Ausland

Klimagipfel: Hoffnung auf Einigung

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist intensiv über eine Einigung in der Klimapolitik verhandelt worden. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel beriet gestern Abend zeitweise mit Polens Ministerpräsidentin Ewa Kopacz, Frankreichs Staatschef Francois Hollande und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy über die Klimaziele für das Jahr 2030. Im Anschluss äußerten sich Diplomaten optimistisch, dass ein Beschluss erreicht werde.

Die EU-Staaten gingen gespalten in die Verhandlungen über die europäischen Klimaziele. „Die Beratungen werden nicht einfach, und ich kann auch nicht sagen, ob es zu einem Ergebnis kommt“, sagte Merkel zu Gipfelbeginn. Denn in der Klima- und Energiepolitik hat jedes Land seine eigenen Interessen. Im Verlauf des Abends näherten sich die verschiedenen Seiten aber offenbar an.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 40 Prozent zu senken, den Anteil erneuerbarer Energien auf mindestens 27 Prozent auszubauen und Energieeinsparungen von 30 Prozent zu erreichen. Die Werte sind aber umstritten: Umweltschützer halten sie für zu niedrig, manchen EU-Staaten gehen sie hingegen viel zu weit.

Gipfel gibt grünes Licht für neue EU-Kommission

Nach dem Europäischen Parlament haben auch die EU-Staats- und Regierungschefs grünes Licht für die neue Kommission gegeben. Der EU-Gipfel in Brüssel billigte gestern Abend die Mannschaft unter Führung des früheren Luxemburger Regierungschefs Jean-Claude Juncker. Dies war der letzte Schritt in dem Verfahren, damit die neue EU-Kommission zum 1. November ihre fünfjährige Amtszeit antreten kann.

Zu Junckers Team gehören 27 Kommissare. Das EU-Parlament hatte die Kommission am Mittwoch nach wochenlangen Anhörungen der einzelnen Mitglieder mit 423 gegen 209 Stimmen bestätigt. 67 Abgeordnete enthielten sich. Österreich wird weiterhin durch den bisherigen Regionalkommissar Johannes Hahn (ÖVP) in der EU-Kommission vertreten sein. Hahn wechselt nun ins Ressort Nachbarschaftspolitik und Erweiterung.

Neue Beweise im Mladic-Prozess zugelassen

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien lässt nach dem Fund eines weiteren Massengrabes in Bosnien neue Beweise der Anklage gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic zu. Wie das Gericht in Den Haag gestern mitteilte, wurde einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben.

Eigentlich hatte die Anklage ihren Beweisvortrag schon im Februar beendet. Mit Blick auf die zusätzlichen Beweise hat das UNO-Gericht einer Verlängerung des Prozesses zugestimmt. Mladic werden Völkermord sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnien-Krieg der Jahre 1992 bis 1995 zur Last gelegt.

Er muss sich wegen „ethnischer Säuberungen“ in Teilen Bosniens verantworten. Insbesondere wird ihm das Massaker von Srebrenica zur Last gelegt, bei dem im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Buben und Männer ermordet wurden. Mladic wird unter anderem auch vorgeworfen, für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo verantwortlich zu sein. Insgesamt liegen gegen den 72-Jährigen elf Anklagepunkte vor.

Erdogan: 200 Peschmerga dürfen nach Kobane

Schon am Montag hat der türkische Außenminister angekündigt, kurdische Peschmerga-Kämpfer aus dem Nordirak über die Türkei nach Kobane (arabisch: Ain al-Arab) reisen lassen zu wollen, die dort die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen sollen. Doch die Kurden in der belagerten Stadt warten noch immer auf Verstärkung. Diese soll nach den Worten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bald kommen. Gestern sprach er von einer Einigung, 200 Peschmerga-Kämpfern die Ausreise nach Syrien zu erlauben. Die Zeit drängt: Die Grenzstadt droht gänzlich von der Türkei abgeschnitten zu werden.

Mehr dazu in Terrormiliz bündelt Kräfte

UNO fordert Milliardenhilfe für irakische Bevölkerung

Die Vereinten Nationen haben zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung im Irak 2,2 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro) gefordert. Insgesamt seien 5,2 Millionen Iraker infolge des blutigen Konflikts auf Hilfe angewiesen, sagte der UNO-Hilfskoordinator für den Irak, Neill Wright, gestern in Bagdad.

