De-facto-Präsident des Sudan entlässt verfeindeten Vize

Mehr als einen Monat nach dem Ausbruch schwerer Gefechte im Sudan hat Machthaber Abdel Fattah al-Burhan seinen Kontrahenten Mohammed Hamdan Daglo als Vizepräsidenten entlassen. Burhan erließ dazu ein Verfassungsdekret, wie der Regierungsrat heute mitteilte.

Der lange schwelende Machtkampf zwischen Burhan und Daglo, der eine paramilitärische Gruppe namens Rapid Support Forces kontrolliert, war Mitte April eskaliert und hat den Sudan in eine schwere Krise gestürzt. Zuvor hatten die Anführer der zwei mächtigsten Militärverbände des Landes in einer Zweckgemeinschaft gemeinsam regiert.

Der Souveränitätsrat, dessen Vorsitzender Burhan ist, hält seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Omar al-Baschir 2019 die Macht in dem nordostafrikanischen Land. Als Vorsitzender des Rats ist Burhan De-facto-Präsident des Sudan und Oberbefehlshaber der Armee. Daglo war bisher sein Vize. Direkte Auswirkungen auf die Kampfhandlungen hat die Entlassung vorerst allerdings nicht.

Neben der Hauptstadt Khartum kommt es insbesondere in der Region Darfur zu schweren Kämpfen. Nach Angaben des sudanesischen Ärztekomitees wurden mittlerweile mindestens 830 Menschen in dem Konflikt getötet. Die UNO geht davon aus, dass rund 250.000 Sudanesen in die Nachbarländer geflohen sind. Mehr als 840.000 Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben.