Ausland

AI: Vorgehen gegen Rohingya in Myanmar ist Apartheid

Die Rohingya in Myanmar werden laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) seit Jahren systematisch unterdrückt und ausgegrenzt. Das Vorgehen der Behörden gegen die muslimische Minderheit entspreche „in allen Punkten der juridischen Definition von Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so das Urteil der Organisation.

Hunderttausende auf der Flucht

Die Rohingya dürften sich nicht frei im Land bewegen und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung. Für den Bericht führte AI nach eigenen Angaben über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 200 Interviews. Außerdem seien Gesetze, Verordnungen, Berichte, Fotos und Videos ausgewertet worden.

Nach Angriffen auf Polizei- und Militärposten im August durch eine Rohingya-Miliz hatte Myanmars Armee im Bundesstaat Rakhine nach eigenen Angaben „Räumungsoperationen“ durchgeführt. Hunderttausende Rohingya sind vor Gewalt und Verfolgung im buddhistisch geprägten Myanmar nach Bangladesch geflohen. Alleine in den vergangenen drei Monaten waren es 620.000.

„Gefängnis unter freiem Himmel“

Da den meisten Rohingya die Staatsbürgerschaft in Myanmar verwehrt wird, können sie zahlreiche Grundrechte gar nicht oder nicht umfassend wahrnehmen. Dem Amnesty-Bericht zufolge haben die Repressionen gegen die Minderheit seit 2012 drastisch zugenommen. Die Rohingya-Provinz Rakhine bezeichnete Amnesty-Expertin Anika Becher als „Gefängnis unter freiem Himmel“.

Unterernährung und Armut seien die Folge der Ausgrenzung und Unterdrückung. Die Organisation forderte Myanmar auf, alle Gesetze zur Unterdrückung der Rohingya aufzuheben und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Iran sieht IS in Syrien und Irak besiegt

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist nach Einschätzung des Iran sowohl in Syrien als auch im Irak inzwischen endgültig besiegt. „Die teuflische Herrschaft des IS ist beendet“, zitierten alle iranischen Medien heute Ghassem Sulaimani, Kommandant der Al-Kods-Einheit der Revolutionsgarden, die in den vergangenen Jahren im Kampf gegen den IS eingesetzt worden war.

Das sei ein historischer Sieg für die Regierungen und Völker des Irak und Syriens sowie den Iran, hieß es in einem Schreiben Ghassems an den obersten geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei. Der Iran hat stets behauptet, dass die Revolutionsgarden im Irak und in Syrien nur als militärische Berater im Kampf gegen den IS tätig seien.

Koalition sieht großen Gebietsverlust

Es war aber auch immer ein offenes Geheimnis, dass besonders die Al-Kods-Einheit auch aktiv an den Kämpfen beteiligt war und auch viele ihrer Soldaten, besonders in Syrien, ums Leben gekommen sind. Für den sunnitischen IS hatte der schiitische Iran den gleichen Status wie Ungläubige.

Nach Angaben der internationalen Anti-IS-Koalition hat der IS in Syrien mehr als 95 Prozent seines früheren Gebietes verloren. Vertrieben wurden die Extremisten unter anderem aus ihren Hochburgen Mossul im Irak sowie al-Rakka und Deir al-Sor in Syrien. Sie kontrollieren im Wesentlichen nur noch ein von Wüste geprägtes Gebiet an der Grenze zwischen beiden Ländern.

Putin: Militäreinsatz in Syrien nähert sich dem Ende

Der russische Präsident Wladimir Putin geht von einem baldigen Ende des Militäreinsatzes in Syrien aus. „Der Militäreinsatz kommt jetzt tatsächlich zu einem Ende“, sagte Putin laut Kreml bei einem Treffen gestern mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Sotschi, wie die russische Nachrichtenagentur TASS heute berichtete. Nun gehe es darum, politische Prozesse einzuleiten.

