Ausland

Versöhnungsappell an Familie bei Kohl-Trauermesse

Bei einer Totenmesse für den deutschen Ex-Kanzler Helmut Kohl in Berlin hat der Geistliche der zerstrittenen Familie Kohl Versöhnung gewünscht. „Wir wünschen uns allen, dass sie untereinander Versöhnung und Frieden erfahren“, sagte Prälat Karl Jüsten gestern in seiner Predigt. Die Verwandten Kohls hätten ein unterschiedliches Bild vom Altkanzler. Außenstehende sollten sich aber bei einer Bewertung der Umstände zurückhalten.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Präsident Frank-Walter Steinmeier und anderen Repräsentanten der deutschen Regierung

APA/AFP/John Macdougall

Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hatte zu der Totenmesse in der St.-Hedwigs-Kathedrale eingeladen. Neben Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und zahlreichen Kabinettsmitgliedern nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Die Messe war nach Angaben der Fraktion mit Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, abgestimmt.

Kohl war am 16. Juni mit 87 Jahren gestorben. Zur Würdigung seiner politischen Verdienste ist am 1. Juli ein europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant. Beigesetzt werden soll er in Speyer. Die Vorbereitungen der Trauerzeremonien werden überschattet von heftigen Streitigkeiten zwischen der Witwe Maike Kohl-Richter und Kohls Sohn Walter. Ihr Verhältnis gilt seit Langem als angespannt.

Europol sieht wachsende Terrorgefahr in Europa

Die europäische Polizeibehörde Europol warnt vor neuen Terroranschlägen in Europa. „Die Terrorgefahr in Europa ist die höchste, die wir seit einer Generation hatten, die höchste der vergangenen 20 Jahre. Und sie steigt auch noch, darauf haben wir Hinweise“, sagte Europol-Chef Rob Wainwright gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe).

Allein im vergangenen Jahr seien 718 Menschen wegen Verbindungen zu Dschihadisten festgenommen worden, führt Wainwright an. Das sei ein extremer Anstieg und zeige, „wie sehr sich Teile der islamistischen Gemeinschaft radikalisiert haben“. Seiner Einschätzung nach ist das Treffen der G-20-Staats- und -Regierungschefs Anfang Juli in Hamburg „natürlich ein potenzielles Ziel für Terroristen wie jedes andere wichtige öffentliche Event“.

Ruf nach mehr Überwachung

Wainwright forderte mit Blick auf die Anschläge in Brüssel, Paris und London schnelle Anti-Terror-Kräfte in jedem europäischen Land. In London habe die Polizei Anfang Juni innerhalb von acht Minuten nach dem ersten Anruf den Attentäter getötet. „Das ist der Standard, den wir überall haben sollten.“

Fahnder müssten zudem mehr Möglichkeiten bekommen, die Onlinekommunikation von Terrorverdächtigen wie Messenger-Nachrichten zu überwachen: „Weil Kommunikationskanäle ins Internet abgewandert sind, hat die Polizei einen großen Teil ihrer Möglichkeiten, Terroristen zu überwachen, verloren. Das muss sich ändern“, sagte der Chef der Behörde in Den Haag.

Brasilien: Präsident Temer angeklagt

Brasiliens Präsident Michel Temer ist als erstes amtierendes Staatsoberhaupt der Landesgeschichte wegen Korruption angeklagt worden. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot reichte die Klage beim Obersten Gericht des Landes in Brasilia ein, wie der Sender Globo News berichtete.

Temer hatte 2016 die Macht nach der Amtsenthebung der linksgerichteten Präsidentin Dilma Rousseff übernommen. Der bei seinen Landsleuten äußerst unbeliebte Konservative steht seit Wochen selbst am Pranger. Er soll jahrelang Schmiergelder für seine Partei PMDB von dem Unternehmer Joesley Batista kassiert haben. Der Besitzer des größten Fleischproduzenten der Welt, der Firma JBS, hatte Temer jüngst angezeigt und unter anderem einen heimlich aufgenommen Mitschnitt eines Gesprächs zwischen den beiden als Beweisstück vorgelegt.

