Ausland

Kritik in CDU an Spahn-Vorstoß zu UNO-Migrationspakt

In der Diskussion über den geplanten UNO-Migrationspakt stößt der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn in der CDU auf Kritik mit seinem Vorschlag, über eine deutsche Zustimmung erst noch auf dem Parteitag im Dezember zu diskutieren. Mehrere christdemokratische Politiker wiesen die Idee des CDU-Vorsitzkandidaten, das internationale Dokument notfalls später zu unterschreiben, ebenso zurück wie von anderen erhobene inhaltliche Bedenken gegen den Pakt.

Mit dem „Globalen Pakt für Migration“ will die UNO erstmals Grundsätze für den Umgang mit Flüchtlingen festlegen.

Röttgen: Wäre doppelte Führungsschwäche

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), sagte der „Bild“-Zeitung (Montag-Ausgabe): „Die Unterzeichnung des Migrationspakts notfalls zu verschieben, wäre eine doppelte Führungsschwäche, die sich Deutschland nicht erlauben darf.“ Der Pakt sei auch „ein enorm wichtiger erster Schritt der internationalen Gemeinschaft, Migration zu steuern“.

CDU-Vizefraktionschef Stephan Harbarth (CDU) bewertet das ähnlich und sagte der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“ (Montag-Ausgabe): „Es gibt keine Veranlassung, etwas an dem vorgesehenen Zeitplan für den UNO-Migrationspakt zu ändern. Der deutsche Bundestag wird Ende November einen Antrag verabschieden, durch den er sich eindeutig positioniert und der Bundesregierung Rückendeckung gibt.“

Der außenpolitische Fraktionssprecher Jürgen Hardt (CDU) wies Bedenken zurück. „Diffuse Ängste werden geschürt, und Menschen werden verunsichert“, sagte er der „Welt“ (Montag-Ausgabe).

CDU in Sachsen-Anhalt für Ablehnung

Der CDU-Landesverband des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt hatte auf einem Parteitag am Wochenende die deutsche Regierung aufgefordert, den Pakt abzulehnen. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Entwicklungshilfe, Peter Ramsauer (CSU), will den UNO-Pakt „nicht mittragen“. „Durch das gesamte Dokument zieht sich eine Haltung, Migration als etwas Normales und gar Wünschenswertes anzusehen“, sagte er der „Welt“. „Das öffnet dem Flüchtlingsstrom nach Europa und nach Deutschland Tür und Tor.“ Und: „Das Unbehagen wird in unserer Fraktion und der CSU-Landesgruppe auf breiter Front geteilt.“

Rebellen im Jemen erklären sich zu Waffenruhe bereit

Die Huthi-Rebellen im Jemen haben ihren Verzicht auf Raketen- und Drohnenangriffe verkündet und damit Hoffnungen auf eine Entschärfung des jahrelangen Bürgerkriegs mit Zehntausenden Toten genährt. Sollte die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition zum Frieden bereit sein, so seien es auch die Aufständischen, teilte Mohammed al-Huthi, Anführer des Revolutionskomitees der Rebellen, in der Nacht auf heute auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Für UNO schwerste aktuelle humanitäre Krise

Die UNO bezeichnet den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Dort kämpfen Truppen aufseiten des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren.

Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Huthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Frauen, Kinder und Männer getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

Neue Gespräche angekündigt

Die Ankündigung der Huthis kommt nur wenige Tage, nachdem UNO-Vermittler Martin Griffiths vor dem Sicherheitsrat in New York neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt hatte. Erst im September waren politische Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Beide Seiten unter Druck

Die Voraussetzungen für ein neues Treffen scheinen nun deutlich besser. So hatten die regierungstreuen Truppen zuletzt ihre Angriffe auf die strategisch zentrale Hafenstadt Hudaida eingestellt. Dort hatten zuvor schwere Kämpfe gewütet. Fällt Hudaida, würden die Rebellen ihren zentralen Nachschubort verlieren. Zuletzt bröckelte zudem der Rückhalt der Rebellen unter ihren Anhängern. Vor gut einer Woche lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Dschabir zum Feind über.

Doch auch die saudisch geführte Militärkoalition geriet zuletzt stärker in Bedrängnis. Unter dem Eindruck der Affäre um den in Istanbul getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangten die USA als wichtigster Verbündeter Riads neue Friedensgespräche in dem festgefahrenen Konflikt.