Russlands Präsident Wladimir Putinund und Syriens Präsident Baschar al-Assad

APA/AFP/Sputnik/Mikhaiulk Klimentev

Er sei erfreut, die Bereitschaft von Assad zu sehen, mit jedem zusammenzuarbeiten, der bereit sei, Frieden aufzubauen und Lösungen zu finden, sagte Putin weiter. Bisher seien große Erfolge erzielt worden, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch auf politischem Gebiet. Viele Gebiete in Syrien seien von Terroristen befreit worden, und Zivilisten, die aus diesen Gegenden hätten flüchten müssen, könnten nun zurückkehren.

Putin empfängt morgen in Sotschi den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und den iranischen Staatschef Hassan Rouhani zu Gesprächen über den Syrien-Konflikt.

Simbabwes Ex-Vizepräsident fordert Rücktritt Mugabes

Der entlassene Vizepräsident von Simbabwe, Emmerson Mnangagwa, hat Staatschef Robert Mugabe zum Rücktritt aufgefordert. Dieser Schritt würde es dem Land ermöglichen „voranzukommen“, sagte Mnangagwa heute. Mnangagwa sagte weiter, er werde nicht nach Simbabwe zurückkehren, solange seine „Sicherheit nicht gewährleistet“ sei.

Gestern hatte Constantino Chiwenga die Bevölkerung in Simbabew zu „Ruhe und Geduld“ aufgefordert. Mugabe stehe in Kontakt mit Mnangagwa, so der Generalstabschef in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Der ehemalige Vizepräsident werde „in Kürze“ in Simbabwe zurückerwartet. Dann soll es Gespräche zwischen Mugabe und seinem ehemaligen Vize geben, sagte Chiwenga.

Amtsenthebungsverfahren droht

Mugabe steht seit einem Eingreifen des Militärs am vergangenen Mittwoch unter Hausarrest. Die Regierungspartei ZANU-PF will heute ein Amtsenthebungsverfahren gegen den 93-jährigen Staatschef einleiten. Ein von der Partei gesetztes Ultimatum, bis gestern Mittag freiwillig zurückzutreten, hatte Mugabe verstreichen lassen.

Die Regierungspartei hatte Mugabe am Sonntag als Parteichef abgesetzt und seinen Rivalen Mnangagwa zum neuen Vorsitzenden nominiert. Mugabe und seine 52-jährige Ehefrau Grace, die auch als seine mögliche Nachfolgerin gehandelt wurde, wurden aus der Partei ausgeschlossen.

Streit über Flüchtling gefährdet slowenische Regierung

In Slowenien spitzt sich die politische Krise über die Abschiebung des syrischen Flüchtlings Ahmed Schamija (Shamieh) zu. Die mitregierende Demokratische Pensionistenpartei (DeSUS) drohte dem liberalen Ministerpräsidenten Miro Cerar gestern mit dem Sturz, sollte dieser Schamija einen Aufenthalt nach dem Fremdengesetz ermöglichen.

Cerar hatte die Anwendung einer Ausnahmebestimmung im Fremdengesetz vorgeschlagen, um die rechtskräftige Dublin-Entscheidung zur Abschiebung des Syrers nach Kroatien auszuhebeln. Bei der Regierungssitzung am Donnerstag konnte sich der liberale Regierungschef mit seinem Plan nicht durchsetzen.

Erjavec sieht „missbräuliche Verwendung“

Außenminister Karl Erjavec (DeSUS) sprach von einer „missbräuchlichen“ Verwendung der Ausnahmebestimmung, weil Schamija die Voraussetzungen dafür nicht erfülle. Daher könnte die Regierung in dieser Causa stürzen, warnte der Außenminister unter Verweis auf eine von der konservativen Demokratischen Partei (SDS) eingebrachte Amtsenthebungsklage gegen Cerar. Erjavec fügte hinzu, dass seine Partei die Klage nicht unterstützen wolle.

