Ausland

Wegen ihrer Beteiligung an Massenprotesten in Hongkong sind zwei prominente Anführer der Demokratiebewegung zu 16 Monaten Haft verurteilt worden. Ein Richter verhängte die Gefängnisstrafen heute gegen den Soziologieprofessor Chan Kin Man und den Jusprofessor Benny Tai.

Das Gericht hatte vor zwei Wochen insgesamt neun Anführer und Aktivisten der Demokratiebewegung der Anstiftung und Verschwörung zur Störung der öffentlichen Ordnung schuldig gesprochen.

Tai, Chan und der Baptistenpfarrer Chu Yiu Ming hatten 2013 die Bewegung Occupy Central für politische Reformen in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegründet. Im folgenden Jahr schlossen sie sich den Studentenprotesten der Regenschirmbewegung an. Bei den Protesten hatten zeitweise Zehntausende Menschen mehr Demokratie und freie Wahlen in Hongkong gefordert.

Verurteilt wurden die Angeklagten auf Grundlage eines Gesetzes aus der Kolonialzeit, das bei einer Störung der öffentlichen Ordnung Haftstrafen von bis zu sieben Jahren vorsieht. Alle Aktivisten wurden in mindestens einem Anklagepunkt schuldig gesprochen. Der Prozess wurde von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert.

Die US-Regierung hat erneut eine Frist der Demokraten im Repräsentantenhaus für eine Übergabe der Steuererklärungen von Präsident Donald Trump verstreichen lassen. Finanzminister Steven Mnuchin sagte gestern, eine „endgültige Entscheidung“ solle bis zum 6. Mai getroffen werden. Bis dahin seien Abstimmungen mit dem Justizministerium nötig.

Der für Steuerfragen zuständige Ausschuss im Repräsentantenhaus hat Trumps Steuererklärungen der letzten sechs Jahre angefordert. Eine erste Frist am 10. April ließ die US-Regierung verstreichen. Die zweite Frist lief gestern ab.

Trump hält in einer für US-Präsidenten höchst ungewöhnlichen Weise seine Finanzverhältnisse verborgen: Er ist der erste Präsident seit Richard Nixon, der eine Veröffentlichung seiner Steuererklärungen verweigert.

Beratungen über weiteres Vorgehen

Die Demokraten, die im Repräsentantenhaus seit Jänner die Mehrheit haben, wollen nach eigenen Angaben untersuchen, inwieweit der Fiskus die Finanzen eines US-Präsidenten prüft. Mnuchin sagte aber, die wahre Absicht sei es, Trumps Steuererklärungen öffentlich zu machen. Der Fall werfe „schwerwiegende verfassungsrechtliche Fragen“ auf. Unter anderem gehe es um den Schutz vertraulicher Daten von Steuerzahlern.

Der Ausschussvorsitzende Richard Neal hatte gewarnt, sollte auch die zweite Frist verstreichen, werde das als Weigerung angesehen, die Steuerunterlagen zu übergeben. Medienberichten zufolge beraten die oppositionellen Demokraten nun mit Anwälten über das weitere Vorgehen.

Pelosi: Vorsicht bei Amtsenthebungsverfahren

Die ranghöchste Politikerin der Demokratischen Partei, Nancy Pelosi, rief indes zur Vorsicht beim Ruf nach einem Amtsenthebungsverfahren für Trump auf. „So weit sind wir noch nicht“, sagte sie gestern (Ortszeit) bei einem politischen Symposium in Washington.

Ein Amtsenthebungsverfahren gegen einen Präsidenten sei eine der schwierigsten Entscheidungen in der US-Politik. „Wenn der Pfad der Faktensuche uns dahin führen sollte, dann haben wir keine Wahl“, sagte Pelosi. Das Impeachment könnte zwar mit der Mehrheit der Demokraten im Abgeordnetenhaus angestrengt werden. Die Entscheidung über eine tatsächliche Amtsenthebung läge aber im Senat, wo Trumps Republikaner die Mehrheit haben.

Russland hat das verschärfte Vorgehen der USA gegen iranische Ölexporte heftig kritisiert. Das russische Außenministerium erklärte gestern, die US-Politik werde immer „aggressiver und rücksichtsloser“. „Washington verbirgt nicht einmal seinen Wunsch, die Welt seinem Willen zu unterwerfen.“ Zugleich lobte Moskau die „Zurückhaltung“ Teherans mit Blick auf „die arroganten amerikanischen Provokationen“.

