Ausland

Die USA und Großbritannien unterstützen den noch amtierenden niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte als Kandidaten für das Amt des NATO-Generalsekretärs. Ein US-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters heute, Präsident Joe Biden befürworte die Kandidatur Ruttes. Das britische Außenministerium teilte mit, die Regierung in London stehe ebenso hinter Rutte.

Auch weitere NATO-Länder stellten sich bereits offen hinter Rutte. Reuters-Angaben von heute Nachmittag zufolge werde der Niederländer unter anderem auch von Frankreich unterstützt. Kurz darauf sprach sich auch Deutschlands Kanzler Olaf Scholz für Rutte als nächsten NATO-Generalsekretär aus.

Der amtierende NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat seine Amtszeit bereits mehrfach verlängert, im Oktober will der Norweger nach einem Jahrzehnt an der Spitze des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses endgültig abtreten.

Die Huthi-Miliz im Jemen untersagt in einem heute publik gewordenen Schreiben die Durchfahrt von Schiffen in den von ihnen kontrollierten Gewässern. Die Gruppe richtete die Warnung Reuters-Angaben zufolge direkt an Reedereien und Versicherungen mit Bezug zu Israel, den USA und Großbritannien.

In dem Schreiben verbietet sie die Durchfahrt durch das Rote Meer, den Golf von Aden und das Arabische Meer, falls die Transporte mit Israel in Zusammenhang stehen. Es ist das erste formale Schreiben der Rebellengruppe an die Schifffahrtsbranche.

Absender des Textes ist das Humanitäre Koordinationszentrum der Huthis. „Das Zentrum wurde in Sanaa eingerichtet, um die sichere und friedliche Durchfahrt von Schiffen und Booten zu koordinieren, die keine Verbindung zu Israel haben“, sagte ein hochrangiges Mitglied der vom Iran unterstützten radikalislamischen Miliz gegenüber Reuters.

In den vergangenen Wochen beschossen die Rebellen vom Jemen aus wiederholt Handels- und Kriegsschiffe im Roten Meer. Zahlreiche Containerschiffe meiden daher die wichtige Meeresstraße und wählen stattdessen einen Tausende Kilometer langen Umweg um Afrika.

Brennendes Handelsschiff vor Küste des Jemen

Vor der Küste des Jemen ist heute erneut ein Frachtschiff mit Raketen angegriffen worden und dabei in Brand geraten. Das teilte die zur britischen Marine gehörende Stelle für Handelsschifffahrt (UKMTO) mit. Das Schiff wurde laut den Angaben in der Früh etwa 70 Seemeilen südöstlich der jemenitischen Hafenstadt Aden mit zwei Raketen beschossen, woraufhin an Bord Feuer ausbrach.

Streitkräfte der internationalen Allianz zum Schutz der Seewege seien im Einsatz, um auf den Vorfall zu reagieren, hieß es weiter. Schiffe in der Region wurden zur Vorsicht aufgerufen und gebeten, verdächtige Aktivitäten zu melden.

Der Informationsdienstleister Ambrey berichtete, ein unter der Flagge des pazifischen Inselstaates Palau fahrendes Schiff einer britischen Reederei sei 63 Seemeilen südöstlich von Aden Berichten zufolge mit zwei Raketen angegriffen worden. Laut den Berichten kam das Containerschiff aus Thailand.

Der Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts, Tamas Sulyok, soll neues Staatsoberhaupt werden. Das habe die Fraktionssitzung der ungarischen rechtsnationalen Regierungspartei FIDESZ heute entschieden, wie das Onlineportal Index.hu berichtete. Der 67-jährige Sulyok soll die Nachfolge der zurückgetretenen Präsidentin Katalin Novak antreten.

Novak hatte im Vorjahr einen Mann begnadigt, der wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen verurteilt worden war. Nachdem der Fall Anfang Februar durch einen Medienbericht an die Öffentlichkeit gekommen war und große Empörung verursacht hatte, musste die erst seit knapp zwei Jahren amtierende Präsidentin zurücktreten.

