Inland

Mitterlehner kämpfte mit Rache- und Revanchegefühlen

Der frühere Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner hat seinen Frieden mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz gemacht. „Wir haben uns nach den Wahlen getroffen, sämtliche Themen ausgeredet und einen konstruktiven Modus vivendi gefunden“, sagt Mitterlehner in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „trend“. Zur Verarbeitung seiner Erfahrungen im zurückliegenden Jahr habe er einen Coach genommen.

„Es wäre eine Verstellung, würde man mit meinem Werdegang und so einer Machtübernahme sagen, man ist nicht gekränkt. Natürlich gab es zu Beginn Rache- und Revanchegefühle“, so der ehemalige ÖVP-Chef, der sich nach internen Querschüssen im Mai aus der ÖVP zurückgezogen hatte und inzwischen als Unternehmensberater tätig ist.

„In der Politik sind keine Wunder möglich“

Die Zeit heile zwar „nicht alle Wunden, aber die Revanchegelüste nehmen ab. Sie hätten der Partei geschadet, mir aber nicht genützt.“ Erst nach der Wahl am 15. Oktober sei es für ihn leichter geworden.

Die Möglichkeiten einer künftigen ÖVP-FPÖ-Regierung beurteilt Mitterlehner im „trend“ nüchtern. „In der Politik sind keine Wunder möglich. Eine 14-Milliarden-Steuerreform wird aufgrund der Schulden der Republik und des Wirtschaftswachstums nicht erfüllbar sein.“

Entscheidend für die Performance der neuen Regierung werde aber sein, ob es gelinge, Erwartungshaltungen zu brechen, etwa bei der geplanten Zusammenlegung der Gebietskrankenkassen. Überwinde man hier den Widerstand der Länder, sei das „symbolisch weit bedeutender“. Ähnliches gelte beim Zwölfstundentag. „Gelingt es, die Sozialpartnerschaft mit ihrer verkrusteten Beharrlichkeit aufzubrechen, wird beim Wähler der Eindruck eines neuen Stils ankommen.“

Skepsis gegenüber geplanten Herbstferien

Lehrer- und Elternvertreter zeigen sich gegenüber den kolportierten Plänen für einheitliche Herbstferien skeptisch. „Wir führen diese Diskussion jetzt schon zum gefühlten 367. Mal“, sagte etwa der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Paul Kimberger (FCG).

Weder unter den Pädagogen noch unter den Eltern sehe er derzeit eine einheitliche Position zu Herbstferien. Er finde es aber „befremdlich, dass man uns jetzt aus den Regierungsgesprächen ausrichtet, dass es hier eine neue Regelung gibt, ohne mit den Betroffenen zu reden“.

Grafik zu Schulferien

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Elternvertreter „sehen das kritisch“

Sollte vonseiten der Bildungswissenschaft ein faktisch gut untermauertes Ferienmodell ins Spiel gebracht werden, das „Vorteile im Sinne der Pädagogik bringt, dann sollten wir es machen“, sagte Kimberger. Gibt es ein solches Konzept nicht, „sollten wir eher bei der Regelung bleiben, die wir jetzt haben“.

Wenig abgewinnen kann der Idee der Präsident des Bundeselternverbands, Gernot Schreyer. Er fürchtet, dass sich der Stil der scheidenden Regierung, die Schulpartner in wichtige Entscheidungen nicht ausreichend einzubinden, auch unter der neuen Regierung fortsetzen könnte.

„Leider hat man in dieser wichtigen Frage mit uns im Vorfeld nicht gesprochen“, so Schreyer gegenüber der APA. Er schätze das Thema Herbstferien jedenfalls als zu komplex für eine einheitliche österreichweite Lösung ein, viele Fragen seien hier offen. Eine solche freie Woche unterbreche „die Intensivphase des Lernens“ zwischen dem Sommer und Weihnachten noch weiter. „Wir sehen das also kritisch.“

Über 260.000 unterstützen bisher Nichtraucherpetition

Mehr als 260.000 Personen haben bis heute Mittag die Nichtraucherpetition der Österreichischen Krebshilfe online unterstützt. Die Aktion wurde gestartet, nachdem bekanntgeworden war, dass sich ÖVP und FPÖ bei den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt haben, das bereits beschlossene absolute Rauchverbot in der Gastronomie zurückzunehmen.