Besonders gut integriert

Der Syrer, der Ende 2015 auf dem Weg nach Österreich in Slowenien hängen geblieben war, gilt als Vorzeigebeispiel für eine gelungene Integration. Er engagiert sich in der Flüchtlingsbetreuung und hat viele Sympathien gewonnen, weil er die Sprache des Gastlandes erlernte.

Zwei linksgerichtete Abgeordnete brachten ihn ins Parlamentsgebäude, damit er nicht abgeschoben werden kann. Mittlerweile befindet er sich nach einem Nervenzusammenbruch im Spital.

EuGH droht Polen im Streit über Bialowieza-Urwald

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat Polen angewiesen, das Abholzen des geschützten Bialowieza-Urwalds sofort einzustellen. Andernfalls droht dem EU-Land ein Zwangsgeld von 100.000 Euro pro Tag. Nur Ausnahmen zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit ließen die Richter zu. Den Beschluss veröffentlichte das Gericht gestern Abend in Luxemburg. Damit bestätigte es eine Anordnung der EU-Kommission.

Gefällte Bäume im Wald

Reuters/Kacper Pempel

Die polnische Regierung hatte den Holzeinschlag im Schutzgebiet 2016 erlaubt und das mit dem Kampf gegen den Borkenkäfer begründet. Die EU-Kommission sieht darin indes einen Verstoß gegen EU-Schutzrichtlinien und klagte Polen vor dem EuGH, weil es sich nicht an eine Aufforderung zum Stopp des Abholzens hielt.

USA schicken zehntausende Haiti-Flüchtlinge zurück

Die USA schicken rund 59.000 Erdbeben-Flüchtlinge aus Haiti in ihre Heimat zurück. Die Menschen mit vorübergehendem Aufenthaltsstatus hätten 18 Monate Zeit, auf die Karibikinsel zurückzukehren, teilte das US-Heimatschutzministerium mit. Alternativ könnten sie auch versuchen, ein US-Visum oder einen sonstigen Aufenthaltsstatus für die USA zu erlangen.

Die USA hatten nach den schweren Erdbeben von 2010 knapp 60.000 Flüchtlinge aus dem armen Karibikstaat aufgenommen. Inzwischen hätten sich die Verhältnisse in Haiti jedoch deutlich verbessert, heißt es zur Begründung vom Heimatschutzministerium. Die Übergangsfrist von 18 Monaten gebe sowohl den Betroffenen Zeit, sich auf die Rückkehr vorzubereiten, als auch dem Land selbst, Vorkehrungen für die Aufnahme Zehntausender Landsleute zu treffen.

Inland

Eurofighter in Koalitionsgesprächen ausgeklammert

ÖVP und FPÖ wollen sich offenbar an der heiklen Eurofighter-Frage die Finger nicht verbrennen. Dieses Thema soll aus den Koalitionsverhandlungen ausgeklammert und vorerst einer Kommission überlassen werden. Das erfuhr die APA aus Verhandlerkreisen. Uneinigkeit gibt es dem Vernehmen nach beim Bundesheerbudget. Die FPÖ fordert eine Erhöhung, die ÖVP steht auf der Bremse.

Der scheidende Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte den Ausstieg aus dem Eurofighter eingeleitet und plante, die Eurofighter und die Saab 105 gemeinsam durch eine Überschallflotte mit 15 Einsitzern und drei Doppelsitzern zu ersetzen. Ob die schwarz-blaue Regierung das weiterbetreiben wird, ist fraglich.

Kommen doch neue Eurofighter?

Sie könnte auch die Saab 105 durch neue Eurofighter ersetzen, denn dieses System ist vorhanden. Zudem gibt es Zweifel, ob ein Umstieg auf ein neues System tatsächlich günstiger wäre als die Beibehaltung der Eurofighter. Diese Frage wird zunächst aufgeschoben und soll erst später geklärt werden.