Das Weiße Haus hatte am Montag mitgeteilt, noch härter als bisher gegen das iranische Ölgeschäft vorgehen zu wollen. Ausnahmeregelungen, die einigen Ländern bisher weiterhin den Import iranischen Öls erlaubten, sollen Anfang Mai beendet werden.

Sanktionen sukzessive verschärft

Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte im November umfassende Sanktionen gegen die iranische Öl- und Bankenbranche verhängt. Betroffen sind davon auch Unternehmen aus Drittstaaten, die in den sanktionierten Bereichen mit dem Iran Geschäfte machen.

Die USA haben die Sanktionen gegen den Iran seit vergangenem Jahr sukzessive verschärft, nachdem Trump im Mai einseitig aus dem Atomabkommen mit Teheran ausgestiegen war. Er betrachtet die Vereinbarung von 2015 zur Begrenzung des iranischen Nuklearprogramms als unzulänglich.

Iran droht mit Blockade der Ölroute im Golf

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) drohten mit einer Blockade der Straße von Hormus im Persischen Golf, falls die USA den Ölexport der Islamischen Republik stoppen sollten. Die Straße von Hormus gilt als die wichtigste Ölhandelsroute, durch die fast ein Drittel der globalen Ölexporte verschifft wird. „Solange wir unser Öl exportieren können, bleibt Hormus offen, wenn nicht, dann gibt es dafür keine Logik mehr“, sagte IRGC-Marinekommandant Aliresa Tangsiri gestern laut Nachrichtenagentur ISNA.

Die Entscheidung der USA, bei Sanktionen gegen Ölimporte aus dem Iran keine Ausnahmen mehr zuzulassen, führte im Iran zu unterschiedlichen Reaktionen. In staatlichen Kreisen gab es die üblichen Aufrufe zum Widerstand gegen den „Großen Satan“ (gemeint sind die USA, Anm.). Die Menschen im Land jedoch befürchten, dass ohne Ölexport, die Haupteinnahmequelle des Landes, die bereits akute Wirtschaftskrise noch schlimmer werden und ihre Existenz gefährden könnte.

Das iranische Außenministerium soll intensive Gespräche mit relevanten Stellen im In- und Ausland führen. Die Ergebnisse werden dann der politischen Führung vorgelegt und eine Entscheidung in Kürze bekanntgegeben, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi. Auch Präsident Hassan Rouhani hatte mehrmals mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, falls die USA im Zuge ihrer Sanktionen iranische Ölexporte blockieren sollten. Auch ein Ausstieg des Iran aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 – das eine iranische Atombombe verhindern soll – steht auf der politischen Agenda in Teheran.

Brasiliens Oberster Gerichtshof hat die Haftstrafe des wegen Korruption verurteilten früheren Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva gesenkt.

Die Richter in der Hauptstadt Brasilia verminderten die Haftstrafe gestern von zwölf Jahren und einem Monat auf acht Jahre und zehn Monate. Damit könnte der 73-Jährige ab Herbst von Hafterleichterungen profitieren. Die Anwälte des Linkspolitikers und Ex-Staatschefs (2003 bis 2010) kündigten allerdings umgehend Berufung an. Sie hatten einen Freispruch Lulas gefordert.

Lula sitzt seit einem Jahr im südbrasilianischen Curitiba in Haft. Er war im Zuge des Korruptionsskandals um den staatlich kontrollierten Erdölriesen Petrobras verurteilt worden. Lula wurde schuldig gesprochen, im Gegenzug für Verträge mit Petrobras von einer Baufirma eine Luxuswohnung geschenkt bekommen zu haben.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist heute zu seinem ersten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Russland eingetroffen. Sein gepanzerter Sonderzug überquerte in der Früh die nordkoreanisch-russische Grenze und hielt am Grenzbahnhof von Hassan, wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete.

Nordkoreanischer Machthaber Kim Jong-Un steigt aus einem Zug aus
AP/Primorsky Regional Administration Press Service

„Kim Jong Un verließ den Zug", sagte eine lokale Politikerin. Er sei mit Blumen empfangen worden."Er könnte jetzt das Kim-Il-Sung-Museum besuchen“, ergänzte die Politikerin unter Hinweis auf ein 1986 gebautes Haus in dem Ort. Dort hatten sich der Großvater des Machthabers, Kim Il Sung, und Vater Kim Jong Il bei Reisen kurzzeitig aufgehalten.