Würde die gleiche Anzahl an Personen auch ein Nichtrauchervolksbegehren unterstützen, dann wären die FPÖ-Kriterien für eine Volksabstimmung bereits erreicht. Die FPÖ hatte in ihrem Modell zum Ausbau der direkten Demokratie vorgeschlagen, dass es zu Volksbegehren, die von mehr als vier Prozent der Zeichnungsberechtigten (rund 250.000 Personen) unterstützt werden, eine Volksabstimmung geben soll.

Die ÖVP legte in ihrem Wahlprogramm die Latte höher und sah Volksabstimmungen erst ab zehn Prozent Unterstützung (rund 640.000) vor. Ein endgültiges Modell dazu wird von den möglichen Koalitionspartnern derzeit noch verhandelt.

Kein offizielles Begehren

Die Abstimmung auf der Plattform openPetition hat im Gegensatz zu einer parlamentarischen Bürgerinitiative aber keinen offiziellen Charakter. Es findet keine Identitätsüberprüfung statt, zur Teilnahme reicht eine E-Mail-Adresse.

Petitionen, die das openPetition-Quorum von 18.000 Unterstützungsbekundungen erreicht haben, werden zumindest an die gewählten Vertreter des zuständigen Parlaments mit der Bitte um eine Stellungnahme weitergeleitet.

Verbotsgegner starten eigene Petition

Der Wirt Heinz Pollischansky, der Fachverband der Gastronomie und das Bundesgremium der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer sowie der Verband der Cigarren- und Pfeifenfachhändler haben unterdessen eine eigene Onlinepetition gegen das absolute Rauchverbot in der Gastronomie gestartet. In den ersten Stunden unterschrieben diese Petition rund 160 Personen.

Ausland

Kroatien will 2019 Schengen-Mitglied werden

Kroatien will 2019 Mitglied des Schengen-Raums werden. „Wir sind sehr daran interessiert, alle technischen Kriterien zu erfüllen, um Schengen 2019 beizutreten“, sagte Ministerpräsident Andrej Plenkovic heute vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Dieser Beitritt habe für seine Regierung höchste Priorität.

Mit dem Schengen-Abkommen von 1985 wurden die ständigen Grenzkontrollen zwischen den beteiligten Staaten abgeschafft. Von den derzeit 28 EU-Staaten gehören Großbritannien, Irland, Zypern, Bulgarien, Rumänien und Kroatien nicht dazu. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich im September dafür stark gemacht, alle EU-Länder in das Abkommen aufzunehmen.

EU-Parlament verlangt Sanktionen gegen Myanmar

Das Europaparlament hat wegen der systematischen Unterdrückung und Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit Sanktionen gegen Myanmar gefordert.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten sollten „gezielte Strafen“ gegen jene Mitglieder der myanmarischen Armee verhängen, die für die schweren Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien, verlangte das Parlament heute in Straßburg in einer Entschließung. Außerdem müssten sie das bestehende Waffenembargo gegen Myanmar ausweiten.

„Unparteiische und unabhängige Überwachung“

Darüber hinaus müsse auch der UNO-Sicherheitsrat ein „allgemeines und umfassendes Waffenembargo“ gegen das südostasiatische Land verhängen, heißt es in der Entschließung weiter. Die EU und ihre Mitgliedsländer müssten Druck auf China und Russland ausüben, damit diese im UNO-Sicherheitsrat nicht weiter angemessene Maßnahmen gegen Myanmar blockierten.

Das Europaparlament forderte zugleich die myanmarische Regierung auf, eine sichere Rückkehr der geflüchteten Rohingya zu ermöglichen, wie sie das am 23. November mit Bangladesch vereinbart hatte. Dabei müsse eine „unparteiische und unabhängige Überwachung“ durch Menschenrechtsorganisationen unter Aufsicht der Vereinten Nationen gewährleistet werden.

