Inland

Ob es überhaupt zu einer Koalition von ÖVP und Grünen kommt, steht noch nicht fest, doch beide Parteien haben gestern gemeinsam für den Fall des Falles vorgesorgt: Sie brachten gemeinsam zwei Fristsetzunganträge für Änderungen beim Bundesministeriengesetz sowie für das Budgetprovisorium 2020 ein. SPÖ, NEOS und FPÖ kritisierten das Vorgehen gestern am Ende der Nationalratssitzung scharf.

Folge der Anträge ist, dass bei der nächsten Nationalratssitzung darüber beraten werden muss – auch wenn noch kein Ausschussbericht vorliegt. Von einer Zumutung für den Parlamentarismus und einer Farce sprachen SPÖ, NEOS und FPÖ.

Die ÖVP sprach von einem üblichen Prozedere vor einer Regierungsbildung, für die Grünen hat die Vorgehensweise ihre „Richtigkeit und Logik“. Grünen-Chef Werner Kogler argumentierte weiters, dass der Ausschuss auch nach Ablauf der Frist – sie endet morgen – bis zur nächsten Plenarsitzung darüber verhandeln könne.

Von der alten ÖVP-FPÖ-Bundesregierung ist zwar eine neue einheitliche Sozialhilfe beschlossen worden, der darin enthaltenen Vorgabe, das bis zum Ende des Jahres umzusetzen, haben aber bisher nur zwei Bundesländer Folge geleistet. Damit treten die neuen Bestimmungen mit 1. Jänner nur in Ober- und Niederösterreich in Kraft.

Ob und in welcher Form diese umzusetzen sind, prüft derzeit noch der Verfassungsgerichtshof (VfGH). Darauf haben sich die sieben Länder berufen, die zum Teil neben inhaltlichen Bedenken vor einer Umsetzung die Entscheidung des Höchstgerichts abwarten wollen. In diesen sieben Ländern gelten damit die alten, unterschiedlichen Bestimmungen vorerst weiter, es ändert sich mit 1. Jänner nichts.

Deckelung im Mai beschlossen

Das Grundsatzgesetz wurde die neue Sozialhilfe ist Ende Mai vom Nationalrat beschlossen. Die monatliche Sozialhilfe wird damit künftig in der Höhe des Netto-Ausgleichszulagenrichtsatzes gewährt, das sind 885,47 Euro für 2019.

Für Paare sind es zweimal 70 Prozent des Richtsatzes, das sind derzeit 1.239,66 Euro. Für Familien mit mehreren Kindern bringt die Neuregelung Einschnitte, ebenso für Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen. Einen Bonus gibt es für Menschen mit Behinderung, und Alleinerzieherinnen können die Länder einen Zuschlag gewähren.

21 SPÖ-Bundesräte brachten das Sozialhilfe-Grundsatzgesetz vor den VfGH. Sie kritisierten vor allem die Deckelung des Sozialhilfebezugs und die degressive Sozialhilfekürzung von in Wohngemeinschaften lebenden Bezugsberechtigten.

Ausland

In der Affäre um den Mord an einem Georgier in Berlin weist Russland zwei deutsche Diplomaten aus. Es handle sich dabei um eine „Vergeltungsmaßnahme“ für die zuvor erfolgte Ausweisung von zwei russischen Diplomaten aus Deutschland, sagte das Außenministerium in Moskau heute.

Wegen des Mordes, hinter dem die deutsche Justiz russische Stellen vermutet, hatte das Auswärtige Amt zuvor zwei russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt.

Im August war ein 40 Jahre alter Georgier im Kleinen Tiergarten in Berlin erschossen worden. Ein 49-jähriger Verdächtiger wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Das Opfer soll im zweiten Tschetschenien-Krieg gegen Russland gekämpft haben. Laut Bundesanwaltschaft wurde der 40-Jährige von russischen Behörden als Terrorist eingestuft und verfolgt. Kürzlich hatte der Generalbundesanwalt die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Auftragsmord übernommen.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben Strafanzeige beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gegen Rüstungsunternehmen wegen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und dessen Verbündete im Jemen-Krieg gestellt. In der Anzeige, die der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“), dem NDR und WDR gestern vorlag, wird den Unternehmen Beihilfe zu Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Angriffe auf Zivilbevölkerung

Spätestens nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von 2015 hätten die Unternehmen wissen müssen, dass im Jemen-Konflikt immer wieder die Zivilbevölkerung angegriffen werde, zitierten NDR und MDR aus der Anzeige.

