Es gebe Anzeichen dafür, dass Kim mit einem Spezialzug Pjöngjang verlassen habe und auf dem Weg nach Russland sei, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap heute unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul. Auch die russische Nachrichtenagentur Interfax schrieb, dass Kim wohl „in den kommenden Tagen“ in Russlands Osten erwartet werde.
Die südkoreanische Zeitung „Chosun Ilbo“ berichtete, Kim habe Pjöngjang am späten Sonntag verlassen und werde sich bereits am Dienstag mit Putin treffen. Der Fernsehsender YTN berichtete, der Sonderzug werde Kim an die nordkoreanische Grenze zu Russland bringen, und das Gipfeltreffen werde wahrscheinlich am Dienstag stattfinden, obwohl es zuerst hieß, es werde am Mittwoch stattfinden.
Moskau und Pjöngjang bestätigten am Montag das Treffen der beiden Staatschefs. Aus dem Kreml hieß es, dass Kim „in den kommenden Tagen“ Russland offiziell besuchen werde. Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA schrieb, dass Kim während des Besuchs Putin treffen werde. Die Nachrichtenagentur RIA relativierte später etwas, dass es zu einem Treffen der beiden Staatsoberhäupter kommen könnte, sollte es notwendig werden.

Waffen gegen Nahrungsmittel?
US-Medien hatten zuletzt unter Berufung auf Beamte in den USA berichtet, Kim wolle nach Russland reisen, um dort mit Putin über Waffenlieferungen zu verhandeln. Moskau gehe es darum, sich Nachschub an Waffen und Munition für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sichern.
Im Gegenzug könnte Kim dringend benötigte Energie- und Nahrungsmittelhilfe sowie fortschrittliche Waffentechnologie erhalten, darunter solche für Interkontinentalraketen, nuklearfähige U-Boote und militärische Aufklärungssatelliten, berichtete die Nachrichtenagentur AP und berief sich auf Fachleute.
Putin hatte sich schon 2019 mit Kim in der Großstadt an der russischen Pazifikküste getroffen. Im Juli besuchte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu Nordkorea, wo er unter anderem an einer Militärparade teilnahm. Dabei soll er versucht haben, Pjöngjang davon zu überzeugen, Artilleriemunition an Russland zu verkaufen, wie Adrienne Watson, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, zuletzt mitteilte.

Nordkorea wies Vorwürfe bisher zurück
Bisher wies Nordkorea Vorwürfe zurück, Waffen an Russland geliefert zu haben. „Wir sehen, dass Russland verzweifelt nach Unterstützung, nach Waffen sucht, wo immer es sie finden kann, um seine Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen“, sagte US-Außenminister Antony Blinken bereits im Juli anlässlich des Schoigu-Besuchs.
Laut einem „New York Times“-Bericht („NYT“), der sich auf anonyme Informationen stützte, dürfte bereits im Juli die Idee für das Treffen zwischen Putin und Kim entstanden sein. Kim habe Schoigu um einen Besuch Putins gebeten, dieser habe den Gegenvorschlag gemacht, dass Kim selbst nach Russland reise. Der Korea-Experte Jean H. Lee sieht im „NYT“-Interview mit dem Besuch „die Wiederbelebung eines traditionellen Bündnisses, das den strategischen Interessen sowohl von Putin als auch von Kim dient“.
Scharfe Kritik aus USA
Die Vereinigten Staaten erklärten, dass es ein „großer Fehler“ wäre, wenn Nordkorea Russland mit Waffen für den Einsatz in der Ukraine beliefern würde, und warnten Pjöngjang, dass es dafür „einen Preis zahlen“ würde. Zuletzt hieß es, dass die Gespräche über die Lieferung weiterer Waffen durch Nordkorea an Russland trotz wiederholter Dementis aus Pjöngjang und Moskau aktiv vorangetrieben werden.