Seit Jahrzehnten unterdrückt

Seit Ende August seien rund 650.000 Rohingya nach Bangladesch geflohen, wo sie „unter entsetzlichen Bedingungen“ in Lagern lebten, hieß es weiter. Mehr als 400.000 von ihnen seien auf Lebensmittelhilfen angewiesen, viele benötigten medizinische Betreuung.

Die an der Grenze zu Bangladesch im Bundesstaat Rakhine lebenden rund eine Million Rohingya werden in Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt. Der Konflikt war Ende August wieder voll entbrannt, nachdem Rohingya-Rebellen Mitglieder der Streitkräfte angegriffen hatten. Diese reagierten mit brutaler Gegengewalt.

EU will 15.000 Flüchtlinge in Heimatländer zurückbringen

Die Europäische Union (EU) will bis Ende Februar rund 15.000 notleidenden Flüchtlingen in Libyen die Rückkehr in ihre Heimatländer ermöglichen. Das gab die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Donnerstag nach einem Treffen mit Vertretern der Afrikanischen Union (AU), der UNO und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Brüssel bekannt.

Die Rückkehr soll auf freiwilliger Basis erfolgen. Das von der EU finanzierte Angebot richtet sich an Flüchtlinge, die unter schwierigen Lebensbedingungen in Libyen festsitzen. Sie sollen von der gefährlichen Weiterfahrt über das Mittelmeer nach Europa abgehalten werden.

„Auf dem Weg zu einer Lösung“

Seit Jahresbeginn sind laut EU-Angaben bereits mehr als 16.500 Flüchtlinge mit Unterstützung der IOM aus Libyen in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Im Gesamtjahr 2016 waren es rund 2.700 gewesen. IOM-Chef William Swing sprach in Brüssel von Fortschritten bei der Rückführung. „Wir sind auf dem Weg zu einer Lösung“, sagte er.

Auf einem Gipfel im westafrikanischen Abidjan hatten EU, AU, UNO und IOM im vergangenen Monat vereinbart, ihre Unterstützung für solche Migranten zu verstärken, die in Libyen festsitzen und wieder nach Hause wollen. Zur Umsetzung der Pläne hatten die Gipfelteilnehmer die Bildung einer „Taskforce“ vereinbart, die heute in Brüssel zu Beratungen zusammenkam.

Südkorea und China nähern sich nach Streit an

Nach einem schweren Streit über ein in Südkorea stationiertes US-Raketenabwehrsystem wollen Peking und Seoul wieder enger kooperieren. „Ich glaube, dass Vertrauen nicht nur in einer Beziehung zwischen Menschen, sondern auch zwischen Ländern am wichtigsten ist“, sagte Südkoreas Präsident Moon Jae In heute während eines Treffens mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, rief Moon zu einem „Neustart“ auf der Basis von „Freundschaft und Vertrauen“ auf. Xi sagte demnach, der Besuch von Moon würde helfen, die Beziehungen wieder zu festigen, nachdem sie einen Dämpfer erlitten hätten. Auch stimmten die beiden Präsident überein, dass im Nordkorea-Konflikt eine friedliche Lösung gefunden werden müsse.

Zwischen den asiatischen Staaten war es in diesem Jahr zu heftigen Verstimmungen gekommen, da sich China durch ein neues US-Raketenabwehrsystem in Südkorea bedroht fühlt. Das THAAD-System soll Südkorea besser vor möglichen Angriffen aus Nordkorea schützen. Peking aber kritisierte die Stationierung, weil das zu THAAD gehörende Radarsystem auch den Luftraum weit nach China hinein ausspionieren kann.

Fotografen getreten und geschlagen

Trotz der Differenzen hatten sich Seoul und Peking Ende Oktober darauf geeinigt, den Austausch und die Zusammenarbeit in allen Bereichen wiederherzustellen.

Auch Moons Besuch in Peking verlief nicht ohne Spannungen. Wie Yonhap berichtete, hinderten chinesische Sicherheitskräfte mitgereiste Journalisten aus Südkorea daran, ihrem Präsidenten auf einer Handelsmesse in Peking zu folgen. Zwei Fotografen seien von mindestens einem Dutzend Sicherheitsleuten getreten und geschlagen worden. Einer musste ins Krakenhaus gebracht werden. China bedauere den Vorfall, teilte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums mit.