Attackiert worden seien in dem Konflikt Schulen, Krankenhäuser und Privatwohnungen. Auch die UNO habe in zahlreichen Lageberichten auf mutmaßliche Kriegsverbrechen im Jemen-Konflikt hingewiesen.

Die Anzeige wurde unter anderem vom European Center for Constitutional and Human Rights in Berlin sowie der jemenitischen Menschenrechtsgruppe Mwatana eingereicht. Sie richtet sich den Berichten zufolge unter anderem gegen den deutschen Konzern Rheinmetall, dessen Bomben mutmaßlich im jemenitischen Bürgerkrieg eingesetzt werden.

Auch Anzeige gegen Airbus

Auch der europäische Flugzeughersteller Airbus wurde von den Menschenrechtsaktivisten angezeigt. Die saudi-arabische Luftwaffe setzt laut den Berichten Airbus-Maschinen im Jemen-Konflikt ein.

Rheinmetall und Airbus erklärten auf gemeinsame Anfrage von „SZ“, NDR und MDR, sie hätten sich an Recht und Gesetz gehalten. „Die letztendliche Entscheidung über den Export von Rüstungsgütern findet ausschließlich auf Basis einer Freigabe durch die Bundesregierung statt. Deutschland hat eines der strengsten Rüstungsexportgesetze weltweit“, so Airbus.

Aktuell Embargo aufrecht

Die deutsche Regierung hat seit dem Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi (Dschamal Chaschukdschi) im Oktober 2018 ein Embargo auf Waffenlieferungen an das Königreich verhängt. Anträge von Unternehmen auf Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien werden also grundsätzlich nicht genehmigt. Diesen Lieferstopp verlängerte die Bundesregierung im vergangenen September um weitere sechs Monate bis März 2020.

Vor der Schießerei bei New York mit insgesamt sechs Toten sollen die beiden Tatverdächtigen einen weiteren Mann umgebracht haben. „Die verstorbenen Verdächtigen in diesem Fall sind unsere Hauptverdächtigen für die Tötung eines Uber-Fahrers in (der Stadt) Bayonne“, sagte der Generalstaatsanwalt vom New Jersey, Gurbir Grewal, gestern. Derweil verdichteten sich im Fall des Angriffs auf das jüdische Geschäft die Hinweise auf einen antisemitischen Hintergrund.

Mehrere Menschen in jüdischem Geschäft erschossen

Am Wochenende war in der Stadt Bayonne im US-Bundesstaat New Jersey ein Fahrer des Fahrdienstvermittlers Uber tot aufgefunden worden. Medienberichten zufolge führten die Ermittlungen in dem Fall auf die Spur der beiden mutmaßlichen Täter von Jersey City, die einen Polizisten und mehrere Menschen in dem jüdischen Geschäft erschossen haben sollen. Der Tatort liegt nur wenige Kilometer westlich von New York und wird von Manhattan durch den Hudson River getrennt.

Staatsanwalt Grewal wollte am Mittwoch zunächst nicht bestätigen, dass es sich bei dem offensichtlich gezielten Angriff auf das jüdische Geschäft tatsächlich um eine antisemitische Tat handelte. „Wir führen zusätzliche Ermittlungen aus, bevor wir irgendwelche Schlüsse über die Motivation und die Ideologie (der Verdächtigen) ziehen.“

Verbindungen zu antisemitischen Gruppen

Mehrere US-Medien berichteten aber, dass die Ermittler die mutmaßlichen Täter in Verbindung mit der Gruppe der teilweise antisemitischen „Schwarzen Hebräer“ bringen. Der Bürgermeister von Jersey City, Steven Fulop, schrieb auf Twitter zudem, dass die „Schützen in Sozialen Netzwerken eine positive Haltung gegenüber antisemitischen Gruppen“ gezeigt hätten.

