Urteilsverkündung im Mordfall Kuciak verschoben

Das Spezialisierte Strafgericht in Pezinok in der Slowakei hat die für morgen angekündigte Urteilsverkündung im Mordfall des Investigativjournalisten Jan Kuciak verschoben. Die Urteilsverkündung wurde im ganzen Land mit viel Spannung erwartet und sollte am Vormittag stattfinden. Akkreditiert hatten sich im Vorfeld auch rund 100 in- und ausländische Journalisten und Journalistinnen.

Heute Nachmittag wurde der Termin aber völlig unerwartet abgesagt, wie Gerichtssprecherin Katarina Kudjakova bekannt gab. Die Senatsvorsitzende Ruzena Sabova habe diesen Schritt beschlossen, da eine Fortsetzung der Beratung des dreiköpfigen Senats notwendig sei, so Kudjakova. Als neuer Termin für die Urteilsverkündung wurde der 3. September bestimmt.

21 Verhandlungstage in sieben Monaten

Laut slowakischen Medien sollte der zuständige Strafsenat heute bei einer geplanten Beratung über das definitive Strafmaß abstimmen. Warum nach sieben Monaten und 21 Verhandlungstagen eine eintägige Beratung den Richtern nicht ausreichte, ist nicht bekannt. Medien in der Slowakei spekulieren, dass eines der Mitglieder des Senats Bedenken bezüglich der Schuld eines der Angeklagten haben könnte.

Vor Gericht stehen in der Hauptverhandlung, die am 13. Jänner begonnen hatte, der Geschäftsmann Marian K., als mutmaßlicher Auftraggeber des Journalistenmordes, die Italienischdolmetscherin Alena Zs., die den Mord organisiert haben soll, und Tomas Sz., der den Todesschützen zum Tatort gefahren haben soll. Für alle drei hatte der zuständige Staatsanwalt 25 Jahre Haft beantragt. Alle drei Angeklagten bestreiten ihre Schuld. Zwei weitere Mittäter wurden im Fall bereits in gesonderten Verfahren verurteilt. Der Tod von Jan Kuciak und seiner Verlobten am 21. Februar 2018 hatte in der Slowakei Massenproteste ausgelöst, ein politisches Erdbeben war die Folge.