Republikaner Rick Scott gewinnt Senatssitz in Florida

Der Republikaner Rick Scott hat die Senatswahl im US-Bundesstaat Florida knapp gewonnen. Laut dem gestern veröffentlichten offiziellen Endergebnis erhielt der scheidende Gouverneur von Florida 50,05 Prozent, sein demokratischer Kontrahent Bill Nelson 49,93 Prozent. Der Wahlsieger habe knapp über 10.000 Wählerstimmen mehr als Nelson erhalten.

Dieser räumte seine Niederlage ein, warnte aber zugleich vor einer „aufziehenden Dunkelheit“ in der amerikanischen Politik. Er rief Vertreter und Vertreterinnen beider Parteien dazu auf, zusammenzuarbeiten und eine Blockadepolitik im Kongress zu vermeiden.

US-Präsident Donald Trump gratulierte Scott im Kurzbotschaftendienst Twitter „für eine mutige Kampagne, die von Erfolg gekrönt“ worden sei. Mit dem weiteren Wahlsieg können die Republikaner ihre Mehrheit im US-Senat noch etwas ausbauen.

Dritte Auszählung per Hand

In dem engen Rennen um den Senatssitz in Florida war eine dritte Auszählung der Stimmen per Hand angeordnet worden. Insbesondere fehlerhafte oder nicht eindeutig ausgefüllte Stimmzettel sollten ein weiteres Mal überprüft werden.

Eine durch technische Probleme erschwerte maschinelle Neuauszählung hatte laut vorläufigen Resultaten vom Donnerstag ergeben, dass Scott rund 12.600 Stimmen vor Nelson lag. Das entsprach einem Vorsprung von 0,15 Prozentpunkten. Die Gesetze des Bundesstaats sehen eine manuelle Neuauszählung vor, wenn der Abstand weniger als 0,25 Prozentpunkte beträgt.

May warnt vor Führungswechsel

Während die Vertreter der EU-27 in Brüssel erstmals über den „Brexit“-Deal beraten haben, kämpft die britische Premierministerin Theresa May um ihr politisches Überleben. Insbesondere die aus Protest gegen den vorgelegten „Brexit“-Entwurf zurückgetretenen Minister üben großen Druck aus. Gestern warnte May in einem Interview mit Sky News vor einem Führungswechsel.

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In Brüssel hingegen laufen die Vorbereitungen für den für kommenden Sonntag geplanten Sondergipfel. Bereits heute treffen sich die Europaminister der EU-27, um den Entwurf des Austrittsvertrags zu bewerten und die politische Erklärung zu den künftigen Beziehungen mit Großbritannien vorzubereiten. Nach einem Botschaftertreffen der EU-27 heute hieß es von Diplomatenseite, dass hier keine Änderungen zu erwarten seien. Man wolle nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen.

Revolutionsgarden vor Übernahme des iranischen Internets

Im Iran werden Zensur und Überwachung noch einmal verschärft. Geplant ist, die gesamte Kontrolle über das iranische Іnternet von der Telekombehörde auf die Revolutionsgarden (Pasdaran) zu übertragen. Ein diesbezüglicher Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Kontrolle Sozialer Netzwerke wurde nun von der Exilorganisation Zentrum für iranische Menschenrechte (CHRI) publiziert. Er soll noch heuer verabschiedet werden.

Das Regime geht offenbar davon aus, dass die neuen US-Sanktionen die Proteste des vergangenen Winters erneut aufflammen lassen werden. Auch die Topografie des iranischen Internets hat sich geändert, seit Jänner ist ein drittes Datenzentrum dazugekommen. Beide Maßnahmen sind offenbar als Reaktion darauf anzusehen, dass die Sperre des im Iran führenden Messengerdienstes Telegram überhaupt nicht funktioniert.

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Mehrere Festnahmen nach Arbeiterprotesten im Iran

Sicherheitskräfte nahmen unterdessen nach tagelangen Arbeiterprotesten in der Provinz Khuzestan mehrere Menschen fest. Der Gouverneur der Region im Südwesten des Landes, Gholam-Resa Schariati, bestätigte gestern, dass die Polizei mindestens vier Arbeiter einer Zuckerfabrik in der Stadt Schusch abgeführt habe.

