen Einheimischen und Gästen, an sicheren Orten zu bleiben, Absperrungen ernst zu nehmen und nicht notwendige Aktivitäten im freien Gelände zu unterlassen. Es gebe keine Versorgungsengpässe, die medizinische Notversorgung der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten sei gewährleistet. Im Einzelfall soll dann abgewogen werden, ob Gebäude evakuiert werden. Großflächige Evakuierungen seien derzeit nicht geplant – mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Große Neuschneemengen erwartet

Unterdessen wurde bereits zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit die höchste Schneewarnstufe ausgegeben. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sind bis Donnerstag an der Nordseite der Alpen verbreitet 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee zu erwarten, auf den Bergen auch mehr als ein Meter.

Das Bundesheer im Einsatz gegen die Schneemassen
APA/LMZ/Franz Neumayr/leo
Das Bundesheer wurde am Dienstag erstmals auch in Salzburg zu Einsätzen gerufen
Ein Schneepflug
APA/Harald Schneider
Ein Schneepflug kämpft sich in der Ramsau am Dachstein durch die Schneemassen
Ein Schneepflug bei der Schneeräumung
APA/Helmut Fohringer
Ein Traktor bei der Schneeräumung in Ramsau am Dachstein
Ein Langläufer neben einem verschneiten Auto
APA/Harald Schneider
Unter anderem in der Obersteiermark, hier in Ramsau am Dachstein, kann es auch mehr Neuschnee geben
Männer schaufel Schnee vom Dach eines Hauses
Reuters/Leonhard Foeger
Der Schnee sorgt momentan, wie hier am Dienstag in Filzmoos, für enorme Last auf den Dächern
Ein Mann schaufelt Schnee vom Haus
APA/Harald Schneider
Bei der Räumung ist besondere Vorsicht angebracht, Versicherungen warnen vor Unfällen
Skifahrer auf der Piste
APA/Barbara Gindl
Gesicherte Pisten sind nicht zu verlassen, warnt die Bergrettung
Winterdienst bei der Schneeräumung auf der A10
APA/Barbara Gindl
Auch auf den Straßen herrschen weiterhin winterliche Bedingungen. Der ÖAMTC appelliert, Straßensperren einzuhalten.
Ein Mann schaufelt sein Auto vom Schnee frei
APA/Helmut Fohringer
Auch in den kommenden Tagen wird weiter mit Schneefall gerechnet
Ein Mann schaufelt Schnee vom Dach eines Hauses
APA/Helmut Fohringer
Es wurde die höchste Schneewarnstufe ausgerufen, alleine bis Donnerstag werden 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee erwartet

Die Situation bleibt also auch in den kommenden Tagen angespannt. Die ORF-Wetterredaktion warnt vor stürmischem Wind, der für Schneeverwehungen sorgt. Die Lawinensituation wird auch dadurch kritisch, im Laufe der Woche kann sie sich noch weiter zuspitzen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass große Lawinen von selbst abgehen – diese könnten die Täler erreichen, so die Befürchtung – mehr dazu in wetter.ORF.at.

Häufig finden derzeit auch Lawinensprengungen statt, so etwa in Niederösterreich, wo sich die Situation in den Ybbstaler Alpen, am Hochkar, am Ötscher und im Rax-Schneeberg-Gebiet weiter zuspitzt. Nach einer Einsatzbesprechung sollen mehrere Lawinen gesprengt werden – mehr dazu in noe.ORF.at.

Eindringliche Warnung vor Leichtsinn

Trotz Warnungen und gesperrter Straßen sowie Pisten kam es im Schneechaos der vergangenen Tage bereits zu zahlreichen Unfällen. Das ist nicht nur für die Verunglückten gefährlich, sondern auch für die Einsatzkräfte, die oft trotz großer Lawinengefahr zur Rettung ausrücken müssen.

Umso deutlicher fallen die Appelle aus, sich an Sperren zu halten und Warnungen nicht zu ignorieren. Auf Anfrage von ORF.at bekräftigte auch die Sprecherin der Bergrettung Salzburg, Maria Riedler, die Warnung vor Leichtsinn. In der derzeitigen Lage sei es „überhaupt keine Frage“, dass man sich nicht abseits gesicherter Pisten aufhalte. Dass ein Ignorieren der Warnungen weitreichende Konsequenzen haben kann, zeigt auch ein Vorfall aus Salzburg. Dort wird gegen drei Snowboarder ermittelt, die die Rettung eines Vermissten gefährdet haben sollen – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Der Autofahrerclub ÖAMTC rief unterdessen dazu auf, Straßensperren einzuhalten. Es sei bereits vorgekommen, dass Autofahrer diese Sperren eigenmächtig umfahren oder sogar entfernt haben. „Das ist nicht nur unvernünftig und gefährlich, sondern auch strafbar. Diese Sperren müssen jedenfalls ernst genommen werden“, so ÖAMTC-Juristin Tanja Tretzmüller.

Riskante Rettungsaktionen abseits der Piste

Wie riskant ein Rettungseinsatz werden kann, zeigt etwa ein Fall in Westendorf (Tirol). Dort musste am Montagabend ein 39-jähriger Snowboarder gerettet werden – trotz zweithöchster Lawinenwarnstufe. Erst nach stundenlanger Suche gelang es Bergrettern, den Dänen im ungesicherten Gelände zu finden und zu bergen – mehr dazu in tirol.ORF.at.