Die Verdächtigen, ein Mann und eine Frau, hatten den Angaben zufolge am Dienstag zunächst auf einem Friedhof in Jersey City einen Polizisten erschossen, der zum Mord an dem Uber-Fahrer ermittelt haben soll. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie sie kurze Zeit später mit ihrem Transporter direkt vor dem nahen jüdischen Geschäft anhielten. Sie eröffneten den Behörden zufolge sofort das Feuer und gingen gezielt in den Greißler.

Die Bemühungen um eine Regierungsbildung in Israel sind nach der Wahl im September gescheitert. Das Parlament stimmte heute Früh für seine Auflösung, die Neuwahl wird am 2. März 2020 stattfinden, wie das Parlament in Jerusalem mitteilte. Das wird nach April und September 2019 die dritte Wahl innerhalb zwölf Monaten sein.

Um Mitternacht verstrich eine letzte Frist zur Regierungsbildung. Danach stimmte das Parlament auch in zweiter und dritter Lesung dem Gesetzesentwurf zur Auflösung zu. Nun haben die Politiker und Politikerinnen 82 Tage Zeit für den nächsten Wahlkampf.

Pattsituation zwischen Lagern

Schon zweimal wurde in diesem Jahr in Israel ein neues Parlament gewählt, wegen einer Pattsituation zwischen dem rechts-religiösen und dem Mitte-links-Lager gelang jedoch keine Regierungsbildung.

Bemühungen um die Bildung einer großen Koalition zwischen Blau-Weiß und dem rechtskonservativen Likud des bisherigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu waren nach der Wahl am 17. September ebenfalls gescheitert. Netanjahu war es auch nach der vorangegangenen Wahl im April nicht gelungen, eine Koalition zu formen. Er ist seit 2009 durchgängig im Amt.

Nach Ärger über eine aufgelöste Demonstration auf dem UNO-Klimagipfel hat das Klimasekretariat der Vereinten Nationen auf Verhaltensregeln gepocht, will aber alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen wieder aufs Gelände lassen.

Keine unangemeldeten Demos mehr

Beide Seiten hätten sich nach dem Zwischenfall zusammengesetzt, hieß es heute in einer gemeinsamen Mitteilung in Madrid, wo Vertreter aus knapp 200 Staaten über Wege zu mehr Klimaschutz verhandeln. Die als „Beobachter“ eingestuften Konferenzteilnehmer von Umweltverbänden, Entwicklungsorganisationen und anderen Einrichtungen hätten zugesagt, sich an die Regeln zu halten, die etwa unangemeldete Demos verbieten.

Klimaproteste am Messegelände der COP25 in Madrid
APA/AFP/Cristina Quicler

Sicherheitskräfte hatten am Vortag eine Protestkundgebung direkt vor dem Plenarsaal aufgelöst und Demonstrierende vom Gelände gebracht. Sie hatten vor einer Veranstaltung mit UNO-Generalsekretär Antonio Guterres mehr Tempo beim Klimaschutz gefordert.

Handgemenge mit Securitys

Sie hielten vor dem Saal, in dem das Plenum tagt, einen „Cacerolazo“, eine in Chile übliche Form des Protests, ab, bei der die Teilnehmer auf Töpfe und Pfannen schlagen. In Madrid behalfen sich die Demonstranten mit Trinkflaschen und riefen „Klimagerechtigkeit jetzt!“ und „Schande über euch! Schande, Schande, Schande!“ Nach einigen Minuten schritten die Sicherheitskräfte ein. Es kam zu einem Handgemenge zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Als „Beobachter“ eingestufte Teilnehmer, in der Regel Vertreter von NGOs, durften danach zunächst nicht mehr auf das Gelände der UNO-Konferenz. In der Mitteilung war von einem „unglücklichen sicherheitsrelevanten Zwischenfall“ die Rede.