„Weitere Details“ zu den Protesten und zu weiteren Festnahmen sollten demnächst bekanntgegeben werden, sagte der Gouverneur der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Der Iran steht wegen US-Sanktionen unter starkem wirtschaftlichen Druck, die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich zunehmend.

Nach Angaben der Behörden protestierten Arbeiter der Zuckerfabrik Haft Tapeh in Schusch dagegen, dass sie seit Monaten keine Löhne mehr bekommen hätten. Nach Angaben von Augenzeugen beteiligten sich im Laufe mehrerer Tage immer mehr Menschen an den Versammlungen, bei denen dann auch politische Forderungen und Vorwürfe an die Regierung lautgeworden seien. Unbestätigten Berichten zufolge besetzten die Arbeiter auch eine Moschee und hielten den zuständigen Kleriker für einige Stunden als Geisel fest.

EU

Kneissl kritisiert EU-Politik gegenüber Israel

FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl hat die Politik der Europäischen Union gegenüber Israel kritisiert. „Ich habe den Eindruck, dass besonders strenge Maßstäbe an Israel angelegt werden“, sagte Kneissl in einem Interview mit der „Times of Israel“ am Wochenende. Es brauche „mehr Realismus“ in den EU-Israel-Beziehungen, „und das ist etwas, wofür sich Österreich aktiv einsetzt“.

„Ich weiß, dass viele Israelis das Gefühl haben, dass – während es starke bilaterale Beziehungen mit einer Reihe von europäischen Staaten gibt – die Beziehung mit der EU als Ganzes niemals ihr gesamtes Potenzial ausgeschöpft werden. Und da ist etwas dran“, sagte die Außenministerin des derzeitigen EU-Ratsvorsitzlandes Österreich.

Kneissl verteidigt Strache

Kneissl hob das Engagement der ÖVP-FPÖ-Regierung für die jüdische Gemeinschaft und den Staat Israel hervor und verwies diesbezüglich auch auf die am Mittwoch stattfindende EU-Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache attestierte sie, „großes Interesse an Israel, seiner Geschichte und Kultur“ zu haben. „Ich bin absolut überzeugt, dass weder er noch ein anderes Mitglied dieser Regierung antisemitisch ist oder Antisemitismus toleriert“.

„Hypothetische Frage“

Als „völlig hypothetische Frage“ qualifizierte Kneissl, ob Israel möglicherweise den Boykott nur gegen sie aufheben könnte. Mit FPÖ-Ministern hat Israel keinen Kontakt. „Aber lassen Sie mich Folgendes sagen: Die Daseinsberechtigung eines Außenministers ist es, mit seinen Amtskollegen zusammenzukommen, Meinungen auszutauschen und direkt und persönlich an der Stärkung der internationalen Beziehungen zuarbeiten“, ließ die Außenministerin deutliches Interesse an einem Treffen mit ihrem aktuellen israelischen Amtskollegen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, erkennen.

In dem Interview, das vor der Absage des Besuchs von Netanjahu geführt wurde, bekräftigte Kneissl, dass Österreich schon „bald“ den Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichen wird. „Wir sprechen hier von Monaten, nicht Jahren“, sagte sie.

Inland

Kurz empfing US-Milliardär Soros

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat gestern Abend den US-Investor George Soros zu einem Arbeitsgespräch im Bundeskanzleramt empfangen. Dabei sei es um die Ansiedlung der Central European University (CEU) in Österreich sowie allgemeine außen- und europapolitische Fragen gegangen, teilte ein Sprecher des Kanzlers mit.

Wie aus informierten Kreisen verlautete, sei die Offenheit Österreichs für eine Ansiedlung der CEU in Wien betont worden, weil es darum gehe, die Freiheit der Wissenschaft zu unterstützen. Kurz und Soros seien sich einig gewesen, dass der „Brexit“ eine bedauerliche Entscheidung sei und ein „Hard Brexit“ jedenfalls vermieden werden müsse. In der Frage der Migrationspolitik habe es „durchaus unterschiedliche Auffassungen“ gegeben. Soros habe Österreich für das Engagement am Westbalkan gedankt.

Gespräch mit Faßmann geplant

Die von Soros gegründete CEU steht an ihrem Stammsitz Budapest unter großem Druck und will Ungarn verlassen. Nach dem Beschluss eines entsprechenden Gesetzes über ausländische Universitäten hängt die CEU in der Luft. Noch unter der vergangenen rot-schwarzen Regierung war der CEU eine Übersiedlung nach Wien angeboten worden. Bereits im Herbst 2019 soll der Forschungs- und Lehrbetrieb auf dem Areal des Otto-Wagner-Spitals in Wien beginnen.

Soros will heute auch mit ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann über die Modalitäten der Akkreditierung der CEU in Österreich sprechen. Dabei sollen „technische Fragen“ zur CEU besprochen werden, teilte eine Sprecherin Faßmanns mit. Die für die Akkreditierung zuständige österreichische Agentur AQ Austria rechne mit einem Akkreditierungsantrag in den nächsten Wochen, wobei das entsprechende Verfahren unabhängig vom Bildungsministerium laufe.

Kopftuchverbot in Volksschulen für IGGÖ „Symbolpolitik“

Scharfe Kritik an den Plänen der Regierung, ein Kopftuchverbot für Volksschülerinnen einzuführen, kommt von der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ): Man lehne „Verbotspolitik auf dem Kopf von Kindern kategorisch ab“, hieß es gestern in einer Aussendung. „Diese Symbolpolitik weisen wir als kontraproduktiv und den gesellschaftlichen Frieden gefährdend zurück.“

Man appelliere an die „konstruktiven politischen Kräfte, sich von solchen populistischen Forderungen nicht blenden zu lassen“. Es gehe der Regierung nicht darum, Kindern etwas Gutes zu tun, vielmehr „will man antimuslimische Ressentiments bedienen“, befand die IGGÖ. „Kleider-Verbotspolitik“ sei bevormundend, es sei daher zynisch zu behaupten, ein solches Verbot fördere Freiheit und Autonomie.

Opposition „grundsätzlich gesprächsbereit“

Die SPÖ ist „grundsätzlich gesprächsbereit“ bezüglich eines Kopftuchverbots für Volksschülerinnen. Ein solches könne aber nur Teil eines Gesamtpakets sein, sagte gestern SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid. Sie fordert etwa mehr Lehrer und Unterstützungspersonal an Brennpunktschulen.

„Egal wo, eines ist ganz klar: Mädchen dürfen nicht gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen“, betonte Hammerschmid. Eine Einzelmaßnahme löse aber keine Probleme, deshalb fordere man von der Regierung ein Gesamtpaket ein. Bisher habe die Regierung aber im Bildungsbereich und bei der Integration gekürzt, bedauerte sie.

Initiativantrag schon kommende Woche

Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) hatte in mehreren Sonntagszeitungen angekündigt, dass die Koalitionsparteien bereits kommende Woche einen Initiativantrag im Parlament für ein Kopftuchverbot in der Volksschule einbringen werden. Für die angestrebte Zweidrittelmehrheit braucht man die SPÖ oder NEOS.

NEOS ist diesbezüglich ebenfalls prinzipiell gesprächsbereit. Allerdings rieche der Vorstoß der Regierungsparteien „stark nach einer Ruckzuck-Aktion, die nicht sonderlich durchdacht ist“, befand gestern Bildungssprecher Douglas Hoyos. „Ein Kopftuchverbot allein kann niemals eine ernsthafte Integrationspolitik ersetzen.“

Mit Bekleidungsvorschriften und -verboten müsse man in einer liberalen Demokratie immer vorsichtig sein, mahnte Hoyos, vor allem die verfassungsrechtliche Komponente müsse hier genau geprüft werden. Man werde sich den Gesetzesvorschlag der Regierung anschauen, „sobald sie ihn auch uns zeigen“. „Es ist jedenfalls bezeichnend, dass ÖVP und FPÖ wieder einmal zuerst an die Öffentlichkeit gehen, bevor sie mit dem Parlament in einen Dialog treten.“

Rechtsextremer Security im Parlament: Gespräch bei Bures

Die Zweite Nationalratspräsidentin und Vorsitzende des BVT-Untersuchungsausschusses, Doris Bures (SPÖ), hat sich gestern für eine restlose Aufklärung der Vorwürfe rund um einen rechtsextremen Security-Mitarbeiter ausgesprochen. Für heute lud Bures die Fraktionsführer und den Verfahrensrichter zu einer Besprechung, um über die weitere Vorgangsweise zu reden.