Der Zug wird dann laut TASS von dem Grenzort sieben Stunden nach Ussurijsk knapp 100 Kilometer nördlich von Wladiwostok fahren. Von dort werde Kim über die transsibirische Bahnstrecke in die Hafenstadt weiterreisen. Das Treffen mit Putin ist für morgen in Wladiwostok geplant. Dabei soll es vor allem um die atomare Abrüstung Nordkoreas gehen. Es soll aber auch über den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder gesprochen werden.

Inland

Für ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer ist die Kritik der SPÖ an der Regierungszusammenarbeit mit den Freiheitlichen „unglaubwürdig“, und zwar so lange, solange die Sozialdemokraten ihre Koalition mit den Freiheitlichen im Burgenland und in Linz nicht beendet hätten, so Nehammer in einer Aussendung.

„Es bleibt abzuwarten, ob sie dort auch auf die Hilfe des Bundespräsidenten hofft“, meinte der ÖVP-Generalsekretär in Anspielung auf den Brief von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner an Bundespräsident Alexander Van der Bellen, in dem sie das Staatsoberhaupt um Unterstützung ersucht hatte. Die Volkspartei habe nach dem „widerwärtigen Gedicht“ des Braunauer FPÖ-Vizebürgermeister „klar eine Grenze gezogen“, so Nehammer.

Er ortete wiederum in den Reihen der SPÖ „mangelnde politische Hygiene“. Schließlich stehe „jener Mitarbeiter, der gemeinsam mit (Tal, Anm.) Silberstein die antisemitischen und rassistischen Fake-Facebook-Seiten betrieb, nach wie vor im Dienste der SPÖ“, meinte Nehammer in Bezug auf einen entsprechenden Bericht der „Presse“ (Mittwoch-Ausgabe). Hier seien Rendi-Wagner und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda „mehr als gefordert“.

ÖVP und FPÖ sehen trotz steigender Lebenserwartung und steigender Kosten des Pensionssystems weiterhin keinen Handlungsbedarf zur Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. Das geht aus dem „Nationalen Reformprogramm 2019“ hervor, das die Regierung heute nach Brüssel schickt und das der APA vorliegt. Eine entsprechende Empfehlung der EU-Kommission wird zurückgewiesen.

Den Langfristprognosen der Kommission zufolge wird die Zahl der Pensionisten und Pensionistinnen in Österreich bis 2070 von rund 2,4 auf 3,6 Millionen steigen. Bis dahin sollen knapp über 30 Prozent der dann 10,2 Mio. Österreicher über 65 Jahre alt sein und jeder achte Österreicher über 80. Die Kommission hat Österreich daher sowohl die Anhebung des Pensionsantrittsalters als auch die weitere Einschränkung der Frühpensionen empfohlen.

„Moderater Anstieg“

Die Regierung lehnt eine Koppelung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung allerdings ab, wie sie in ihrem „Reformprogramm“ schreibt. Stattdessen verweist sie in dem Papier, das heute gemeinsam mit der mittelfristigen Budgetplanung („Stabilitätsprogramm“) im Ministerrat verabschiedet wird, darauf, dass die Pensionskosten trotzdem im Rahmen bleiben.

Der Prognose zufolge werden die Pensionsausgaben von 13,8 Prozent der Wirtschaftsleistung 2016 ihren Höhepunkt mit 15 Prozent nämlich im Jahr 2035 erreichen und bis 2070 auf 14,3 Prozent sinken. „Vor dem Hintergrund, dass in den nächsten beiden Jahrzehnten die Babyboomer-Generation in den Ruhestand überwechseln wird, ist der Anstieg um 0,5 Prozentpunkte bis 2070 moderat“, heißt es in dem Papier des Kanzleramts.

Mehr Ausgaben für Gesundheit und Pflege

Deutlich stärker – wenn auch auf niedrigerem Niveau – steigen der Prognose zufolge übrigens die Ausgaben für das Gesundheits- und das Pflegewesen: Die Gesundheitsausgaben sollen bis 2070 8,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen (plus 1,3 Prozentpunkte), die Pflegekosten sollen sich von 1,9 auf 3,8 Prozent verdoppeln. Wie das Pflegesystem künftig finanziert werden soll, geht aus dem „Reformprogramm“ nicht hervor. Verwiesen wird auf das bis Ende 2019 angekündigte Pflegekonzept.