Demnach brauchen im Irak 1,8 Millionen Binnenvertriebene, 1,5 Millionen Menschen in den Gemeinden, in denen die Flüchtlinge untergekommen sind, sowie 1,7 Millionen Menschen außerhalb des von der Regierung kontrollierten Gebiets Hilfe.

Sorge vor Winter

Nach UNO-Schätzungen benötigen 2,8 Millionen Iraker Lebensmittel, während rund 800.000 Menschen dringend Unterkünfte brauchen. Ein Großteil der Menschen, die dieses Jahr vor der Gewalt geflohen sind, habe in der relativen Sicherheit der autonomen Kurdengebiete im Nordirak Zuflucht gefunden. In der bergigen Gegend fallen die Temperaturen im Winter deutlich unter null Grad.

Zu den irakischen Binnenvertriebenen kommen rund 200.000 Flüchtlinge aus Syrien hinzu. Frühere Hilfsappelle für Syrien und den Irak wurden nur zum Teil erfüllt. Für die Versorgung der syrischen Binnenflüchtlinge etwa sind bisher nur 38 Prozent der von der UNO geforderten Mittel eingegangen, bei den syrischen Flüchtlingen in den Nachbarländern sind es 52 Prozent.

Libanon erschwert syrischen Flüchtlingen die Einreise

Der Libanon will die Einreise von Flüchtlingen aus Syrien ab sofort beschränken. Die Regierung beschloss, dass Syrer nur noch unter „humanitären oder außergewöhnlichen“ Voraussetzungen ins Nachbarland kommen.

Der Libanon werde keine neuen Flüchtlinge registrieren, ohne dass dies zuvor vom libanesischen Sozialministerium gebilligt wurde, sagte Informationsminister Ramsi Jreij nach der Kabinettssitzung libanesischen Fernsehsendern. Flüchtlinge, die aus relativ sicheren Gebieten in Syrien stammten, würden gebeten, in ihr Land zurückzukehren.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind mehr als 1,1 Millionen Flüchtlinge aus Syrien in den Libanon geflüchtet. Das kleine arabische Land hat Schätzungen zufolge rund vier Millionen Einwohner.

Inland

Denkmal für Wehrmachtsdeserteure wird enthüllt

Heute wird am Wiener Ballhausplatz das Denkmal für Wehrmachtsdeserteure enthüllt. Das Mahnmal ist den Verfolgten der NS-Militärjustiz gewidmet. Der Festakt beginnt am späten Vormittag und ist prominent besetzt. Bundespräsident Heinz Fischer und Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) werden ebenso teilnehmen wie Vertreter der Wiener Stadtregierung. Die Festrede hält die Autorin Kathrin Röggla.

220.000 Euro stellte die Stadt für das im Koalitionspapier verankerte Denkmal zur Verfügung. Für die Gestaltung der liegenden dreistufigen Treppenskulptur in X-Form zeichnete der Künstler Olaf Nicolai verantwortlich.

In die blaue Oberfläche wurde eine Inschrift eingelassen, die lediglich aus den Worten „all“ und „alone“ besteht. Sie soll auf den Widerstand des Einzelnen gegen die Masse verweisen. Die nationalsozialistische Militärjustiz verhängte während des Zweiten Weltkriegs mehr als 30.000 Todesurteile.

EU-Budgetrüge: Faymann will nicht „Vorzugsschüler“ sein

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat gestern vor dem EU-Gipfel in Brüssel bestätigt, dass Österreich eine Rüge der EU-Kommission für sein Budget für 2015 bekommen hat. „Wir werden nicht die Vorzugsschüler sein, die immer versuchen, irgendetwas zu machen, von dem sie nicht überzeugt sind, sondern wir werden das tun, was ordentliche Schüler machen: ihren Standpunkt vertreten“, sagte Faymann.