Ein Mitarbeiter einer externen Sicherheitsfirma, der enge Kontakte zum Neonazi Gottfried Küssel pflegen soll, soll rund einen Monat im BVT-U-Ausschuss als Security gearbeitet haben. Der Mann wurde mittlerweile dienstfrei gestellt. Die Verantwortung, wie das passieren konnte, wurde zuletzt zwischen Innenministerium und Parlamentsdirektion hin- und hergeschoben.

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„Der BVT-Untersuchungsausschuss muss unverzüglich darüber informiert werden, wann der Mann Dienst im BVT-Untersuchungsausschuss hatte, welche Auskunftspersonen an diesen Tagen befragt wurden und ob er tatsächlich Zutritt zum Medienraum hatte“, sagte Bures.

Wirtschaft

Ex-Merill-Lynch-Banker neuer Chef der Telecom Italia

Neuer Chef beim italienischen Telekommunikationskonzern Telecom Italia wird der ehemalige Merrill-Lynch-Banker Luigi Gubitosi. Das teilte das Unternehmen gestern nach einer Verwaltungsratssitzung mit. Gubitosi folgt auf Amos Genish, der vor einigen Tagen nach einem Machtkampf gut ein Jahr nach seiner Ernennung schon wieder seinen Posten hatte räumen müssen.

Zuvor hatte sich bereits über Wochen angedeutet, dass der Hedgefonds Elliott des streitbaren Investors Paul Singer am Stuhl von Genish sägt.

Der Manager war ein Entsandter des Mehrheitsaktionärs und französischen Medienkonzerns Vivendi, der knapp 24 Prozent an Telecom Italia hält. Elliott gehören knapp neun Prozent, die Amerikaner liegen seit Monaten mit den Franzosen im Clinch um die Zukunft des ehemaligen Staatsmonopolisten. Elliott favorisiert eine überwiegende Abspaltung des italienischen Festnetzes. Vivendi hingegen plant, die Kontrolle über das Netz nach einem Anteilsverkauf zu behalten.

Sport

Chronik

Mittlerweile 77 Tote durch Waldbrand in Kalifornien

Der verheerende Waldbrand im Norden Kaliforniens hat bisher 77 Menschen das Leben gekostet. Das teilte die Feuerschutzbehörde des US-Staates, Calfire, gestern Abend(Ortszeit) mit. Das sogenannte „Camp Fire“ um den besonders stark betroffenen Ort Paradise nördlich von Sacramento sei mittlerweile zu 65 Prozent unter Kontrolle, so die Behörde weiter. Die Zahl der Vermissten sank von mehr als 1.200 Menschen auf 993, wie die Zeitung „San Francisco Chronicle“ berichtete.

Der Sheriff des betroffenen Bezirks Butte County, Kory Honea, hatte am Wochenende die Menschen aufgerufen, sich zu melden, wenn sie in Sicherheit sind. Viele Menschen waren den Behörden zufolge wegen ausgefallener Mobilfunknetze nicht zu erreichen.

Über 600 Quadratkilometer

Das Feuer gilt jetzt schon als das tödlichste und zerstörerischste in der Geschichte des Westküstenstaates. Bisher breitete es sich Calfire zufolge auf 607 Quadratkilometern Fläche aus. Mehr als 10.000 Häuser wurden laut Medienberichten zerstört. Im „Woolsey“-Feuer im Süden Kaliforniens nahe Los Angeles kamen Calfire zufolge drei Menschen ums Leben.

US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag die Gegend um Paradise besucht, der Ort selbst wurde größtenteils zerstört. Trump dankte den Rettungskräften und sagte Kalifornien Unterstützung zu. Er machte das Forstmanagement für die schlimme Lage verantwortlich. Auf die Frage, ob der Klimawandel eine Ursache sei, sagte er, es gebe mehrere Faktoren. Derzeit scheine aber das Forstmanagement ein „sehr großes Problem“ zu sein. Experten hatten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Ursachen für das Ausmaß der Brände genannt.

IT

Apple-Chef für staatliche Regulierung von Tech-Konzernen

Apple-Chef Tim Cook hat sich beim Thema Datenschutz für ein Eingreifen des Staates ausgesprochen. Er sei zwar allgemein „kein großer Fan von Regulierungen“, sagte Cook in einem Interview mit der Nachrichtenseite Axios, das gestern im US-Sender HBO ausgestrahlt wurde. Er sei „ein großer Anhänger des freien Marktes“.