Der Nationalrat schließt heute seine Beratungen zum Frauen- und zum ORF-Volksbegehren ab, die jeweils die dafür notwendige 100.000-Unterschriften-Hürde überschritten haben.

Beschlüsse dazu sind freilich nicht geplant. Ferner auf der Agenda findet sich ein Gesetz gegen „Gold-Plating“, die Übererfüllung von EU-Vorgaben. Eingeschränkt wird konsularischer Schutz bei leichtsinnigem Verhalten.

Wegen der Klubsitzungen im Vorfeld beginnt die Sitzung ausnahmsweise erst um 12.00 Uhr. Zu Beginn geht es dann um Themen wie den Ausweiszwang in Foren. NEOS hat die Aktuelle Stunde mit „Diese Regierung hat keine Ahnung vom Internet“ betitelt.

EU

Die Brexit-Partei des EU-Gegners Nigel Farage gewinnt immer mehr Anhängerinnen und Anhänger auch unter den Konservativen. Wie „Daily Mail“ heute berichtete, ist nach 55-jähriger Tory-Mitgliedschaft die ehemalige Ministerin Ann Widdecombe zur Brexit-Partei übergelaufen. Nach jüngsten Umfragen für die EU-Wahlen liegt die Brexit-Partei mit 24 Prozent voran.

Dahinter folgt die Labour-Partei mit 22 Prozent. Dann kommen die Torys mit nur noch 17 Prozent, die Liberalen kommen auf neun Prozent und die neue lagerübergreifende Partei der EU-Befürworter auf acht Prozent.

Aufgeschobener Brexit als Grund

Die 71-jährige ehemalige Tory-Ministerin Widdecombe nannte laut „Daily Mail“ das Scheitern von Premierministerin Theresa May für den rechtzeitigen Brexit als Grund für den Wechsel zu Farage – ursprünglich sollte der Austritt am 29. März erfolgen, es gab dann eine erstmalige Verschiebung auf 12. April im Fall eines Weggehens mit einem Vertrag oder bis 22. Mai bei einem „No deal“-Brexit.

Farage hat auch schon vorher Zulauf seitens der Torys erhalten, zuletzt von der Schwester des konservativen Brexiteers Jacob Rees-Mogg, Annunziata. Die Brexit-Partei von Farage umfasst ein breites Spektrum an politischen Personen – so gehören ihr ein ehemaliger Kommunist, ein Wohltätigkeitsveranstalter und ein Kriegsheld an.

Die Briten erhielten von der EU zuletzt einen neuerlichen Aufschub für den Brexit bis Ende Oktober des Jahres. Damit müssen sie auch an den EU-Wahlen vom 23. bis 26. Mai teilnehmen, außer es geschieht das theoretisch Unwahrscheinliche, und May und der Labour-Chef, Jeremy Corbyn, finden doch noch in letzter Minute einen Kompromiss für den Austritt. Allerdings treten die Verhandlungen zwischen beiden Seiten eher auf der Stelle.

Harald Vilimsky, EU-Wahl-Spitzenkandidat der FPÖ, hat seinen Auftritt gestern Abend in der ZIB2 vor allem dazu genutzt, Interviewer Armin Wolf und den ORF zu attackieren. Über Fragen nach rechtsextremen „Einzelfällen“ gab er sich empört, er sah seine Partei in die Nähe zum Nationalsozialismus gerückt. „Das ist etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann“, sagte er drohend.

Vilimsky: „Sie machen permanent Stimmung gegen uns“

Vilimsky beantwortet Fragen zur Gedichtaffäre des Braunauer Vizebürgermeisters, zu einem Bild der Freiheitlichen Jugend Steiermark, zu den Identitären, zu Russland-Verbindungen und zu FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl.

Anlass für Vilimskys Verbalangriff war eine visuelle Gegenüberstellung, die Wolf während des Interviews präsentierte. Einen Cartoon der steirischen Parteijugend, in dem eine einheimische Familie in grüner Tracht von finsteren Zuwanderern mit langer Nase, Bart und Buckel bedroht wird, stellte ein Insert neben die Darstellung eines Juden aus dem NS-Kampfblatt „Der Stürmer“.