In Algerien hat heute die Präsidentenwahl begonnen. Die rund 61.000 Wahllokale in dem nordafrikanischen Land öffneten nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur APS um 8.00 Uhr MEZ. Die Algerier und Algerierinnen sind aufgerufen, einen Nachfolger für den zurückgetretenen Staatschef Abdelaziz Bouteflika zu bestimmen. Zu der umstrittenen Abstimmung wurden fünf von insgesamt 23 Bewerbern zugelassen.

Wahllokal in Algier
APA/AFP/Ryad Kramdi

Drei der Kandidaten gehörten früheren Regierungen von Bouteflika an, davon zwei als Ministerpräsidenten. Anhänger der Protestbewegung werfen den Kandidaten deswegen Nähe zu den alten Eliten Algeriens vor. Daher wurde mit einer äußerst geringen Wahlbeteiligung gerechnet.

Eine Protestbewegung, die sich im Februar formierte, hatte den seit 20 Jahren herrschenden Bouteflika im April wenige Wochen vor dem offiziellen Ende seiner vierten Amtszeit zum Rücktritt gezwungen. Eine für den 4. Juli geplante Wahl seines Nachfolgers wurde aus Mangel an Kandidaten verschoben. Die Protestbewegung lehnt auch den neuen Wahltermin ab.

EU

Kein Auftritt der frischgebackenen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ohne ihr Herzensprojekt, den „Europäischen Green Deal“. Gestern wurde dieser in Brüssel dem EU-Parlament vorgestellt und verheißt Großes, um in der EU verbindlich die Klimaneutralität bis 2050 zu schaffen. Der politische Tatendrang ist enorm, doch fielen in erster Linie Schlagworte. Mit der genauen Umsetzung blieb die Kommission vage.

Lesen Sie mehr …

Sport

Die erste Saison in der UEFA Champions League des FC Salzburg ist am Dienstag mit einer 0:2-Niederlage gegen Liverpool zu Ende gegangen. Österreichs Meister belegte letztlich hinter dem Titelverteidiger und SSC Napoli Rang drei in der Gruppe E, der zum Umstieg in die Europa League berechtigt. Das Minimalziel wurde damit erreicht, doch die Leistungen machten den Salzburgern Lust auf mehr Königsklasse in der Zukunft.

Lesen Sie mehr …

Mit dem Heimweltcup im Montafon steht für Österreichs Snowboardcrosser und Skicrosser morgen bzw. Samstag schon ein Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Nach der Absage im Vorjahr wird auf dem Hochjoch oberhalb von Schruns diesmal auf einem schneebedingt auf 600 Meter verkürzten, aber trotzdem anspruchsvollen Kurs gefahren. Im Snowboardcross (SBX) ist Montafon zudem der Weltcup-Auftakt.

Lesen Sie mehr …

Wirtschaft

Das weltgrößte Unternehmen Saudi Aramco hat an der Börse zeitweise die magische Marke von zwei Billionen Dollar geknackt. Die Titel kletterten zum Börsenstart heute erneut um zehn Prozent auf 38,7 Riyal (10,32 Dollar), gaben dann aber im Handelsverlauf wieder leicht nach und lagen noch fünf Prozent im Plus. Saudi Aramco stellte damit Apple als bisher teuerstes börsennotiertes Unternehmen weit in den Schatten. Der US-Konzern kommt auf einen Börsenwert von rund 1,2 Billionen Dollar.

Saudi Aramco hatte gestern den größten Börsengang aller Zeiten über die Bühne gebracht. Bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption („Greenshoe“) beläuft sich das Volumen der Emission auf 29,4 Milliarden Dollar.

Spitzenreiter war bisher der chinesische Onlinehändler Alibaba, der 2014 Papiere im Volumen von rund 25 Milliarden Dollar losgeschlagen hatte. Die Investoren kommen aus Saudi-Arabien und den Nachbarstaaten. Weil das Interesse aus dem Ausland so gering war, mussten Banken, die den Börsengang begleiteten, Roadshows in London und New York absagen.