Juncker mit versöhnlichen Worten an Visegrad-Staaten

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den finanziellen Beitrag der Visegrad-Staaten zum EU-Afrikafonds begrüßt. „Ausnahmsweise bin ich heute einmal ein glücklicher Mann“, sagte Juncker in Anwesenheit des ungarischen Premierministers Viktor Orban heute in Brüssel. Die Visegrad-Länder würden damit „Solidarität“ gegenüber Italien zum Ausdruck bringen.

Er habe Ungarn, Tschechien, Polen und die Slowakei vor ein paar Monaten gebeten, sich zu überlegen, was sie in der EU-Migrationsfrage beitragen könnten, so Juncker. Die Visegrad-Staaten weigern sich, an dem EU-Umverteilungsprogramm („Relocation“) von Flüchtlingen innerhalb der EU teilzunehmen. Der EU-Kommissionspräsident zeigte sich nun „sehr zufrieden“ mit den „ersten Ergebnissen“.

Osteuropäische Länder haben „geliefert“

Manchmal, so Juncker weiter, scheine es Missverständnisse zwischen der EU-Kommission und den Visegrad-Staaten zu geben. Diese seien auch noch nicht alle ausgeräumt. Nach Ansicht des EU-Kommissionspräsidenten hätten die vier osteuropäischen Länder aber heute „geliefert“.

Zuvor waren die Staats- und Regierungschefs der Visegrad-Länder mit dem italienischen Premier Paolo Gentiloni zusammengetroffen, um ihm mitzuteilen, dass sie 35 Millionen Euro zum EU-Afrikafonds beisteuern werden. Orban sagte nach dem Gespräch, dass er sich in Zukunft auch operative Hilfe beim Grenzschutz in Libyen vorstellen könnte.

Härtetest für „Brexit“-Abmachung

Die Diskussion über Flüchtlingsquoten überschattete den Gipfel noch vor dessen Beginn. Das große Thema des Treffens wäre aber eigentlich ein anderes: der „Brexit“- schließlich wird es hierzu einen erwarteten Beschluss geben.

Und der Weg dorthin wird spannend, schließlich zeigte sich zuletzt, dass doch noch einige Fragen offen sind. Es gibt also weiterhin Klärungsbedarf - schließlich soll der Gipfel das „Go“ für die nächste „Brexit“-Verhandlungsphase geben.

Mehr dazu in Zwei Themen als Aufreger im Vorfeld

Putin warnt vor Folgen von US-Angriff auf Nordkorea

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seinen US-Kollegen Donald Trump vor den katastrophalen Folgen eines Angriffs auf Nordkorea gewarnt. Den USA könne es unmöglich gelingen, alle Ziele für einen Angriff auf Nordkorea zu finden, sagte Putin heute bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau.

Das bedeute, dass Nordkorea in einem solchen Fall genug Kapazität für einen schweren Gegenschlag bleiben würde. Putin rief alle Beteiligten im Streit über das nordkoreanische Raketenprogramm zur Besonnenheit auf und rügte die USA, die Nordkorea zu dessen Verstößen gegen internationale Verträge provoziert hätten.

Er hoffe, dass im Umgang mit Nordkorea der gesunde Menschenverstand siegen werde und die USA bei dem Thema irgendwann mit Russland zusammenarbeiten würden. Derzeit stuften die USA Russland jedoch in die gleiche Kategorie von Ländern ein wie den Iran und Nordkorea, so Putin.

Strategische Partnerschaft mit China

Der russische Präsident betonte weiters die Bedeutung der strategischen Partnerschaft seines Landes mit China. Russland werde die weitere Beteiligung Chinas an russischen Projekten unterstützen, sagte Putin.

Das beinhalte auch den Energiesektor. China verfolge mit großem Interesse die Entwicklung von Russlands nördlicher Seeroute durch die Arktis, die die Transportzeit für Waren im Handel zwischen Asien und Europa deutlich verkürzen könne.

