Ausland

Nach monatelangem Krieg und blockierter humanitärer Hilfe verhungern UNO-Angaben zufolge im Gazastreifen Kinder. Während eines Besuchs im weitgehend von Hilfe abgeschnittenen Norden der Region hätten UNO-Beschäftigte Erkenntnisse zu schwerer Unterernährung und zu verhungernden Kindern gesammelt, teilte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Ghebreyesus, heute auf X (Twitter) mit.

Kinder zwischen Trümmern in Gaza
APA/AFP

Tedros: „Grauenhafte“ Lage in Spitälern

Die Besuche im Rahmen des WHO-Hilfseinsatzes in den beiden Kliniken seien die ersten seit Oktober 2023 gewesen – trotz der Bemühungen seiner Organisation, häufigeren Zugang zum Norden des Gazastreifens zu erreichen, beklagte der WHO-Chef. Die Lage in den Krankenhäusern sei „grauenhaft“, insbesondere im Krankenhaus al-Awda, in dem eines der Gebäude zerstört worden sei.

Zudem seien neben dem Mangel an Essen auch Stromausfälle eine „ernsthafte Gefahr für die Behandlung von Patienten“. Die WHO habe im Rahmen ihres Hilfseinsatzes 9.500 Liter Treibstoff geliefert, das sei jedoch nur ein „Bruchteil“ der zum Retten von Menschenleben benötigten Menge.

„Sichere und regelmäßige Hilfslieferungen“

Das Welternährungsprogramm (WFP) hatte Ende Februar vor einer „unmittelbar“ bevorstehenden Hungersnot gewarnt. Tedros forderte Israel auf, eine „sichere und regelmäßige“ Lieferung von Hilfsgütern sicherzustellen. Er forderte neuerlich eine Waffenruhe.

Das UNO-Nothilfebüro OCHA berichtete inzwischen unter Berufung auf die örtliche von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde, dass bis Sonntag 15 Kinder an Unterernährung gestorben seien. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Frankreich nimmt als weltweit erstes Land die „Freiheit zur Abtreibung“ in die Verfassung auf. Die Abgeordneten beider Kammern des Parlaments stimmten heute im Schloss von Versailles mit 780 zu 72 Stimmen für die entsprechende Verfassungsänderung. Die Bekanntgabe des Ergebnisses wurde mit anhaltendem Beifall begrüßt.

Auf dem Platz gegenüber dem Eiffelturm brach Jubel aus. Zahlreiche Menschen hatten die Debatte und Abstimmung auf einem Großbildschirm verfolgt.

Premier: „Abschluss eines langen Kampfes“

Premierminister Gabriel Attal sprach von einer „moralischen Schuld“ gegenüber allen Frauen, die gelitten hätten. „Uns verfolgen das Leiden und die Erinnerung an so viele und so viele Frauen, die jahrzehntelang darunter gelitten haben, nicht frei sein zu können“, sagte er.

Er freue sich über den „erfolgreichen Abschluss eines langen Kampfes“, so Attal. „Frankreichs Stolz. Universelle Botschaft“, schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf X.

Während der Abstimmung versammelten sich allerdings auch mehrere hundert Abtreibungsgegner in der Nähe des Kongresses in Versailles, um gegen die Verfassungsänderung zu protestieren. Auch die katholische Kirche machte deutlich, dass sie Abtreibungen weiterhin ablehnt.

Krankenkasse übernimmt Kosten

Bereits seit 1975 sind Abtreibungen bis zur zehnten Schwangerschaftswoche in Frankreich straffrei. Mittlerweile können Schwangere in Frankreich bis zur 14. Woche abtreiben, die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Die SPÖ-EU-Abgeordnete Evelyn Regner sprach in einer ersten Reaktion von einem „historischen Schritt“. „Während Frauen- und Grundrechte auf der ganzen Welt unter Druck geraten, setzen französische Abgeordnete des Senats und der Nationalversammlung heute gezielt ein Zeichen dagegen“, sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, die auch Mitglied im Gleichstellungsausschuss ist.

Wegen einer schweren Versorgungskrise wendet sich Kuba an die Vereinten Nationen (UNO). Die Regierung in Havanna bat beim Welternährungsprogramm um Hilfe, wie die staatliche Mediengruppe „CubaDebate“ heute berichtete.

Damit solle die Versorgung mit subventioniertem Milchpulver für Kinder gewährleistet werden. Kuba hatte bereits im Februar bekanntgegeben, dass es um die Aufrechterhaltung der Milchversorgung kämpft, da die einheimische Produktion ins Stocken geraten ist. Ein vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen entsandtes Schiff mit 375 Tonnen Milchpulver soll in den kommenden Tagen aus Brasilien eintreffen.

Auch Weizen knapp

Im Februar hatten kubanische Regierungsvertreter gesagt, dass dem Land auch der Weizen ausgegangen sei. Man sei deshalb gezwungen, die Versorgung mit subventioniertem Brot zu reduzieren.

Sowohl Brot als auch Milch für Kinder sind wichtige Bestandteile des kubanischen „Rationierungssystems“, das nach der Revolution 1959 eingeführt wurde, um subventionierte Grundnahrungsmittel für alle bereitzustellen. Das System geriet jedoch angesichts einer schweren Wirtschaftskrise ins Wanken.

Kuba macht die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und die unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verschärften Sanktionen gegen die Insel für die Krise und die Beeinträchtigung seiner Kaufkraft auf den Weltmärkten verantwortlich.

Nach dem Tod des prominenten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in einem russischen Straflager haben mehr als 40 Staaten eine unabhängige internationale Untersuchung gefordert.

Russland müsse eine „unabhängige und transparente internationale Untersuchung seines plötzlichen Todes zulassen“, erklärte EU-Botschafterin Lotte Knudsen heute im Namen von 43 Staaten vor dem UNO-Menschenrechtsrat.

Der 47-jährige Nawalny war nach Angaben der russischen Behörden am 16. Februar in einem russischen Straflager in der Arktis gestorben, wo er eine 19-jährige Haftstrafe absaß.

Der Jugendliche, der am Samstag einen orthodoxen Juden in Zürich mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hat, hatte sich vor der Tat mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) solidarisiert.

Polizei vor Synagoge in Zürich
APA/AFP/Arnd Wiegmann

Heute bestätigte der zuständige Sicherheitsdirektor und Regierungspräsident Mario Fehr die Echtheit eines Videos, in dem der 15-Jährige sich auf Arabisch zum IS bekennt und zum „weltweiten Kampf gegen Juden“ aufruft.

In dem Video mit dem IS-Bekenntnis droht der Bursch zudem mit einem großangelegten Angriff auf eine Synagoge, mit der Tötung „möglichst vieler Juden“ sowie mit dem Versuch, nicht muslimische Menschen zu „massakrieren“.

Opfer nicht mehr in Lebensgefahr

Der von ihm angegriffene 50-Jährige schwebte zu Wochenbeginn nicht mehr in Lebensgefahr, wie die Nachrichtenagentur Keystone-ATS unter Berufung auf den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) berichtete.

Der mutmaßliche Täter hatte nach von der Schweizer Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) zitierten Zeugenaussagen vor der Tat antisemitische Parolen gerufen. Die Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Einrichtungen in der größten Stadt der Schweiz wurden inzwischen vorsorglich erhöht.

Inland

Justizministerin Alma Zadic (Grüne) hat die Justiz nach dem erstinstanzlichen Urteil im Prozess gegen Ex-ÖVP-Chef und Altkanzler Sebastian Kurz in Schutz genommen. Der nicht rechtskräftige Schuldspruch gegen den früheren Parteiobmann sei für die ÖVP „sehr unangenehm“, sagte Zadic dem „Standard“.

„Dennoch sind Urteile eines unabhängigen Gerichts auch im Wahljahr zu akzeptieren“, so die Ressortchefin. Diese dürften „nicht zu politischen Angriffen auf die Justiz führen, wie wir sie aus den USA unter Trump kennen“. Der richtige Weg, sich gegen ein Urteil zu wehren, sei der Gang in die zweite Instanz, so Zadic.

Disziplinarstrafe: Zeitpunkt der Veröffentlichung „unglücklich“

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass der Richter im Kurz-Prozess, Michael Radasztics, 2023 zu einer Disziplinarstrafe verurteilt worden war, in der auch Ex-Politiker Peter Pilz (Grüne/Liste Pilz) erwähnt wird. ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker sprach daraufhin von einem „Anschein von Befangenheit“.

Zadic räumte gegenüber dem „Standard“ ein, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Disziplinarstrafe gegen Radasztics nur einen Werktag nach dem Schuldspruch im Kurz-Prozess „unglücklich“ gewesen sei. Soweit sie informiert sei, habe sich das Oberlandesgericht (OLG) Graz, das in der Disziplinarsache gegen Radasztics zuständig war, „die Sache genau angeschaut“.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) weist die ÖVP-Kritik an der erstinstanzlichen Verurteilung von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zurück. Niemand sei aufgrund seiner Funktion sakrosankt, so Kogler beim Auftakt des neuen Formats „Offen gefragt“ heute Nachmittag. Aber das andere sei, Institutionen an sich zu akzeptieren. „Wenn es Einwände gibt, dann bitte über den Instanzenzug.“

Unter anderen hatte ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker eine mögliche Befangenheit des Richters in den Raum gestellt. „Diese möglichen Bedenken, die da geäußert werden, sind Gegenstand eines ganz klar geregelten Berufungsverfahrens. Dort würde ich es auch belassen“, so Kogler.

Kogler will Cannabislegalisierung in Deutschland beobachten

In der Frage der Legalisierung von Cannabis will Kogler vorerst einmal über die Grenze nach Deutschland schauen, wo eine entsprechende Regelung beschlossen wurde. Aus Sicht der Grünen neige man der Position des deutschen Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) zu. Das Herauskommen aus dem Schwarzmarkt werde vermutlich die Qualität der Produkte erhöhen und andererseits den Umstieg auf härtere Drogen reduzieren.

Gelassen sah Kogler die Häme über die grüne EU-Wahl-Spitzenkandidatin Lena Schilling, die die Frage, ob Norwegen EU-Mitglied sei, nicht beantworten konnte. Schilling sei überrascht gewesen und habe auch eingestanden, dass ihr ein Lapsus unterlaufen sei. „Mein Gott, Fehler machen alle.“

In dem neuen Format wollen der Presseclub Concordia, die Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure und die Initiative für Qualität im Journalismus (IQ) Medienvertretern die Möglichkeit geben, jene Themen zu bestimmen, zu denen sie Persönlichkeiten von politischer Bedeutung befragen. Vorbild von „Offen gefragt“ ist die deutsche Bundespressekonferenz – ein Verein, der mehrmals wöchentlich Pressekonferenzen organisiert und dazu Politiker einlädt.

Der Verband der Eigentümer und Vermieter zieht angesichts der Pläne der Regierung, es den Ländern zu ermöglichen, eine höhere Leerstandsabgabe einzuheben, kolportierte Zahlen zu leer stehenden Wohnungen in Zweifel. Laut dem Verband stünden österreichweit etwa 95.000 Wohnungen leer. „Bei diesen Wohnungen handelt es sich nicht um Spekulationsobjekte, sondern um Altbauwohnungen.“ Komme die Abgabe, folge eine Verbandsklage, hieß es heute.

In Medien war laut dem Eigentümer- und Vermieterbund von bis zu 640.000 leer stehenden Wohnungen die Rede gewesen. „Schuld“, dass überhaupt Wohnungen leerstehen, sei aber keine Spekulation, sondern „ein veraltetes Mietrechtsgesetz bzw. Richtwertgesetz, welches in jedem Bundesland unterschiedliche Mietzinse zulässt und zwischen dem Burgenland und Vorarlberg um 4,19 Euro differiert“. Das bei gleichen Grundstücks- und Baukosten.

„Eine Leerstandsabgabe würde grundsätzlich gegen das Eigentumsrecht verstoßen und keinesfalls eine Motivation darstellen, leer stehende Wohnungen zu sanieren und zu vermieten“, schreibt der Verband. „Für den Fall, dass eine solche Leerstandsabgabe eingeführt werden würde, würde der Österreichische Eigentümer und Vermieter Bundesverband eine Verbandsklage einbringen, weil dies einen Angriff auf das Eigentumsrecht darstellt.“

EU

In der EU müssen künftig deutlich mehr Verpackungen recycelbar sein. Darauf verständigten sich Unterhändlerinnen und Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder heute in Brüssel.

Bestimmte Einwegverpackungen wie etwa für unverarbeitetes frisches Obst und Gemüse oder Einzelverpackungen beispielsweise für Zucker sollen ab 2030 verboten sein, teilte das Parlament mit. Ziel ist es, den Verpackungsmüll bis 2040 schrittweise um mindestens 15 Prozent im Vergleich zu 2018 zu reduzieren.

Die Mitgliedsstaaten müssen die neuen Regeln allerdings noch absegnen. Der Kompromiss sieht ab 2030 neben den Vorschriften für die Gastronomie unter anderem ein Verbot von Plastikfolien für Koffer in Flughäfen und von leichten Plastiksackerln in Supermärkten vor. Verpackungen aus Papier und anderen Materialien bleiben hingegen weitestgehend erlaubt.

Lebensmittelverpackungen dürfen der Einigung zufolge künftig keine ewigen Chemikalien mehr enthalten, die besonders langlebig sind und als gesundheitsschädlich gelten. Die Mitgliedsländer sollen Pfandsysteme für Einwegplastikflaschen und Getränkedosen einrichten. Die Verpackungsindustrie soll zudem künftig verpflichtende Mehrwegquoten einhalten.

Die EU-Staaten wollen ihren Gasverbrauch weiter drosseln. Darauf einigten sich die EU-Energieministerinnen und -minister heute in Brüssel.

Eine entsprechende EU-Verordnung, die Ende März ausläuft, soll aber nur durch eine Empfehlung an die EU-Länder ersetzt werden, geht aus einer Aussendung hervor. Die Staaten werden ermutigt, bis Ende März 2025 ihren Gasverbrauch weiter um 15 Prozent zu verringern gegenüber dem Schnitt des Zeitraums April 2017 bis März 2022.

„Wir haben seit 2022 einen weiten Weg zurückgelegt, indem wir in der EU koordinierte Maßnahmen ergriffen und rasch auf die durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verursachte Energiekrise reagiert haben“, sagte die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten in der Presseaussendung.

Option auf verpflichtende Drosselung gestrichen

Bereits unter der bestehenden Verordnung war die Reduktion des Gasverbrauchs um 15 Prozent nicht verpflichtend. Falls die EU-Staaten einen „Union-Alarm“ („Union alert“) ausgelöst hätten, wäre die Drosselung aber verpflichtend geworden. Diese Möglichkeit sowie weitere Berichtspflichten aus der Verordnung fallen jetzt weg.

Das Treffen der EU-Energieminister drehte sich vorrangig um die Gasversorgung in Europa. Ende 2024 läuft der Transitvertrag zwischen der Ukraine und dem russischen Konzern Gasprom aus, was ein Ende der russischen Gaslieferungen – auch nach Österreich – bedeuten könnte. „Ob, wie, in welchem Ausmaß, zu welchen Bedingungen nach Ende des Transitvertrags Gas nach Europa fließt, das ist ungewiss“, sagte dazu Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne).

Die EU-Kommission hat eine Wettbewerbsstrafe von 1,8 Milliarden Euro gegen den US-Tech-Giganten Apple verhängt. Das Unternehmen habe seine marktbeherrschende Stellung für den Vertrieb von Musikstreaming-Apps an iPhone- und iPad-Nutzer über seinen App Store missbraucht, teilte die Brüsseler Behörde heute mit.

Der Musikstreamingdienst Spotify und Apple streiten sich seit Jahren. Die EU-Kommission kritisierte bereits 2021, dass, wenn eine App über Apples App Store heruntergeladen wurde, die Verkäufe von Abos in den Apps über Apples Bezahlplattform abgewickelt werden müssen.

Dabei behält der Konzern 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein. Spotify fand es unfair, dass für Apple bei seinem Konkurrenzmusikdienst wegen dieser Abgabe beim gleichen Abopreis mehr Geld übrig bleibt.

Apple argumentiert, die Entscheidung sei getroffen worden, obwohl die Kommission keine stichhaltigen Beweise habe finden können, dass Verbraucherinnen und Verbraucher geschädigt worden seien. Ein großer Teil des Erfolgs von Spotify sei dem App Store zu verdanken.

ZIB2

Der österreichische Virologe Florian Krammer übernimmt neben seiner Professur in New York auch an der Medizinischen Universität Wien eine Teilzeitprofessur. Und der renommierte Forscher startet ein neues Institut zur „Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge“. Krammer ist heute in der ZIB2.

Erfolg für Trump vor Gericht

Ex-US-Präsident Donald Trump kann nach Auffassung des Obersten Gerichts der USA an den Präsidentschaftsvorwahlen seiner Partei teilnehmen.

Ein versunkener Staat sinkt noch tiefer

Haitis Regierung hat nach einem Putschaufruf und gewaltsamen Zusammenstößen den Ausnahmezustand verhängt.

Sperrt das Lorenz-Böhler-Spital wieder auf?

Die offenbar überraschende Schließung des Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhauses sorgt weiter für Kritik. Ist der Grund wirklich nur eine Sanierung?

ZIB2 mit Armin Wolf, 22.00, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

In Genua haben die Arbeiten für den Bau eines dreieinhalb Kilometer langen Tunnels unter dem Hafen begonnen. Dabei handelt es sich um den ersten in Italien gebauten Unterwassertunnel, den größten in Europa und den viertgrößten der Welt, was den Durchmesser betrifft, betonte der Vorstandsvorsitzende der Autobahngesellschaft Autostrade per l’Italia (ASPI), Roberto Tomasi, heute.

Mit dem Abriss einer 25.000 Quadratmeter großen Lagerhalle begannen offiziell die Bauarbeiten für den Tunnel, in dem bis zu 70 km/h schnell gefahren werden kann. Dabei handelt es sich um das wichtigste Projekt zur Entschädigung der Stadt Genua nach dem Einsturz der Morandi-Brücke im Jahr 2018, das von Autostrade per l’Italia finanziert wird. Die Arbeiten werden voraussichtlich eine Milliarde Euro kosten und fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Der Tunnel besteht aus zwei getrennten Hauptröhren, eine in jede Richtung, mit einem äußeren Durchmesser von 16 Metern. Das macht ihn zum viertgrößten Tunnel der Welt, wenn man den Durchmesser berücksichtigt. Der Tunnel soll den Hafen mit dem Messegelände verbinden, wo alljährlich die große Bootsmesse „Salone nautico“ stattfindet.

Chronik

Knapp zwei Wochen nach einem tödlichen Brand in einem Hochhaus sind in Spanien bei einem Wohnhausbrand wieder drei Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Feuer in dem Küstenort Villajoyosa in der Provinz Alicante im Osten des Landes seien zudem 15 Menschen verletzt worden, teilten die zuständigen Behörden heute mit. Die meisten von ihnen hätten Rauchvergiftungen erlitten, seien aber inzwischen wohlauf.

Bei den Todesopfern handelt es sich den amtlichen Angaben zufolge um einen fünf Jahre alten Buben sowie um den Vater und eine Großmutter des Kindes.

Die Brandursache sei eine überlastete Steckdose im Wohnzimmer gewesen, erklärte unterdessen der Ministerpräsident der Autonomen Gemeinschaft Valencia, Carlos Mazon, bei einem Besuch des Unglücksortes vor Journalisten. Sowohl die Gemeinde Villajoyosa als auch die Region Valencia riefen eine dreitägige Trauer aus.

Kultur

Nach der in der Vorwoche veröffentlichten NDR-Doku „Gegen das Schweigen“, in der u. a. Schauspielerinnen und Schauspieler über Machtmissbrauch und Übergriffe in Theater und Film berichtet hatten, hat sich heute der österreichische Regisseur Julian Pölsler zu Wort gemeldet.