Die Übernahme des deutschen Lichtkonzerns Osram durch den steirischen Sensorhersteller ams ist nach Ansicht von Osram-Chef Olaf Berlien mit Risiken verbunden: „Meine größte Sorge ist, dass die Integration nicht gelingt“, sagte Berlien in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Donnerstag-Ausgabe).

Bei der Übernahme würden sehr unterschiedliche Firmenkulturen aufeinandertreffen. „Hier ist das 113 Jahre alte Unternehmen Osram, ingenieurgetrieben und manchmal etwas langsam. Und da ist ams mit einer Start-up-Mentalität“, so Berlien weiter. Wenn der eine den anderen dominieren wolle, gehe das schief. Daher strebe man jetzt eine Fusion unter Gleichen an.

Im Übrigen müsse auch gefragt werden, was die Alternative gewesen wäre. „Am Schluss haben etwa 45 Prozent der Osram-Aktien Hedgefonds gehört. Da bin ich über einen stabilen Mehrheitsaktionär ganz froh“, sagte der Konzernchef. Ams hatte rund vier Milliarden Euro für Osram geboten und sich bisher knapp 60 Prozent der Anteile gesichert.

Der US-Luftfahrtriese Boeing gerät in der Krise um seinen nach zwei verheerenden Abstürzen weltweit mit Startverboten belegten Unglücksjet 737 Max weiter unter Druck. Ein Whistleblower erhob bei einer Kongressanhörung in Washington gestern (Ortszeit) schwere Anschuldigungen gegen den Flugzeugproduzenten.

„Schwerwiegende Bedenken“

„Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt und Monate vor dem ersten Absturz schwerwiegende Bedenken über die Fertigungsqualität an ranghohe Boeing-Führungskräfte durchgegeben“, sagte der frühere Boeing-Manager Ed Pierson. Vor dem zweiten Unglück habe er erneut Probleme gemeldet, doch keiner seiner Hinweise habe etwas bewirkt.

Ed Pierson, früherer Boeing-Manager
APA/AFP/Getty Images/Tasos Katopodis

Boeing steht im Verdacht, die Unglücksflugzeuge überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern streitet das ab, hat aber Fehler bei der 737 Max zugegeben. Als eine wesentliche Absturzursache gelten Softwarefehler bei einer Steuerungsautomatik, die Boeing per Update beheben will.

US-Luftfahrtaufsicht in der Kritik

Bei der Anhörung vor einem Kongressausschuss ging es auch um die Rolle der US-Luftfahrtaufsicht FAA. Sie steht wegen der Zulassung der 737 Max ebenfalls stark in der Kritik. FAA-Chef Steve Dickson verteidigte die Behörde, räumte aber ein, dass das sehr zögerlich verhängte Flugverbot für die 737 Max aus heutiger Sicht zu spät kam.

Zuletzt hatte Dickson Boeings Hoffnungen auf eine rasche Wiederzulassung des Unglücksjets gedämpft. „Wir werden bei dem Prozess alle nötigen Schritte befolgen, wie lange auch immer es dauern wird“, sagte der FAA-Chef im Sender CNBC. In diesem Jahr werde es sicherlich keine Betriebserlaubnis für die 737 Max mehr geben.

Chronik

Auf Russlands einzigem Flugzeugträger ist ein Brand ausgebrochen. Die „Admiral Kusnezow“ fing heute bei Wartungsarbeiten im Hafen von Murmansk Feuer, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten. Drei Menschen würden zunächst vermisst.

Die Nachrichtenagentur TASS berichtete unter Berufung auf eine Quelle, das Feuer sei am Oberdeck ausgebrochen. Dicke schwarze Rauchsäulen stiegen in die Luft.

Der frühere Hollywood-Mogul Harvey Weinstein hat eine Grundsatzvereinbarung über Entschädigungszahlungen an Dutzende Frauen geschlossen, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. Weinstein habe in eine Zahlung von insgesamt 25 Millionen Dollar (22,4 Mio. Euro) eingewilligt, sagte der Anwalt eines der mutmaßlichen Opfer heute der Nachrichtenagentur AFP in New York.

