Polizeifahrzeug vor dem Haus der Familie Closs in Barron (Wisconsin)
AP/Jeff Baenen
Monate nach Mord an Eltern

Vermisstes US-Mädchen wieder aufgetaucht

Ein als vermisst gemeldetes 13-jähriges Mädchen aus dem US-Bundesstaat Wisconsin ist am Donnerstag wieder aufgetaucht. Ihr Verschwinden wird mit dem Tod ihrer Eltern im Oktober letzten Jahres in Verbindung gebracht, eine Entführung gilt als wahrscheinlich. Der mysteriöse Fall gibt den Behörden noch Rätsel auf.

Jayme Closs, deren Eltern im Herbst erschossen im Wohnhaus der Familie aufgefunden wurden, konnte lebend gefunden werden. Das teilte die Polizei in Wisconsin am Donnerstagabend mit. „Wir hatten versprochen, wir werden Jayme nach Hause bringen, und heute Nacht können wir dieses Versprechen halten“, heißt es in einem ersten Polizeistatement.

Die Beamten machten keine zusätzlichen Angaben über den Fall, man will aber in einer baldigen Pressekonferenz für Aufklärung sorgen. Lokale Medien berichten indes, Closs sei aus einem Haus in Eau Claire Acres, in der Nähe der Stadt Gordon im Nordwesten von Wisconsin, geflohen.

Anrainerinnen fanden Mädchen

Anrainerinnen hätten sie in einem verwahrlosten Zustand in einer entlegenen Gegend aufgefunden. Die Lokalzeitung „Minneapolis Star Tribune“ zitierte eine Lehrerin, deren Nachbarin aufgelöst an ihre Tür geklopft haben soll, nachdem sie die Teenagerin während eines Spaziergangs mit ihrem Hund entdeckt hatte.

Jayme Closs
AP/Barron County Sheriff’s Department
Seit Oktober galt die 13-Jährige, deren Eltern erschossen wurden, als vermisst.

„Das ist Jayme Closs! Ruf 911 (den US-Notruf, Anm.)“, soll die Nachbarin gesagt haben. In einem Telefoninterview mit der „Star Tribune“ sagte die Anrainerin, das Mädchen „kam auf mich zu und sagte, sie brauche Hilfe“. Sie sei sich sofort „ziemlich sicher“ gewesen, dass es sich bei der Jugendlichen um Closs handle – schließlich seien überall Poster und Vermisstenanzeigen gehangen. Anschließend habe das Mädchen auch ihren Namen genannt. Die Lehrerin erzählte der Zeitung zudem, die Jugendliche sei sehr dünn gewesen und habe kaum Reaktion auf Fragen gezeigt. Ihre Kleidung und ihr Körper seien ganz schmutzig gewesen, und sie habe viel zu große Schuhe getragen.

Closs war der Nachrichtenagentur AP zufolge etwa 20 Minuten im Haus der Lehrerin, Wasser und Essen habe sie abgelehnt. Anschließend sei sie von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht worden. Familienmitglieder seien informiert worden. „Das sind die Nachrichten, auf die wir seit drei Monaten gewartet haben. Ich kann es kaum erwarten, sie in den Arm zu nehmen“, sagte eine Tante der 13-Jährigen in einem Telefoninterview der „Star Tribune“. Sie und andere Familienangehörige hätten ebenfalls noch keine detaillierten Informationen.

Eltern erschossen vorgefunden

„Star Tribune“ zitierte einen lokalen Sheriff, der von einem 21-jährigen Verdächtigen berichtet haben soll. Dieser sei binnen Minuten nach Closs’ Auftauchen verhaftet worden. Eine Entführung werde vermutet. Die Behörden versuchen nun, alle Puzzleteile zusammenzusetzen, denn das Verschwinden der 13-Jährigen hat eine längere Vorgeschichte. Polizeiangaben zufolge ging am 15. Oktober 2018 ein Notruf von der Adresse der Familie Closs in der 3.300-Einwohner-Stadt Barron in Wisconsin ein. Ein Geräusch im Hintergrund konnte vernommen werden, doch niemand meldete sich zu Wort.

Freiwilliger Suchtrupp in in Barron (Wisconsin)
AP/Jeff Baenen
Die Bewohner und Bewohnerinnen organisierten Suchtrupps und durchforsteten die Gegend rund um Barron

Als die Polizei vier Minuten später beim Haus eintraf, fand sie eine Frau und einen Mann erschossen vor. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass das Ableben von James und Denise Closs Mord gewesen sein musste und sie eine 13-jährige Tochter hatten – von dem Mädchen jedoch fehlte jede Spur. Mutmaßliche Verbrecher konnten nicht ausfindig gemacht werden. Auch eine Tatwaffe konnte die Polizei nicht finden.

Die Behörden gaben ein Statement heraus, dass die Teenagerin an besagtem Montagmorgen von einem oder mehreren Unbekannten entführt worden sei, „wahrscheinlich mit einer Waffe“. Seither hatte die Polizei zusammen mit Closs’ Bekannten sowie Anrainern versucht, das Mädchen zu finden. Suchtrupps wurden dafür organisiert, die die Gegend rund um Barron durchforsteten. Bei einer örtlichen Pressekonferenz hatte die Polizei bekanntgegeben, dass insgesamt etwa 2.000 Hinweise aus der Öffentlichkeit eingegangen seien, die allerdings alle ins Nichts geführt hätten.

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