Was das Budget für das Bundesheer betrifft, gibt es noch Dissonanzen. Dei FPÖ ist mit der Forderung nach einer Anhebung des Heeresbudgets auf ein Prozent bzw. 3,5 Mrd. Euro in die Verhandlungen gegangen. Derzeit verfügt das Militär über 2,18 Mrd. Euro (0,6 Prozent des BIP). Die ÖVP ist dem Vernehmen nach dagegen, dem Heer mehr Geld zu geben.

Rücknahme der Reformen angedacht

Geplant ist im Bereich Landesverteidigung weiters eine Teilrücknahme der letzten Strukturreform, die noch gar nicht richtig umgesetzt wurde. So soll das neu geschaffene „Kommando Schnelle Einsätze“ wieder gestrichen werden. Ebenso sollen die Brigaden in ihrer alten Form wiederhergestellt werden.

Was die Militärführung betrifft, wird es wohl erst später Änderungen geben. Generalstabschef Othmar Commenda soll bis zum Auslaufen seines Vertrags im Frühjahr im Amt bleiben dürfen.

Wirtschaft

US-Regierung blockiert Fusion von AT&T und Time Warner

Das US-Justizministerium hat Klage gegen die milliardenschwere Fusion des Medienunternehmens Time Warner mit dem Kommunikationsriesen AT&T eingereicht. Die 108 Mrd. Dollar 92

AT&T kündigte an, um die geplante Übernahme kämpfen zu wollen. Kritiker werfen der Regierung von US-Präsident Donald Trump vor, mit dem staatlichen Einschreiten vor allem die Abspaltung des Senders CNN betreiben zu wollen. CNN gilt seit Monaten als „Feindsender“ Trumps. Der Präsident wird dort meist in kritischem Licht dargestellt.

CNN gehört zur Time-Warner-Tochter Turner. Das Justizministerium hatte AT&T bereits empfohlen, im Rahmen des Deals das CNN-Mutterunternehmen oder DirecTV zu verkaufen. AT&T lehnte das ab. Außerdem gilt die Fusion als Dorn im Auge von Trumps Freund und Unterstützer Rupert Murdoch, der mit seiner Unternehmensgruppe 21st Century Fox mit Time Warner auf mehreren Gebieten konkurriert.

Pay-TV als „Cashcow“

In den Unterlagen der Regierung wird aus Dokumenten von AT&T und seiner Satellitensparte DirecTV zitiert, in denen das traditionelle Pay-TV-Modell als „Cashcow“ und „goldene Gans“ bezeichnet wird. Das deute auf die Gefahr von Preiserhöhungen für die Kunden hin. Zudem könnten Konkurrenten gezwungen werden, „Hunderte Millionen Dollar mehr pro Jahr“ zu bezahlen.

AT&T hält diese Argumente nicht für stichhaltig. Das Unternehmen sei zuversichtlich, dass das Gericht die Behauptungen der Regierung zurückweisen und den Kauf erlauben werde, sagte AT&T-Chefanwalt David McAtee laut einer Mitteilung. McAtee sagte, es gebe keinen legitimen Grund dafür, die Übernahme anders zu behandeln als andere Fusionen.

Sport

Skispringen: Huber springt ins Rampenlicht

Stefan Kraft ist als Dritter einmal mehr der beste Österreicher beim Weltcup-Auftakt der Skispringer in Wisla gewesen. Mit Daniel Huber sprang aber ein weiterer ÖSV-Adler ins Rampenlicht. Der 24-Jährige, der am Samstag schon beim zweiten Platz im Team-Bewerb dabei war, landete am Sonntag auf Rang sechs und damit erstmals in den Top Ten.

Der bisher von Verletzungen gebremste Salzburger gibt sich damit aber noch nicht zufrieden. „Ich höre nicht auf zu kämpfen, es sind noch fünf vor mir“, sagte Huber selbstbewusst.