Die Millionensumme soll den Angaben zufolge unter mehr als 30 Schauspielerinnen und früheren Angestellten Weinsteins aufgeteilt werden, die juridisch gegen den ehemaligen Filmproduzenten vorgegangen sind. Die von diesen Frauen erhobenen Anschuldigungen reichen von sexueller Belästigung bis Vergewaltigung.

Genehmigung noch ausständig

Die Vereinbarung muss allerdings noch von allen beteiligten Parteien unterzeichnet und von einem Gericht genehmigt werden, sagte der Anwalt Aaron Filler, der die Schauspielerin Paz de la Huerta vertritt. Filler äußerte die Erwartung, dass seine Mandantin der Vereinbarung beitritt. De la Huerta wirft Weinstein vor, sie im Jahr 2010 vergewaltigt zu haben.

Harvey Weinstein verlässt den Gerichtssaal mit Gehhilfe
AP/Mark Lennihan

Laut dem auf Promi-News spezialisierten US-Webportal TMZ.com muss Weinstein im Rahmen der Vereinbarung keinerlei Schuld eingestehen. Der 67-Jährige beteuert bis heute, all seine sexuellen Kontakte hätten im gegenseitigen Einvernehmen stattgefunden.

Auch muss Weinstein die Entschädigungen laut TMZ.com nicht aus eigener Tasche bezahlen. Vielmehr sollten die Versicherer seines bankrotten früheren Filmstudios die Zahlungen übernehmen, berichtete das Portal. Die Vereinbarung stießt bei einem Teil der Frauen, die sich als Weinstein-Opfer bezeichnen, und deren Anwälten auf vehemente Kritik.

Kaution erhöht

Der Prozess gegen Weinstein soll im Jänner beginnen. Zuletzt erhöhte Richter James Burke Weinsteins Kaution von einer auf zwei Millionen Dollar. Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche eine drastische Erhöhung auf sogar fünf Millionen Dollar gefordert. Sie begründete das mit Fluchtgefahr: Der einstige Hollywood-Mogul könne versuchen, vor Prozessbeginn aus dem Land zu fliehen.

Nach Angaben der Staatsanwälte war in den vergangenen Monaten wiederholt kein Signal von der elektronischen Fußfessel Weinsteins empfangen worden. Weinsteins Anwälte hatten dagegen von „technischen Fehlern“ gesprochen. Weinstein kam gestern mit einer Gehhilfe ins Gericht in Manhattan. Nach Angaben des Magazins „Variety“ habe er sich bei einem Autounfall im August am Rücken verletzt.

Das Bezirksgericht Zofingen hat den Schweizer Hochseilartisten Freddy Nock der versuchten vorsätzlichen Tötung seiner Ehefrau schuldig gesprochen.

Das Gericht verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Der 55-Jährige muss lediglich zehn Monate absitzen. Für den Rest gewährte ihm der Richter einen bedingten Strafvollzug mit einer Probezeit von zwei Jahren. Nock kommt für die Dauer von drei Monaten auf Antrag des Staatsanwalts in Sicherheitshaft.

Die Gerichtspräsidentin sagte gestern Abend bei der Urteilseröffnung, für einen Schuldspruch müsse der Angeklagte nicht geständig sein. In diesem Fall stehe – wie oft bei häuslicher Gewalt – Aussage gegen Aussage. Es obliege dem Gericht, die Glaubhaftigkeit der Aussagen zu prüfen, so die Gerichtspräsidentin.

„Glaubhaft und authentisch“

Nock hatte laut Anklage versucht, seine Frau im März 2013 mit einem Polster zu ersticken. Das Gericht stützte sich auf die Aussagen des Opfers, sagte die Gerichtspräsidentin. Die Frau habe von Beginn an widerspruchsfrei ausgesagt und keine pauschalen Beschuldigungen erhoben. Auch habe sie die Tat nicht erfunden. Die Aussagen des Opfers seien „glaubhaft und authentisch“. Daran bestehe kein Zweifel, hieß es bei der Begründung des Urteils.