„Unterste Schublade“

Vilimsky sprach daraufhin von „unterster Schublade“, die unterstellte Ähnlichkeit zum „Stürmer“ sei geschmacklos und skandalös. Die Karikatur stelle für ihn einen Islamisten dar, die Geschichte sei zudem ein Jahr alt und habe im steirischen Landtag niemanden aufgeregt. Der blaue Spitzenkandidat sprach von „linken Netzwerken“, die gegen die FPÖ agierten und auf Twitter Stimmung machten, und kritisierte Wolf dafür, das Sujet im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Monat vor der EU-Wahl hervorzuziehen.

Auch sonst zeigte er sich mit der ORF-Berichterstattung unzufrieden. „Sie bringen in der ZIB1 null über unsere Kampagne“, so Vilimsky. Man versuche der FPÖ zu schaden, auch bezüglich der auf einem freiheitlichen Ticket in die Bundesregierung eingezogenen Außenministerin Kneissl, die seiner Ansicht nach in der ORF-„Pressestunde“ vor laufender Kamera zu einem „Parteistriptease“ „genötigt“ worden sei – und sich dort nicht zur Wahl Vilimskys bekennen hatte wollen.

Die „linke Seite“ in der Republik wende hier ganz aggressive Methoden an. Wolf wies das zurück, man habe die Ministerin einfach gefragt.

„FPÖ voten gegen Asylchaoten“

Die FPÖ plakatiert für den EU-Wahlkampf im Doppelpack: Auf Sujets der ersten Welle, die gestern präsentiert wurden, ist zum einen Spitzenkandidat Vilimsky mit dem Slogan „FPÖ voten gegen Asylchaoten“ zu sehen. Auf weiteren Motiven wird Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache Platz eingeräumt, der Österreich „schützen“ will.

Kein Blatt Papier passe zwischen ihn, Vilimsky, und seinen Parteichef Strache, erklärte der freiheitliche Spitzenkandidat das „Splitting-Verfahren“ bei der ersten Plakatwelle. Anders sehe das beim Mitbewerber und Koalitionspartner im Bund, der ÖVP, aus: Listenerster Othmar Karas reiße einen Graben auf, wenn er die „Reformarbeit“ der türkis-blauen Regierung torpediere. Der Spitzenkandidat agiere gegen die „Spitzenmannschaft“.

Rundumschlag gegen Konkurrenz

Strache sieht in Karas einen „klassischen EU-Vertreter“ und „Apparatschik“. Auch für die weiteren Gegner gab es kein gutes Wort: So sei der „politische Loser“ Andreas Schieder von der SPÖ versorgt, Johannes Voggenhuber von Peter Pilz „ausgegraben“ worden. Werner Kogler wiederum versuche die Grünen auch noch vor dem Rauswurf aus dem EU-Parlament zu retten. Und bei NEOS-Kandidatin Claudia Gamon handle es sich um ein „EU-Groupie“.

Auf seinem ersten Sujet setzt FPÖ-Mann Vilimsky wenig überraschend auf das Thema Asyl. „Steh auf für Österreich“, lautet darauf der Nachsatz. Bei Straches Plakat heißt es „Wählen wirkt“ und „Schützen, was wir lieben: Österreich“. Der Parteichef machte bei der Präsentation nochmals klar, dass man als „österreichische Patrioten“ antrete, die „Fehlentwicklungen“ in der Union korrigieren wollten. Im besten Fall könne man sogar den zweiten Platz erreichen.

Zahlen zur Kampagne präsentierte Generalsekretär Christian Hafenecker: 3.000 großflächige Plakate würden österreichweit affichiert, weitere 25.000 in kleinerem Format und 23.000 Hohlflächenplakate. Als Wahlwerbegeschenk gibt es unter anderem Powerbanks, um Handys aufzuladen.

Am 26. Mai wählt Österreich seine Abgeordneten für das Europäische Parlament. Fünf Spitzenkandidaten und zwei Spitzenkandidatinnen sind für ihre Parteien in den Wahlkampf für das Rennen ums EU-Parlament gezogen.