Auf den Inhalt des Briefes der EU-Kommission wollte Faymann nicht eingehen. Der Brief sei an Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) ergangen. Er habe bereits mit dem Finanzminister in dieser Angelegenheit telefoniert, sagte der Kanzler. Dieser habe ihm gesagt, dass es „ein relativ freundlicher Brief“ sei. „Das ist ein Diskussionsprozess, wo man seinen Standpunkt vertritt.“

Schelling sieht „Einladung zum Dialog“

Auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) beunruhigt der Budgetbrief aus Brüssel nicht sonderlich, wie er im Ö1-Abendjournal betonte. Er sehe darin eine „Einladung zum Dialog“. Es sei ein "Unterschied, ob man zwischen „0,9 und ein Prozent schwankt“ oder ein strukturelles Defizit von über vier Prozent habe, so Schelling, der Österreich mitnichten als „Defizitsünder“ bezeichnet sehen will.

Bei der Kontrolle der Budgets für 2015 schlug die EU-Kommission bei mehreren Euro-Staaten Alarm. Mahnschreiben gingen neben Österreich auch an Italien und Frankreich. Die Brüsseler EU-Behörde untersucht seit einer Woche die Haushaltsentwürfe. Die Überprüfung gilt als politisch delikat, da sich insbesondere große Euro-Staaten wie Italien und Frankreich nicht an die Sparvorgaben halten.

Nationalrat beschloss kürzere Dienstzeiten für Spitalsärzte

Die Dienste von Spitalsärzten werden kürzer. Der Nationalrat hat mit rund einem Jahrzehnt Verspätung eine entsprechende EU-Vorgabe erfüllt. Gegen die Vorlage stimmte nur NEOS. Bis Mitte 2021 soll mit dem neuen Gesetz die wöchentliche Durchschnittsarbeitszeit von derzeit bis zu 60 auf maximal 48 Stunden reduziert werden.

Bereits ab 2015 dürfen Ärzte im Krankenhaus nur noch dann länger als 48 Stunden Dienst machen, wenn sie schriftlich ihr Einverständnis erklären. Tun sie das, überlegen es sich aber später wieder, sei ein Widerruf möglich, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) in der Plenardebatte.

Bis Ende 2017 sind bei Einwilligung maximal 60 Stunden erlaubt, ab 2018 höchstens 55 Arbeits- und Bereitschaftsstunden, ab Mitte 2021 ist dann die 48-Stunden-Woche Vorschrift. Hundstorfer glaubt, dass sich die Vorgaben früher umsetzen lassen werden. Auf Wunsch zweier Länder habe man aber zur Sicherheit noch etwas mehr Zeit, also bis 2021 gegeben.

Freilich ist die 48-Stunden-Regelung auch in Zukunft nicht starr. Der Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen (vier Monate) kann nämlich „unter besonderen Umständen“ auf ein Jahr (52 Wochen) ausgedehnt werden, die maximale Arbeitszeit in einzelnen Wochen bleibt weiter bei 72 Stunden.

Ärztekammer in Kärnten beharrt auf höherem Grundgehalt

Seit Monaten wird hinter den Kulissen eifrig über die künftige Arbeitszeit für Krankenhausärzte und ihre Entlohnung verhandelt. Die Ärztekammer in Kärnten fordert - trotz eines Neins vonseiten der Politik - weiter die Anhebung des Grundgehalts und die Erlaubnis für Nebenbeschäftigungen.

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Neue Ärztearbeitszeit: Druck auf Notärzte steigt

Das neue Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz könnte eine weitere Verschärfung für das steirische Notarztwesen bringen. Notarztdienste sollen damit nicht mehr außerhalb der normalen Dienstzeiten möglich sein.

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Sport

Europa League: Krawalle bei Spiel in Bratislava

Der dritte Spieltag der Europa League ist von schweren Fanrandalen in Bratislava überschattet worden. Beim Prestigeduell zwischen Gastgeber Slovan und Sparta Prag lieferten sich Fans beider Clubs eine Schlägerei auf den Tribünen, nachdem laut slowakischen Agenturen Anhänger der Gäste einen Zaun durchbrochen hatten. Der schwedische Schiedsrichter unterbrach die Partie daraufhin für fast eine Dreiviertelstunde. Nach Wiederbeginn gab es für Slovan auch sportlich einen Dämpfer.