Das Bezirksgericht sprach Nock von den Vorwürfen der mehrfachen Gefährdung des Lebens und der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung frei. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren gefordert, der Verteidiger einen Freispruch. Das Urteil des Bezirksgerichts ist nicht rechtskräftig. In der Ehe kam es immer wieder zu Gewalt. Die beiden getrennt Lebenden liefern einander auch ein Tauziehen um das Sorgerecht ihres achtjährigen Sohnes.

Neuseeländische Bergungsteams planen mehrere Tage nach dem Vulkanausbruch auf der Insel White Island einen riskanten Einsatz zur Bergung von Leichen. Trotz der Warnungen von Vulkanforschern vor einer möglichen neuen Eruption billigte die neuseeländische Polizei die Entsendung einer Bergungsmisssion, wie sie heute mitteilte.

Mindestens acht Opfer auf Insel

Die Rettungskräfte sollen bereits morgen in dem Vulkangebiet nach den Leichnamen suchen, wie Vizepolizeichef John Tims mitteilte. Die Behörden gehen davon aus, dass sie aufgrund der von Drohnen und Hubschraubern kurz nach dem Ausbruch gesammelten Informationen den Ort von zumindest einigen der sterblichen Überreste kennen. Die Behörden vermuteten, dass es auf White Island mindestens acht weitere bisher ungeborgene Todesopfer gibt.

Neusländische Insel White Island
Reuters/Jorge Silva

Noch kurz vor der jetzigen Ankündigung der Bergungsmission hatte Polizeiminister Stuart Nash in einem Radiointerview gesagt: „Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist.“ Allerdings war zuletzt vonseiten Angehöriger der Druck auf die Behörden gewachsen, mit der Suche auf der Insel zu beginnen.

Opferzahl stieg auf acht, schwerste Verbrennungen bei Verletzten

Die Zahl der von dem Vulkanausbruch verursachten Todesopfer stieg unterdessen auf mindestens acht. Zwei Menschen erlagen nach Polizeiangaben im Krankenhaus ihren Verletzungen. Mehrere Menschen schwebten zudem weiter in Lebensgefahr.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von heute werden mehr als 20 Schwerverletzte in neuseeländischen Krankenhäusern behandelt. Mehrere der Opfer könnten nicht sprechen, sie hätten schwere Verbrennungen nicht nur an der Körperoberfläche, sondern auch an inneren Organen, sagte Polizeiminister Stuart Nash dem Sender Radio New Zealand. Einige der Verletzten würden ihre schweren Brandwunden womöglich nicht überleben, sagten Mediziner.

47 Menschen auf Insel

Zum Zeitpunkt der Eruption des auch unter dem Namen Whaakari bekannten White-Island-Vulkans am Montag hielten sich 47 Menschen auf der Insel auf. Darunter waren vier Deutsche, die nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin Verletzungen davontrugen. Die anderen Ausflugstouristen und Reiseleiter kamen aus Australien, den USA, Großbritannien, China, Malaysia und Neuseeland. Personen aus Österreich waren nicht betroffen.

Nach der gestrigen Ziehung bei Lotto „6 aus 45“ kann sich ein Mitspieler über die sechs richtigen Zahlen und damit 3.697.632,9 Euro freuen.

Es wurden folgende Gewinnzahlen ermittelt:

2 8 18 26 35 43 Zusatzzahl 40

Die aktuellen LottoPlus-Zahlen lauten:

25 31 34 35 36 45

Die aktuelle Joker-Zahl lautet:

9 2 1 8 0 7

Alle Angaben ohne Gewähr

Kultur

Hollywoods Schauspielerverband (SAG) hat das Mafia-Epos „The Irishman“, Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ und das Drama „Bombshell“ um Machtmissbrauch und Belästigung beim US-Sender Fox News mit den meisten Preisnominierungen bedacht.