Verweigert Rücktritt

Der Staatschef weigert sich zurückzutreten. Wegen des erbitterten Machtkampfs, der 2016 zur Absetzung Rousseffs führte, war Temer schon damals äußerst unbeliebt. Nur 14 Prozent der Brasilianer sprachen sich im vergangenen Juli für seine Regierung aus. Inzwischen glauben nur noch sieben Prozent seiner Landsleute, dass er einen guten Job macht.

Entwaffnung der FARC-Guerilla abgeschlossen

Historischer Meilenstein in Kolumbien: Nach über 50 Jahren des bewaffneten Kampfes hat die FARC-Guerilla alle Waffen den Vereinten Nationen übergeben. Die 6.800 Kämpfer hätten alle zuvor registrierten 7.132 Waffen übergeben, teilte die UNO mit. Für heute war ein offizieller Festakt zur symbolischen Beendigung der Waffenabgabe im Beisein der FARC-Führung und von Präsident Juan Manuel Santos im zentralkolumbianischen Mesetas geplant.

Santos hatte für seine Bemühungen um ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts 2016 den Friedensnobelpreis zugesprochen bekommen. Die Waffen sollen eingeschmolzen und so als Baumaterial verwendet werden für Friedensmahnmale in Kolumbien, in New York am Sitz der Vereinten Nationen und in Havanna, dem Ort der fast vierjährigen Friedensverhandlungen.

Übergangsweise in „Friedenscamps“

Seit Februar befinden sich die Kämpfer in 26 „Friedenscamps“, meist Containersiedlungen, wo sie den Übergang in ein normales Leben und die Gründung einer Partei vorbereiten. Dieser FARC-Partei sollen in den ersten Jahren zehn Sitze im Kongress garantiert werden. Die Guerilleros sehen sich vor allem als Anwälte der armen Landbevölkerung und fordern unter anderem eine gerechtere Landverteilung.

Mit der kleineren ELN-Guerilla gibt es noch keinen Waffenstillstand. Sorgen bereitet zudem, dass Paramilitärs und andere Banden in bisher von der FARC kontrollierten Gebieten die Kontrolle über den Drogenhandel übernehmen könnten.

Nobelkomitee fordert Ausreiseerlaubnis für Liu Xiaobo

Menschenrechtsgruppen und das Nobelkomitee haben eine bedingungslose Freilassung des schwer an Leberkrebs erkrankten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo und eine Ausreisemöglichkeit zur medizinischen Behandlung gefordert.

Das Nobelkomitee forderte in einer Erklärung, dass der 61-Jährige „jetzt ohne Bedingungen freigelassen wird und die bestmögliche Behandlung für seine Krankheit angeboten bekommt, sei es in China oder im Ausland“.

Die Gefängnisbehörden der Provinz Liaoning bestätigten heute, dass dem 61-Jährigen „Bewährung aus medizinischen Gründen“ gewährt worden sei. Er werde im Krankenhaus in Shenyang von „acht führenden heimischen Krebsexperten“ behandelt.

Merkel rückt vom Nein der CDU zur Ehe für alle ab

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel ist von dem klaren Nein ihrer CDU zur Ehe für alle abgerückt. In einer Veranstaltung mit der Zeitschrift „Brigitte“ sagte Merkel gestern Abend in Berlin, sie wünsche sich eine Diskussion, die „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht“.

Bei einer Abstimmung im Bundestag ohne Fraktionszwang gilt eine Mehrheit für die gleichgeschlechtliche Ehe als sicher. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat Merkel die Linie mit CSU-Chef Horst Seehofer abgesprochen.

Gleichstellung als Koalitionsbedingung

SPD, Grüne und FDP haben die völlige Gleichstellung von Homosexuellen bei der Ehe zur Bedingung für eine Koalition gemacht. Auch die Linke fordert die Ehe für alle. Merkel sagte, sie habe natürlich zur Kenntnis genommen, wie jetzt alle Parteien außer der Union zu dem Thema stünden. Und die rechtspopulistische Alternative für Deutschland komme als Koalitionspartner nicht infrage.

Sie sei „bekümmert“, sagte die Kanzlerin, dass diese sehr individuelle Frage Gegenstand von „Parteitagsbeschlüssen und plakativen Dingen“ sei. Sie wolle mit der CDU und der CSU „anders darauf reagieren“. Sie selbst und viele Mitglieder in der Union beschäftigten sich intensiv mit dem Thema.