Sulyok war von 2000 bis 2014 Honorarkonsul von Österreich. Laut einem Bericht des wöchentlich erscheinenden liberalen Magazins hvg sagte Sulyok gegenüber der Zeitung „Delmagyarorszag“, dass er nicht wisse, wie er zu diesem Amt gekommen sei. Aber es freue ihn „natürlich, dass er von einem Land, das er sehr mag, eingeladen wurde, konsularische Ehrenämter auszuüben“. Als Konsul musste er vor allem Österreichern, die Ungarn besuchten, Hilfe leisten.

Israels oberste Militäranwältin hat vor möglichen illegalen Taten israelischer Soldaten im Gaza-Krieg gewarnt. Generalmajorin Jifat Tomer-Jeruschalmi schrieb das in einem Brief, wie die israelische Armee heute auf Anfrage bestätigte.

Insgesamt sei das Vorgehen der Truppen auch unter schwierigen Bedingungen zwar „professionell und legal“, schrieb sie darin. Es gebe aber auch „Fälle inakzeptablen Verhaltens, das von den Werten der Armee und den Befehlen abweicht“.

Dazu zählten „unangemessene Äußerungen, die zu inakzeptablen Phänomenen ermutigen, der ungerechtfertigte Einsatz von Gewalt, auch gegen Gefangene, Plünderungen einschließlich des Gebrauchs oder der Entfernung von Privatbesitz ohne operative Notwendigkeit und die Zerstörung zivilen Besitzes“, so Tomer-Jeruschalmi. Einige der Vorfälle gingen über den disziplinarischen Bereich hinaus „und überschreiten die kriminelle Schwelle“, warnte sie.

Fälle werden untersucht

Es handle sich um Taten Einzelner, die den Werten der israelischen Armee entgegengesetzt seien. Sie fügten aber dem internationalen Ansehen des Staates Israel und seiner Armee schwerwiegenden strategischen Schaden zu, warnte sie. Solche Fälle würden untersucht, und die Militärstaatsanwaltschaft müsse dann entscheiden, ob und welche Schritte gegen die Beteiligten eingeleitet werden sollten.

In sozialen Netzwerken kursierten in den vergangenen Monaten immer wieder Videos, die Fehlverhalten israelischer Soldaten im Gazastreifen und Westjordanland zeigten.

EU

Die neue Anti-Geldwäsche-Behörde der Europäischen Union wird in Frankfurt am Main angesiedelt. Das entschieden die 27 EU-Mitgliedsstaaten heute zusammen mit dem Europäischen Parlament, wie die belgische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Als schärfste Rivalen galten zuletzt Paris und Madrid. Im Rennen war auch Wien.

In Frankfurt am Main ist bereits die Europäische Zentralbank (EZB) angesiedelt. Außerdem hat die EU-Versicherungsaufsicht (EIOPA, European Insurance and Occupational Pensions Authority) ihren Sitz in Frankfurt. Deutschlands Finanzminister Christian Lindner hatte sich persönlich für Frankfurt als Sitz der neuen EU-Behörde eingesetzt. Mit der AMLA (Anti Money Laundering Authority) genannten Behörde in Frankfurt könne es in der Geldwäschebekämpfung eine Aufsicht aus einem Guss an nur einem Standort geben.

AMLA wird voraussichtlich zunächst bis zu 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben. Sie soll europaweit rund 200 Unternehmen direkt überprüfen, vor allem Banken und Finanzdienstleister. Geplant ist auch, dass sie Empfehlungen für nationale Behörden ausarbeitet. Für AMLA sind in Frankfurt drei potenzielle Gebäude reserviert worden. Deutschland hat das Projekt mit zehn Millionen Euro unterstützt. Das Geld soll in den ersten Jahren helfen, schnell operativ tätig werden zu können.

Neben Frankfurt, Madrid, Paris und Wien waren noch Rom, Brüssel, Riga, Vilnius und Dublin im Rennen. Es ist das erste Mal, dass auch das EU-Parlament bei der Auswahl des Sitzes einer EU-Agentur mitstimmen konnte. Die neue Agentur wurde im Rahmen des Anti-Geldwäsche-Pakets der EU geschaffen und soll auch gegen Terrorfinanzierung vorgehen. Geht es nach der belgischen Ratspräsidentschaft werde AMLA künftig „eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung illegaler Finanzaktivitäten in der EU spielen“.