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Bundesliga: Salzburg rückt Verhältnisse gerade

Seit der zweiten Runde Ende Juli hat Sturm das Geschehen in der tipico-Bundesliga als Spitzenreiter bestimmt, in der 15. Runde ist die Vorherrschaft der Grazer nun zu Ende gegangen. Am Sonntag kamen die „Blackies“ bei Titelverteidiger Red Salzburg mit 0:5 unter die Räder und mussten Platz eins an die „Bullen“ abgeben.

„Wir waren die klar bessere Mannschaft“, so Salzburgs Außenverteidiger Stefan Lainer. „Es war eine Machtdemonstration.“ Von einer Vorentscheidung im Titelkampf wolle aber niemand sprechen.

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Tennis: Dimitrow hat Lust auf mehr

Mit seinem Triumph bei den ATP-Finals in London ist Grigor Dimitrow dort angekommen, wo ihn viele schon länger erwartet hatten: im Kreis der Großen im Tennis. Und der 26-jährige Bulgare macht klar, dass er mit dem Vorstoß auf Rang drei der Weltrangliste noch nicht genug hat.

Einen Major-Titel etwa gäbe es noch als Ziel, erklärte Dimitrow. „Das ist jetzt eine tolle Basis, auf der ich aufbauen kann für nächstes Jahr.“

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Chronik

Moskau bestätigt extreme Radioaktivität

Der russische Wetterdienst hat gestern Abend bestätigt, dass Ende September in Teilen des Landes eine „äußerst hohe“ Konzentration von radioaktivem Ruthenium-106 festgestellt wurde. Die höchste Konzentration seien in der Messstation Argajasch registriert worden, einem Dorf in der Region Tscheljabinsk im südlichen Ural an der Grenze zu Kasachstan.

Dort sei in der Woche von 25. September bis 7. Oktober eine Konzentration von Ruthenium-106 gemessen worden, die das 986-Fache des erlaubten Werts betragen habe.

Nahe Nuklearanlage Majak

Argajasch liegt 30 Kilometer von der Kerntechnischen Anlage Majak entfernt, wo sich 1957 einer der schlimmsten Atomunfälle der Geschichte ereignete. Heute dient die Anlage der Wiederaufbereitung abgebrannter nuklearer Brennstoffe.

Karte vom Standort des AKWs Majak

Grafik: APA/ORF.at

Ruthenium-106 wurde nach Angaben des Wetterdienstes Rosgidromet später auch in Tatarstan, dann im Süden Russlands und ab dem 29. September in Italien und von da aus in nördlicheren europäischen Ländern festgestellt.

Behörde bestritt Konzentration im Oktober

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte die russische Atombehörde Rosatom auf, eine gründliche Untersuchung vorzunehmen und die Ergebnisse über die Vorfälle in Majak zu veröffentlichen. Greenpeace werde von der Staatsanwaltschaft verlangen, „Ermittlungen über die mögliche Verschleierung eines Atomunfalls einzuleiten“, sagte die Organisation.

Mitte Oktober hatte Rosatom versichert, in Russland seien in der Woche von 25. September bis 7. Oktober keine Spuren von Ruthenium-106 festgestellt worden - mit Ausnahme von St. Petersburg, dort aber in niedriger Konzentration. Die Behörde reagierte damit auf Berichte europäischer Institute, denen zufolge in mehreren europäischen Ländern leicht erhöhte Werte von Ruthenium-106 registriert wurden.

Auch in Österreich gemessen

Das Umweltministerium hatte Anfang Oktober bekanntgegeben, dass die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) an mehreren Messstellen in Österreich in der Luft geringe Mengen an Ruthenium-106 nachgewiesen habe.

Die Konzentration liege im sehr niedrigen Bereich von wenigen Millibecquerel pro Kubikmeter und sei radiologisch unbedenklich. Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt seien auszuschließen, hieß es. Eine Freisetzung aus einem Kernkraftwerk oder eine Kernwaffenexplosion wurden als Ursache ausgeschlossen.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte Anfang Oktober gesagt, die leicht erhöhten Messwerte gingen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auf einen Ursprungsort im südlichen Ural zurück. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk könne als Ursache aber ausgeschlossen werden.