„Gewisses Maß“

„Wir müssen es zugeben, wenn der freie Markt nicht funktioniert. Und er hat hier nicht funktioniert.“ Es sei daher „unvermeidlich“, dass es ein ein „gewisses Maß“ an Regulierung für Technologiekonzerne und soziale Netzwerke gebe, sagte Cook weiter. Der US-Kongress und die Behörden würden „irgendwann etwas Entsprechendes beschließen“.

Der Apple-Chef verwies auf den Datenschutzskandal bei Facebook: Im Frühjahr war ans Licht gekommen, dass die Daten von rund 87 Millionen Nutzern bei der britischen Firma Cambridge Analytica gelandet und von dieser unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump benutzt worden waren. Die Branche sei nun „jenseits“ der Hoffnung auf Selbstregulierung, sagte Cook.

Medien

Fusion in Australiens Medienbranche so gut wie fix

Die Fusion des australischen Zeitungsverlags Fairfax Media und des TV-Betreibers Nine ist so gut wie sicher. Die Aktionäre von Fairfax stimmten heute mit einer Mehrheit von fast 90 Prozent der Übernahme durch Nine Entertainment zu, wie der TV-Sender ABC berichtete.

Nine Entertainment will vier Milliarden australische Dollar (etwa 2,5 Milliarden Euro) zahlen und künftig 51,1 Prozent des Kapitals am neu entstehenden Unternehmen namens Nine halten. Jetzt muss ABC zufolge Ende November noch ein Gericht dem Zusammenschluss zustimmen. Bis Ende des Jahres soll die Fusion über die Bühne gehen.

Fachleute erwarten Stellenabbau

Die beiden Unternehmen standen zuletzt wegen der wachsenden Konkurrenz auf dem Medienmarkt und sinkender Einkünfte unter Druck. Mit der Fusion sollen jährlich umgerechnet etwa 32 Millionen Euro eingespart werden, Experten und Expertinnen erwarten einen Abbau von Stellen. Künftig wird es dann noch vier größere Anbieter in Australiens Medienbranche geben. Den Zeitungsmarkt dominiert die Gruppe News Corp von Medienmogul Rupert Murdoch, einem gebürtigen Australier.

Fairfax Media ist der älteste Zeitungsverlag Australiens, mit dem Zusammenschluss wird auch der Name nach 177 Jahren verschwinden. Dem Verlag gehören unter anderem die Tageszeitung „Sydney Morning Herald“, Radiosender und eine profitable Immobilien-Webseite. Nine Entertainment ist vor allem für seinen kommerziellen Fernsehsender Channel Nine bekannt.

Nach der Übernahme wird Nine TV-Sender, Video-Streaming-Dienste, Zeitungen, Radiosender, mehrere Digitalgeschäfte sowie eine Immobilienwebseite unter seiner Fittiche haben. Die australische Wettbewerbsbehörde hatte der Fusion trotz Protesten der Mediengewerkschaft des Landes bereits zugestimmt.

Science

Kultur

„Fund“ von gestohlenem Picasso offenbar Scherz

Der angebliche Fund eines vor sechs Jahren gestohlenen Picasso-Gemäldes hat sich als Scherz entpuppt. Die Schriftstellerin Mira Feticu räumte gestern Abend im niederländischen Sender NOS ein, auf einen „Werbegag“ hereingefallen zu sein. Demnach wurde sie Opfer eines Kunstprojekts von zwei belgischen Regisseuren über den niederländischen Meisterfälscher Geert Jan Jansen.

Der angebliche Fund des Picasso-Werkes „Tete d’Arlequin“ (Harlekin-Kopf) in Rumänien hatte zuvor für Schlagzeilen gesorgt. Das Gemälde war 2012 bei einem spektakulären Einbruch aus der Kunsthalle Rotterdam gestohlen worden. Bei dem nur drei Minuten dauernden „Jahrhundertraub“ entwendete eine rumänische Bande insgesamt sieben Kunstwerke im Wert von 18 Millionen Euro, neben dem Picasso auch Kunstwerke von Claude Monet, Henri Matisse und Paul Gauguin.

Werke möglicherweise zerstört

Die Täter konnten später gefasst werden, sie wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Werke aber blieben verschollen. Sie wurden möglicherweise zerstört, nachdem kein Käufer gefunden wurde.