Inland

Das Hochschulpaket aus dem Wissenschaftsministerium hat eine Debatte über Zugangshürden für Masterstudien ausgelöst. Künftig sollen Masterstudien beschränkt werden können, wenn sie „vom Nachweis ausreichender Kenntnisse oder besonderer Befähigung“ abhängen.

Kritiker und Kritikerinnen monieren, dass dadurch flächendeckende Beschränkungen zu allen Masterstudien eingeführt werden können. Der Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt sieht das aufgrund der Formulierung ähnlich. Die Kriterien seien „relativ unbestimmt“, heißt es in einer Stellungnahme.

„Spannungsverhältnis“ mit Verfassung

Als Nachweis „ausreichender Kenntnisse“ könnte der Abschluss eines Bachelorstudiums verstanden werden. „In diesem Fall würde die vorgeschlagene Regelung eine generelle Beschränkung des freien Zugangs zu allen Master- und Doktoratsstudien ermöglichen.“

Zudem könnte der Interpretationsspielraum im „Spannungsverhältnis“ mit dem verfassungsrechtlichen Legalitätsprinzip stehen. Dieses sieht vor, dass staatliches Handeln nur aufgrund von Gesetzen ausgeübt werden darf. Ist ein Gesetzestext zu unbestimmt, können sich Probleme in der Umsetzung ergeben.

Uniko begrüßt Möglichkeit

Zuvor hatte schon der renommierte Rechtsexperte Walter Obwexer argumentiert, dass die Passage geeignet sei, den freien Zugang zu allen Master- und Doktoratsstudien zu beschränken. Das Wissenschaftsministerium widersprach allerdings. Das Ziel sei nicht, flächendeckende Zugangsbeschränkungen für Masterstudien einzuführen. Jedes Rektorat einer Universität soll selbst entscheiden, hieß es sinngemäß.

Aus den anderen Stellungnahmen ist allerdings zu entnehmen, dass die Regelung sehr wohl zu weitreichenden Folgen führen kann. Für die Universitätenkonferenz (Uniko) ist es eine „geeignete und sachgerechte Maßnahme für eine Handhabung der starken Nachfrage bestimmter Studien“. Auch die Technische Universität Wien begrüßt die Regelung.

Uni Klagenfurt schlägt weitere Beschränkung vor

Die Universität Klagenfurt schlägt angesichts des Vorhabens gleich Aufnahmeverfahren für Bachelorstudien, die in einer Fremdsprache angeboten werden, vor. Bisher ist das Rektorat einer Uni berechtigt, in fremdsprachigen Master- und Doktoratsstudien eine Studierendenanzahl festzulegen.

Ganz anders die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH): „Die Möglichkeit der Ausweitung von Zugangsbeschränkungen auf alle Master- und Doktoratsstudien wird insbesondere auch in Hinblick auf die Lehramtsstudien vonseiten der ÖH klar abgelehnt.“

Anlässlich des Tages der Kriminalitätsopfer hat sich heute ein vom Innenministerium und dem Weißen Ring veranstaltetes Symposium dem Thema Prozessbegleitung gewidmet.

Justizministerin Alma Zadic (Grüne) strich dabei in ihrem Eröffnungsvortrag die Prozessbegleitung als „zentrales Element des Opferschutzes“ heraus. Die Ministerin betonte, sie strebe noch heuer eine Erhöhung der Stundensätze für psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter an. „Das muss der nächste Schritt sein“, so Zadic.

Seit 2007 habe es keine Erhöhung mehr gegeben, hieß es. 2022 sei es dann gelungen, sowohl die Sätze für juristische als auch für psychosoziale Prozessbegleiterinnen und -begleiter zu erhöhen, zuletzt sei das jedoch nur für den juristischen Bereich gelungen, so Zadic.

Beim psychosozialen Bereich müsse nun nachgeschärft werden. Laut Justizministerium kommt es in Österreich pro Jahr zu fast 10.000 Prozessbegleitungen. Österreichweit sind dafür 47 Einrichtungen zuständig.