Sport

Radsport: Froome beteuert Unschuld

Nachdem bei Radsuperstar Chris Froome ein deutlich erhöhter Wert eines Mittels gegen Asthma festgestellt worden ist, will der Brite nichts von einem Fehlverhalten wissen. „Ich habe keine Regeln gebrochen“, sagte er in einem Interview. Dass der 32-Jährige vom Radsportweltverband (UCI) nur zu einer Erklärung aufgefordert und nicht gesperrt wurde, stößt unterdessen auch auf Unverständnis.

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Biathlon: Österreicher müssen ins Schwarze treffen

Nach dem verpatzten Auftritt in Hochfilzen bietet sich Österreichs Biathlon-Team ab heute beim Weltcup in Le Grand-Bornand in Frankreich die Chance zur Rehabilitierung. Knackpunkt für die mäßigen Ergebnisse bei den Heimspielen waren vor allem die dürftigen Leistungen auf dem Schießstand.

Cheftrainer Reinhard Gösweiner glaubt deshalb an eine Trendwende. „Unser Ziel ist es, mit einem guten Sprintergebnis möglichst viele Athleten in der Verfolgung dabei zu haben“, sagte Gösweiner.

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Wirtschaft

Saudi-Arabien: Milliardenpaket für Privatwirtschaft

Mit einem Milliardenpaket will Saudi-Arabien die Privatwirtschaft des ölreichen Königreichs fördern. Das von König Salman angeordnete Programm hat einen Umfang von 72 Milliarden saudischen Rial (rund 16 Mrd. Euro), wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA heute berichtete.

Es sollen unter anderem fast 14 Milliarden Rial in die Bauwirtschaft fließen, zehn Milliarden sind für die Förderung privater Unternehmen gedacht. Für strauchelnde Firmen stünden 1,5 Milliarden Rial bereit. Für die Finanzierung von Exporten stellt die Regierung fünf Milliarden zur Verfügung. Unklar ist, über welchen Zeitraum das Programm läuft.

„Vision 2030“

Das Königshaus erklärte, mit dem Paket solle die Wirtschaft gemäß der „Vision 2030“ angekurbelt werden. Das von Kronprinz Mohammed bin Salman verantwortete ehrgeizige Reformprogramm sieht vor, die saudische Wirtschaft unabhängiger von Öleinnahmen zu machen.

König Salman hatte gestern in einer Rede vor dem Schura-Rat des Landes gesagt, die Privatwirtschaft sei ein Partner bei der Entwicklung des Königreichs. Im November hatte eine Verhaftungswelle unter führenden Persönlichkeiten, darunter Unternehmer, Unruhe in Saudi-Arabien ausgelöst. Ihnen wird Korruption vorgeworfen.

Das Königreich erzielt mehr als 40 Prozent seiner Wirtschaftsleistung aus der Ölförderung. Die von großen Unternehmen geprägte Privatwirtschaft steht im Schatten des öffentlichen Sektors und ist stark von Staatsausgaben abhängig.

Probleme mit Post beschäftigen Bundesländer

In Wernberg in Kärnten haben heute Früh Mitglieder einer Bürgerinitiative gegen das Postverteilzentrum protestiert, das seit Juni in Betrieb ist. Sie kritisierten den starken Verkehr, den Lärm bei Ladevorgängen und dass es in der Nacht so hell sei, dass man kaum schlafen könne.

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In Bürmoos in Salzburg wird indes kritisert, dass in manchen Ortsteilen seit zwei Wochen keine Briefe mehr zugestellt worden seien, so Bürgermeister Peter Eder (SPÖ). Bei der Post verweist man auf Krankenstände und Personalmangel im ganzen Bezirk.

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Auch in Vorarlberg waren Zustellprobleme heute Thema in der Aktuellen Stunde im Landtag. Neben Rücktrittsaufforderungen an das Postmanagement gab es auch mögliche Lösungsansätze.

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ÖBB planen raschen Glyphosat-Ausstieg

Die ÖBB planen einen raschen Ausstieg aus der Anwendung von Glyphosat. Das berichtete die „Kronen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe). „Wir werden möglichst schnell und deutlich vor Ablauf der EU-Frist von fünf Jahren aus Glyphosat aussteigen“, sagte ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä. Gemeinsam mit Global 2000 werde intensiv nach einer Alternative zu dem Unkrautvernichtungsmittel gesucht.