„Diskussion in Richtung einer Gewissensentscheidung“

Merkel betonte: „Ich wünsche mir, dass trotz Wahlkampfs die Diskussion mit Respekt und Achtung geführt wird.“ Sie wünsche sich Respekt vor Menschen, die sich schwer mit der Frage tun und kirchlich gebunden seien. Sie wolle gern eine Diskussion „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung“ und keine Mehrheitsbeschlüsse „durchpauken“. Gleichgeschlechtliche Paare hätten dieselben Werte.

Sie finde es aber seltsam, dass in der Koalition mit der SPD in vier Jahren darüber nicht richtig gesprochen worden sei und es „plötzlich holterdiepolter“ gehen solle.

Inland

Pröll-Stiftung: Opposition fordert Konsequenzen

Der Rechnungshof (RH) verzichtet auf eine Prüfung der Dr. Erwin Pröll Privatstiftung. Er sei mit der Prüfung des niederösterreichischen Landesrechnungshofs zufrieden, gab der RH gestern via Facebook bekannt. Der Bericht des Landesrechnungshofs, der am Freitag veröffentlicht worden war, habe „alle wichtigen Fragen gestellt und einen vielsagenden, kritischen Bericht vorgelegt“. Nicht zufrieden sind indes die Grünen in Niederösterreich: Sie fordern einen Untersuchungsausschuss. Auch die FPÖ sieht weitere Schuldige.

Mehr dazu in Ruf nach U-Ausschuss

Kern: Islam-Kindergärten sollen kein Wahlkampfthema sein

Bundeskanzler Christian Kern, SPÖ-Spitzenkandidat für die Nationalratswahl im Herbst, lehnt es ab, aus den Islam-Kindergärten ein Wahlkampfthema zu machen. Wo es Probleme gebe, müsse man Maßnahmen setzen, er sei überzeugt, dass die Stadt Wien sich intensiv darum kümmere, sagte Kern gestern Abend in einem Sommergespräch mit dem TV-Sender Puls 4.

Schließung der Mittelmeer-Route „illusorisch“

Kern verteidigte auch seine Position zur Schließung der Mittelmeer-Route, diese sei „illusorisch“. „Es wird niemand einen Zaun im Mittelmeer bauen können.“ Dass Hilfsorganisationen in Seenot geratene Flüchtlinge retten, „dazu gibt es keine Alternative“. Bei den Abschiebungen nach Afghanistan will Kern die deutsche Prüfung abwarten.

„FPÖ völlig powidl bei so einem Thema“

Für Kern haben die SPÖ bzw. die Regierung beim Beschäftigungsbonus, der nicht für neue Zuwanderer aus dem EU-Ausland gelten soll, keine FPÖ-Position übernommen. „Die FPÖ ist völlig powidl bei so einem Thema.“ Kern bemängelte auch, dass nicht nur die FPÖ, sondern auch die ÖVP gegen die Ehe für alle sei. Es wehre sich auch die neue Volkspartei wie verrückt gegen die Öffnung.

Den Auftritt als Pizzamann verteidigte Kern ebenso wie seine Teilnahme bei der Ice Bucket Challenge 2014, als er ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka nominiert hatte.

Grüne mit Ballast zum Wahlkampfstart

Auf den anhebenden Wahlkampf kann sich die am Wochenende offiziell gekürte Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek vorerst noch nicht wirklich konzentrieren. Stattdessen muss sie sich mit parteiinternen Problemen herumschlagen - konkret die zur KPÖ abwandernden Jungen Grünen auf der einen Seite und den Ausstieg von Politveteran Peter Pilz auf der anderen.

Im Hintergrund steht auch der Richtungsstreit, wie weit nach links die Grünen rücken sollen. Und das sind nur einige der Baustellen in der Partei derzeit. Bleibt den Grünen die Hoffnung, dass jetzige Umfragewerte noch nicht das letzte Wort sind.