Nach Tod von Mafia-Boss: 27 Festnahmen in Palermo

Nach dem Tod der Nummer eins der sizilianischen Cosa Nostra, Toto Riina, am Freitag hat die Polizei der Mafia auf Sizilien einen schweren Schlag versetzt. 27 Mitglieder des Clans Santa Maria di Gesu wurden in Palermo festgenommen. Ihnen werden unter anderem Drogenhandel, Erpressungen und illegale Wetten vorgeworfen.

Der Clan war tief ins lokale Wirtschaftsnetz eingedrungen. Dank der Ermittlungen konnte die Struktur der Organisation ergründet werden, teilte die Polizei heute mit.

Riinas Leiche wird überführt

Die Staatsanwaltschaft von Parma hat indes grünes Licht für die Überführung von Riina in seinen Heimatort Corleone gegeben. Die Leiche des im Alter von 87 Jahren gestorbenen Riina wurde im Krankenhaus von Parma obduziert, in dem der an Nierenkrebs leidende „Pate“ starb.

Der Boss soll auf dem Friedhof von Corleone beigesetzt werden, wo bereits die langjährige Nummer eins der Cosa Nostra, Luciano Liggio, begraben ist. Riina war Liggio an der Spitze der sizilianischen Mafia gefolgt. Eine Trauerzeremonie für den mehrfach zu lebenslanger Haft Verurteilten wurde von der Kirche nicht zugelassen.

Die Präsidentin der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission, Rosy Bindi, wies darauf hin, dass Riinas Tod nicht das Ende der Cosa Nostra bedeute. Die Präfektin von Palermo, Antonella de Miro, warnte, dass die Cosa Nostra auf Sizilien noch besonders stark sei.

Belästigungsvorwürfe gegen Talkshow-Star Charlie Rose

In den USA ist einem weiteren Prominenten vorgeworfen worden, Frauen sexuell belästigt zu haben. Der Fernseh-Talkmaster Charlie Rose (75) entschuldigte sich gestern (Ortszeit) bei mehreren Kolleginnen, nachdem diese an die Öffentlichkeit gegangen waren. Die Frauen hatten der „Washington Post“ die Belästigung durch Rose geschildert.

Talkshow-Star Charlie Rose

APA/AP/Invision/Richard Shotwell

Rose: „Taktlos verhalten“

Rose selbst sagte in einem Statement: „Ich habe mich zeitweise taktlos verhalten und übernehme dafür die Verantwortung.“ Er glaube jedoch nicht, dass alle Vorwürfe korrekt seien.

Rose, der politische Talkshows in den Sendern PBS und CBS moderiert hatte, soll den Kolleginnen nackt gegenübergetreten sein, sie unsittlich berührt haben und ihnen etwa in Telefonanrufen ungebührliche Gespräche aufgedrängt haben. Die Sender trennten sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe von Rose oder suspendierten bis zur Klärung seine Sendungen.

Rose ist ein weiterer in einer ganzen Reihe von Prominenten, denen sexuelle Übergriffe - in verschiedenster Form - vorgeworfen werden. Zuletzt waren Vorwürfe gegen den Senator und früheren Entertainer Al Franken sowie gegen den Senatskandidaten in Alabama, Roy Moore, laut geworden.

40 Verletzte nach Explosionen in US-Kosmetikfabrik

Bei zwei Explosionen in einer Kosmetikfabrik nördlich von New York sind rund 40 Menschen verletzt worden. Sie hätten teils Verbrennungen erlitten oder seien von der Wucht der Explosion zu Boden geworfen worden, sagte ein Feuerwehrsprecher im Bezirk Orange County gestern vor Reportern.

Bei zwei Explosionen in der Kosmetikfabrik wurden rund 40 Menschen verletzt.