Bereits seit einigen Jahren seien die ÖBB dazu in engem Austausch mit NGOs wie Global 2000 und Greenpeace, wodurch man in den vergangenen drei Jahren dem Ausstieg bereits ein großes Stück näher gekommen sei. „Wir haben die verwendeten Mengen innerhalb dieser Zeit beinahe halbiert - von 9,5 Tonnen (2014) auf 4,7 Tonnen (2017)“, hieß es in einem der APA vorliegenden Statement.

Derzeit werde das Mittel nur noch punktuell im unmittelbaren Gleisbereich verwendet, um einen sicheren Bahnbetrieb zu gewährleisten. Die eingesetzten Mengen des Herbizids würden die ÖBB bis zum kompletten Ausstieg innerhalb der nächsten Jahre weiter reduzieren, „um auch künftig unseren gesetzlichen Verpflichtungen sowie der Aufrechterhaltung eines sicheren Bahnbetriebes nachzukommen“.

Ratiopharm-Mutter streicht weltweit 14.000 Stellen

Der kriselnde Pharmakonzern Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. Das teilte das israelische Unternehmen heute mit. Teva (hebräisch für: Natur) ist Weltmarktführer unter den Generika-Herstellern und Israels größtes Unternehmen. Weltweit hat die Ratiopharm-Mutter nach eigenen Angaben rund 53.000 Mitarbeiter, damit ist jede vierte Stelle von den Kürzungen betroffen.

Teva steht schon länger wegen des zunehmenden Preisverfalls und anhaltender Absatzeinbußen in den USA unter Druck. Aus Protest gegen die Kündigungen bei Teva hat der israelische Gewerkschaftsdachverband Histadrut für Sonntag zu einem Generalstreik bis Mittag aufgerufen.

Chronik

US-Politiker nach Belästigungsvorwürfen tot aufgefunden

Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung einer Jugendlichen ist ein Abgeordneter des US-Bundesstaats Kentucky tot aufgefunden worden. Dan Johnson sei gestern mit einem Kopfschuss tot aufgefunden worden, sagte der Gerichtsmediziner von Bullitt County, David Billings, örtlichen Medien. Die Behörden gingen davon aus, dass er sich das Leben nahm.

Eine Frau hatte dem republikanischen Abgeordneten des Parlaments von Kentucky vorgeworfen, sie als 17-Jährige während einer Weihnachtsfeier vor fünf Jahren sexuell belästigt zu haben.

Facebook-Kommentar löste Suchaktion aus

Auf seiner Facebook-Seite dementierte er die auf einer örtlichen Investigativplattform veröffentlichten Vorwürfe: Die Anschuldigungen seien falsch, „Gott und nur Gott kennt die Wahrheit“, schrieb Johnson in dem inzwischen wieder gelöschten Eintrag.

Nach Angaben des Gerichtsmediziners löste der Kommentar eine Suche nach dem Abgeordneten aus, kurz darauf wurde seine Leiche gefunden. Johnsons mutmaßlicher Suizid sorgte in Kentucky für betroffene Reaktionen. Zahlreiche Politiker, darunter Gouverneur Matt Bevin und US-Senator Rand Paul, sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus.

Salma Hayek schildert Erfahrungen mit „Monster“ Weinstein

Die Vorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein reißen nicht ab: In einem gestern in der „New York Times“ veröffentlichten Artikel schildert die Schauspielerin Salma Hayek, wie Weinstein sie immer wieder sexuell belästigte, erniedrigte und sogar mit dem Tod bedrohte. „Er war jahrelang mein Monster“, schreibt die 51-Jährige. Weinstein bestritt die Vorwürfe.