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Eishockey: Graz bezwingt VSV nach Kraftakt

Die Graz 99ers haben sich gestern mit einem Kraftakt zum ersten Verfolger der Vienna Capitals in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) gekürt. Die Steirer setzten sich zum Auftakt der 13. Runde daheim gegen den VSV knapp mit 3:2 nach Penaltyschießen durch und sind damit vorläufig Tabellenzweiter. Die Fans in Graz-Liebenau erlebten ein Wechselbad der Gefühle. Denn im ersten Drittel zogen die Villacher schnell davon, doch die 99ers drehten die Partie noch zu ihren Gunsten.

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ZIB24

Im Studio: Christian Keuschnigg, Noch-Chef des IHS

Knalleffekt im IHS, dem Institut für Höhere Studien: Dessen Leiter, der Ökonom Christian Keuschnigg, wirft das Handtuch, weil er mit seinem Sparkurs auf Widerstand stößt. Im ZIB24-Interview verrät Keuschnigg, was ihn wirklich zum Rücktritt bewogen hat.

Im Bann des Attentats

Wie Kanada auf das schockierende Attentat von gestern reagiert. Außerdem: Nach den ganz aktuellen Ermittlungen müssen wohl einige reflexartige Annahmen über die Motive noch einmal überdacht werden.

Viennale-Opening

Österreichs größtes Filmfestival ist am Abend an den Start gegangen. Wir berichten von der großen Eröffnungsvorstellung.

ZIB24 mit Lisa Gadenstätter, 0.00 Uhr, ORF eins

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Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

Stephan Fanderl wird neuer Karstadt-Chef

Der bisherige Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl wird neuer Chef der angeschlagenen deutschen Warenhauskette. Der Aufsichtsrat habe den 51-jährigen Manager zum Nachfolger der im Sommer überraschend ausgeschiedenen Eva-Lotta Sjöstedt berufen, wie das Unternehmen gestern mitteilte.

Zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Wolfram Keil gewählt, der als Vertrauter des Karstadt-Eigentümers Rene Benko gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist.

UniCredit erwägt Verkauf fauler Kredite an Konsortium

Die italienische Großbank UniCredit steht vor dem Verkauf fauler Kredite an ein Konsortium rund um die US-Beteiligungsgesellschaft Fortress und die italienische Immobiliengesellschaft Prelios. Das Management tendiere zu dieser Lösung, sagte UniCredit-Chef Federico Ghizzoni gestern Abend.

UniCredit will sich im Zuge des Stresstests der Europäischen Zentralbank von Problemkrediten trennen und deswegen die Tochter UniCredit Credit Management Bank (UCCMB) abstoßen. Im September hatte es von Insidern geheißen, dass der Konzern zwei Interessenten in die Endauswahl genommen habe.

IHS-Chef Keuschnigg zurückgetreten

Das Institut für Höhere Studien (IHS) muss einen neuen Chef suchen. Das Kuratorium lehnte gestern das Restrukturierungskonzept des seit 2012 amtierenden Leiters Christian Keuschnigg ab. Dieser bat daraufhin um Auflösung des Dienstverhältnisses.

Das Institut ist in Geldnot, weil es ein neues Büro braucht, Keuschnigg schlug vor, die Forschungsschwerpunkte Soziologie und Politik einzustampfen. Hinter den Kulissen tobt der Streit zwischen wissenschaftlicher Ausrichtung und wirtschaftspolitischem Engagement schon lange.

Mehr dazu in Interne Spannungen seit Jahren

Langenscheidt behauptet sich mit Farbmarke vor Gericht

Im Rechtsstreit mit einem Konkurrenten aus den USA ist der deutsche Wörterbuchverlag Langenscheidt zum zweiten Mal erfolgreich gewesen. Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wies gestern die Beschwerde der Firma Rosetta Stone gegen die von Langenscheidt eingetragene Farbmarke Gelb zurück.

Das US-Unternehmen hatte vor dem Bundespatentamt in München vergeblich versucht, eine Löschung der Langenscheidt-Marke zu erreichen. Der I. Zivilsenat des BGH bestätigte nun den Beschluss des Bundespatentgerichts vom August 2013.