Eine erste Explosion habe mehr als 30 Menschen, die zweite dann sieben Feuerwehrleute verletzt, sagte ein Sprecher der Notfalldienste. Keines der Opfer sei lebensgefährlich verletzt. Ein Mitarbeiter der Fabrik wurde zwischenzeitlich vermisst.

In der Fabrik werden bei der Produktion von Nagellack und Parfum alkoholbasierte Substanzen sowie Farb- und Zusatzstoffe eingesetzt. Die Fabrik, in der rund 250 Menschen arbeiten, ist etwas größer als ein halbes Fußballfeld. Etwa 120 Feuerwehrleute kämpften noch Stunden nach der Explosion von gestern Früh (Ortszeit) gegen die Flammen. Die Luft- und Wasserqualität in der Gegend rund eineinhalb Autostunden nördlich von New York sei von dem Vorfall nicht betroffen, hieß es.

Science

Asteroid aus anderem Sonnensystem verblüfft Astronomen

Ein unerwarteter „Besucher“ aus den Tiefen des Alls begeistert Weltraumforscher: Zum ersten Mal haben Astronomen den Durchflug eines Asteroiden aus einem anderen Sonnensystem beobachtet.

Der 400 Meter lange Brocken war Millionen Jahre durchs Weltall unterwegs und verblüfft die Wissenschaftler mit seiner ungewöhnlichen Form: Er ist rund zehnmal so lang wie breit - anders als alle Asteroiden aus unserem eigenen Sonnensystem, die bisher beobachtet wurden.

Ein Team um Karen Meech von der Universität von Hawaii in Honululu beschreibt den fremdartigen Besucher im britischen Fachblatt „Nature“. „Dieses Ding ist sehr merkwürdig“, so Meech in einer Mitteilung ihrer Hochschule. Der Brocken war am 19. Oktober mit dem Pan-Starrs1-Teleskop auf Hawaii entdeckt worden.

Kultur

Oberösterreich: Schwarz-Blau spart bei Kultur

Kulturschaffende und eine kritische Öffentlichkeit sind alarmiert wegen diverser Aussagen der angehenden Regierung in Sachen Kulturförderung. Besonders der Blick nach Oberösterreich verunsichert, wo bereits seit geraumer Zeit Schwarz-Blau am Ruder ist. Dort wird nun ein Drittel des Kulturbudgets für freie Initiativen gekürzt.

In Oberösterreich regiert seit rund zwei Jahren Schwarz-Blau. Die Schuldenbremse bremst dort die Kultur aus.

„Weniger Veranstaltungen, weniger Lesungen“

Die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) vertritt die Interessen von 150 Vereinen und Kulturinitiativen, die massiv von den Einsparungen betroffen sind. Obmann Thomas Diesenreiter: „Unsere Kulturvereine machen 4.000 Veranstaltungen pro Jahr und erreichen über 400.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr. Das ist bedroht. Wenn hier um ein Drittel gekürzt wird, wird es weniger Programm geben, weniger Veranstaltungen, weniger Lesungen. Es trifft nicht nur Künstlerinnen und Kulturarbeiterinnen, es trifft uns alle.“

Für ÖVP „vertretbar“

187 Mio. Euro soll das Kulturbudget für das kommende Jahr ausmachen, wobei der allergrößte Teil auf öffentliche Einrichtungen wie die Landesmuseen, die Musikschulen und das Landestheater entfällt. Deren Unterstützung ist gesetzlich oder vertraglich geregelt.

Sie müssen im kommenden Jahr in Summe nur 0,9 Prozent einsparen und erhalten 175 statt 177 Millionen Euro. Der wesentlich kleinere Posten im Budget sind die sogenannten Ermessensausgaben, die Jahr für Jahr neu vergeben werden. Hier soll es nächstes Jahr 30 Prozent weniger Geld geben.