Neben der Durchführung des Brexits ist die Zukunft der EU so viel diskutiert wie schon lange nicht. Was halten Sie für die zentrale Frage für die Zukunft der EU? Welche Rolle soll das Parlament spielen? Wie intensiv sollen die Vorgaben sein, „die aus Brüssel kommen“? Soll Europa wieder eine losere Föderation mit Wirtschaftsschwerpunkt werden oder sich politisch noch enger vernetzen und zu einer Art Bundesstaat werden?

Was liegt Ihnen zu Europa am Herzen, und was wollen Sie welchen Spitzenkandidaten fragen?

Illustration eines gelben Sessels
ORF.at

Im Rahmen der Serie „Ihre Frage zu Europa“ reist ORF.at den Spitzenkandidaten in den Wahlkampf nach und stellt die Fragen unseres Publikums. Und Ihre Frage kann dabei zum Zug kommen. Weil sie besonders prägnant ist oder eine Sorge zum Ausdruck bringt, die vielen anderen, die uns schreiben, ebenso am Herzen liegt. Stellen Sie auf ORF.at bis 29.4. Ihre Frage zu Europa!

Um Ihre Fragen zu stellen, nutzen Sie bitte das Onlineformular.

Wirtschaft

Nach fünf Runden haben die Tarifpartner in der Nacht auf heute die diesjährige Gehaltsverhandlung für die rund 73.000 Beschäftigten in den heimischen Kreditinstituten abgeschlossen.

Die Mindestgrundgehälter werden rückwirkend mit 1. April 2019 um 2,5 Prozent zuzüglich 14,50 Euro erhöht. Das ist eine Erhöhung zwischen 2,8 und 3,37 Prozent, hieß es heute Früh in einer Aussendung. Bezogen auf alle Gehaltstabellen des Finance-KV bedeute das eine Erhöhung von durchschnittlich drei Prozent.

Die Gewerkschaft hält aber an ihren Arbeitszeitforderungen fest. Es sei bedauerlich, dass die Arbeitgeber nicht auf die Forderungen eingegangen seien, teilte das GPA-Verhandlungsteam heute mit. „An diesem Thema werden wir aber weiter dranbleiben.“

Die GPA-djp hatte zuletzt eine Kompensation der Auswirkungen der Arbeitszeiterhöhung durch die Bundesregierung gefordert wie eine bessere Abgeltung der elften und zwölften Arbeitsstunde und einen leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche.

Der Betreiber des Messengerdienstes Snapchat hat im Auftaktquartal erstmals nach drei Quartalen wieder Nutzer und Nutzerinnen hinzugewonnen. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer stieg verglichen mit dem Vorquartal um vier Millionen auf 190 Millionen, wie der Mutterkonzern Snap gestern nach US-Börsenschluss bekanntgab. Anleger und Anlegerinnen zeigten sich erfreut: Die Snap-Aktie sprang nachbörslich um zwölf Prozent in die Höhe.

Der Umsatz verbesserte sich dank stark höherer Werbeeinnahmen im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 320,4 Millionen Dollar (285 Mio. Euro). Den Verlust verringerte das US-Unternehmen auf 310,4 Millionen Dollar von 385,8 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Im vergangenen Jahr hatte Snap mitgeteilt, sinkenden Nutzerzahlen mit neuen Kurzserien beikommen zu wollen. Snapchat wird vor allem von Menschen unter 30 Jahren genutzt, die es schätzen, dass ihre Nachrichten schnell wieder gelöscht werden. Das Unternehmen nimmt vor allem mit Werbung Geld ein und konkurriert mit Google und Facebook.

Sport

Den San Antonio Spurs droht das Aus in der ersten Play-off-Runde der National Basketball Association (NBA). Nach einer 90:108-Niederlage bei den Denver Nuggets gestern (Ortszeit) liegen Jakob Pöltl und seine Teamkollegen in der „Best of seven“-Serie erstmals zurück. Beim Stand von 2:3 brauchen die Spurs morgen im sechsten Match in Texas einen Heimsieg, um das rasche Aus zu vermeiden.