Mehr dazu in Umbrüche zur Unzeit

Datenschutznovelle der Koalition im Schnellverfahren

Gestern hat die Neufassung des Datenschutzgesetzes den Verfassungsausschuss des Nationalrats passiert. Die Novelle soll die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) umsetzen, im Nationalratsplenum am Donnerstag soll sie bereits mit einfacher Mehrheit von SPÖ und ÖVP verabschiedet werden. Die Verfassungsbestimmungen wie etwa das Grundrecht auf Datenschutz wurden aus der Vorlage gestrichen, weil es dafür eine Zweidrittelmehrheit zur Änderung der Verfassung bräuchte, die aber gibt es nicht.

Keine der 109 Stellungnahmen wurde berücksichtigt, Kontroll- und Klagerechte werden eingeschränkt, und auch sonst sei „dieses Schnellsiedeverfahren von Pfusch geprägt“, so der Jurist Alexander Czadilek gegenüber ORF.at.

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Sport

Segeln: Neuseeland holt America’s Cup

Das Emirates Team New Zealand hat gestern in souveräner Manier den 35. America’s Cup für sich entschieden und dem Oracle Team USA den Titel entrissen. Die Mannschaft von Steuermann Peter Burling gewann die neunte Wettfahrt vor den Bermuda-Inseln mit 55 Sekunden Vorsprung und damit die Serie mit 7:1-Siegen. Damit glückte den Neuseeländern gleichzeitig eine gelungene Revanche für 2013, als sie eine 8:1-Führung verspielten.

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ÖFB-Cup: Salzburg muss nach Deutschlandsberg

Titelverteidiger Red Bull Salzburg muss in der ersten Runde des nunmehrigen Uniqa ÖFB-Cups beim Regionalligisten Deutschlandsberg antreten. Finalist Rapid reist nach Schwaz, wie „Glücksfee“ Jasmin Ouschan gestern Abend in Wien ausloste. Zu einem Wiedersehen kommt es unterdessen für Rekordcupsieger Austria - die Wiener bekommen es mit Ebreichsdorf zu tun, das sich bereits in der Vorsaison als unangenehmer Gegner erwies. Neu: Im Fall einer Verlängerung dürfen die Clubs ab sofort ein viertes Mal wechseln.

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Gesundheit

Kalifornien setzt Glyphosat auf Liste krebserregender Mittel

Der Saatgutkonzern Monsanto hat mit seinem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat einen Rückschlag in den USA erlitten. In Kalifornien teilte die zuständige Behörde für Gesundheit und Umwelt gestern mit, Glyphosat werde ab dem 7. Juli auf die Liste mit Chemikalien gesetzt, die krebserregend sein können.

Für Monsanto „ungerechtfertigt“

Monsanto wird gerade in einem 66 Milliarden Dollar schweren Deal vom deutschen Bayer-Konzern übernommen. Kritiker der Transaktion befürchten ein Imageproblem für Bayer. Denn Monsanto sieht sich wegen Glyphosat immer neuen Klagen ausgesetzt. Der US-Konzern will gegen die Entscheidung in Kalifornien vorgehen und nannte sie „ungerechtfertigt auf der Basis von Wissenschaft und Gesetz“.

Durch die Maßnahme in Kalifornien könnten Monsanto und andere Firmen, die solche Unkrautvernichter herstellen, dort gezwungen werden, Warnungen auf die Produktverpackungen zu kleben. Das Mittel wird unter anderem von Landwirten, auf Golfplätzen und in Weingebieten eingesetzt.

Wirtschaft

Grenfell Tower: Materialhersteller zieht Konsequenzen

Nach der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower zieht der Hersteller der Außenverkleidung des Hochhauses Konsequenzen: Das am Grenfell Tower verwendete Material vom Typ Reynobond PE werde weltweit nicht mehr für die Verwendung bei Hochhäusern verkauft, sagte ein Sprecher des US-Herstellers Arconic gestern.

Die Entscheidung gründe sich auf Bedenken, „die in Folge der Grenfell-Tower-Tragödie aufgekommen“ seien. Für niedrigere Bauten soll das Material aber weiter verkauft werden, wie der Unternehmenssprecher mitteilte. Es besteht aus Aluminium und dem Kunststoff Polyethylen. Arconic bekräftigte, bei der Aufarbeitung der Brandkatastrophe in London arbeite das Unternehmen mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Dutzende Hochhäuser mit Baumängeln

Bei dem nächtlichen Brand in dem Londoner Hochhaus waren in der Nacht zum 14. Juni mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Das Feuer im Grenfell Tower war nach Erkenntnissen der Ermittler durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst worden. Die Flammen hatten sich dann rasend schnell über die Fassade ausgebreitet.