Frauen- und Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte: „Wenn mir über Kriminalitätsopfer sprechen, sind das vielfach Gewaltopfer und vielfach Frauen und Kinder, die betroffen sind.“ Ein Schulterschluss der Politik sei darum zwingend notwendig.

„Jahrelang sind Gewaltschutzorganisationen und auch die Frauenorganisationen ausgehungert worden“, sagte Raab. Man habe darum in den vergangenen Jahren strukturübergreifend an verschiedensten Schrauben gedreht.

Ukraine-Krieg

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Berichten staatlicher Medien einen Probeflug an Bord eines Überschallbombers, der Atomsprengköpfe tragen kann, unternommen. Das Staatsfernsehen zeigte heute Aufnahmen vom Start des Kriegsflugzeugs des Typs Tu-160M auf der Landebahn eines Flugzeugherstellers im zentralrussischen Kasan.

Wie staatliche Nachrichtenagenturen berichteten, verbrachte Putin 30 Minuten an Bord des strategischen Bombers, der Teil des russischen Atomwaffenprogramms ist. Es handelt sich um eine modernisierte Version eines von der Sowjetunion während des Kalten Krieges entworfenen Flugzeugs. Die offensichtliche Machtdemonstration ereignete sich nur zwei Tage vor dem zweiten Jahrestag der russischen Offensive in der Ukraine.

Der deutsche Bundestag hat die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine abgelehnt. Ein Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in dem dieses deutsche Waffensystem explizit genannt wurde, erhielt heute keine Mehrheit. Nur 182 Abgeordnete stimmten dafür, 480 dagegen, es gab fünf Enthaltungen.

Fraktionschef Friedrich Merz hatte zuvor die Abgeordneten von SPD, Grünen und FDP aufgerufen, sich dem Antrag von CDU/CSU anzuschließen. „Die Ukraine erhält weiterhin nicht in vollem Umfang das Material, das sie dringend benötigt, um den russischen Angriffskrieg wirksam abzuwehren“, sagte er.

Zusicherung weiterer militärischer Unterstützung

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sicherte der Ukraine im Bundestag zwar weitere militärische Unterstützung zu. Ob dazu auch die Marschflugkörper Taurus zählen, ließ er aber in einer Debatte zum Ukraine-Krieg offen.

Auf die Frage des CDU-Abgeordneten Jürgen Hardt, ob unter den in einem Koalitionsantrag geforderten „zusätzlich erforderlichen weitreichenden Waffensystemen“ Taurus zu verstehen sei, sagte Pistorius: „Das kann ich nicht beantworten. Ich habe den Antrag gelesen. Die Antragsteller werden sich ihren Teil dabei gedacht haben. (…) Ich bin nicht Mitglied der Fraktion.“

Pistorius gehört anders als zum Beispiel der deutsche Kanzler Olaf Scholz zwar der Regierung, aber nicht dem Bundestag an.

ZIB2

Vor zwei Jahren hat Russland einen breit angelegten Angriffskriegs gegen die Ukraine gestartet. Aus einem schnellen, von Russland anvisierten Blitzkrieg ist ein Abnützungskrieg auf beiden Seiten geworden. In der ZIB2 zugeschaltet ist dazu der ukrainische Journalist Denis Trubetskoy.

Frei- oder Schuldspruch?

Morgen soll das Urteil im Prozess gegen den ehemaligen ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz fallen.

Verkehrskontrolle

Mehrere Städte, unter anderem Wien, wollen den innerstädtischen Verkehr drosseln und die Einfahrten mittels Videoüberwachung und Parkverboten reduzieren. Doch das Verkehrsministerium ziert sich bei einer dafür notwendigen Gesetzesänderung.

Schlechtes Geschäft

Warum beginnen Österreichs Banken bereits wieder mit einer Absenkung der Sparzinsen, obwohl der Zins für Bankeinlagen bei der EZB seit September 2023 unverändert bei vier Prozent liegt?

ZIB2 mit Marie-Claire Zimmermann, 22.00 Uhr, ORF2

Mail an die ZIB2

Textfassung: Zeit im Bild

Wirtschaft

Die Finanzaufsicht (FMA) ermittelt gegen die Raiffeisen Bank International wegen möglicher Versäumnisse bei der Bekämpfung von Geldwäsche. Das teilte die Bank in ihrem heute veröffentlichten Jahresbericht mit.