Er ist neben Paulus Manker, der heute Abend Studiogast im ORF-„kulturMontag“ ist, einer von zwei österreichischen Regisseuren, gegen die namentlich Vorwürfe erhoben wurden. Nach Sichtung der Doku verwies Pölsler in einem der APA vorliegenden Statement auf den „zeitlichen Aspekt“, wonach die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe teilweise mehr als 20 Jahre und somit „sehr lange“ zurücklägen.

Entschuldigung angekündigt

Er habe „naturgemäß keine genaue Erinnerung mehr daran, was wann wo und wie geschehen ist“. Das bedeute aber nicht, „dass ich mich einer Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Vorwürfe entziehen will. Ganz im Gegenteil“, so der 70-Jährige.

„Ich möchte prinzipiell festhalten, dass ich bei allen meinen Filmen im Ringen um die höchste Qualität meiner Filme am Drehort in manchen Situationen sicherlich in der Vergangenheit mitunter zu heftig, zu emotional und zu laut gegenüber manchen SchauspielerInnen und Teammitgliedern reagiert habe“, so Pölsler. Er habe danach meistens das Gespräch gesucht und sein Bedauern zum Ausdruck gebracht.

Zugleich bedauere er, dass weitere Schauspieler und Schauspielerinnen diesbezüglich nicht mit ihm gesprochen hätten, das nun aber in der Dokumentation getan hätten. Auch mit ihnen wolle er das Gespräch suchen und die Geschehnisse aufarbeiten und sich entschuldigen.

Seit „#MeToo“ Standards „wesentlich geändert“

Pölslers Ausführungen zufolge hätten sich in der Filmbranche im Zusammenhang mit der „#MeToo“-Bewegung die Standards wesentlich geändert, wobei er „diesen Veränderungen auch Rechnung trage“.

Pölsler sagte laut APA, dass es bei keinem der in der NDR-Dokumentation vorgebrachten Fälle zu einem sexuellen Übergriff gekommen sei und er „den Bericht jener Person, die mich bezichtigt, mich vor mehr als zwanzig Jahren aus einem Machtverhältnis heraus ihr gegenüber sexuell übergriffig verhalten zu haben“, zurückweise.

Die Vorwürfe, die Schauspielerinnen und Schauspieler in der NDR-Doku vor der Kamera formuliert haben, reichen von Annäherungsversuchen über Übernachtungseinladungen bis zu heiklen Castingsituationen. Rückendeckung erhielten die mutmaßlich Betroffenen von namhaften Vertretern der Branche. Der bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnete Kameramann Martin Gschlacht riet Pölsler etwa zu einer Entschuldigung.

Mehr dazu in topos.ORF.at

Panorama

Britische Ermittler haben einen Sportwagen sichergestellt, der dem Tiroler Ex-Formel-1-Rennfahrer Gerhard Berger vor fast 29 Jahren gestohlen worden war.

Der Ferrari war im April 1995 in Italien entwendet worden, wo damals der Große Preis von San Marino in Imola stattfand. Nun wurde das Auto im Wert von rund 350.000 Pfund (rund 408.500 Euro) sichergestellt, wie die Metropolitan Police in London heute mitteilte.

Der sichergestellte gestohlene Ferrari  F512M von Gerhard Berger
met.police.uk

„Umweg“ über Japan

Die britischen Behörden wurden im Jänner von Ferrari eingeschaltet, nachdem das Unternehmen einen Autoverkauf eines britischen Maklers an einen US-amerikanischen Käufer überprüft hatte. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Wagen gestohlen sei.

Ermittler einer Einheit, die auf organisierte Kriminalität mit Fahrzeugen spezialisiert sei, hätten daraufhin umfangreiche Untersuchungen eingeleitet. Der Wagen sei kurz nach dem Diebstahl nach Japan verschifft worden, bis er Ende 2023 nach Großbritannien gebracht worden sei, hieß es in der Polizeimitteilung. Das Fahrzeug sei dann beschlagnahmt worden, um einen Export zu verhindern.