Nach der Brandkatastrophe hatte die britische Regierung eine rasche Überprüfung sämtlicher Sozialbauten im Land angeordnet. Bei den Sicherheitstests fielen bis gestern Abend 75 Hochhäuser durch, wie der für die Kommunen zuständige Staatssekretär Sajid Javid vor dem Parlament in London sagte.

Großrazzia bringt unzählige Produktfälschungen ans Licht

Bei einer gemeinsamen Großrazzia haben europäische und asiatische Zollfahnder mehr als 70.000 gefälschte Autoersatzteile sowie rund 400.000 andere nachgeahmte Waren wie Sonnenbrillen gefunden. Zudem wurden insgesamt 668 Kilogramm Kokain und 56 Millionen unverzollte Zigaretten sichergestellt, wie das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) gestern mitteilte.

Bei den gefälschten Autoersatzteilen handelte es sich den Angaben der Ermittler zufolge unter anderem um Kühlergrille sowie um Öl- und Luftfilter. Wohin sie geliefert werden sollten, teilte OLAF nicht mit. Es habe sich um Nachahmungen von Produkten bekannter Hersteller gehandelt, hieß es auf Nachfrage. Von den Fälschungen könnten möglicherweise auch Sicherheitsgefahren ausgehen.

Gestartet worden war die Durchsuchungsaktion laut OLAF bereits im März. Insgesamt durchsuchten Zollfahnder dabei innerhalb eines Zeitraumes von zwei Wochen mehr als 400 Schiffscontainer. Fast alle europäischen Häfen seien beteiligt gewesen, hieß es.

13 EU-Staaten für Gespräche mit Moskau über „Nord Stream“

Ungeachtet der Vorbehalte Deutschlands erhält die EU-Kommission Rückendeckung von 13 Mitgliedsländern für direkte Gespräche mit Russland über die umstrittene Gaspipeline „Nord Stream 2“. „Ich bin absolut optimistisch, ein Mandat zu erhalten“, sagte der für die Energieunion zuständige Vizepräsident der Brüsseler Behörde, Maros Sefcovic, gestern der Nachrichtenagentur Reuters. Er sei sich aber bewusst, dass das erst der Beginn der Debatte sei.

Firmen aus Deutschland, Frankreich und Österreich wollen mit dem russischen Monopolisten Gazprom beim Bau der Pipeline „Nord Stream 2“ zusammenarbeiten, die Gas von Russland durch die Ostsee nach Deutschland pumpen soll. In anderen EU-Staaten wird das kritisch gesehen.

EU-Insidern zufolge sind unter anderem Italien sowie Länder Nord- und Osteuropas dafür, dass die EU-Kommission direkt mit Russland über das Projekt verhandelt. Solche direkten Gespräche könnten das Projekt bis über 2019 hinaus verzögern. Die Brüsseler Behörde hatte sich schon mehrmals skeptisch dazu geäußert, ob die Pipeline im Einklang mit EU-Recht steht.

Nach Trump-Kritik: BMW investiert kräftig in US-Werk

Inmitten des schwelenden Streits mit US-Präsident Donald Trump um Autoarbeitsplätze in den USA hat BMW neue Investitionen in sein großes US-Werk angekündigt. Über 600 Millionen US-Dollar (rund 535 Mio. Euro) sollen über die kommenden Jahre in die Fertigungsstrukturen investiert werden, kündigte Vorstandschef Harald Krüger gestern im US-Bundesstaat South Carolina an.

„Bis 2021 werden wir weitere 1.000 Arbeitsplätze schaffen“, so Krüger. Derzeit arbeiten in der Fabrik gut 9.000 Beschäftigte.

Kritik auch an amerikanischen Herstellern

Der seit Jänner amtierende neue US-Präsident hat sich bei seinen Ankündigungen, Industriejobs ins Land zurückzuholen, insbesondere auf die Autoindustrie eingeschossen. Neben den US-Autoriesen General Motors (GM), Ford und Fiat Chrysler hat er dabei auch die deutschen Autobauer BMW und Daimler ins Visier genommen.