Es gehe um das „Know-your-customer-Prinzip“, hieß es in dem Bericht. Darunter versteht man die Prüfung persönlicher Daten und Geschäftsdaten von Kunden einer Bank, um Geldwäsche zu verhindern. Laut Jahresbericht untersucht die Aufsicht Zahlungen von drei Kunden zwischen 2017 und 2020. Der RBI sei es aus Sicht der FMA nicht gelungen, ihre Verpflichtungen aus entsprechenden Verwaltungsvorschriften vollständig zu erfüllen. Die RBI sei im Jänner 2023 über die Ermittlungen informiert worden. „Das Verwaltungsstrafverfahren ist derzeit im Laufen und könnte zu einer Verwaltungsstrafe führen“, hieß es im Bericht.

Die Untersuchungen in Österreich bezögen sich auf Zahlungen, die Russland beträfen, und Daten, die vom Recherchenetzwerk International Consortium of Investigative Journalists in einem Projekt namens Cyprus Confidential aufgedeckt worden seien, sagte eine mit der Sache vertraute Person.

Ein Sprecher der Bank sagte, dass die RBI gegen jede Strafe Berufung einlegen werde. Noch sei keine verhängt worden. Die Untersuchung beziehe sich auf alte Zahlungen bis zum Jahr 2020.

Ex-Wirecard-Chef Markus Braun muss wegen geplatzter Kredite des Skandalkonzerns an einen umstrittenen Geschäftspartner eine Verurteilung zu Schadenersatz befürchten. Das Topmanagement um Braun habe vor dem Zusammenbruch des Finanzdienstleisters trotz einer Reihe möglicher Warnsignale millionenschwere Darlehen und Schuldverschreibungen an eine Firma in Singapur vergeben, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Krenek heute in einem Prozess am Landgericht München.

„Angesichts dessen erscheint fraglich, inwieweit die Entscheidungen auf einer hinreichenden Informationsgrundlage erfolgten.“ Damit hätten Vorstand und Aufsichtsrat möglicherweise Kontrollpflichten verletzt. Ein Urteil wird frühestens in einigen Monaten erwartet.

„Warnsignal“

In dem Prozess geht es um eine Schadenersatzklage des Wirecard-Insolvenzverwalters Michael Jaffe gegen den Österreicher Braun und weitere frühere Wirecard-Manager. Jaffe argumentiert, sie hätten einer zweifelhaften Firma in Singapur pflichtwidrig 200 Millionen Euro geliehen. Denn die Firma Ocap sei schon damals mit Zahlungen im Rückstand gewesen.

Krenek nannte das ebenso als mögliches „Warnsignal“ wie die Tatsache, dass damals bereits die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG wegen Ungereimtheiten eine Sonderuntersuchung unternahm. Letztlich flossen nur 60 Mio. Euro dieser Kredite zurück, sodass Jaffe allein in diesem Fall auf einen Schaden von 140 Mio. Euro kommt.

Der deutsche DAX-Konzern Wirecard war im Juni 2020 zusammengebrochen, als aufflog, dass auf Treuhandkonten in Asien 1,9 Mrd. Euro fehlten.

Chronik

Bei einem Großbrand in der spanischen Küstenmetropole Valencia ist ein Hochhaus mit Wohnungen weitgehend zerstört worden. Mindestens 13 Menschen wurden verletzt, darunter sechs Feuerwehrleute. Nach Angaben des Rettungsdienstes brach das Feuer in einer Wohnung im vierten Stock aus und breitete sich rasend schnell aus.

Brennendes Gebäude in Valencia
AP/Alberto Saiz

In sozialen Netzwerken war zu sehen, wie die Fassade des relativ neuen Hauses vom Erdgeschoß bis zum Flachdach lichterloh brannte. Das Gebäude glich einer riesigen Fackel. Brennende Fassadenteile aus offenbar leicht entzündlichem Material stürzten in die Tiefe und brannten dort weiter.

Nach Angaben des Rettungsdienstes waren 16 Löschzüge der Feuerwehr im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen. Über dem Gebäude stand eine riesige schwarze Rauchwolke. Starker Wind fachte den Brand weiter an.

