Ausland

Istanbul: Massiver Polizeieinsatz bei Schwulenkundgebung

Nach dem Verbot der Schwulen-und-Lesben-Parade in Istanbul will die türkische Polizei mit einem massiven Aufgebot auch das Verlesen einer Erklärung zum Ende der „Pride Week“ verhindern. Auf der zentralen Einkaufsmeile Istiklal Caddesi gingen heute Nachmittag zahlreiche Wasserwerfer in Stellung, wie die dpa berichtet.

In den Seitenstraßen wurden Sicherheitskräfte mit Gasmasken zusammengezogen. Polizisten in zivil patrouillierten die Umgebung. Die türkische Polizei geht regelmäßig mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor.

Der Gouverneur von Istanbul hatte die traditionelle Parade unter Berufung auf Sicherheitsbedenken verboten. Die Organisatoren sagten den „Marsch des Stolzes“ zum Abschluss der „Pride Week“ daraufhin ab. Sie wollten stattdessen auf der Istiklal Caddesi eine Erklärung verlesen.

Johannesson gewinnt Präsidentenwahl in Island

Unter dem Eindruck von Fußball-EM und Panama-Papers haben die Isländer den Historiker Gudni Th. Johannesson zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Nach der Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen lag der 48-Jährige heute mit 39,1 Prozent der Stimmen uneinholbar vor der Unternehmerin Halla Tomasdottir mit 27,9 Prozent.

Gudni Johannesson

APA/AFP/Halldor Kollbeins

Die übrigen sieben Kandidaten lagen weit dahinter. In Island genügt eine einfache Mehrheit zum Wahlsieg. „Ich hätte nicht gedacht, dass es zwischen mir und Halla so knapp würde“, sagte Johannesson in Reykjavik. Er hatte als klarer Favorit gegolten.

Höhere Wahlbeteiligung als erwartet

Wegen des sensationellen Erfolgs der Isländer bei der Fußball-EM hatten Experten mit einer geringen Wahlbeteiligung gerechnet. Laut vorläufigen Zahlen stimmten aber mehr als 185.000 von 245.000 Wahlberechtigten ab - mehr als erwartet. Damit auch die Inselbewohner wählen konnten, die zur EM in Frankreich sind, hatte das Innenministerium ein Wahllokal im Camp des Nationalteams in Annecy eingerichtet.

Viele Landsleute hatten Johannesson bestärkt, sich für den Präsidentenposten zu bewerben. Der Historiker war mit seinen Auftritten als Experte im Fernsehen bei einem breiten Publikum auf der Nordatlantikinsel beliebt. Seine erste große Aufgabe hat Johannesson, wenn im Herbst das neue Parlament gewählt wird. Der Präsident hat repräsentative Aufgaben, kann aber auch ein Veto gegen Gesetzesentwürfe einlegen und spielt eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung.

UNO-Generalsekretär will Jemen-Gespräche ankurbeln

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon will Bewegung in die festgefahrenen Jemen-Friedensgespräche in Kuwait bringen. Bei einem Besuch in dem Emirat habe er heute zunächst mit dem kuwaitischen Staatsoberhaupt Scheich Sabah al-Ahmad al-Jabir al-Sabah gesprochen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna.

Später wollte sich Ban mit Vertretern der jemenitischen Delegationen treffen, wie es aus Verhandlungskreisen hieß. Der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija meldete, es gebe intensive diplomatische Bemühungen, um einen Zusammenbruch der Gespräche zu verhindern.

Verhandlungen im April gestartet

Die verfeindeten Parteien verhandeln seit April unter UNO-Vermittlung über einen Frieden für das Bürgerkriegsland. Bisher haben die Gespräche jedoch kaum Fortschritte erbracht. Stattdessen kommt es in dem armen Land trotz eines Waffenstillstandes immer wieder zu Kämpfen. Die Gewalt hat eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Laut UNO brauchen mehr als 13 Millionen Menschen humanitäre Nothilfe.

Schiitische Huthi-Rebellen und Verbündete hatten 2014 große Teile des Landes überrannt und Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi ins Exil nach Saudi-Arabien vertrieben. Ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis bombardiert die Huthis seit mehr als einem Jahr aus der Luft. Das benachbarte sunnitische Königreich wirft den Rebellen vor, vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt zu werden.

Festnahmen bei Konfrontationen auf Tempelberg

Bei Zusammenstößen auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt sind heute vier Palästinenser festgenommen worden. Sie hätten jüdische Besucher auf dem Plateau gestört, teilte ein Polizeisprecher mit. Anlass war nach Angaben der islamischen Stiftung Wakf, welche die Juden und Muslimen gleichermaßen heilige Stätte verwaltet, die Verletzung der Gepflogenheiten im Fastenmonat Ramadan.

Bilder zeigten einen Palästinenser mit blutüberströmtem Kopf, der von israelischen Sicherheitskräften festgehalten und weggezerrt wurde. Der palästinensische Rote Halbmond gab an, er habe sieben von Gummigeschossen, Tränengas und Knüppelschlägen Verwundete in ein Krankenhaus transportiert.

Streit um Besuchs- und Gebetsrechte

Die israelische Polizei erklärte auf Anfrage, sie habe „vier maskierte Jugendliche festgenommen, die jüdische Besucher am Betreten des Tempelbergs hindern wollten“. Laut Wakf hatte die Polizei überraschend das Tor für nicht muslimische Besucher geöffnet, es ist allerdings üblich, dass an den letzten zehn Tagen des Ramadan nur Muslime auf den Tempelberg dürfen.

Ein Streit um Besuchs- und Gebetsrechte gilt als ein Auslöser einer Welle palästinensischer Anschläge in den vergangenen neun Monaten. Dabei sind bisher 33 Israelis getötet worden. Mehr als 220 Palästinenser kamen ums Leben, meist bei ihren eigenen Attacken.

Riskante Hochbauten in Mumbais Slums

Statt ebenerdiger Wellblechhüten sind in manchen Slums der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai immer mehr „Hochhäuser“ zu sehen - drei- bis fünfstöckige Hütten, notdürftig übereinander gebaut, mit hoher Einsturzgefahr. Zuwanderung und steigende Landpreise machen diese Aufstockung aber notwendig. Mumbai arbeitet bereits an einem neuen Stadtentwicklungsplan. Doch die Stadt hinkt mit ihren Maßnahmen der Realität hinterher.

Mehr dazu in Enormer Bevölkerungszuwachs

„Brexit“-Votum

Mogherini will „Vertrauen in EU wiederbeleben“

Nach dem Schock des „Brexit“-Votums muss sich Europa nach Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini grundlegend verändern und dabei vor allem gemeinsame Interessen in den Mittelpunkt stellen.

Für den EU-Gipfel Anfang der Woche in Brüssel kündigte die Italienerin in einem Interview mit der Zeitung „Corriere della Sera“ heute eine entsprechende Initiative an. „Ich denke, es ist nützlich, etwas vorzulegen, das Selbstvertrauen bringt. Wir haben die Mittel, die Kraft und die Verantwortung, das zu tun. Auch wenn sich viel verändern muss.“

Aus für „Illusion der Weltpolizei“

Als Schlüsselbereich nannte Mogherini die europäische Außen- und Sicherheitspolitik. Es sollte Schluss sein mit der Illusion einer Art Weltpolizei, „die Demokratie exportiert“. Vielmehr sollte mit Blick auf die gemeinsamen Interessen aller Länder in der EU - etwa mit Blick auf die Lage im Mittelmeer-Raum - entsprechend gehandelt werden. „Benötigt werden eine gemeinsame Vision und gemeinschaftliches Handeln.“

Mogherini trifft sich am Montag mit US-Außenminister John Kerry in Brüssel. Laut „Corriere della Sera“ war eigentlich am Wochenende ein Treffen in Rom geplant. Mogherini sagte dem Blatt aber, sie müsse in Brüssel bleiben. Am Dienstag werden die EU-Staats- und -Regierungschefs bei ihrem Gipfel über den Austritt Großbritanniens aus der EU beraten.

Zentralbank der Notenbanken erwartet Turbulenzen

Die großen Notenbanken stellen sich nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Ausstieg auf anhaltende Turbulenzen auf den Finanzmärkten ein. Großbritannien sei eng in die Weltwirtschaft integriert und beherberge auch einige der weltweit wichtigsten Finanzzentren, sagte der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Jaime Caruana, heute auf der Jahresversammlung in Basel.

„Es wird wahrscheinlich eine Zeit der Unsicherheit und Anpassung geben.“ Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Unsicherheit durch Zusammenarbeit auf globaler Ebene eingrenzen lasse und Anpassungen so reibungslos wie möglich erfolgten.

Notenbanken wollen stabilisieren

Laut BIZ stehen die großen Zentralbanken bereit, stabilisierend auf die Finanzmärkte einzuwirken. Bei ihrem Treffen in der Schweiz befürworteten sie die Notfallmaßnahmen der Bank von England (BoE) und äußerten zugleich den Willen zur Unterstützung. Es sei eine enge Zusammenarbeit der Notenbanken vereinbart worden, hieß es in einer Erklärung der BIZ.

Nach dem „Brexit“-Votum hatte die BoE zusätzliche Mittel zur Geldversorgung der Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt. 250 Milliarden Pfund können abgerufen werden. Die Schweizer Nationalbank (SNB) intervenierte auf dem Devisenmarkt, um einen Höhenflug des Franken zu stoppen. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht nach eigenen Angaben bereit, Geldhäusern im Währungsraum im Notfall mit ausreichend Liquidität zu versorgen - in Euro und in anderen Währungen. Auch die US-Notenbank will Engpässen entgegentreten.

Britische Minister sehen keinen Zeitdruck für Austritt

Großbritannien steht nach Worten seines Außenministers Philip Hammond unter dem Druck der EU-Partner, schnell den Antrag auf Austritt zu stellen. Tatsächlich gebe es dafür aber keinerlei Vorschriften, sein Land könne über den Zeitpunkt völlig autonom entscheiden.

Das gesamte Kabinett werde im Amt bleiben, bis ein neuer Regierungschef bestimmt sei, kündigte Hammond an. Der britische Handelsminister Sajid Javid erklärte, es gebe gegenwärtig keine Notwendigkeit zu entscheiden, wann das Land den EU-Austrittsartikel 50 aktivieren werde.

Schulz will schnelle Austrittserklärung

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz forderte Großbritannien auf, bereits beim Gipfel am Dienstag den Austritt aus der Europäischen Union zu beantragen. „Ein Zögern, nur um der Parteitaktik der britischen Konservativen entgegenzukommen, schadet allen“, sagte Schulz der „Bild am Sonntag“.

„Eine lange Hängepartie führt zu noch mehr Verunsicherung und gefährdet dadurch Jobs. Deshalb erwarten wir, dass die britische Regierung jetzt liefert. Der Gipfel am kommenden Dienstag ist hierfür der geeignete Zeitpunkt“, so Schulz.

EVP für zügigen Austritt

Der Chef der „Brexit“-Kampagne, Matthew Elliott, hat sich jedoch gegen ein schnelles Austrittsschreiben ausgesprochen und auch der „Brexit“-Befürworter Boris Johnson, der als möglicher Nachfolger von Premierminister David Cameron gehandelt wird, signalisierte bereits am Freitag, keine Eile mit der Abwicklung der EU-Mitgliedschaft zu haben.

Manfred Weber, der Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, der auch die ÖVP angehört, kritisierte das Verhalten der britischen Regierung. „Die beginnende Verzögerungstaktik in London ist inakzeptabel“, sagte Weber der Zeitung und plädierte für einen schnellen Austritt „innerhalb der geplanten Frist von zwei Jahren, besser sogar innerhalb eines Jahres“.

BBC: Labour-Chef Corbyn entließ Schattenaußenminister

Nach dem „Brexit“-Votum hat der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn laut einem BBC-Bericht ein prominentes Mitglied seines Schattenkabinetts entlassen. Corbyn habe seinen Schattenaußenminister Hilary Benn in der Nacht auf heute gefeuert, weil er „kein Vertrauen“ mehr zu ihm habe, zitierte die BBC einen Parteisprecher.

Zuvor hatte Benn andere Parteimitglieder aufgefordert zurückzutreten, sollte Corbyn nicht die Konsequenz aus der „Brexit“-Entscheidung ziehen und seinen Posten räumen. Corbyn hatte vor dem Referendum an der Seite von Premierminister David Cameron für den Verbleib in der Europäischen Union geworben.

Misstrauensantrag gegen Corbyn

Zwei Labour-Abgeordnete legten gestern einen Misstrauensantrag gegen Parteichef Corbyn vor. Kritiker werfen ihm vor, die Labour-Stammwählerschaft aus einfachen Arbeitern nicht ausreichend für den Verbleib in der EU mobilisiert zu haben und dadurch für die Niederlage des EU-Lagers beim Referendum am Donnerstag mitverantwortlich zu sein.

Nach Bekanntwerden von Benns Entlassung schrieb die Labour-Abgeordnete Roberta Blackman-Woods im Kurznachrichtendienst Twitter, es handle sich um eine „traurige Nachricht“. Ihr sei unverständlich, wie Corbyn glauben könne, „auf diese Art seine sich verschlechternde Position“ in der Partei verbessern zu können.

EU-Kritiker Johnson kommt Cameron-Nachfolge näher

Der britische EU-Kritiker Boris Johnson ist laut einer Zeitung der Nachfolge von Premierminister David Cameron einen wichtigen Schritt nähergekommen. Justizminister Michael Gove habe Johnson gestern angerufen und dem früheren Londoner Bürgermeister seine Unterstützung zugesagt, berichtete die „Sunday Times“ heute.

Gove gehörte beim historischen Referendum am Donnerstag ebenfalls zu den EU-Gegnern. Cameron, der für einen EU-Verbleib geworben hatte, will wegen des „Brexit“-Votums bis spätestens Oktober zurücktreten. Die regierende Konservative Partei von Cameron und Johnson ist wegen der EU-Frage tief gespalten.

Laut „Sunday Times“ wird Innenministerin Theresa May in den nächsten Tagen noch in das Rennen einsteigen. May hatte für einen EU-Verbleib geworben. Sie kann deswegen wahrscheinlich auf Unterstützung aus dem Cameron-Lager zählen.

Inland

Sobotka für frühere Briefwahlauszählung

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat sich heute in der ORF-„Pressestunde“ einmal mehr „enttäuscht“ über die „Schlampereien“ bei der Bundespräsidentenstichwahl gezeigt. Die Briefwahlreform mit einer früheren Auszählung solle man zu Herbstbeginn angehen. Wenn das derzeitige Gesetz - wie einige Zeugen angaben - so nicht vollziehbar wäre, würde er den Gesetzgeber aufmerksam machen und Vorschläge machen, meinte Sobotka.

Gesetz laut Sobotka „vollziehbar“

Er glaube allerdings, es handle sich um eine „Schutzbehauptung“, sagte Sobotka. Das Gesetz sei vollziehbar. „Es haben ja sehr viele sehr korrekt gehandelt“, auch Bezirkswahlbehörden mit mehr Wahlkarten hätten es geschafft, „das ist eine Frage der Organisation“. Druck seitens des Innenministeriums wies der Ressortchef zurück.

Nachdem die FPÖ die Wahl angefochten hat, prüft derzeit der Verfassungsgerichtshof (VfGH) die behaupteten Unregelmäßigkeiten. Bisher lieferten die Zeugenbefragungen zwar keine konkreten Hinweise auf Manipulationsversuche, brachten aber zahlreiche Formalfehler ans Licht. Sobotka sieht bezüglich der Schlampereien Verantwortung auf allen Ebenen, er betonte aber, dass es von seinem Ressort zur Vorbereitung einen Leitfaden gegeben habe.

Kein Platz für „Schlampereien“

Dass Zeugen angegeben haben, man habe bei den Briefwahlstimmen immer schon so gehandelt, sei „noch schlimmer“, findet Sobotka. „Solche Schlampereien dürfen in einer entwickelten Demokratie keinen Platz haben.“ Neben verpflichtenden Schulungen solle es jedenfalls auch eine Reform des Wahlgesetzes geben, wobei Sobotka aufs Parlament verweist.

Der Innenminister pochte auf ein zentrales Wählerregister und plädierte dafür, dass Briefwahlstimmen bis Freitag vor der Wahl einlangen müssen und bereits am Wahlsonntag mitausgezählt werden. Einschränkungen der Briefwahl, wie sie etwa die FPÖ will, kann er hingegen nichts abgewinnen. Auch zum Thema E-Voting äußerte er sich zurückhaltend. Falls es zu einer Wiederholung der Wahl komme, wäre das „blamabel“, befand Sobtoka einmal mehr.

Sobotka beharrt auf Notverordnung

Sobotka drängt zudem weiter auf die Asylnotverordnung, auch wenn die vereinbarte Obergrenze von 37.500 Anträgen noch nicht erreicht ist. „Wir müssen jetzt agieren“, sagte er. Bis Ende Mai wurden in Österreich gut 20.000 zugelassene Asylanträge gezählt, dennoch sei es „zentral“, dass die Notverordnung „so rasch wie möglich“ passiere. Argumentiert wurde die Notwendigkeit der Verordnung von Sobotka mit der steigenden Arbeitslosigkeit.

Zur Aussage des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, dass die von Österreichs Regierung vorgeschlagene Unterbringung von Flüchtlingen in Zentren auf anderen Kontinenten nicht moralisch wäre, stellte Sobotka die Gegenfrage, ob es moralisch sei, Zehntausende im Mittelmeer ertrinken zu lassen. Da habe er noch keinen Vorschlag von Juncker gehört, konterte Sobotka.

„Ein kleines Land wie Österreich braucht die Europäische Union“, sagte der Innenminister anlässlich des „Brexit“-Votums, es müsse sie aber auch dazu anhalten, richtige Entscheidungen zu treffen. Die EU müsse das Prinzip der Subsidiarität mehr leben und sich darauf konzentrieren, wofür sie da sei, nämlich die großen Rahmenbedingungen vorzugeben. Das habe die EU auch in der Flüchtlingskrise „sträflich vernachlässigt“.

Koalition: ÖVP will raus „aus dem Schützengraben“

Die ÖVP gibt sich nach dem SPÖ-Parteitag friedlich und hofft nun auf eine „lösungsorientierte Zusammenarbeit in der Regierung“, wie der ÖVP-Generalsekretär Peter McDonald in einer Stellungnahme sagte. „Wir wollen eine konstruktive Zusammenarbeit mit der SPÖ als Regierungspartner und weg vom gegenseitigen Ausrichten von Extrempositionen aus dem Schützengraben.“

In den vergangenen Wochen sei die Regierungsarbeit durch den Parteitag in Kärnten und auf Bundesebene von der „internen Positionierung von Christian Kern als Parteichef“ überschattet gewesen, meinte McDonald.

Nun müsse man als Regierungsparteien „auf gleicher Augenhöhe und mit einer guten Vertrauensbasis für die Zukunft Österreichs arbeiten“. Das Nein der ÖVP zu mehr Steuern sei „keine ideologische Doktrin“, sondern „tiefe Überzeugung“, dass es einen „Turbo für die Wirtschaft“ brauche.

Hofer: Ausstiegsreferendum auch in Österreich möglich

FPÖ-Vizechef und Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer will auch in Österreich eine Abstimmung über den Verbleib in der EU. Im Interview für die Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe) sagte Hofer: „Wenn die Union sich falsch entwickelt, dann wäre für mich der Augenblick gegeben, wo man sagt: So, jetzt muss man auch die Österreicher fragen.“

Das wäre laut Hofer gegeben, „wenn sie sich zu einer zentralistischen Union entwickelt, statt sich auf die eigentlichen Grundwerte zurückzubesinnen.“ Für eine Reform dürfe sich die EU nicht allzu lange Zeit lassen. Die EU müsse nun rasch reagieren und sich auf ihren Ursprung besinnen, eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das habe gut funktioniert, bis eine politische Union gegründet wurde.

Bei einer „Fehlentwicklung der EU“ ist Hofer dafür, über einen „Öxit“, also einen Austritt Österreichs aus der Union, nachzudenken. Als Richtwert nannte er ein Jahr, innerhalb dessen sich die EU auf ihre Grundwerte besinnen sollte.

Sport

Motorrad: MotoGP-Chaosrennen endet mit Premiere

Der Große Preis der Niederlande hat in der MotoGP-Klasse mit einer Premiere geendet. Der Australier Jack Miller holte sich in einem wahren Chaosrennen vor dem Spanier Marc Marquez sensationell seinen ersten Sieg in der Königsklasse der Motorräder. Der Grand Prix in Assen musste nach sintflutartigen Regenfällen abgebrochen und als Sprintrennen neu gestartet werden. Während zahlreiche Favoriten ein Opfer der rutschigen Strecke wurden, pilotierte Miller seine Honda sicher ins Ziel.

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Fußball-EM: Portugal entdeckt neues Erfolgsrezept

Portugal hat bei der EM 2016 in Frankreich zwar noch kein Spiel nach 90 Minuten gewonnen, trotzdem stehen Cristiano Ronaldo und Co. im Viertelfinale. Gegen Kroatien entdeckten die Portugiesen ein neues Erfolgsrezept: Mauertaktik statt Offensivspektakel. Die favorisierten Kroaten zerbrachen in der Verlängerung daran. „Wir haben 120 Minuten hervorragend verteidigt - und dann im richtigen Moment zugeschlagen“, sagte Siegestorschütze Ricardo Quaresma.

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Fußball-EM: Schweizer kiefeln an Komplex

Die Schweiz ist erneut knapp an einem Einzug in ein Viertelfinale vorbeigeschrammt. So wie bei der WM 2006 und der WM 2014 zogen die Eidgenossen auch bei der EM in Frankreich im Achtelfinale unglücklich den Kürzeren. Die knappe Niederlage im Elfmeterschießen gegen Polen verstärkte den Komplex der Schweizer in K.-o.-Spielen. In Polen feierte man hingegen dank punktgenauer Vorbereitung auf das entscheidende Szenario einen „historischen Moment“.

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Wirtschaft

Burn-out-Fälle laut Umfrage in jeder zweiten Firma

Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) hat heute vor einer Zunahme von psychischen Belastungen bei Arbeitnehmern gewarnt. In den vergangenen zwölf Monaten seinen diese einer Umfrage unter 1.357 oberösterreichischen Betriebsratschefs zufolge gestiegen, so das Ergebnis der aktuellen Betriebsräte-Befragung durch die Arbeitnehmervertreter.

Bereits jeder zweite Betriebsrat in Oberösterreich gab an, dass es aktuell Fälle von Burn-out im Unternehmen gibt. Der Druck auf die Beschäftigten würde laufend steigen - und zwar „bei gleichzeitig zurückhaltender Personalpolitik“ seitens der Arbeitgeber, so die AK OÖ.

Das berge gravierende Folgen für Betroffene, Arbeitsmarkt und Volkswirtschaft, denn die Rückkehr nach einer Burn-out-Erkrankung sei schwierig und der persönliche Schaden groß. „Das muss seitens der Arbeitgeber endlich ernst genommen werden. Auf eine solche Entwicklung nicht zu reagieren, wäre fatal“, wurde AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer in einer Aussendung zitiert.

Erweiterter Panamakanal feierlich eröffnet

Historische Stunde in Panama: Mit einer feierlichen Zeremonie ist heute der deutlich erweiterte Panamakanal eingeweiht worden. Unter den Augen zahlreicher internationaler Gäste fuhr der chinesische Frachter „Cosco Shipping Panama“ als erstes Schiff durch die legendäre Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Der Frachter gehört einer chinesischen Reederei und wurde per Los auserwählt.

Das Kontainerschiff Cosco Shipping Panama

APA/AFP/Johan Ordonez

Durch den Ausbau steht die 80 Kilometer lange Wasserstraße nun dreimal so großen Schiffen offen wie bisher, das soll Milliardeneinnahmen bringen. 49 Meter breit und bis zu 366 Meter lang können die Schiffe sein und bis zu 14.000 Container an Bord haben, die den erweiterten Kanal nun befahren.

Neun Jahre Bauzeit

Die neuen, größeren Schleusen sind nach Angaben der staatlichen Kanalbehörde geeignet für „etwa 98 Prozent aller Containerschiffe derzeit“. Mit der Erweiterung des Kanals war 2007 begonnen worden. Eigentlich sollte das Bauprojekt schon im Oktober 2014 abgeschlossen sein, zum 100. Geburtstag des alten Kanals.

Soziale Konflikte und finanzielle Streitigkeiten sorgten allerdings für Verzögerungen und ließen die anfänglich veranschlagten Kosten um schätzungsweise fast zwei Milliarden Dollar auf 5,5 Milliarden Dollar (4,9 Milliarden Euro) steigen. In zehn Jahren, so das ehrgeizige Ziel, sollen jährlich 600 Millionen Tonnen Fracht den neuen Panamakanal passieren - doppelt so viel wie bisher.

EU: VW soll auch europäische Kunden entschädigen

In der Dieselaffäre fordert die EU-Kommission von Volkswagen (VW) eine Entschädigung der in der EU betroffenen Autobesitzer. „Volkswagen sollte europäischen Fahrzeugbesitzern freiwillig eine Kompensation zahlen, die vergleichbar mit der ist, die den US-Konsumenten gezahlt wird“, sagte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska der „Welt am Sonntag“.

Es sei unfair, wenn sich sich VW hinter rechtlichen Erwägungen verstecke, sagte Bienkowska. „Es ist nicht meine Rolle, Volkswagen Ratschläge zu erteilen. Aber die Konsumenten in Europa anders zu behandeln als die US-Konsumenten, ist kein Weg, das Vertrauen wiederzuerlangen.“

VW will zehn Milliarden Dollar Entschädigung zahlen

In den USA läuft am Dienstag die vom US-Bezirksgericht in San Francisco gesetzte Frist ab, bis zu der VW einen mit den US-Behörden abgestimmten Plan präsentieren muss, wie die Manipulation von Abgasen an den betroffenen Fahrzeugen technisch behoben wird und wie die US-Kunden entschädigt werden.

Wie Reuters von einem Insider erfuhr, will VW zur Beilegung des Abgasskandals in den USA eine Entschädigungssumme von insgesamt rund zehn Milliarden Dollar zahlen. Darin sei der Rückkauf von fast einer halben Million manipulierter Dieselautos mit Zweilitermotoren enthalten. Zudem beinhalte die Summe eine milliardenschwere Förderung von Umweltprogrammen. Die Fahrzeughalter sollen im Durchschnitt mit rund 5.000 Dollar entschädigt werden.

Eine entsprechende Entschädigung in Europa lehnen die Wolfsburger hingegen ab. VW argumentiert damit, dass die betroffenen Fahrzeuge nach der Umrüstung dem technischen Stand entsprechen und weitere Forderungen unbegründet seien. Auch sei die Rechtslage in den USA, wo der Dieselskandal aufgedeckt wurde, eine andere.

Chronik

Mädchen bei Donauinselfest sexuell belästigt

Zwei 15-jährige Mädchen sind gestern Abend beim Wiener Donauinselfest von zwei 20-Jährigen zunächst vermutlich mit K.-o.-Tropfen betäubt und dann massiv sexuell belästigt worden. Die beiden Männer wurden verhaftet.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Drei sexuelle Übergriffe in Oberösterreich

Gleich drei Anzeigen wegen sexueller Belästigung innerhalb von 48 Stunden wurden in Oberösterreich gemeldet. In zwei Freibädern und in einer öffentlichen Toilette sollen minderjährige Mädchen von Männern bedrängt worden sein.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Religion

Erstes orthodoxes Konzil seit 1000 Jahren beendet

Auf Kreta ist heute das erste Konzil der zersplitterten orthodoxen Kirchen seit mehr als 1000 Jahren zu Ende gegangen. Eine Woche lang hatten sich dort Kirchenführer aus aller Welt Themen wie der „Mission der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt“, der Relevanz des Fastens und anderen kirchlichen Inhalten gewidmet.

An dem Konzil hatten jedoch nur zehn der 14 orthodoxen Kirchen teilgenommen - die russisch-orthodoxe, die bulgarische und die georgische Kirche sowie das Patriarchat von Antiochien mit Sitz im syrischen Damaskus blieben fern.

Grund für die Absage kurz vor Beginn des Konzils war ein Streit, der bereits seit Jahrzehnten andauert. Die Patriarchate von Konstantinopel und Moskau ringen hinter den Kulissen um die Führung der zersplitterten orthodoxen Welt.

Lifestyle

Kultur

Modefotograf Bill Cunningham gestorben

Er war eine lebende Legende der New Yorker Modeszene und eine prägende Figur der Straßenfotografie - nun ist Bill Cunningham im Alter von 87 Jahren gestorben. Die „New York Times“ („NYT“), für die Cunningham fast 40 Jahre gearbeitet hatte, würdigte ihn gestern als „untypischen kulturellen Anthropologen“.

Mit seiner blauen Jacke, seiner leicht gebeugten Haltung und mit dem Auge stets am Sucher war Cunningham seit Jahrzehnten eine bekannte Gestalt auf Modeevents. Der 1929 in Boston geborene Cunningham habe ein Gespür dafür gehabt, was „der Trend in sechs Monaten ist“, sagte die „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour einmal in dem Dokumentarfilm „Bill Cunningham New York“.