Grafik: Österreichkarte mit Lawinengefahr
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/lawine.at

Eine gesperrte Skiroute ignorierte unterdessen ein 45-jähriger Deutscher am Wochenende. Er war im Skigebiet Laterns-Gapfohl (Vorarlberg) trotz Sperre unterwegs, brach letztlich in einem Bachbett ein und wurde gleichzeitig von einem Schneebrett verschüttet. Er konnte sich zwar befreien, mangels Telefon musste er aber die Nacht im Freien verbringen – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at. Glück hatte am Wochenende auch ein Skitourengeher in Salzburg: Der Mann überlebte einen Lawinenabgang bei Zell am See-Thumersbach unverletzt, die Einsatzkräfte beklagten aber die „grenzwertige Situation“ – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Auch Retter müssen Lage abwägen

Aufgrund der Wetterlage kann es zu Pausen bei der Bergung kommen. So werden bereits seit Samstag zwei Tourengeher in Niederösterreich vermisst. Am Dienstag wurde ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres angekündigt – zuvor müsse wegen der bestehenden großen Lawinengefahr jedoch gründlich beurteilt werden, „ob wir in den Einsatzraum vordringen können“, sagte Michael Hochgerner von der Alpinpolizei am Dienstag auf Anfrage. Die Suche werde frühestens am Mittwoch fortgesetzt.

Eingeschneite Personen gerettet

In Gebieten von Vorarlberg bis in die Steiermark gibt es weiterhin keine Entspannung. In den Schneepausen konnten Menschen, die eingeschneit wurden, gerettet werden.

Die Sprecherin der Salzburger Bergrettung sagte, dass auch die Einsatzkräfte die Risiken abwägen müssen. In der extremen Wetterlage gestalte sich etwa die Rettung von steilen Hängen besonders schwierig, man solle sich nicht darauf verlassen, dass man aus jeder Lage befreit werden könne.

Rettung kann zusätzliche Kosten verursachen

Der heftige Schneefall der vergangenen Tage sorgte auch dafür, dass zahlreiche Bergsteiger auf Hütten eingeschlossen waren. So wurden am Montagabend elf Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland von einer Alm in Salzburg gerettet. Sie saßen seit Freitag in einer Hütte fest, sie waren ohne Strom, auch die Essensvorräte wurden bereits knapp – mehr dazu in salzburg.ORF.at. Fünf Alpinisten, die in Abtenau (Salzburg) in einer Hütte eingeschlossen waren, konnten sich am Dienstag selbst retten – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Für Urlauberinnen und Urlauber könnte der Einsatz der Bergrettung auch finanziell für böse Überraschungen sorgen: Ist ein Verunglückter nicht zusatzversichert, muss er für die Suchaktion selbst aufkommen. Vor allem, wenn der Hubschrauber zum Einsatz kommt, wird das teuer. Verschiedene Bundesländer verlangen für das Ausrücken der Bergrettung unterschiedlich viel – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Dachräumung als Gefahrenquelle

Doch auch in und um die eigenen vier Wände lauern aufgrund des Wetters zusätzliche Gefahren. Der Neuschnee, der in den kommenden Tagen erwartet wird, erhöht die Last auf Hausdächer. Vor allem der Nassschnee könnte Dächer zum Einbrechen bringen, so die Befürchtung – mehr dazu in salzburg.ORF.at.

Doch beim Räumen ist Vorsicht geboten: So stürzte am Montag etwa ein Obersteirer beim Schneeschaufeln von seinem Hausdach und verletzte sich schwer – mehr dazu in steiermark.ORF.at. Auch Versicherungen warnen. Stürze vom Dach bedeuten oft schwere, existenzbedrohende Verletzungen, heißt es etwa von der Donau-Versicherung. Auch die Wiener Städtische warnt vor dem Wetter.

Um sich nicht in Gefahr zu bringen, empfehlen die Versicherer, exponierte Dächer nicht von enormen Schneemengen freizuschaufeln, wozu die Versicherungsnehmer grundsätzlich verpflichtet sind. Im Zweifelsfall gehe die Sicherheit der Kundinnen und Kunden vor.

Vorsorge in betroffenen Regionen empfohlen

Risiko besteht auch, wenn durch das Wetter das Eigenheim von der Außenwelt abgeschnitten wird. Erst am Dienstag wurde vorübergehend die Katschbergstraße (B99) nach Obertauern freigegeben, die Ortschaft war seit Samstag abgeschnitten. Der Zivilschutzverband rät deshalb, entsprechende Vorräte zur Eigenvorsorge anzuschaffen.

Dieser sollte 1,5 Liter Trinkwasser pro Person und Tag sowie 2,5 Liter für die Hygiene (Badewanne anfüllen) enthalten. Dazu kommen Lebensmittel mit 2.500 Kalorien pro Person und Tag. Wichtig sei eine stromunabhängige Kochgelegenheit. Information kann man über Kurbel- oder Autoradio erhalten, Kurbeltaschenlampe und Kerzen spenden Licht. Eine gut gefüllte Hausapotheke und ein Verbandskasten sollten ebenso griffbereit sein wie Dokumentenmappe und Bargeld. Im Winter müssen die Wohnräume auch ohne Strom geheizt werden können – etwa durch einen alten Holzofen.