Salma Hayek

APA/AFP/Angela Weiss

Vor allem die Arbeit an dem 2002 erschienenen Erfolgsfilm „Frida“, in dem Hayek die mexikanische Malerin Frida Kahlo spielte, erlebte die Schauspielerin als Qual. Sie habe immer wieder Nein sagen müssen: „Nein, ihm zu jeder nächtlichen Stunde die Tür zu öffnen, Hotel für Hotel, Drehort für Drehort. Nein, mit ihm zu duschen. Nein, dass er mir beim Duschen zuschaut. Nein, dass er mich massiert. Nein, dass er mir Oralsex macht. Nein, dass ich mich zusammen mit einer anderen Frau vor ihm ausziehe.“

Auf Annäherungen folgte „machiavellistische Wut“

In dem von Weinstein produzierten Film fungierte Hayek auch als Koproduzentin und hielt die Rechte am Drehbuch. Um den Film nicht zu gefährden, ließ sie nach eigener Darstellung Weinsteins Verhalten über sich ergehen, wie sie in dem Artikel schildert. Er habe zwischenzeitlich gedroht, einer anderen Frau die Hauptrolle zu geben, wogegen sie sich mit Hilfe von Anwälten gewehrt habe.

Auf jede Ablehnung habe Weinstein mit seiner „macchiavellistischen Wut“ reagiert, berichtet Hayek. Er habe ihr einmal mit dem Tod gedroht und gesagt: „Ich bringe dich um, glaube nicht, dass ich dazu nicht fähig bin.“ Als die Dreharbeiten begannen, hätten die sexuellen Belästigungen aufgehört. Stattdessen habe aber „die Wut“ zugenommen.

Sexszene eingefordert

Weinstein habe ihre schauspielerische Darbietung kritisiert und gesagt, der Film werde nur zu Ende gedreht, wenn sie einer expliziten Sexszene mit einer Frau zustimme. Als die Szene gedreht wurde, habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten, berichtete Hayek. Sie habe Beruhigungsmittel genommen.

Als der Film fertig war, habe Weinstein gesagt, er sei zu schlecht für das Kino und werde nur als Video veröffentlicht. Der Film kam dennoch in die Kinos und wurde ein voller Erfolg. Er gewann zwei Oscars und brachte Hayek eine Oscar-Nominierung ein.

Weinstein dementiert sexuelle Anschuldigungen

Weinstein ließ die Angaben der Schauspielerin dementieren. Alle von Hayek vorgebrachten sexuellen Anschuldigungen seien falsch, ließ er über einen Sprecher mitteilen. „Andere Zeugen der Ereignisse stellen die Vorgänge anders dar.“

Weinsteins Äußerungen über den fertigen Film seien überdies seiner Enttäuschung über den Schnitt geschuldet gewesen. Das sei der Grund dafür gewesen, dass er „gemeinsam mit der sehr talentierten Regisseurin Julie Taymor“ dem Filmschnitt den letzten Schliff gegeben habe.

Kultur

„Meine schöne innere Sonne“: Binoche sucht die Liebe

Eine französische Komödie über eine Frau um die 50, die die Liebe sucht: Diese Beschreibung allein klingt nicht aufsehenerregend. Dass es aber auch und vor allem die körperliche Liebe ist, um die es der Heldin geht, zeichnet „Meine schöne innere Sonne“ („Un beau soleil interieur“) dann doch aus.

Juliette Binoche

Polyfilm

Isabelle ist Künstlerin und wird gespielt von Juliette Binoche, die einen Großteil der Handlung in Minirock und hochhackigen Overknee-Stiefeln bestreitet - wenn sie nicht gerade nackt ist wie in der mutigen Bettszene zu Beginn des Films.

Regie führte eine der bedeutendsten zeitgenössischen Regisseurinnen, Claire Denis („Beau Travaille“, „Nenette et Boni“), deren ästhetischem Einfühlungsvermögen es wohl zu verdanken ist, dass Binoche im Film einiges wagt.

Verfilmung eines philosophischen Traktats

Die Handlung von „Meine schöne innere Sonne“ bleibt stets fragmentarisch, springt quer durch Zeiten und Orte, Denis beobachtet Isabelle im Umgang mit ihren Liebhabern: einem überheblichen Banker (Xavier Beauvois), einem Schauspieler (Nicolas Duvauchelle), einem sensiblen Künstler (Alex Descas) und einem Arbeiter (Paul Blain).

Diese Sprunghaftigkeit schuldet sich auch der ungewöhnlichen Vorlage des Films, dem 1977 erschienenen Essayband des französischen Philosophen Roland Barthes, „Fragmente einer Sprache der Liebe“.