Bill Cunningham

APA/AP/Mark Lennihan

In der „NYT“ hatte Cunningham seit Jahrzehnten die wöchentliche Kolumne „On the Street“, in der er die neuesten Straßentrends abbildete und somit den New Yorkern ein Denkmal setzte. „Wir erinnern uns an Bills blaue Jacke und sein Fahrrad“, schrieb Bürgermeister Bill de Blasio gestern. „Aber wir werden uns vor allem an das lebhafte und lebendige New York erinnern, das er in seinen Fotos einfing.“

Laut der „NYT“ war Cunningham kürzlich wegen einer Herzattacke ins Krankenhaus gebracht worden. „Seine Gesellschaft wurde von den Reichen und Mächtigen der Modewelt gesucht, doch er blieb einer der freundlichsten, sanftesten und bescheidensten Menschen, die ich je gekannt habe“, so „Times“-Herausgeber Arthur Sulzberger Junior gestern.

Gitarre von Prince und Haarsträhne von Bowie versteigert

Bei einer Auktion in Los Angeles sind eine Gitarre von Prince und eine Haarsträhne von Bowie für mehr als 150.000 Dollar (135.000 Euro) versteigert worden. Beide Popstars waren erst in diesem Jahr verstorben.

Die „Yellow Cloud“-Gitarre, die gestern bei der Versteigerung in Beverly Hills laut dem Auktionshaus Heritage Auctions für 137.500 Dollar unter den Hammer kam, war in den späten 1980er Jahren das bevorzugte Instrument von Prince.

Für die blonde Haarsträhne von Bowie, die aus dem Fundus einer früheren Angestellten des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds in London stammte, die dort 1983 für die Nachbildung der Haare des ikonografischen Popmusikers verantwortlich war, zahlte ein unbekannter Bieter 18.750 Dollar.

Bowie war im Jänner an einem Krebsleiden gestorben. Prince starb im April an einer Überdosis Schmerzmittel, die er laut der Gerichtsmedizin versehentlich einnahm.

Wiener Theater- und TV-Aktrice Silvia Fenz tot

Die österreichische Schauspielerin Silvia Fenz ist gestern Abend in Wien gestorben. Das teilte das Theater Basel, an dem sie von 1998 bis 2005 engagiert war, in einer Aussendung mit. Unter anderen war Fenz in Filmen von Harald Sicheritz („Muttertag“, „Freispiel“) und Michael Haneke („Der siebente Kontinent“) zu sehen. In der TV-Serie „Kaisermühlen Blues“ verkörperte sie die Frau Klapacek.

Fenz wurde 1940 in Wien geboren und absolvierte ein Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar sowie an der Tanzakademie Wien. Nach Stationen am Volkstheater Wien, in Tübingen, Oberhausen und Wunsiedel war sie von 1969 bis 1980 unter Boy Gobert und Jürgen Flimm am Thalia Theater in Hamburg engagiert. Anschließend wechselte sie mit Flimm ans Schauspiel Köln und folgte diesem 1985 zurück nach Hamburg.

Von Tabori zu Gratzer

1987 holte sie George Tabori an sein Theater Der Kreis ins Schauspielhaus in ihrer Heimatstadt, wo sie anschließend auch unter Hans Gratzer engagiert war. Nach ihrer Station in Basel kehrte Fenz 2005 ans Volkstheater zurück. Hier erhielt sie 2006 für ihre schauspielerische Gesamtleistung den Skraup-Preis - mit dieser Ehrung war sie bereits fast 40 Jahre davor als Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet worden.

Silvia Fenz in "Janus"

ORF

Auch als Filmschauspielerin war Fenz erfolgreich: Neben Haneke und Sicheritz drehte sie unter anderen mit Götz Spielmann („Der Nachbar“), Thomas Roth („Blutrausch“), Niki List („Helden in Tirol“) und zuletzt Klaus Händl („Kater“). Breite Popularität erlangte Fenz als Frau Klapacek in der ORF-Serie „Kaisermühlen Blues“. Außerdem war sie unter anderem in Episoden von „Kommissar Rex“, „Soko Donau“, „Paul Kemp“, „Tatort“ und „CopStories“ sowie der Serie „Janus“ zu sehen.