Umstrittene Farbmarken

An der BGH-Verhandlung nahmen auch Juristen des Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sowie der spanischen Bank Santander teil, die sich zurzeit wegen der Farbmarke Rot vor mehreren Gerichten streiten. Farben haben für den Marktauftritt von Unternehmen eine zunehmende Bedeutung bekommen, sind aber wegen ihrer begrenzten Verfügbarkeit sehr umstritten.

Wichtig sei die Gesamtschau aller Umstände für den Anspruch einer Farbmarke, sagte der Vorsitzende Richter des I. Zivilsenats, Wolfgang Büscher. Er nannte einen hohen Marktanteil, eine lange Dauer der Verwendung und die „Verkehrsdurchsetzung“ - also die Frage, ob die Öffentlichkeit an die Verwendung einer bestimmten Farbe zur Kennzeichnung eines Unternehmens gewöhnt sei. Erst im September hatte der I. Zivilsenat geurteilt, dass Rosetta Stone keine Wörterbücher in gelber Farbe anbieten darf.

Chronik

Überraschende Wende im Wiener Brandstifterprozess

Der Richter und der Schöffensenat haben nach Ende des ersten Prozesstages die Anklage auf Brandstiftung mit tödlichem Ausgang verworfen - die Anklage gegen den 45-jährigen Mietnomaden soll nun auf Mord ausgedehnt werden.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im April 2014 seine Wohnung in der Innenstadt gesprengt zu haben. Durch die Explosion starb eine Nachbarin.

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GB: Polizistenmörder Harry Roberts vor Freilassung

Ein britischer Polizistenmörder kommt nach fast einem halben Jahrhundert aus dem Gefängnis frei. Der 78-jährige Harry Roberts, der 1966 für den Mord an drei Polizisten verurteilt worden war, werde demnächst freigelassen, hieß es aus Justizkreisen gestern. Ein genaues Datum für die Entlassung Roberts’ wurde noch nicht mitgeteilt.

Roberts war mit zwei Komplizen in einem Lieferwagen im Westen Londons gesessen und hatte sich auf einen Raubüberfall vorbereitet, als drei unbewaffnete Polizisten an den Wagen herantraten. Roberts und seine Komplizen erschossen die Bobbys daraufhin. Der zuständige Richter verurteilte Roberts zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Freilassung während der ersten 30 Jahre.

Scharf kritisiert wurde die nun angekündigte Entlassung von Londons Bürgermeister Boris Johnson. Die Bürger würden durch die Freilassung Roberts’ „absolut angewidert“ sein, sagte Johnson. Auch die Vereinigung der Londoner Polizisten nannte den Schritt „skandalös, verletzend und abscheulich“.

Gesundheit

EU-Kommissar Stylianides wird Ebola-Koordinator

Das Amt des Ebola-Koordinators in der EU wird der künftige Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, aus Zypern übernehmen. Dies teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy gestern Abend während des EU-Gipfels über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Die EU-Außenminister hatten den Posten am Montag beschlossen, um die Hilfe für die besonders von der Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder besser zu koordinieren.

Science

Kultur

52. Viennale mit Aufruf zur Toleranz eröffnet

Mit einem „Aufruf zur Toleranz in Zeiten der Intoleranz“ ist gestern Abend die 52. Viennale eröffnet worden. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) erteilte gleichzeitig auch „allen Grabenkämpfen“ in der Wiener Filmszene eine deutliche Absage. Die Regisseurin des Eröffnungsfilms „Amour Fou“, Jessica Hausner, streute dem Festival indes Rosen und wünschte dem Publikum „Bon appetit“.

Wie das mit dem „Guten Appetit“ zu verstehen ist, hätte wohl auch den abermals krankheitshalber fehlenden Festivalpräsidenten Eric Pleskow ins Grübeln gebracht. „Die Viennale mit einem Film über einen todessehnsüchtigen Dichter zu beginnen, der dann in einem Doppelselbstmord endet, das ist irgendwie typisch Hurch“, kokettierte der Produzent per Brief mit dem Geschmack des langjährigen Festivaldirektors Hans Hurch.