Wie schon für ihren Film „L’intrus“ aus dem Jahr 2004 verwendet Denis auch hier ein philosophisches Werk, aus dessen Gedankengebäude sie die filmische Erzählung zimmert: ein ungewöhnliches Vorgehen, das im Fall von „L’intrus“ atmosphärisch wunderbar funktionierte.

Überraschendes Cameo

In „Meine schöne innere Sonne“ ist das Ergebnis nicht ganz so überzeugend. Oft wirkt es, als würde Binoche absurde Theatermonologe rezitieren, Haltungen ausprobieren wie auf einer Bühne, was daran liegen mag, dass der Film mit geringem Budget in nur fünf Wochen abgedreht wurde. Ein spannendes Experiment bleibt er allemal und wartet gegen Ende mit einem reichlich bizarren Gastauftritt eines Starschauspielers auf.

Science

Rasanter Eisschwund: Arktis wie „offener Eisschrank“

Nirgendwo auf der Welt schmilzt das Eis schneller als in der Arktis. Laut einem aktuellen Bericht der US-amerikanischen Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) war es aber noch nie so dramatisch wie in den vergangenen drei Jahren. Der Trend werde sich fortsetzen, die Arktis sei nun ein „offener Kühlschrank“, sagt Studienautor Jeremy Mathis.

Mehr dazu in Eisdecke so dünn wie nie zuvor

Religion

Medien

Medienpreis für Integration an ORF.at-Autorin Sarwat

Zum sechsten Mal wird im Jänner der Journalistenpreis für Integration verliehen, gestiftet und ausgelobt von Außenministerium und Integrationsfonds. Diesmal erhält mit Nadja Sarwat eine ORF.at-Autorin den Preis in der Kategorie online.

Sarwat wird für ihren Beitrag „Islamische Welt: Ikonen im Kampf um Frauenrechte“ ausgezeichnet. Darin stellt Sarwat emanzipierte Frauen vor, die im Orient tiefe Spuren hinterlassen haben, von Pharaoninnen über Kämpferinnen für Frauenrechte bis zu Genderforscherinnen und Webaktivistinnen.

Zwei weitere Preise gehen an den ORF - in der Kategorie TV an Hanno Settele, im Bereich Radio an Kerstin Tretina (Ö1). Eva Winroither („Die Presse“) wird mit dem Hauptpreis in der Kategorie Print ausgezeichnet. Die Jury tagte unter dem Vorsitz von Hans Winkler (Mitglied des Expertenrats für Integration und ehemaliger Leiter der Wiener Redaktion der „Kleinen Zeitung“).

Panorama

Indien: Glücksminister wegen Mordes gesucht

Ausgerechnet nach dem Glücksminister des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh wird laut Polizei in Zusammenhang mit einem Mord gefahndet.

Der 53-jährige Lal Sing Arya ist abgängig, nachdem ein Gericht am Dienstag seine Verhaftung anordnete. Er ist laut der Nachrichtenagentur AFP einer der Verdächtigen im Fall eines 2009 ermordeten Oppositionspolitikers. Der Minister hat in der Vergangenheit entsprechende Vorwürfe zurückgewiesen.

Zweitgrößter Bundesstaat

Madhya Pradesh ist der einzige indische Bundesstaat mit einem eigenen Glücksministerium. In dem zweitgrößten indischen Bundesstaat leben mehr als 70 Millionen Menschen.

Die hindu-nationalistische Partei Bharatiya Janata schuf im Sommer des Vorjahres das Ressort, um „das Glück und die Toleranz seiner Bürger“ zu gewährleisten, indem eine Umgebung geschaffen wird, „die es den Menschen ermöglicht, ihr eigenes Potenzial und Wohlbefinden zu verwirklichen“, wie es damals hieß.

Arya leitet neben dem Gesundheitsministerium fünf weitere Ministerien, darunter jenes für Verwaltung, Soziales und Luftfahrt. Für nächste Woche hat das Gerichte eine Anhörung mit Arya angesetzt. Die Polizei zeigte sich zuletzt zuversichtlich, den gesuchten Glücksminister bis dahin ausfindig machen zu können.