Medienberichten zufolge bestand die Fassade des 2005 fertiggestellten Hauses aus Aluminiumpaneelen, unter denen eine Schicht aus schwer entflammbarem Polyurethan-Hartschaum angebracht war. Warum sich das Feuer derart schnell auf der Fassade ausbreiten konnte, blieb unklar.

Ein Jugendlicher hat heute in einer deutschen Schule in Wuppertal mehrere Schüler bzw. Schülerinnen und sich selbst mit einer Stichwaffe schwer verletzt. Der Verdächtige habe sich selbst lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt und sei in Gewahrsam, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Düsseldorf.

Mehrere Jugendliche seien schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt worden. Dem Sprecher zufolge war von etwa vier bis fünf Verletzten auszugehen. Die Polizei geht von einer Amoktat des Verdächtigen aus, wie ein Sprecher laut dpa am Abend mitteilte.

Polizisten vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal (Deutschland)
picturedesk.com/dpa/Christoph Reichwein

Die Polizei ging davon aus, dass der Täter einen „Bezug zur Schule“ hatte. Die Polizei verwies in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Mitteilung der Schulleitung an Eltern, wonach es sich bei dem mutmaßlichen Angreifer um einen psychisch akut schwer erkrankten 17-jährigen Oberstufenschüler gehandelt haben soll.

Evakuierung der Schule

Die Schule sei nach der Tat heute durchsucht worden, sagte der Polizeisprecher. Die Evakuierung sei geordnet abgelaufen. Weitere Angaben zur Tat und zu den Hintergründen machte die Polizei zunächst nicht.

Medienberichten zufolge waren an der Schule unter anderem Spezialkräfte der Polizei im Einsatz. Die Einsatzkräfte fanden den Tatverdächtigen demnach nach der Attacke blutend im Inneren des Schulgebäudes und nahmen in fest.

Gesundheit

Mehrere indische Bundesstaaten sind dabei, rosa Zuckerwatte zu verbieten, weil ein Farbstoff darin als krebserregend gilt. Bereits vergangene Woche verhängte der südliche Bundesstaat Tamil Nadu das Verbot, nachdem in Labortests das als Färbemittel eingesetzte Rhodamin-B nachgewiesen worden war, berichtete die BBC.

Mann mit rosafarbener Zuckerwatte
APA/AFP/Sajjad Hussain

Nun prüfen auch andere Bundesstaaten Proben und wollen nachziehen, auch die Behörde für Lebensmittelsicherheit in der Hauptstadt Neu-Delhi drängt laut indischen Medien auf ein Verbot von Zuckerwatte.

Wie fast überall auf der Welt ist Zuckerwatte auch in indischen Vergnügungsparks und auf Jahrmärkten weit verbreitet und bei Kindern beliebt. Gefärbt wird die rosa Zuckerwatte offenbar häufig mit Rhodamin-B – und zwar nicht in offiziellen Fabriken, sondern von privaten Herstellern, die sie dann auf der Straße verkaufen.

In den USA und in Europa ist Rhodamin-B als Farbstoff für Lebensmittel und Kosmetika verboten. In Asien und insbesondere in Indien wird der Stoff hingegen regelmäßig in Süßigkeiten, aber auch in Shrimps nachgewiesen.

Kultur

Er war der Gründer einer der wichtigsten DDR-Rockgruppen: Fritz Puppel, Gitarrist und Komponist der Berliner Band City, ist bereits am 10. Februar unerwartet im Alter von 79 Jahren gestorben. Das teilte City-Sänger Toni Krahl laut dpa heute mit.

Musiker Fritz Puppel während Konzert
picturedesk.com/Action Press/Ben Kriemann

„Uns fehlen die Worte und wir sind fassungslos, verlieren wir doch unseren über fünf Jahrzehnte langen Freund und Mitstreiter“, sagte Krahl. „Und überhaupt fehlt der deutschen Musikwelt somit ein weiterer kreativer Kopf, der mit seiner Kunst, mit seinen Songs unser aller Leben bereichert und Millionen Menschen berührt hat.“

Puppel hatte die Band 1972 zusammen mit dem Schlagzeuger Klaus Selmke in Ostberlin gegründet. City hatte nicht nur viele Fans in der DDR, sondern auch im nicht sozialistischen Ausland – etwa durch den Hit „Am Fenster“. Einige Jahre nach dem Mauerfall setzte sich der Erfolg der Berliner fort. In der Bandgeschichte gab es unterschiedliche Besetzungen, doch Puppel war immer dabei. Fünf Jahrzehnte lang. Ende 2022 hatte sich City von der Bühne verabschiedet.