„Können öffentliche Diskussion gebrauchen“

Mit dem zweiten Saal im frisch eröffneten Metro Kinokulturhaus, der nach ihm benannt ist, schwebt zumindest der Geist des mehrfachen Oscar-Preisträgers bis 6. November über der Stadt. Doch ausgerechnet das runderneuerte Lichtspielhaus des Filmarchivs Austria hat in den vergangenen Tagen die Wogen hochgehen lassen. Die Diskussion, ob Wien neben dem Filmmuseum ein zweites Haus für Kinokultur verträgt, hält Mailath-Pokorny für „unangebracht und entbehrlich“.

Hurch, der mit einer Wutrede über den Zustand der heimischen Filmkritik tags zuvor Öl in das mediale Feuer gegossen hatte, schloss sich diesem Urteil an: „Wir könnten eine öffentliche Diskussion über Kunst gebrauchen, die von Kalkül und Intrigen absieht“, so der streitbare Viennale-Chef. Er brachte in seiner Rede den Ärger zum Ausdruck, dass über Kultur nur noch in Verbindung mit den Worten „Konflikt“ und „Streit“ gesprochen werde.

Das Festival, das in den kommenden Tagen mehr als 300 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zeigt und Spezialprogramme unter anderem dem Schauspieler Viggo Mortensen und dem Regisseur John Ford gewidmet hat, durfte zum Auftakt auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), den Oscar-Preisträger Michael Haneke und den iranischen Altmeister Abbas Kiarostami begrüßen. In den kommenden zwei Wochen findet das Festival im Gartenbaukino, im Stadtkino im Künstlerhaus, in der Urania, dem Filmmuseum und dem Metro Kinokulturhaus statt.

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Nationalrat beschließt Buchpreisbindung für E-Books

Der Nationalrat hat gestern die Buchpreisbindung auf E-Books und den Onlinehandel ausgeweitet. Lediglich zwei Abgeordnete von NEOS stimmten dagegen. „E-Books werden nach dem heutigen Tag ausdrücklich in den Anwendungsbereich des Buchpreisbindungsgesetzes aufgenommen. Die Ausnahme des grenzüberschreitenden Handels wird gestrichen“, so Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ).

Ohne Mehrheit blieb ein Entschließungsantrag der Grünen, mit dem die Bundesregierung aufgefordert werden sollte, sämtliche kulturellen Belange aus dem EU-USA-Freihandelsabkommen TTIP auszunehmen. Geschehe das nicht, wäre die Buchpreisbindung sonst „für die Fische“, warnte Kultursprecher Wolfgang Zinggl.

IT

Markenname Nokia bei Handys bald Geschichte?

Bald wird es möglicherweise keine Handys mehr unter dem Namen Nokia geben. Der Windows-Konzern Microsoft, der die Handysparte von Nokia im Frühjahr übernahm, wolle die Geräte künftig unter der Marke „Microsoft Lumia“ verkaufen, berichtete die Technologiewebsite The Verge.

Nokias Handygeschäft war einst das Aushängeschild des finnischen Unternehmens. Nokia verpasste aber den Anschluss bei Smartphones und fuhr Verluste ein. Microsoft hatte vor gut einem Jahr zum Kauf von Nokias Handysparte angesetzt und die Transaktion im Frühjahr abgeschlossen. Der Softwarekonzern leitete im Sommer den Abbau von Tausenden Stellen in den zugekauften Bereichen ein.

Das Unternehmen Nokia existiert allerdings weiterhin. Seit dem Verkauf des Handybereichs ist Nokias Hauptgeschäft die Ausrüstung von Netzen der Telekommunikationsanbieter. Das zweite Standbein ist der Kartendienst Here.

Leute

Schumacher könnte laut Arzt in einem Jahr genesen

Der frühere Formel-1-Rennfahrer Michael Schumacher ist nach seinem Skiunfall im Dezember 2013 nicht mehr im Koma. Das sagte ein Arzt, der Schumacher nach dem Unfall behandelt hatte, gestern einem französischen Radiosender, nachdem er seinen inzwischen im Heim der Familie in der Schweiz betreuten Patienten besucht hatte.

Laut dem Bericht will der Mediziner auch die Möglichkeit einer Genesung innerhalb nur eines Jahres nicht ausschließen. Die Heilung sei jedoch nur Schritt für Schritt möglich - „wir müssen ihm Zeit geben“.

Mehr dazu in „Ein bis drei Jahre“