Je vier Gewinnchancen

Alle drei Filme haben jeweils vier Gewinnchancen, wie der Verband heute in Hollywood bekanntgab. Zusammen mit der Nazi-Satire „Jojo Rabbit“ und dem südkoreanischen Thriller „Parasite“ wetteifern sie unter anderem in der Topsparte um den Ensemble-Preis für die gesamte Besetzung.

Um die SAG-Trophäe als bester Schauspieler konkurrieren mit Leonardo DiCaprio („Once Upon a Time in Hollywood“) seine Kollegen Joaquin Phoenix („Joker“), Adam Driver („Marriage Story“), Christian Bale („Le Mans 66 – Gegen jede Chance“) und Taron Egerton für „Rocketman“.

In der Frauenriege wurden neben Charlize Theron („Bombshell“) auch Renee Zellweger („Judy“), Scarlett Johansson („Marriage Story“), Cynthia Erivo („Harriet“) und Lupita Nyong’o („Wir“) nominiert.

Vorboten für Oscar-Verleihung

Die SAG-Awards (Screen Actors Guild) werden am 19. Jänner zum 26. Mal vergeben. Sie gelten als Vorboten für die im Februar anstehende Oscar-Verleihung. Anfang 2019 holte Rami Malek für seine Rolle als Musiker Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ den SAG-Preis und gewann später auch bei den Oscars. Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“) wurde mit der SAG-Trophäe gekürt, der Oscar ging aber an Olivia Colman („The Favourite“).

Ein Gemälde, das den mexikanischen Nationalhelden Emiliano Zapata nackt auf einem Pferd zeigt, sorgt derzeit in Mexiko für Aufruhr. Mehrere hundert Demonstranten und Demonstrantinnen stürmten gestern das Museum Palacio de Bellas Artes in der Hauptstadt Mexiko-Stadt, in dem das 2014 fertiggestellte Werk mit dem Titel „La Revolucion“ von Fabian Chairez gezeigt wird. Sie drohten, das Gemälde zu verbrennen.

Gemälde eines nackten Zapata
AP/Eduardo Verdugo

Die Demonstranten, vornehmlich Landarbeiter aus Zapatas Heimatstaat Morelos, stören sich unter anderem an der Nacktheit ihres feminin dargestellten Helden, der zudem einen rosafarbenen Hut und Stilettos trägt. Zudem hat das Pferd einen erigierten Penis.

Die Demonstranten, die sich mehrere Stunden an Ort und Stelle aufhielten, brüllten homophobe Beleidigungen und kündigten an, jeden Tag wiederzukommen, bis das Bild abgehängt werde. Die Ausstellung findet zum 100. Jahrestag des Todes von Zapata statt. Das Gemälde ziert auch den Titel des Ausstellungskatalogs.

Der bis heute verehrte Zapata war 1910 maßgeblich am Sturz von Diktator Porfiro Diaz beteiligt. Sein Enkel Jorge Zapata droht dem Künstler Chairez wegen des Gemäldes mit einer Klage.

Science

Leute

Der französische Filmstar Catherine Deneuve ist nach einem leichten Schlaganfall wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Schlaganfall sei „sehr begrenzt und daher umkehrbar“ gewesen, die Schauspielerin durfte daher in den vergangenen Tagen nach Hause gehen, hieß es gestern aus ihrem Umfeld. Zuvor hatten Nachbarn die 76-Jährige wieder in der Nähe ihrer Pariser Wohnung gesehen, wie die Zeitung „Le Parisien“ berichtete.

Schauspielerin Catherine Deneuve
APA/AFP/Loic Venance

Deneuve sei wieder zu Hause, sagte ein Freund der Schauspielerin der Nachrichtenagentur AFP. Sie erhole sich und kümmere sich um ihre Genesung. Zugleich hoffe sie, ihre Tätigkeiten „so bald wie möglich“ wiederaufnehmen zu können. Sie war Anfang November nach einem Schlaganfall während Dreharbeiten in ein Krankenhaus eingeliefert worden. In den vergangenen Wochen drehte Deneuve unter der Regie von Emmanuelle Bercot den Film „De son vivant“ mit Benoit Magimel und Cecile de France. Am Filmset kam es auch zu dem Schlaganfall.