Panorama

Commander, der Hund von US-Präsident Joe Biden, hat weit öfter zugebissen als bisher bekannt. Mindestens 24-mal griff der Deutsche Schäferhund Agenten des US-Geheimdienstes an, wie CNN unter Berufung auf neue Dokumente berichtete.

Im Herbst war noch von zehn entsprechenden Vorfällen mit Personenschützern des Präsidenten die Rede gewesen, damals entschlossen sich Biden und seine Frau Jill, den Hund aus dem Weißen Haus zu verbannen und bei Verwandten unterzubringen.

Commander, der ehemalige Hund von Joe Biden
IMAGO/MediaPunch/Cnp /

Die Dokumente wurden durch Anträge auf Informationsfreiheit aufgedeckt. Aus den Dokumenten geht hervor, dass es zwischen Oktober 2022 und Juli 2023 mindestens 24 Bissverletzungen gab, darunter Bisse in das Handgelenk, den Unterarm, den Ellbogen, die Taille, die Brust, den Oberschenkel und die Schulter von Mitarbeitern des Secret Service.

Auch andere Mitarbeiter gebissen

In den Dokumenten werden nicht unbedingt alle Bissvorfälle im Zusammenhang mit Commander erfasst, da sie sich nur auf den Secret Service beziehen, nicht aber auf andere Mitarbeiter des Weißen Hauses oder auf Mitarbeiter in Camp David in Maryland.

In einer Erklärung des Büros der First Lady Jill Biden gegenüber CNN hieß es, man habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Problem in den Griff zu bekommen, habe aber im Herbst aufgegeben und den Hund zu Verwandten geschickt.

Bissiger Vorgänger

Commander kam im Dezember 2021 als Welpe ins Weiße Haus, ein Geburtstagsgeschenk von Bidens Bruder James. Anders als Ex-Präsident Barack Obama, dessen Portugiesische Wasserhunde Bo und Sunny immer als ausgesprochen freundlich galten, hat Biden weniger Glück mit Hunden: Commanders Vorgänger Major, auch ein Deutscher Schäferhund, biss ebenfalls Mitarbeiter des Secret Service und wurde aus Sicherheitsgründen zu Familienfreunden der Bidens gebracht.

Lifestyle

Die Zahl der Scheidungen in England und Wales ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 50 Jahren gesunken. In den beiden britischen Landesteilen habe es im Jahr 2022 rund 80.000 Scheidungen gegeben, teilte das nationale Statistikamt heute mit. Das sei fast ein Drittel weniger als im Jahr davor und der niedrigste Wert seit 1971.

Der Nachrichtenagentur PA zufolge halten es Fachleute für denkbar, dass gestiegene Lebenshaltungskosten eine Rolle spielen könnten. Eigentlich sei ein anderer Trend erwartet worden, weil neue Vorgaben dabei helfen sollen, sich einvernehmlicher zu trennen. Im Gegenzug gilt aber auch eine bestimmte Wartezeit, auf die das Statistikamt hinwies. Der Rückgang könne zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass es nun länger dauere, bis Scheidungen rechtskräftig würden.

Eine Juristin einer Londoner Anwaltskanzlei sagte PA, Fachleute für Familienrecht hätten erwartet, dass die Zahl der Scheidungen steige. Sie wertete höhere Lebenshaltungskosten als möglichen Grund für den Rückgang. Eine Juristin einer anderen Kanzlei nannte ebenfalls allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit als Faktor. In England und Wales leben Schätzungen des Statistikamts zufolge mittlerweile weniger als die Hälfte der Menschen, die älter als 16 Jahre sind, in Ehen oder eingetragenen Partnerschaften.