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Chronik

Kurz vor Mitternacht ist in der Parzelle Hohlen in Dornbirn-Haselstauden (Vorarlberg) ein alter Bauernhof abgebrannt. Nach Angaben der Polizei Dornbirn wurde niemand verletzt, eine Person konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Mehr dazu in vorarlberg.ORF.at

60 Stiere bei Bauernhofbrand in NÖ gerettet

Höchste Alarmstufe gab es gestern Abend bei einem Brand auf einem Bauernhof in Thomasberg in Niederösterreich. Nicht zuletzt wegen starken Windes breiteten sich die Flammen rasch aus. 60 Stiere mussten gerettet werden

Mehr dazu in noe.ORF.at

Bei der Explosion eines Chemiewerks sind im Norden Chinas mindestens drei Menschen getötet worden. Fünf weitere Verletzte wurden gerettet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua heute berichtete. Die Explosion ereignete sich laut den Angaben in der Stadt Ulanqab (Provinz Innere Mongolei). Informationen zur Ursache der Explosion liegen noch nicht vor.

In China kommt es immer wieder zu schweren Industrieunfällen, weil Arbeitsvorschriften zu lasch sind oder nicht eingehalten werden. Erst im März waren bei der schweren Explosion in einem Industriepark der ostchinesischen Stadt Yancheng mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt.

Bei einem der bisher größten Unglücke dieser Art waren im August 2015 bei der gewaltigen Detonation eines Chemielagers in der Hafenstadt Tianjin 173 Menschen getötet worden. Chinas Regierung hatte danach angekündigt, die Chemielager und Fabriken des Landes auf Sicherheitsrisiken zu prüfen.

Die Sprengung einer Fliegerbombe in Regensburg (Deutschland) hat heute einige umliegende Gebäude beschädigt. Bei einer ersten Bestandsaufnahme stellten Einsatzkräfte leichte Schäden an Dach und Fassade eines Gebäudes sowie mehrere kaputte Glasscheiben fest, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die 250 Kilo schwere Bombe war in der Früh mit einem Spezialroboter gesprengt worden. Die rund 4.500 Regensburgerinnen und Regensburger, die über Nacht in Sicherheit gebracht worden waren, konnten nach und nach in ihre Häuser zurückkehren.

Zeitweise waren bis zu 400 Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettung im Einsatz. Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war gestern Nachmittag bei Bauarbeiten in der Bukarester Straße gefunden worden.

Gesundheit

IT

US-Präsident Donald Trump hat nach seiner scharfen Kritik am Kurznachrichtendienst Twitter Konzernchef Jack Dorsey getroffen. Dabei sei insbesondere über Twitter und Internetplattformen generell gesprochen worden, hieß es einem Tweet Trumps im Anschluss. Twitter sprach von einem konstruktiven Austausch auf Einladung des Präsidenten.

Unter anderem sei es um den Schutz der öffentlichen Debatten vor den US-Wahlen 2020 gegangen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, Trump habe Dorsey gefragt, weshalb die Zahl seiner Follower gesunken sei. Zuvor hatte Trump Twitter in einem Tweet vorgeworfen, ihn als Konservativen schlecht zu behandeln.

Die Sprachenvielfalt seiner rund 2,3 Milliarden Nutzer und Nutzerinnen macht Facebook im Kampf gegen Hassbotschaften zu schaffen. Dem Konzern gelingt es bisher nicht, mit der Vielzahl kleinerer und exotischer Sprachen seiner Mitglieder mitzuhalten und Posts darin ausreichend zu kontrollieren. Offiziell bietet Facebook seinen Dienst in 111 Sprachen weltweit an, weitere 31 Sprachen werden in dem Portal stark genutzt.

Die 15.000 Facebook-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die unliebsame Inhalte aufspüren sollen, kommen jedoch nur in etwa 50 Sprachen zum Einsatz – auch wenn Facebook zudem nach eigenen Angaben bei Bedarf Übersetzer und Übersetzerinnen anheuert. Die Programme, die der Konzern hauptsächlich bei der automatisierten Jagd auf Hassbotschaften einsetzt, arbeiten sogar nur in etwa 30 Sprachen.

Druck von Ländern

Länder wie Australien, Singapur und Großbritannien drohen Facebook nun mit einer Verschärfung der Vorschriften, hohen Bußgeldern und sogar Gefängnisstrafen für Manager, falls das Unternehmen unerwünschte Inhalte künftig nicht rasch löscht.