Da es für einzelne Institutionen wie die Landesmusikschulen und die Landesausstellung mehr Geld geben soll, muss bei der freien Kulturszene umso mehr gespart werden. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP): „Wir wollen keine neuen Schulden machen, wir wollen Schwerpunkte setzen und daher gehen wir diesen Weg jetzt so. Übrigens auch in einer Phase, in der die Wirtschaft im Aufschwung ist. Daher ist es auch vertretbar, dass sich die öffentliche Hand ein Stück weit zurückzieht.“

Josef Haders Sparvorschlag

Der Landeskulturbeirat, der das Land in Kulturfragen berät, sieht das anders, spricht von einem „Kahlschlag“ und fordert mehr Transparenz in der Kommunikation. Unter dem Motto „Rettet das Kulturland“ sammeln die freien Kulturinitiativen nun Unterschriften, um doch noch eine Erhöhung des Kulturbudgets zu erwirken.

Und Kabarettist Josef Hader steuert einen Sparvorschlag bei: „Ich bin nicht gegen Sparen. Ich habe das Gefühl, man kann viel einsparen. Man könnte vielleicht ein paar Kilometer Autobahn einsparen. Zehn Meter Autobahn weniger, und früher auf die Bundesstraße auffahren, und schon müsste man bei der Kultur nicht so viel einsparen.“

Rockefeller-Sammlung wird im Frühjahr versteigert

Die Kunstsammlung des im März gestorbenen US-Milliardärs David Rockefeller soll im kommenden Frühjahr in New York versteigert werden. Die erwarteten Erlöse in Millionenhöhe sollen komplett gespendet werden, teilte das Auktionshaus Christie’s heute mit. Rockefeller und seine langjährige Ehefrau Margaret „Peggy“ McGrath (1915-1996) hätten „sehr leidenschaftlich gesammelt“.

Unter den Werken sind Bilder von Künstlern wie Claude Monet, Henri Matisse und Pablo Picasso. Allein für Picassos Gemälde „Fillette a la corbeille fleurie“, das in der New Yorker Privatbibliothek der Rockefellers hing, erwartet das Auktionshaus rund 70 Millionen Dollar (60 Mio. Euro). Henri Matisses Bild „Odalisque couchee aux magnolias“ könnte rund 50 Millionen Dollar einbringen und damit einen neuen Rekord aufstellen.

Erlöse gehen an Museum und Universität

Die Erlöse sollen nach dem schriftlich festgehaltenen Willen der Rockefellers unter anderem an das Museum of Modern Art und die Rockefeller University gehen, beide in New York. Vor der Versteigerung gehen die Werke auf Welttournee - unter anderem sollen sie in Hongkong, London und Los Angeles zu sehen sein.

David Rockefeller war im März im Alter von 101 Jahren an Herzversagen gestorben. Er war das letzte Enkelkind des legendären Ölmagnaten John D. Rockefeller (1839-1937). David Rockefellers Vater war dessen einziger Sohn und Mutter Abby eine Kunstmäzenin, die das Museum of Modern Art in New York mitgründete. Rockefellers Reichtum war vom „Forbes“-Magazin zuletzt auf rund 3,2 Milliarden Euro geschätzt worden.

Leute

Modewelt nahm Abschied von tunesischem Designer Alaia

Internationale Models und Designer haben gestern Abschied vom bekannten tunesischen Modemacher Azzedine Alaia genommen. Auch Topmodel Naomi Campbell reiste zur Beisetzung im tunesischen Küstenort Sidi Bou Said. Dort war der 77-jährige Alaia in der Nähe seiner Mutter und seiner Schwester beerdigt worden, wie lokale Medien berichteten.

Sarg von Modeschöpfer Alaia

APA/AP/Amine Landoulsi

Der Modedesigner wurde in den 1980er Jahren durch eng anliegende Kreationen bekannt und galt als „König des Stretches“. Zahlreiche Internationale Stars wie Lady Gaga, Victoria Beckham und Mariah Carey hatten in den vergangenen Tagen ihre Trauer über den Tod des Modeschöpfers ausgedrückt.