Trumps Ansicht nach bauen die Autohersteller zu viele Fahrzeuge billig im Nachbarland Mexiko, um sie dann in den USA zu verkaufen. Das koste Arbeitsplätze in der Branche in den USA, so Trump. BMW zieht derzeit ein Werk im mexikanischen San Luis Potosi hoch, in dem ab 2019 Autos gebaut werden sollen.

Chronik

Medien

Österreichische Radiopreise vergeben

Gestern Abend sind 33 heimische Radiomacherinnen und Radiomacher für herausragende Leistungen in elf Kategorien mit dem Österreichischen Radiopreis 2017 in Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet worden.

Gemäß den Jury-Entscheidungen ging die Radiopreistrophäe in Gold sechsmal an den ORF und fünfmal an Private, die Auszeichnungen in Silber und Bronze holten jeweils sechs Privatsender und fünfmal der ORF.

Mehr dazu in oe3.ORF.at, fm4.ORF.at und oe1.ORF.at

Erneut Journalist in Mexiko getötet

In Mexiko ist erneut ein Journalist gewaltsam ums Leben gekommen. Der Inhaber eines örtlichen Fernsehsenders, Salvador Adame, wurde tot aufgefunden, wie die Staatsanwaltschaft gestern im Bundesstaat Michoacan mitteilte. Er war vor gut einem Monat entführt worden. Adame ist bereits der sechste getötete Journalist in Mexiko in diesem Jahr.

Die sterblichen Überreste des Journalisten wurden nach Angaben der Ermittler verbrannt aufgefunden. Seine Identität konnte aber per DNA-Test zweifelsfrei festgestellt werden. Adames Lokalsender berichtet aus der Stadt Nueva Italia in Michoacan. Der Bundesstaat ist besonders von dem blutigen Drogenkrieg in Mexiko betroffen.

Im weiter nördlich gelegenen Bundesstaat Sinaloa war im Mai der 50-jährige Journalist Javier Valdez auf offener Straße erschossen worden, der unter anderem für die Nachrichtenagentur AFP und für einheimische Zeitungen arbeitete. Valdez war für seine mutige Berichterstattung über den Drogenkrieg bekannt, für die er auch ausgezeichnet wurde.

Kultur

Filmfest München würdigt Sofia Coppola

Unübliche Welten, besondere Beziehungen: Das Filmfest München hat Sofia Coppola für ihre eigene Filmsprache gewürdigt. „Ihre Filme geben uns nicht nur einen Einblick in sehr eigentümliche Welten, sondern auch in sehr spezielle zwischenmenschliche Beziehungen“, hieß es in einer Laudatio auf die US-Regisseurin gestern Abend bei einer Gala. Im Anschluss wurde Coppolas neuer Film „Die Verführten“ gezeigt.

Das Drama mit Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Colin Farrell spielt im Jahr 1864 während des amerikanischen Bürgerkriegs. Es beruht auf einem Stück von Thomas Cullinan. Eine Mädchenschule nimmt darin einen verwundeten Soldaten auf. Der Gast weckt bei den jungen Frauen und Mädchen allerlei Begehrlichkeiten, auch erotische, und bringt den Alltag in der Schule völlig durcheinander.

Vor der Gala gab Coppola in einer Gesprächsrunde Einblick in ihr Schaffen. Dort reagierte sie auch auf Kritiker des Films, die ihr politische Ignoranz vorgeworfen hatten - weil sie die Rolle einer schwarzen Sklavin aus Cullinans Stück gestrichen hatte. „Die Sklavin im Buch war sehr klischeehaft“, sagte Coppola. „Dieses Klischee wollte ich nicht übernehmen. Ich glaube, der Charakter hätte seinen eigenen Film verdient.“

IT

Facebook plant personalisierte Serien

An den Serienboom im Internet will jetzt auch Facebook anschließen: Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, will der Netzgigant eigene Formate produzieren. Die ersten Gameshows, Reality-Formate und Miniserien sollen bereits im August an den Start gehen. Um sich einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Apple und Netflix zu verschaffen, will Serien-Späteinsteiger Facebook schon in der Herstellung auf die Profildaten seiner User zugreifen.

Mehr dazu in Saubere Inhalte für junge Menschen

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