Bis Anfang März hatte Facebook allerdings selbst die Regeln, die Hassbotschaften und die Verherrlichung von Gewalt in dem Dienst verbieten, nach Erkenntnissen von Reuters erst in 41 der offiziell 111 unterstützten Sprachen übersetzt. Andere Netzwerke wie Instagram und WhatsApp, die beide ebenfalls zu Facebook gehören, sowie Twitter und YouTube stehen vor ähnlichen Problemen.

Die Regeln würden von Fall zu Fall in neue Sprachen übersetzt, sagte eine Facebook-Sprecherin diese Woche. Das geschehe in Abhängigkeit davon, ob der Gebrauch einer Sprache eine kritische Masse erreiche und ob Facebook eine führende Informationsquelle für deren Sprecher sei. Zu den Prioritäten zählten derzeit Khmer, die Amtssprache in Kambodscha, und Sinhala, die wichtigste Sprache in Sri Lanka.

Science

Lifestyle

Religion

Nach juridischen Niederlagen in Deutschland hofft die satirische „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ nun auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Bei dem Gericht sei eine Klage des Vereins eingegangen und registriert worden, bestätigte gestern eine Sprecherin. Ausgelöst wurde der skurrile Rechtsstreit durch ein Hinweisschild für eine „Nudelmesse“.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Kultur

Leonardo DiCaprio (44) möchte bei dem nächsten Regieprojekt von Oscar-Preisträger Guillermo del Toro (54, „Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers“) mitmachen. Der Schauspieler verhandelt um die Hauptrolle in „Nightmare Alley“, wie die US-Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“ gestern berichteten.

Vorlage ist der gleichnamige Roman von William Lindsay Gresham, der bereits 1947 mit Tyrone Power verfilmt wurde (dt. Titel: „Der Scharlatan“).

Der Noir-Klassiker dreht sich um einen gerissenen Gauner, der sich für Betrügereien mit einer korrupten Psychiaterin zusammentut, die ihn am Ende ausnimmt. Del Toro, der auch das Drehbuch schrieb, will im Herbst mit den Dreharbeiten beginnen. Mit „Shape of Water“ holte der Mexikaner 2018 die Oscars für den besten Film und die beste Regie.

DiCaprio war zuletzt in dem Abenteuerfilm „The Revenant“ (2015) zu sehen, der ihm einen Oscar als bester Hauptdarsteller einbrachte. Im August kommt er an der Seite von Brad Pitt in dem Tarantino-Film „Once Upon A Time in Hollywood“ in die Kinos.

Leute

Die letzte Enkelin des Komponisten Richard Wagner (1813–1883), Verena Lafferentz-Wagner, ist vorige Woche im Alter von 98 Jahren in Nußdorf, einem Ortsteil von Überlingen am Bodensee, gestorben. Das teilte das Präsidiumsmitglied im Richard-Wagner-Verband International, Rainer Fineske, gestern mit.

Verena Lafferentz-Wagner
APA/dpa/David-Wolfgang Ebener

Im Gegensatz zu vielen anderen Familienmitgliedern vermied Lafferentz-Wagner es, prominent im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu stehen. So wurde ihre Anwesenheit zunächst fast übersehen, als der 200. Geburtstag ihres Großvaters im Mai 2013 in Bayreuth gefeiert wurde – erst Nichte Daphne Wagner machte das Publikum darauf aufmerksam, dass sie zu Gast sei.

Verena wurde im Dezember 1920 als jüngstes Kind von Siegfried Wagner, dem Sohn Richard Wagners, und Winifred Wagner in Bayreuth geboren, sie wuchs im Haus Wahnfried mit ihren Geschwistern Wieland, Friedelind und Wolfgang auf.

Mit Nazi-Funktionär verheiratet

Lafferentz-Wagner heiratete 1943 den hochrangigen Nazi-Funktionär und SS-Angehörigen Bodo Lafferentz. Das Ehepaar bekam fünf Kinder. Nach dem Krieg lebte die Familie in Nußdorf am Bodensee. Lafferentz starb 1975.

Ihre Brüder Wieland (gestorben 1966) und Wolfgang (gestorben 2010) übernahmen nach dem Zweiten Weltkrieg die Festspielleitung in Bayreuth. Wolfgang stand sogar bis 2008 am Ruder. Schwester Friedelind starb 1991. Inzwischen ist Verena Lafferentz-Wagners Nichte Katharina Wagner Intendantin der Richard-Wagner-Festspiele.