Vor einigen Tagen erhielt die niederländische Schriftstellerin Feticu, die ein Buch über den Kunstraub geschrieben hat, dann eine anonyme Botschaft, wie sie der Nachrichtenagentur AFP sagte. Demnach lag das Picasso-Werk, dessen Wert auf 800.000 Euro geschätzt wird, begraben in einem Wald im Osten Rumäniens. Der vermeintliche Picasso wurde schließlich gestern Abend gefunden.

Die zuständige rumänische Staatsanwaltschaft erklärte, es könne sich um „Tete d’Arlequin“ handeln. Allerdings sei das noch nicht abschließend geklärt. Experten sollten die Authentizität des Werkes überprüfen.

Experte erkannte Fälschung auf Foto

Der Kunstexperte Peter van Beveren äußerte allerdings sehr schnell Zweifel an der Authentizität des Gemäldes. „Die Linien, die Farben, die Details passen nicht“, sagte er nach Sichtung eines Fotos dem Sender NOS. „Auf Grundlage dessen, was ich sehe, denke ich, dass es eine Fälschung ist.“

Die rumänisch-stämmige Schriftstellerin Feticu sagte schließlich NOS, sie habe eine E-Mail von den belgischen Regisseuren Yves Degryse und Bart Baele erhalten, in der sie über den Scherz aufgeklärt wird. Die rumänische Staatsanwaltschaft erklärte auf Anfrage, zunächst nicht sagen zu können, ob es sich um eine Scherz handelt oder nicht.

„Fantastic Beasts 2“ in US-Kinocharts unter Erwartungen

So zauberhaft wie erhofft ist der Start nicht verlaufen: „Fantastic Beasts 2: The Crimes of Grindelwald“ („Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen“) spielte an seinem ersten Wochenende in den USA und Kanada 62 Millionen Dollar (54 Millionen Euro) ein und blieb damit unter den Erwartungen.

Den zweiten Platz in den USA und Kanada belegte „The Grinch“. Der Trickfilm um den haarigen Miesepeter nach dem Kinderbuchklassiker „Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“ von Dr. Seuss brachte in seiner zweiten Woche 38 Millionen Dollar ein (33 Millionen Euro). Komiker Otto Waalkes leiht dem Griesgram in der deutschen Version seine Stimme.

Auf dem dritten Rang der nordamerikanischen Kino-Charts landete der Musikfilm „Bohemian Rhapsody“, der die Geschichte der britischen Erfolgsband Queen erzählt. Das Werk sorgte für Einnahmen in Höhe von 16 Millionen Dollar (14 Millionen Euro).

Panorama

Bloomberg spendet Universität 1,8 Mrd. Dollar

Der US-Milliardär Michael Bloomberg will seiner früheren Universität 1,8 Milliarden Dollar spenden – vermutlich die größte Spende an eine Hochschule überhaupt. Mit dem Geld, umgerechnet knapp 1,6 Milliarden Euro, sollen dauerhaft Stipendien der John-Hopkins-Universität für Studentinnen und Studenten aus einkommensschwächeren Familien finanziert werden, wie der frühere New Yorker Bürgermeister gestern erklärte.

Michael Bloomberg
Reuters/Yuri Gripas

Selbst „Glück gehabt“

Er selbst habe „Glück“ gehabt und dank eines Studiendarlehens und eines Studentenjobs an der Eliteuniversität studieren können, schrieb der Sohn eines Buchhalters in der „New York Times“. „Mein Hopkins-Diplom hat mir Türen geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären, und hat mir erlaubt, den amerikanischen Traum zu leben.“

Auch andere junge Menschen sollten diese Möglichkeit haben, schrieb der 76-Jährige weiter. Geldfragen sollten beim Zugang zu der Universität „nie wieder“ eine Rolle spielen.

50.000 Dollar und mehr pro Jahr

Eliteuniversitäten kosten in den USA häufig mehr als 50.000 Dollar pro Jahr. Für viele junge Menschen ist das eine unüberwindbare Hürde.

Bloomberg betonte, Privatspenden allein seien nicht ausreichend. Auch die Regierung müsse Studenten stärker unterstützen. Der aus bescheidenden Verhältnissen stammende Bloomberg wurde als Investmentbanker und später Gründer einer Finanznachrichtenagentur reich. Von 2002 bis 2013 war er Bürgermeister von New York.